Meinen C16 samt Datasette bekam ich vermutlich 1985/1986. Von meinen Eltern nach unablässigem Bitten, Betteln, Versprechen einer besseren schulischen Zukunft und was man den Eltern auch immer versprechen konnte, gekauft, da mein VCS 2600 mit Holzfurnier und vier Cartridges seine Zeit hinter sich hatte. Noch zu Zeiten, in denen der C64 für eine vierköpfige Familie mit geringem Einkommen bei bestem Willen nicht zur Diskussion stand, in der Frankfurter Karstadt-Filiale auf der Zeil gekauft, wo er in Paketen gestapelt im Erdgeschoß, zeilseitig rechts rein und bis auf etwa der Höhe der Rolltreppen, auf dem Weg zum hinteren Bereich feilgeboten wurde. Der nebenan angebotene C64 war aus Gründen unerreichbar.
Es war stets eine Mischung aus Enttäuschung und Begeisterung, mit der ich meinen ersten Computer und die Magazine, die ich auf dem täglichen Schulweg in der Straßenbahn an Haltestellen mit Zeitungsauslagen lange Zeit schon liegen sah, erforschen konnte. Der C64 und die 1541 regierte den Pausenhof und unser jugendliches Nachmittagsprogramm. Die Verkündung, man würde sich mit einem C16 in die Reihe der pubertierenden Topchecker einreihen können, erntete nur verschmitzt bis hämisches Lächeln auf den von beginnendem Bartflaum geprägten Gesichtern jener, mit denen man sehnsüchtig mitreden und tauschen, also endlich dazugehören, wollte.
Mit dem C16 und seiner Datasette war ich auf mich alleine gestellt, eine Adaption der C64 Listings in Happy Computer oder RUN war mit meinen Mitteln (Hand- und Data Becker Buch) selten zu schaffen. C16 native Listings waren rar und selten so verheißungsvoll, wie die oft fetziger oder seriöser wirkenden Angebote für den größeren C64. Sprites? Fehlanzeige. Wo immer ich BASIC Listings aller Art finden konnte, in der Stadtbücherei, oder bei anderen Besitzern exotischer Systeme, tippte ich diese geduldig ein, um fast immer von rätselhaften Syntax Errors enttäuscht zu werden, oder scheiterte auf der Suche nach Alternativen für unbekannte Befehle. In den wenigen freien Softwäreläden, die hin und wieder irgendwo auftauchten, gab es eine faszinierende Welt von Spieletiteln, allein die Reihe von Infocom Adventures mit ihrem ausgefeilten Design war der Heilige Gral, den ich bei Freunden mit 64er, mit Wörterbuch und vielen Fragezeichen im Kopf, hin und wieder spielen konnte. Für den C16 gab es kaum etwas, und wenn, wirkte es fad.
Die Nachmittag-Hang-Outs im Kaufhof, wo man sich traf und heimlich Sachen kopierte, oder wo einige wenige stolz ihre eigenen Programme oder Musiken (!) präsentierten, waren stets von einem Gefühl geprägt, nicht mehr als nur Zaungast sein zu können. Es war durchweg frustrierend mit dem C16, und sein dunkelbraun-beiges Äußeres erinnerte mich stets an
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Squirm und Berks sind die Spiele, an die ich mich mit Packung erinnern kann. Squirm faszinierte mich durch die geheimnisvoll wirkende, PETSCII- bzw. modifizierte Charset-Grafik. Berks wirkte dagegen grober, und insgesamt weniger attraktiv, weswegen ich mich noch heute sehr gemischt daran erinnere. Ein Sportspiel gab es noch, Daley Thompson irgendwas, was wenigstens halbwegs an den C64 erinnernde Grafik lieferte, dafür aber null Spielspaß. Kein Wunder, niemand mit C64 hatte Interesse, sich zum zocken bei einem C16 Besitzer mit drei Titeln und einer Reihe von Kassetten mit obskuren BASIC Programmen zu verabreden. Die Musik wirkte furchtbar archaisch und plump, während die Demos auf dem C64 sich gegenseitig in ihrer Virtuosität überboten. Demos für den C16? Fehlanzeige.
Als ich das Angebot bekam, einen Atari 800 XL mit Diskettenlaufwerk (!) nebst umfangreicher Spielesammlung günstig zu erstehen, wurde der verhasste C16 nach vielleicht ein bis zwei Jahren in den Keller verbannt, von wo er bei einem der folgenden Umzüge seinen Weg in den Hausmüll fand … das Teil wollte keiner geschenkt haben. Mit dem 800 XL bekam die ganze Heimcomputerei endlich einen Sinn und man konnte sich endlich unter Gleichen treffen, reden und kopieren, bis das Taschengeld für Disketten um zwei Monate voraus ausgegeben war … und dann ging's mit der Pubertät ohnehin richtig los.