Beiträge von ZeHa im Thema „Fortnite Hype - der ultimative Taschengeld Killer“

    Der Punkt ist erstmal, als Programmierer sollte man zuallererst begreifen was z.B. Schleifen sind, If-Abfragen, und solche Dinge. Und ein Gefuehl dafuer bekommen, wie man ein Programm schreibt. Voellig unabhaengig davon, ob man das jetzt im High-Level- oder im Low-Level-Bereich macht. Auf dem C64 hast Du bestimmt auch mit BASIC angefangen und nicht gleich mit Assembler. Dazu kommt, dass heute die meisten Programmier-Aufgaben im High-Level-Bereich angesiedelt sind und es tatsaechlich fuer viele Dinge ausreicht, wenn man das kann. Einiges lernt man dann trotzdem so nebenbei, je nach Interesse.

    Hier hat nun aber einer geschrieben, seine Kinder lernen gerade ihre ersten Programme zu schreiben. Du weisst ueberhaupt nicht, wie weit die sind, was die genau machen, welche Sprache sie verwenden, etc etc etc. Vielleicht machen die das erst seit 2 Wochen und merken in 2 weiteren Wochen dass sie lieber Skateboard fahren wollen und Programmieren nicht ihr Ding ist. Da jetzt schon drueber zu urteilen, ob das jetzt zu weit weg vom blanken Metall ist, das finde ich halt etwas arg weit hergeholt. Das ist wie wenn einer sagt, meine Kleine hat gerade eine Bloeckfloete bekommen und Du fragst dann, bringst Du ihr aber schon noch bei aus wie vielen Saetzen eine Sonate aufgebaut ist und wie der Bass-Schluessel zu lesen ist.

    Natuerlich gibt es Vorteile von Datentraegern. Es gibt aber auch Dinge, die kaufe ich tatsaechlich nur noch "virtuell". Was soll ich mit einer CD oder einer Vinyl-Scheibe, wenn ich Musik eh nur am Rechner, auf dem Handy oder im Auto hoere (mit USB-Stick). Ich weiss, das Argument ist unbeliebt, aber mal ehrlich, so konsumiere ich zu 99.9% meine Musik, und da ich regelmaessig Backups von meinen mp3s usw mache, habe ich auch keine Angst, dass mir diese irgendwann nicht mehr "gehoeren". Selbiges gilt fuer C64-Downloads, da habe ich auch schon ein paar mal virtuell gekauft, wenn ich die Schachtel nicht unbedingt brauche. Natuerlich sind Datentraeger was schoenes und es kann toll sein, etwas echtes in der Hand zu haben, aber man muss auch teilweise mal einsehen wie man die Dinge dann wirklich konsumiert oder verwendet. Das mag nicht fuer jeden gleichermassen zutreffen, aber ich persoenlich bin bei vielen Dingen eigentlich froh, dass ich das auf digitalem Wege haben kann.

    Und wenn ich z.B. ins Kino oder in ein Konzert gehe, dann zahle ich auch fuer etwas, was ich hinterher nicht mehr in der Hand habe. Ob ich nun einen Film im Kino fuer 9 Euro anschaue, oder ob ich den online fuer 2.99 streame oder sowas, waere fuer mich prinzipiell nicht so ein wesentlicher Unterschied - in beiden Faellen ist das ein einmaliges Vergnuegen, aber wenn ich den Film eh nur ein oder zweimal gucke, dann brauche ich auch keine DVD fuer 15 EUR ins Regal zu stellen. Oder die Tageszeitung - wenn man denn unbedingt eine abonnieren will. Die wandert doch eh ins Altpapier, also ist es doch wurscht ob man die jetzt digital abonniert oder auf Papier.

    Ich denke vieles was Datentraeger usw angeht ist auch Relikt und Gewohnheit. Klar kann eine stolze Plattensammlung was beeindruckendes sein. Aber sie kann auch verstauben und beim Umzug fuer Rueckenschmerzen sorgen. Vielleicht sollte man auch mal die Vorteile von digitalen Inhalten erkennen, und nicht immer nur auf die Nachteile schimpfen oder sich zu sehr an die Vergangenheit klammern. Es gibt viele Dinge, die verklaert werden, die aber eigentlich auch nur Produkte des Zufalls oder des Kommerz waren/sind. Stellt euch mal vor, ihr waert in einer anderen Welt aufgewachsen. Stellt euch eine Welt vor, in der es ueblich ist, dass zuhause ein grosser Fernseher steht und dass man dort monatlich einen Preis zahlt fuer ein Streaming-Angebot. Und nachdem ihr das 30-40 Jahre lang so kennt, kommt auf einmal die Industrie auf die Idee, Filme in Kinos zu zeigen oder auf DVD fuer 15 EUR anzubieten. Da wuerdet ihr denen bestimmt auch den Vogel zeigen und sagen, wieso sollte ich mir sowas antun, wenn ich doch zuhause mein bequemes Streaming-Angebot habe.

    Es ist ein grundsaetzliches "Problem" und man kann das von vielen verschiedenen Blickrichtungen betrachten. Heute gibt es Fotos im Ueberfluss und man kommt nicht zurande mit dem ganzen Sortieren. Auf der anderen Seite findet man es oft schade, dass es von frueher keine Fotos von irgendetwas gibt. Ich persoenlich bin z.B. froh, dass 2 Fotos existieren, wie ich als Kind vor dem C64 sitze. Zum Glueck haben meine Eltern das damals festgehalten, und den Film nicht fuer "was wichtigeres" aufgespart. Es gibt sicherlich genug andere hier, die keine Kindheits-C64-Fotos haben, und die froh waeren, die Eltern haetten damals etwas mehr geknipst.

    Was die Sache mit dem Geld angeht, auch hier ist es, wie schon angesprochen, so, dass die Eltern das halt kontrollieren muessen. Mag sein, dass der Online-Kauf nur einen Klick entfernt ist, aber wieso hat das Kind oder der Jugendliche ueberhaupt ein entsprechendes Online-Konto mit dem Spiel verknuepft? An dieser Stelle hat man als Elternteil doch die perfekte Kontrolle drueber, das zu sperren oder gar nicht erst zu ermoeglichen. Das ist noch viel leichter zu kontrollieren als das Bargeld, das das Kind zum Suessigkeiten-Kiosk traegt.

    Es ist in meinen Augen eine Sache der Erziehung. Das sage ich jetzt aber mit Vorbehalt, denn ich habe selbst keine Kinder. Aber ich kann mich gut an meine eigene Kindheit erinnern und da wurde schon dafuer gesorgt, dass ich die Kohle nicht sinnlos verpulvere. Und wenn es doch mal passiert, dann muss das halt entsprechend bestraft werden, das ist ja auch Teil des Erziehungsprozesses. Am besten, indem sich das Kind selbst damit straft (weil die Kohle jetzt halt nicht mehr fuer etwas anderes zur Verfuegung steht).

    Das Argument "was in der Hand zu haben" kommt oft. Hast Du noch nie ein C64-Download-Spiel gekauft, oder ein mp3, oder ein digitales Zeitungs-Abo, oder einen Film online geliehen etc?

    Und die Tastenkappen hält bisher auch noch keiner in der Hand :anonym

    Der Punkt ist, ein Skin bedeutet Individualisierung. Am Anfang will wahrscheinlich noch keiner unbedingt seinen eigenen Skin haben. Wer das Spiel aber ne Weile spielt, der will das irgendwann vielleicht schon. Ist auch beim C64 so, am Anfang braucht wahrscheinlich keiner ein farbiges Gehäuse usw, aber wir alle wissen doch, dass hier irgendwann mehr Geld ins Hobby fließt als unbedingt nötig, und einige Ehefrauen scheinen das auch nicht weniger kritisch zu sehen als wenn das Kind Geld für Spiele oder Spielinhalte ausgibt. Wenn einer seinen C64 in ein eigenes, individuelles Gehäuse steckt, dann kann er damit genauso viel Freude haben, wie wenn ein Kind seine eigene, individuelle Spielfigur spielen kann in seinem Lieblingsspiel. Ich finde schon, dass das ein guter Vergleich ist, egal ob man da nun was "in der Hand hält" oder nicht.