Dankeschön für das Feedback. Als Kundschafter und Historiker habe ich es natürlich nicht lassen können und inzwischen ein wenig meine Fühler ausgestreckt, denn höchst seltsamen Umständen muss nach Möglichkeit nachgegangen werden! In der Regel kann man was daraus lernen.
goloMAK - Ja, Cartridges gibt es so wie umfangreiche Basic-Erweiterungen wie Sand am Meer. "Mein" Magic Formel V1.2 ist sehr gut erprobt, läuft ausreichend im VICE, und deswegen bleibe ich dabei. Was die IDEs angeht: Sollte es zu schier unlösbaren Edit-Problemen kommen, dann bekommen die vielleicht doch noch eine Chance. Ich will mir halt noch den Moment des Frustes ersparen, wenn dort dann wieder irgendwas NICHT ordentlich geht (z.B. Farbeinstellungen, Schriftgröße, Label-Feature ausschalten, etc.).
Ruudi - Naja, "golden" war der C64 Editor sicherlich nicht im Vergleich zu einem GW-Basic Editor (1983) auf dem IBM-PC. Allein eine ordentliche Insert/Overwrite-Funktion wäre am C64 schon "golden" gewesen (kam dann erst beim C128). Seitenweises Listingscrollen (Page Up/Down) war ebenfalls eine PC-Domäne von Anfang an. Eingegeben wird jetzt natürlich über die PC-Tastatur, auch wenn ich einige Grafikzeichen benötigen werde. Etwas umständlich, aber kein Problem dank VICE-Keyboardlayout-Grafik, die mal jemand generöserweise angefertigt hatte.
GoDot - Simons´ Basic war ziemlich populär und leistungsstark. Auch Bücher verwendeten es oft bei ihren Programmen (z.B. Physik). Die komplizierte Syntax hatte mir aber nie geschmeckt, weshalb die Sachen eher von dort weg- als hinkonvertiert wurden. Zum Thema RENUMBER: Es stimmt, dass diese Funktion oftmals stark fehlerhaft implementiert wurde. Bei TSB mag es jetzt perfekt sein (Vergleich mit SysRes?), bei Magic Formel V1.2 hatte ich aber auch nie Probleme und kann mich deshalb darauf verlassen.
BIF - Völlig richtig, es gibt den Trick der Text-zu-C64-Basic-Konvertierung, und das Tool nennt sich PETCAT, und ist beim VICE Paket dabei. Funktioniert auch tadellos. Texteditoren (z.B. Notepad++) gibt es ebenfalls etliche, und das ergäbe eine weitere Möglichkeit Basic-Code zu bearbeiten. Sollten also die Editoren von C64 Studio und Konsorten unzureichend sein, hätte man hier noch eine (letzte) Alternative. Allerdings kann man da leider auf Funktionen wie Highlighting von angesprungenen Zeilen nicht hoffen.
Gefunden hatte ich auf meinem Raub- äh Streifzug jetzt noch Folgendes:
* Beim C128 kann man bei RENUMBER zusätzlich angeben, ab welcher Zeile renumbered werden soll. Ansonsten ist der C128 schwach, was Befehle angeht (weiterhin kein Merge). Interessant ist der "verbesserte" Editor mit immerhin einigen, recht netten Tastenkombinationen (Screen Editor Escape Codes). Sicherlich gewöhnungsbedürftig beim Merken, aber immerhin so etwas wie "Fortschritt" im Ansatz erkennbar. Commodore dachte wohl, es genügen 128kB als Verkaufsargument für den Basic-Hacker vor der Flimmer-CRT.
* Extrem auffällig ist das Utility "SYSRES" von der kanadischen Solidus International Corporation aus dem Jahre 1980-1982! Hier bietet die Renumber-Funktion tatsächlich auch eine Bereichsnummerierung an. Und das ist nicht alles, was dieses Tool zu bieten hat: "long line editing" (88 chars) in reverse scroll mode ...es kann das Listing in beiden Richtungen gescrollt werden. LIST kann mit Space angehalten werden. APPEND (simples Anhängen), MERGE (Zusammenmischen der Zeilennummern!) und DELETE sind vorhanden, es gibt auch ein FIND und CHANGE. Variablen DUMP (allerdings ohne Felder) gibt´s auch, wer´s zum Hacken benötigen sollte. Und es verbraucht keinerlei Basic-RAM (nur 1 Page von $C000 weg). Und das alles bereits im Jahre 1982? Offenbar waren die Kanadier ihrer Zeit extrem weit voraus!
* Aber nicht nur die Kanadier, auch die Germanen waren (etwas später) aktiv, denn im Input64 von 7/85 wurde die absolute Sensation, der blanke Wahnsinn veröffentlicht: Der SCROLL-EDITOR, womit man das Listing Vor- und Zurückscrollen konnte! Und damit nicht genug, es lassen sich sogar auch noch die vordefinierten Editor-Farben nachträglich verändern! Soviel Programmiererglück auf einmal, kaum zu fassen, Schluchz-Heul!
FAZIT: Ich für meinen Teil weiß nun definitiv wo´s langgeht. Es bleibt beim Altbewährten. Optional kann man sich bei Bedarf, Lust und Laune auf Neuland wie SYSRES und die IDE-Studios einlassen. Das was ich eigentlich erwartet und erhofft hätte, eine minimalistisch kleine Basic-Erweiterung (nur Append, Delete, Renumber, evtl. Find) mit optimiertem Editor (page up/down, scroll up/down, goto page, Highlighting von Zeilen wo Sprünge darauf erfolgen, CTRL-Taste stoppt Autoscrolling) sowie ohne den bekannten Bugs des Editors gab und gibt es offenbar nicht. Bestenfalls zerstreut in Einzelteile, oder überwuchtig als Riesenpakete, die dennoch unvollständig bleiben. Klar, man könnte sowas selber entwickeln, aber ich schreibe lieber mein eigentliches Programm, das ist Arbeit genug. Deshalb gibt es auch so eine native Software nicht, und wird es auch nicht mehr geben. Das ist die Moral von der Geschichte.
Und nun wieder ab in den Fraggle Rock, Reise erfolgreich beendet!