Posts from 1570 in thread "Welche Linux Distro benutzt ihr?"

    Ja klar, so argumentiere ich ja durchaus auch. "Unix-Philosophie: Kleine Tools werden zu großen Anwendungen kombiniert" ist da nur etwas irreführend, denn aus cp/find/tar und Konsorten baut man schließlich keine ernsthaften Anwendungen, sondern eben nur praktische (handgeklöppelte) Skripte; und das man daraus irgendwas mit GUI macht, dürfte auch eher die absolute Ausnahme sein...

    Du hast völlig recht, dass das alles angenehm stabil über die Jahre ist: Z.B. ist mir ein bash-Skript zum Einrichten eines neuen Servers allemal lieber als ein hippes Puppet- oder Ansible-Skript, bei dem man fest davon ausgehen kann, dass sich die Semantik einiger Konstrukte beim nächsten Release der Plattform mal wieder leicht geändert hat.

    Was Skripte angeht, soll bei Windows wohl u.a. WSL und PowerShell in die Bresche springen. Wobei sich Windows mit dem Defizit grundsätzlich in "guter" Gesellschaft befindet, denn auch macOS oder sogar Solaris etc. ist ja nur mit den mitgelieferten Tools eher nicht zu gebrauchen (= niemand, der ernsthaft die Konsole benutzen will, gibt sich mit dem zufrieden, was man da von Haus aus vorfindet)...

    Das schöne an der UNIX/Linux Konsolen Philosophie ist ja gerade das atomistische. Ein Tool für eine scharf umrissene, relativ kleine Aufgabe, die es aber hervorragend erledigt und was in Kombination mit anderen Tools richtig mächtig werden kann, woraus man andere, tolle Tools schaffen kann. Die Mächtigkeit kann man dann wegen mir gern in ein GUI-Tool gießen, das wegen mir auch gern im Hintergrund einfach nur diese Tools nutzt. Warum nicht?

    Was macht das denn schon wirklich genau so und benutzt nicht etwa Libraries? Mir fällt da gerade mal das typische CD/DVD-Brennprogramm ein bzw. die Audio-CD-Auslese-Software oder LyX oder (und da wird's schon obskur) Denemo. Und bei allen diesen Anwendungen ist dieser Ansatz die Seuche. Ständig funktioniert irgendwas nicht, weil z.B. das benutzte Backend-Tool in einer anderen Version vorliegt als erwartet oder das Backend-Tool für Fehlerfall X gar nicht das passende Signaling eingebaut hat oder Funktionalität Y nicht eingebaut werden kann, weil kein Informationsfluss in die nötige Richtung vorgesehen ist.

    Schnittstellen sind eben schwierig.

    Der "viele kleine Executables"-Ansatz macht auch, dass die Tools dann schlecht integriert werden, denn "das andere Tool ist ja nicht mein Job". Sieht man auch schön beim Feld der 3D-Drucker: Was man da nicht alles machen könnte, wenn CAD-Programm, Slicer und G-Code-Feeder richtig integriert wären. Sind sie aber (meist) nicht, und so ist das alles unflexibel und fehleranfällig.

    Gerade mal in mein pstree geschaut, da sehe ich jetzt gerade gar nichts, was wirklich eine Kombi aus mehreren einzelnen Executables wäre...

    Also ich zumindest habe es bei Dingen, die ich tun muss, möglichst bequem. Und da gehört die Kommandozeile nicht dazu.

    Na das kommt ja nun voll auf die Sache an, die man machen will. Natürlich wählt man z.B. visuell 10 aus 1000 Bildern zum Umkopieren nicht per Kommandozeile raus. Andererseits ist z.B. sowas wie "Alle Bilder, die aus letztem Monat sind (außer Thumbnails) aus allen Unterverzeichnissen ohne Kompression in eine ZIP-Datei packen und danach mit GPG verschlüsseln/auf den Webserver kopieren und URL in Clipboard packen" per Kommandozeile super-einfach (oder "Erinnere mich in zwei Jahren dran, den Perso zu erneuern". Oder "Sag mir bescheid, wenn sich Website X verändert hat". Oder "Mach täglich eine Sicherheitskopie der Dateien X auf Netzwerk-Share Y"). Da tun mir dann die Leute leid, die sich für sowas durch ach-so-benutzerfreundliche grafische Tools quälen, "mit einfachen 50 Klicks, bei denen kein Fehler passieren darf" und die am besten noch Geld kosten, ja klar. Oder Leute, die Server nur per GUI/VNC et al administrieren können/wollen. Man kann sich das Leben auch mit Anlauf schwer machen.

    Letztendlich hat auch noch kein Computer von mir unter keinem Betriebssystem ganz ohne Öffnen der Motorhaube funktioniert. Windows 10? Da lief der anscheinend höchst ungewöhnliche Standard-AMD-SATA-Controller nicht 100%ig. 30-Sekunden-Hänger ca. drei Minuten nach dem Hochfahren, weil Energiesparmodi im Treiber buggy waren. Lösung: In der Registry (Wie startet man denn diese Woche regedit? Ahja. Bastel. Klick, klick, klick, frickel, frickel, so einfach und toll "grafisch"!) einen Key hinzufügen und den SATA-Energiesparmodus abschalten. Wäre unter Linux ein "sudo echo irgend.ein.key=0 > /etc/sysconf.d/sata.conf" gewesen. Das kann ich hier eben so hinschreiben, ganz ohne Youtube-Video zur Erklärung und ohne auf fünfzig OS-Varianten eingehen zu müssen! Aber Konsole ey, voll die Raketenwissenschaft.

    Um zum Thema zurückzukommen: Hat mal jemand mit Qubes OS experimentiert? Z.B. Please login to see this link. liest sich ja ganz interessant, und vor allem ist das nicht wie die meisten anderen Distributionen letztendlich nur anderes Skin und/oder anderer Paketmanager.

    Einmal gelernt, für ewig sinnvoll.

    Das schafft keine graphische Oberfläche, schon gar keine kommerzielle, die jedes Jahr auf die neueste Mode umgestrickt wird.

    Das ist richtig. Dafür kann ich aber mit einer grafischen Oberfläche spontan ein Programm bedienen, das mir völlig unbekannt ist. Das wird dann mit der Kommandozeile schwierig ;).

    Ich bezog mich auf die häufige panische generelle Angst vor der Kommandozeile, nicht dass man alles per Kommandozeile machen soll.

    Wenn man mal cd/ls/chmod/rm/chown/find/less und ein klein wenig Piping gelernt hat, ist man ja eigentlich weitgehend mit den "niedrighängenden Früchten" durch, und das Wissen dafür passt auf was, ein, zwei DIN A4-Seiten?

    funktioniert Youtube bis 1080p einigermaßen flüssig

    Youtube liefert je nach Browser auf Client-Seite andere Formate aus. Dein Notebook wiederum kann insbesondere mit einer alten Grafikkarte nicht alle Formate gleich effizient darstellen und muss evtl. auf (viel) CPU-Support zurückfallen (insbesondere Googles Lieblinge VP8/VP9 gehen nur auf relativ aktueller Hardware gut). Youtube ist also ein recht schlechter "Benchmark". Z.B. mit dem Plugin "h264ify" kann man da u.U. was drehen. (ob das speziell bei der Radeon Xpress 1100 was hilft, k.A., ausprobieren...)

    man hat mit der Kommando-Zeile keine Dates mehr

    Ich finde es ja komisch, wenn ein C64ler sowas sagt. Hast Du den C64 nur per FC3-Menü bedient oder wie? ;)

    Der Punkt ist tatsächlich der gleiche wie beim C64: So wie LOAD"*",8,1 auch heute noch funktioniert, benimmt sich Bash heute immer noch weitgehend so wie 1989. Einmal gelernt, für ewig sinnvoll.

    Das schafft keine graphische Oberfläche, schon gar keine kommerzielle, die jedes Jahr auf die neueste Mode umgestrickt wird.

    Hättest du Gentoo benutzt, wäre Dir zumindest Systemd erspart geblieben ;)

    systemd-Gebashe hat doch inzwischen echt nen Bart, zumal sogar FreeBSD-Entwickler sagen, dass ihnen sowas wie systemd fehlt: Please login to see this link.

    Klar hat auch systemd Bugs, aber die alten Skriptsammlungen waren ja auch nicht gerade fehlerfrei.

    Genaugenommen hatten sich glaube ich einfach alle an die Bugs und mangelnden Features von initv etc. einfach gewöhnt, das merkt man schon bei dem ganzen Gewinsel "Init hat nur Prozesse zu starten! Was, Du willst als Benutzer ohne Root Prozesse automatisiert starten können? Ähja, äh, init startet nur Prozesse _als root_!" und bei Mitternacht, etc. pp.

    BTT: Debian, Ubuntu, OpenWrt.