C64 in der DDR -- Zeitungsartikel


  • He-Man
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  • C64 in der DDR -- Zeitungsartikel

    Hier ein Artikel über den C64 in der DDR und über den Umgang der Stasi damit aus der Zeit, der neulich erschien.

    zeit.de/digital/games/2018-11/…hung-gamer-szene-computer

    Lustig darin auch, wie die Stasi die Games benannte. Zum Beispiel: Samantha Fuchs-Entkleidungspoker :bgdev

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  • He-Man schrieb:

    Lustig darin auch, wie die Stasi die Games benannte.
    Aufgeblähte Drossel.
    Zeitungsjunge.
    Moorpfeifen.
    Der Bomben-Jack.
    Die nicht endende Story 128K.
    Düsensteller Willy.
    Kariertes Fähnchen.
    Maximale Lichtehöhe.
    Orbitter. (sic)
    Sabel Wulf.
    Schlimme Dinge passieren.
    schlüpfrig rutschig.
    Superbowl (Riesenschüssel).
    ...

    :lol27: Ohne Worte...

    Ja, der liebe Klassenfeind...
  • C64 für 2000Ostmark im A&V. Natürlich wahnsinnig viel Glück damals. Ich würde den Artikel als lustige Geschichte lesen, nicht als Doku oder Beschreibung des damaligen Zustands.

    Das Manko der Ostrechner war in erster Linie, dass sie nicht für Privatleute verfügbar waren.
    Wissen ist das einzige Gut, das sich beim Teilen vermehrt. Also seid vorsichtig damit!
  • Moin,
    habe gerade eine GEO-Epoche über die DDR gelesen.
    Da passt der Artikel gerade recht.
    Habe Verwandschaft bei Wismar.
    Ich kann mich noch gut an die Grenzüberquerungen mit Zwangsumtausch und Reisepässen auf diesem lustigen Förderband erinnern.
    Am Grenzposten lief gerade "Besuchen Sie Europa, solange es noch steht" im Radio.



    Ich forderte meinen Pappa auf lauter zu drehen, hat er aber lieber gelassen.
    Da war gerade das Wettrüsten mit Persching II und SS-20 am köcheln.

    Dann mußte man zuerst zur Kommandatur fahren und sich da melden.
    Opa, Vater und ich standen da stramm in einer Reihe vor einer Beamtin in Uniform.
    Die hatte die Pässe einkassiert und fragte wer von uns Voss heißt.
    Da unsere Dreierreihe die letzten drei männlichen Generationen der Familie Voss darstellte,
    war die Antwort ja leicht: Alle.
    Irgendwie hat die Tante das nicht kapiert und wurde nach dreimahliger Nachfrage echt sauer und laut.
    Die dachte wirklich, wir würden sie veräppeln. Loriot lässt grüßen.
    Als wir wieder auf der Straße waren, konnten wir endlich loslachen.

    Ein späterer Kollege von mir kommt aus Sachsen. Der hatte damals einen PLus/4.
    Wegen dem schwankendem Stromnetz ist das Netzteil durchgeknallt und der Rechner wohl auch.

    Sehr interessanter Bericht jedenfalls.
    Danke!
    Keyboard not found. Press F1 to continue. :böse

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  • eisdielenbiker schrieb:

    6500 Ostmark für einen C64 war aber 1988 recht teuer, oder schon mit Floppy. Mein Plus4 ohne Floppy kam 2 Jahre zuvor knapp 4000 Ostmark.
    Da der Erwerb ausser im Intershop nur von privat oder dem An- und Verkauf möglich war, folgen die Preise dem kapitalistischen Prinzip (OMG!!!!!!!) von Angebot und Nachfrage. Von daher war zwischen 2000 und 10.000 Ostmark bestimmt alles möglich.

    Die Übersetzungen sind der Hammer und unglaublich, aber leider wahr. Das war der allumfassende Drang sämtliche Bezeichnungen zu Ent-Amerikanisieren...
  • Lichtmichel schrieb:

    Da der Erwerb ausser im Intershop nur von privat oder dem An- und Verkauf möglich war
    Das stimmt so nicht ganz. Es gab auch andere Wege. Je nach dem.

    Mein C64+Datsette1530+2 Joysticks z. Bsp. kam ´87 direkt von Aldi unter den Ostdeutschen Weihnachtsbaum geflattert. Mein Vater war damals schon Rentner und konnte problemlos hüber und nüber. Er konnte bei Westberliner Museen ein paar gewinnbringende Geschäfte mit selbst angefertigten kulturhistorischen Zinnfigurdioramen machen und so meine "Computersucht" finanzieren. :D ´88 kam dann noch ein OC118N und eine FCIII dazu. Meine Welt war da noch in Ordnung. :rolleyes:

    Mit der Stasi gab´s aber eigentlich keine Probleme, wenn man sich im Groben an die Spielregeln gehalten hat. :whistling:
  • He-Man schrieb:

    Hier ein Artikel über den C64 in der DDR und über den Umgang der Stasi damit aus der Zeit, der neulich erschien.

    zeit.de/digital/games/2018-11/…hung-gamer-szene-computer

    Lustig darin auch, wie die Stasi die Games benannte. Zum Beispiel: Samantha Fuchs-Entkleidungspoker :bgdev
    Die DDR stand auf Kriegsfuß mit ausländischen / englischen Begriffen.
    Da wurde von staatlicher Seite alles mögliche eingedeutscht.

    Es entstanden zum Teil völlig merkwürdige Begriffe:

    - Ein Diskjockey (DJ) hieß in der DDR: Schallplattenunterhalter
    - Leute, die Skateboard fahren, waren "Rollbrett-Fahrer"
    - Hotdogs wurden in Ost-Berlin als "Ket-Wurst" verkauft

    ... und es machte auch vor der Computer-Welt nicht halt:

    - dBase II hieß in der DDR "ReDaBAS" (Relationales Datenbanksystem)

    Zudem war es auch noch eine dreiste Raubkopie ... :D
  • Einspruch:

    Ket-Wurst würde nur ein Banause mit nem Hotdog gleichsetzen. Leider waren die Ket-Wurst-Stände rar (zumindest im abgelegenen Teil der Republik). Und zum Eindeutschen der Begriffe: der Kontakt zwischen "denen da oben" und dem Volk war damals auch nicht viel besser als heute... anders ausgedrückt: was da an Vokabular festgelegt wurde hatte kaum praxisrelevanz und diente damals schon der Erheiterung und Verwunderung ("geflügelte Jahresendfigur").

    ReDaBas, SCP, U880 & co... ReDaBas war immerhin ehrlicher als dBase II :bgdev
    Wissen ist das einzige Gut, das sich beim Teilen vermehrt. Also seid vorsichtig damit!
  • Tale-X schrieb:

    Ket-Wurst
    War klasse ! :thumbsup:
    Ich mochte die als "Westberliner" ebenso gerne essen wenn ich in der Hauptstadt der DDR zu Besuch war,wie bei uns im" Westen" die Curry Wurst oder ein hot-dog .
    Die Ket-Wurst erinnerte mich etwas an die anfang der 70er Jahre erstmals von mir gegessene "Merguez" in Südfrankreich
    wobei diese wesentlich schärfer und aus Lammfleisch war und mit diesem aufgespiesten Brötchen an Ständen angeboten wurde.
    Ebeso ungewöhnlich aber trotzdem lecker war die Krusta,sozusagen die DDR Pizza,also mir hat sie die wenigen male die ich sie gegessen habe prima geschmeckt, es war glaube ich diese Teufels-Krusta.
    "Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, daß das, was wir Wirklichkeit getauft haben,
    eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes."
    Salvador Dali (1904-1989)
    Avatar: Copyright 2015 by Saiki
  • olly schrieb:

    Das stimmt so nicht ganz. Es gab auch andere Wege. Je nach dem.
    Neben den von dir erwähnten Rentnern, dürfte Genex ein weiterer Weg gewesen sein.


    Lichtmichel schrieb:

    [...] folgen die Preise dem kapitalistischen Prinzip (OMG!!!!!!!) von Angebot und Nachfrage.
    War doch beim Gebrauchtwagenmarkt in der DDR nicht anders. Soweit ich weiß, gab es da so einiges an Gebrauchtautos teurer zu kaufen als neu. Aber das ist ja kein Kunststück, denn die gebrauchten Autos waren ja sofort verfügbar. :) Und das alles mit Duldung "von oben".


    Lichtmichel schrieb:

    Das war der allumfassende Drang sämtliche Bezeichnungen zu Ent-Amerikanisieren...
    Weil Englisch lediglich in "Amerika" gesprochen wird? Bekannt war in der DDR z.B. auch die Berufsbezeichnung Dispatcher, kam wimre auch im Film Good Bye, Lenin! vor. Laut Wikipedia stammt das Wort lustigerweise allerdings einer Fremdwortentlehnung aus der russischen Sprache.


    tilobyte schrieb:

    Die Mehrheit konnte kein Englisch, was zu meiner Zeit nur ein freiwilliges Wahlfach neben Französisch war.
    Meine Eltern sind nicht gerade jung (beide vor DDR-Gründung geboren), hatten aber beide als zweite Sprache nur die Möglichkeit für englisch. In meiner Schule gab's zu DDR-Zeiten auch nur englisch als zweite Sprache.


    tilobyte schrieb:

    Kennt das noch jemand? English For You :D
    War mir bis eben unbekannt. Als Knirps in den 80'ern habe ich aber gerne mal das DDR-Bildungsfernsehen für englisch angeschaut. Da war so ein bärtiger Brite mit lustigem Akzent. :)


    Gree schrieb:

    Die DDR stand auf Kriegsfuß mit ausländischen / englischen Begriffen.
    Da wurde von staatlicher Seite alles mögliche eingedeutscht.
    So wie auch das aus dem Französischen entlehnte Wort Informatik (statt "computer science") nur in der DDR gebräuchlich war. :] Dummerweise wird das heute in der Regel aus englischsprachigen Werken fast immer sozusagen falsch rückübersetzt.


    Tale-X schrieb:

    Ket-Wurst würde nur ein Banause mit nem Hotdog gleichsetzen.
    Vor allem - wo soll da die Eindeutschung sein? Zumal (wieder laut Wikipedia) der Wortbestandteil "Ket" von dem pösen amerikanischen Wort Ketchup kommt. :D


    Sierohpätsch schrieb:

    Tale-X schrieb:

    Ket-Wurst
    War klasse ! :thumbsup: Ich mochte die als "Westberliner" ebenso gerne essen wenn ich in der Hauptstadt der DDR zu Besuch war,wie bei uns im" Westen" die Curry Wurst oder ein hot-dog .
    Ich erinnere mich noch an meine erste "West-Wiener". Das war in West-Berlin (West-Berlin!) und ich schmeckte den Geschmack von Freiheit. Vielleicht lag's nur am Senf oder ich verwechsele das gerade mit meiner ersten Marlboro? :) Naja, egal. Heute würde ich weder Würstchen noch Tabak anrühren.


    Gree schrieb:

    dBase II hieß in der DDR "ReDaBAS" (Relationales Datenbanksystem)

    Zudem war es auch noch eine dreiste Raubkopie .. :D
    Ähem, darum musste man dem ja auch mit anderem Namen den Anschein einer eigenständigen Leistung geben.

    MS-DOS? Was ist das denn? Ich sag nur DCP is teh shit ;)


    Sierohpätsch schrieb:

    Ebeso ungewöhnlich aber trotzdem lecker war die Krusta,sozusagen die DDR Pizza,also mir hat sie die wenigen male die ich sie gegessen habe prima geschmeckt, es war glaube ich diese Teufels-Krusta.
    Nie gehört. Wikipedia hat da aber wieder mal was. Sonst kenne ich nur noch Grilletta ("DDR-Hamburger").


    Und jetzt aber mal zum eigentlichen Artikel. Zwei ganz offensichtliche Fehler sind mir da aufgefallen: Zum einen unterlag der C64 (wie auch andere Heimcomputer) eben nicht dem Handelsembargo. Und zum anderen war in der DDR kein (wie im Artikel bei der Erwähnung von DFÜ über Telefonie impliziert) Selbstwählverkehr ins NSW möglich, wobei ich hiermit die DDR bis 1989 meine. Mag natürlich sein, dass nach der Wende, aber vor der Vereinigung von DDR und BRD, das Telefonieren DDR -> BRD ohne Vermittlung schon möglich war.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von -trb- ()

  • Lynx(TRIAD) schrieb:

    He-Man schrieb:

    Lustig darin auch, wie die Stasi die Games benannte. Zum Beispiel: Samantha Fuchs-Entkleidungspoker :bgdev
    Hätte auch Google Übersetzer sein können :roll2:
    Du meinst правда переводчик? ;)


    Heute hatte ich da noch eine Idee, wie man vielleicht tatsächlich Daten ohne (Grenz-)Kontrolle vom Westen in die DDR hätte bringen können, statt von der im Artikel fabulierten telefonischen DFÜ. Für Telefon hätte man da schon direkten Zugriff auf die Vermittlunhstechnik gebraucht, um selbst eine Nummer anwählen zu können. Erst recht per Computer.

    Anders sieht es dagegen bei DFÜ per Funk aus. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie groß reell da die Reichweite ist. Als einzig praktikabler Ort wäre vermutlich auch nur Berlin in Frage gekommen, da räumlich nah und weil dort vielleicht auch Frequenzen nicht so ohne weiteres hätten gestört werden können, um eine Übertragung zu verhindern. Ist da jemandem etwas bekannt, ob DFÜ per Funk in der DDR überhaupt ein Thema war?