Beiträge von Wiesel im Thema „Dachbodenfund Amiga Turbokarte A530 defekt“

    Die PAL Chips wurden doch bestimmt auch in vielen anderen Hardware-Erweiterungen und Geräten verbaut. Da wäre es schon praktisch, wenn es eine Möglichkeit gäbe, diese auszulesen, um Geräte mit solchen Chips reparieren zu können.

    Mag sein, aber ich kann nicht viel dazu beitragen. Als um die Jahrtausendwende herum die Logiksparte von AMD (bzw. Vantis) an Lattice verkauft wurde, wurde mir vom Distributor sozusagen als "Dankeschön für die gute Zusammenarbeit" die Auslegung der internen Switchmatrix der MACH-Chips zugespielt. Zu der Zeit war aber die Uhr für PalCE-Chips praktisch abgelaufen - dafür hat sich niemand mehr interessiert, weil die Integration in Sachen Logik immer höher wurde (eben "C"-PLD, also "complex").

    Die Kontakte von damals habe ich nicht mehr. Ich wüsste nichtmal, wo ich ansetzen sollte - Lattice hat die ispMACHs weiter entwickelt und verkauft sie bis heute. In Sachen PalCE finde ich bei Cypress etwas, und viele Hinweise auf mil-spec Chips. Sieht also so aus, als wäre dieser Teil an Cypress gegangen (über welche Wege auch immer). Auch in die Richtung habe ich null Kontakte.

    Immerhin findet man die üblichen russischen Kopierservices, ergo ist es nicht aussichtslos. Aber nochmal: Ich habe keinen Ansatzpunkt, müsste erst aufwändig den eigentlichen Lese-Algo reversen, damit man daran herumprobieren kann. Ich möchte meine Zeit nicht damit verbringen.

    Jens

    Ich hatte mal hier im Forum die Vermutung geäußert, dass GALs auslesbar sind, wenn man das power-sequencing ändert (erst die hohe Spannung anlegen, dann die 5V-Versorgungsspannung). Ein paar Leute von a1k.org haben das erfolgreich durchgeführt und perfektioniert; GALs sind also jetzt kein Geheimnis mehr, sie gehen beim Versuch, sie dennoch auszulesen, praktisch nicht mehr kaputt.

    Bei PALCEs ist das AFAIK anders: Die nehmen zwar die gleichen Jedec-Listen, haben aber einen ganz anderen Programmier-Algo, der nicht offen liegt und demnach auch nicht versuchsweise angepasst werden kann. Hier ist weitere Forschungsarbeit nötig, die man aber an "eigenen" PalCEs machen kann, bevor man wertvolle Originale opfert. Ich selbst habe kein Interesse an einer solchen Arbeit.

    Die GVP-Karte wäre am leichtesten wieder zu beleben, wenn man Mike von GVP (der irgendwo in Asien sitzt und eine Art Tauchschule betreibt) überreden könnte, die Jedec-Liste für diesen Chip 'rauszurücken. Da mir der Typ aber mehr als suspekt ist und ich haarscharf dran vorbei gekommen bin, von ihm um mehrere tausend EUR erleichtert zu werden, werde ich mich weder darum kümmern, noch irgendwem die Kontaktdaten geben - die Gefahr, dass jemand anders beschissen wird, ist zu groß.

    Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die repariert man nicht mehr.

    Jens

    Habt ihr eine Meinung was das Board an sich noch für ein Wert hat?

    Da ist noch eine CPU drin - wenn die überlebt hat, kann man noch 2-3 EUR dafür bekommen. Es ist halt eine EC030, also ohne MMU und im Plastikgehäuse. Die FPU ist im Keramik/Gold Package, da ist für ca. 1,- EUR Gold drin.

    Die ACA 500 und erst recht die Plus werden NICHT passen.

    Komisch, dass Du eine Unterscheidung zwischen den Karten machst, obwohl ich schon mehrfach bestätigt habe, dass sie sich mechanisch kaum unterscheiden. Tatsächlich hat die ACA500plus nur eine Montagebohrung weniger, die restlichen Bohrungen sind sogar an der gleichen Stelle wie bei der alten Karte.

    Das Gehäuse ist sicher eine gute Basis, um es für die ACA500(plus) nutzbar zu machen. Wenn es von der Breite her nicht passt, fehlen sicher nur wenige mm. Die holt man sich, indem man die Metall-Basis links ein wenig öffnet.

    Jens

    PALCE ist die AMD-Version der GAL-Chips - die fressen die gleichen Jedec-Listen, haben aber das AMD-typische Problem, dass sie bei Schwankungen der Spannungsversorgung gern in den Latch-up gehen. Dabei arbeiten die Ausgangstreiber gegeneinander und es fließt Maximalstrom. Das Silizium wird so heiß, dass das Gehäuse gesprengt wird. Diese kraterähnlichen Löcher sind typisch für diesen Defekt.

    Vier Chips auf einer Turbokarte klingt nach "extrem wenig". Wenn kein Speicher drauf ist, lohnt eine Reparatur eigentlich gar nicht, denn die zu erwartende Leistung ist unterirdisch. Da es sich um PALCE handelt, sind diese Teile auch (meiner Erfahrung nach) nicht mit dem power-sequencing Trick auslesbar (den haben ein paar Leute von a1k.org in den letzten Monaten perfektioniert). Will sagen: Selbst wenn man eine funktionstüchtige Karte dieses Typs irgendwo auftreiben kann, ist die Wahrscheinlichkeit dass man den Chip kopieren kann relativ gering.

    Man müsste einen Schaltplan der Turbokarte zeichnen, und den Inhalt des PALCE neu entwickeln - kein Hexenwerk, aber eine Menge Arbeit, die für mich so aussieht, als würde sie nur einmal im Leben wirklich benötigt werden. Dann würde ich die CPU retten und den Rest wegwerfen.

    Jens