Tramiel als Visionär in diese Reihe zu stellen halte ich für sehr gewagt. Jack Tramiel war nach meinem Eindruck kein Technik-Pionier, sondern ein Geschäftsmann
So sehe ich das auch – vollkommen wertfrei. Das wurde hier schon als Beleidigung empfunden – aber so ist das von mir nicht gemeint. Auch früher™ wurden manche IT-Firmen von richtigen Geschäftsmännern geleitet. Jack Tramiel hat nichts erfunden oder entwickelt. Und er hatte auch keine technischen Ideen/Visionen. Er wusste, was sich gut verkaufen lässt, wenn er es sah – und lag eine ganze Zeit lang damit richtig. Und irgendwann verließ ihn sein Gespür oder es fehlte das Geld (was an vorherigen Fehlentscheidungen lag) oder die Konkurrenz war schlicht zu stark.
Aber ich glaube nicht, dass Jack vor dem ersten produzierten PET oder C64 saĂź und begeistert erste Basic-Programme eintippte oder ein Commodore Spielmodul ein paar Stunden gespielt hat und leuchtende Augen dabei bekam (so wie wir Kunden).
Ich halte Tramiels Fokus auf möglichst geringe Kosten eher im Gegenteil für einen der Gründe für Commodores allmählichen Abstieg: MOS Technology war zum reinen Lieferanten günstiger Chips für CBM degradiert worden
Man kann diese Strategie erfolgreich fahren. Es wird gesagt, dass z.B. durch Krisen die Billigheimer (Aldi) und Premium-Anbieter (Rolex) am besten durchkommen und die (mehr oder weniger gesichtslose/beliebige) Mitte/Masse am Ehesten wegbricht.
Nur gab es zu der Zeit, in der es für Commodore wirklich eng wurde, die ersten Billiganbieter von IBM-Clones. Und gegen die kam preislich keine westliche Markenfirma mehr an. Das Problem bei "billig" ist: Es gibt meistens jemanden, der "billig" noch besser kann als man selbst. Und das einzige Gegenmittel ist dann, noch billiger zu werden – bis man es sich nicht mehr leisten kann.
Und in Spitzentechnologie hat Commodore nur selten investiert. Der C64 (1982) war so ein Fall. Für seine Zeit und auch im Verhältnis zum Vorgänger war das ein großer Sprung, was man z.B. vom VC20 nicht behaupten kann (trotzdem hat er sich gut verkauft). Aber es fehlte danach einfach die Kontinuität. Der C64-Nachfolger C128 verkaufte sich auch ordentlich – war aber keine technische Innovation (80 CPS, Z80 und 128K gab es anderswo (Apple, Amstrad ...) auch). Erst mit dem Amiga 500 (1987) hatte Commodore einen zweiten großen Erfolg, der auch auf einem gewissen technologischen Vorsprung (in der Preisklasse und für Zuhause) basierte. Aber dann war wieder die Luft raus und Verbesserungen erfolgten eher gemächlich. Bei Tramiels neuer Firma, Atari, war das auch nicht so viel anders.
Selbst, wenn hier kein einziger jemals selbst einen Computer erschaffen haben sollte, so sollen wir doch schlieĂźlich die Zielgruppe sein; er baut das Teil ja nicht fĂĽr sich allein. Und "friss oder stirb" funktioniert insbesondere in diesem Bereich nicht.
Richtig. Zum einen können wir uns hier als potentielle Konsumenten äußern, zum anderen aber auch als Fachleute in bestimmten Bereichen. Hier gibt es Coder, Grafiker, Musiker und andere, die sich mit Spiele/Software-Entwicklung beschäftigen – und das z.T. seit Jahrzehnten. Hier sitzen also nicht nur nur Nörgler, sondern professionelle Nörgler! 
Die Diskussion die hier zum gefühlt 80zigsten male statt findet ist die, das es permanent heißt zu viele Farben, zu hohe Auflösung und zu schnelle CPU.
Wenn man all diese Dinge nicht will, wozu dann was neues ?
Die Frage ist doch eher: Ist das neu, was die ganzen Retro-Computer anbieten? Von den Multimedia-Eigenschaften deckt sich das doch ziemlich genau mit den Eigenschaften der ersten bis zweiten Generation von 16-Bittern. Sowas wie 640 x 200 bis 640 x 480 Pixeln (oder noch mehr) bei 64 (oder noch mehr) Farben (aus einer größeren Palette) kennen wir doch von Amiga, STE/Falcon, Macintosh II oder DOS/EGA/VGA. Was ist daran neu? Dass das auch mit 8-Bit (und dafür hochgeschraubten Megahertzen) geht?
Die Triple-A Games werden wie Amiga-Spiele oder besser aussehen und sich auch so anfĂĽhlen. Und die Nicht-Highend Games (z.B. fast alle, die in Basic geschrieben wurden) werden wahrscheinlich einen sehr sehr deutlichen Abstand dazu haben.
Ich kann nach wie vor die VIC-2 Modes nutzen. Kann dennoch die Farbpalette ändern. Die CPU schraub ich auf 1 MHz runter.
Nur ich komm auf das selbe Ergebnis: Ich sehe den Sinn nicht. Ich kann dann natĂĽrlich ein Spiel programmieren, das dann dezent besser aussieht als auf dem 64er.
Aber das soll dann der Systemseller oder die Killer App sein ?
Aber siehst du die bei Spielen, die so aussehen, wie Amiga- oder frĂĽhe PC-Games?
Man darf die damalige Zeit nicht mit der heutigen verwechseln. Natürlich gierten wir alle nach mehr Performance, mehr Pixeln, mehr Farben und mehr Tonkanälen. Aber wir bekamen sie letzten Endes auch – mit der nächsten Generation von HC/PCs. D.h., wir hatten das alles schonmal: Aus 160 px wurden 320 px wurden 640 px wurden 800 px wurden 1024 px wurden 1280 px wurden 1920 px usw.
Warum also das ganze Spiel nochmal machen? Meinst du, es wĂĽrde etwas Neues entstehen, wenn ein Retro-Computer wieder auf 640 x 480 px setzt? Das gab es doch schon. Das ist VGA-Grafik.
Und mit den besseren Basic-Befehlen oder der höheren Performance lässt sich sich die eine oder andere Demo-App auch in Basic realisieren – trotzdem kommt man recht schnell an die Grenzen, die es auch schon in den 80ern gab: Wenn man wirklich etwas professionell wirkendes erschaffen will, muss man doch wieder auf Assembler umsteigen. Egal, wie viel die neue Hardware und die neuen Befehle aus Basic herausholen – in Assembler liefe es doch 20 Mal schneller.
Assembler wird sich aber nur ein Bruchteil der Programmierer antun wollen, womit wir wieder dort ankommen, wo wir immer waren: 10 Hardcore-Coder schreiben tolle Games fĂĽr 500 User.
Eigentlich kaufen sich doch viele Kunden (früher wie heute (bei Retro-Computern)) einen Homecomputer, um darauf selbst etwas zu erschaffen. Und früher (da ging es technisch nicht anders) wie heute wird einem das eigentlich zu schwer gemacht, was den Großteil dann (nach einigen Versuchen) doch zu reinen Konsumenten von Software macht. Nicht falsch verstehen – grundsätzlich war das damals genau die richtige Entwicklung und Voraussetzung für die PC-Revolution – aber in diesem speziellen Fall möchte man eigentlich das Rad zurückdrehen und (nochmal) das Gefühl haben, das ALLES möglich ist (nur eben einfacher als früher, weil alle weniger Zeit haben).
Also kurz: Mehr Pixel (als beim C64) gab es schon! Mehr von allem anderen auch. Heutzutage (wenn man wirklich was "Neues" will) will man also eigentlich nicht "mehr" – sondern "anders". ICH erwarte bei einem neuen (Retrostyle) Homecomputer eigentlich keinen 8-Bit-Amiga oder PC mit VGA-/SB-Karte oder Apple IIGS-Wannabe.
Cooler fände ich nach wie vor: Hart eingeschränkte, typische/markante, Multimedia-Eigenschaften (trotzdem noch attraktiv) – dafür aber deutlich vereinfachte Erstellung derselben (mit Fokus auf Games). Und das Ganze als Einheit in einem Stück (zu einem günstigen Preis): Kaufen, Auspacken, Einschalten, Lostippen, Erfolge teilen, Spaß haben.
Aber darauf wird man wohl weiterhin warten/hoffen müssen – oder man hat halt Spaß mit den echten alten Kisten. Wenn einem der C64 zu schwach ist, kann man (heutzutage) ja den Amiga/ST/IIGS/68K-Color-Mac hernehmen oder auf DOS und VGA/SB setzen.