Beiträge von tfhh im Thema „Atari XC-12 Program recorder ("Datasette")-Klon: Innereien von Commodore-Zulieferer?“

    Moin,

    Hallo, nur mal kurz:

    textlich hast du etwas Kritik geübt - mit "aber mindestens 20 Jahre zu spät" - klar, aber mit der Geste :thumbsup: hast du es doch begrüßt, seh ich das richtig? :)

    Bemerkenswert ist aus Commodore-Sicht, dass das Atari-Aufzeichnungssystem und Leseelektronik "elastisch genug" sind, um eine solche Beschleunigung um rund fünfzig Prozent klaglos wegzustecken, offenbar ohne Änderungen an der Software! das ist bei Commodore nur schwer vorstellbar, allenfalls so im Rahmen weniger Prozentpunkte. Von daher interessant die beiden Rechner-Philosophien zueinander kompatibler zu machen oder eine Synthese zu wagen.


    Alles gut, war keine Kritik. Es könnte nur sein, daß das ein Projekt wird, was nicht die Mega-Wellen schlägt... im Atari-Sektor waren Datasetten nur ein notwendiges Übel und meist wurden sie nur als Einsteiger eine Zeit lang verwendet. Bereits ab Ende 1984 waren Floppy-Laufwerke - in damaligen Relationen - bezahlbar und die langsamen Datasetten wurden schnell eingemottet. Von daher gibt es, zumindest im "Wessiland" kaum große Fans. Die "Ossis" haben, auch dank der Turbo-Tape Umbauen, wesenlich länger mit Datasetten gearbeitet.

    Ich kenne das Commodore Aufzeichnungsformat nicht, von daher kann ich dazu nichts sagen. Beim Atari wird am Anfang jedes Blocks (normal: 131 Bytes insgesamt) zwei Bytes mit abwechselnden 1 und 0 Bits geschrieben, dann folgen 128 Nutzdaten-Bytes und 1 Byte Prüfsumme. Die ersten beiden Bytes dienen dazu, die Zeitabstände zu messen. Die Laderoutine stellt daraufhin die Baudrate am POKEY-Chip ein - der POKEY führt die serielle Kommunikation für Kassette als auch Diskette durch. Dies geht aber nur in gewissen Grenzen (Baudraten-Einstellung) mit den Original-Betriebssystem-Routinen. Für "mehr Speed" braucht es eben Turbo-Tape Routinen, die klassisch entweder von Kassette gebootet werden oder sich auf einem Steckmodul befinden.

    Gruß, Jürgen

    Moin,

    Da würde mich mal interessieren: Was für Erweiterungen gibt es, die man Sinnvoller Weise ins Tape-Laufwerk platzieren könnte - mal abgesehen vom SIO2SD bzw. SDrive oder andere SIO-Erweiterungen? Gab es Erweiterungen speziell für die Cassettennutzung am Atari?


    Außer den Turbo-Tape Umbauten (wofür man aber nicht massig Platz braucht) sind mir keine weiteren Datasetten-Mods bekannt. Aber genau soetwas meine ich... ich habe in meiner 1010 ein SIO2SD und ein S-Drive, jeweils abschaltbar, eingebaut. Und es ist generell viel Platz, wenn Stephan also basteln will, wäre die 1010 eine gute Wahl.

    Gruß, Jürgen

    Moin,

    Die mit Sanyo-Mechanik waren die mit dem orangen "Hintergrund-Kleber" für das Durchsicht-Fenster und der Tastenreihenfolge Record|Play|Rewind|Advance|Pause|Stop/EJ, während die mit silbernem Aufkleber und ...Advance|Stop/EJ|Pause von Chelco produziert wurden, richtig?


    Jop, richtig. Orange = Sanyo. Seltener (in Deutschland), aber bessere Mechanik. Eindeutig ;)

    Gruß, Jürgen

    Moin,

    vielen Dank für die Erläuterung, das Fragezeichen war doch nicht falsch,ich habe nicht den "fehler" bemängeln wollen, sondern eher darauf hinweisen wollen, dass die Autoren es selber nicht wussten, also dass ein allgemeines Informations-Defizit zu bestehen scheint.


    Schon klar. Dieser Contentbereich ist steinalt... daher die Unklarheit (vermute ich mal).

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann laufen die Motoren in XC12 also mit 5 Volt und die in der PM 4401A (du sprachst nur von Phonemark aber ich nehme an du meinst die von mir zitierte aus Wikimedia commons mit dem Netzanschlusskabel) intern mit 12 Volt.


    PM = PhoneMark 8)

    Also ich habe so ein Teil vor Jahren mal bei eBay "NOS" für´n Zehner gekauft. Mein Modell hat einen kleinen Trafo drin. Genaueres müßte ich nochmal ansehen, Jahre her...

    Bei der XC12 ist mir unklar, was das 5 Volt (motor-on) genau bedeutet:
    Ist das eine Schaltspannung, oder zieht der Motor daraus DIREKT seine Versorgungsleistung? (falls ersteres müsste man noch 0,6 Volt für Uce eines Schalttransistors abziehen, dann läuft der Motor effektiv mit ca. 4,5 V)


    Nein, an der SIO-Buchse liegen grundsätzlich 5V an. Das Motor-On Signal wird nur zum Ein-/Ausschalten der Motorspannung verwendet. Siehe Schaltplan im Anhang.

    Die Datasetten sind sonst sehr sehr ähnlich, bei der Mechanik wohl identisch zu den Commodore-Datasetten (ab 1530 im rundlichen Gehäuse). Die einzigen Unterschiede der (Elektro-)Mechanik liegen beim Tonkopf (stereo versus Mono) und beim Antriebsmotor (Spannung).
    Wenn nun *derselbe* Motor bei XC12 und 1530 drin wäre, liefe er bei Commodore mit 6 V und bei Atari mit 5V, bei Atari folglich "langsamer".


    Also mir ist nicht bekannt, daß es exakt diegleichen Motoren sind, das halte ich auch für ausgeschlossen. Auch die Verstärker-Schaltkreise sind unterschiedlich. Mußt Du Dir die Schaltpläne anschauen.

    Die Bandlaufgeschwindigkeit hängt ja nicht nur von der Umdrehungszahl des Motors ab, sondern auch von der Größe der Umlenkrolle (wenn vorhanden), des Schwungrades und Übertragung zur Capstan.


    Da wären die Atari-Datasetten deutlich kompatibler, weil aus 6V auf 5 V abzuschwächen leichter wäre als der umgekehrte Weg.
    ...
    Was mich auch interessiert, die Phonemark-Datasette mit eingebautem NEtzteil, ob das ein Schaltnetzteil ist oder ein lineares mit 50 Hz- Trafo... Fragen über Fragen... :wink:
    (Auf ebay scheinen diese Datasetten sehr selten zu sein und wenn sie mal auftauchen , zu horrenden Preisen.)


    Also abenteuerliches Vorhaben, interessant, aber mindestens 20 Jahre zu spät :thumbsup: - Zumindest beim Atari brauchst Du definitiv auch Software oder ein gepatchtes Betriebssystem. Die Original-Cassetten-Routinen laufen so bis ca. 950 baud, dann ist Feierabend. Es gibt "Turbo Tape" Umbauten aus der ehemaligen DDR für bis zu 6000 baud, aber meistens waren so beschriebene Kassetten auch nur in DEM Laufwerk lesbar, wo sie geschrieben wurden. Generell keine sehr stabile Sache. Original-Software auf Kassette verwendet überwiegend eigene Laderoutinen, die mit dem Speed-Modus nicht klarkommen und oft auch eigene Blockformate haben. Es können also nur als "OneFiler" verpackte, bereits gecrackte Versionen von Spielen etc. mittels "Turbp Tape" abgelegt und geladen werden. Das wurde "damals" ja auch nur deswegen erfunden, weil Diskettenlaufwerke und Disketten teuer und schwer (in der DDR) zu erhalten waren.

    Die PhoneMarks sind oft auch heute noch "neu" (also NOS-Ware) für um die 25 Euro zu bekommen. Wenn Du soetwas als Projekt starten willst, wäre allerdings die 1010 mit Sanyo-Mechanik sinnvoller. Zwei SIO-Buchsen, keine Gleichlaufprobleme durch eigene Stromversorgung, viel Platz im Gehäuse für Extraplatinen und so...

    Gruß, Jürgen

    Moin,

    Da gibt es eine Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen. (leider ein stark nachbearbeitetes Bild, ich hoffe es ist kein Fake) die PM 4401A, die einerseits sehr typisch oder sogar baugleich zur XC12 ist (selber Hersteller, Phonemark) und direkt an 220 Volt angeschlossen werden musste und daher 2 Kabel hat. Ist das "normal"?


    Ja, bei dem Modell ist das so. Optisch ist das Gehäuse identisch zur XC12, aber die Mechanik als auch Platine weicht deutlich ab. So wird auch ein 12 Volt Motor genutzt, bei der Atari XC12 wird der Motor direkt mit 5V aus dem Rechner betrieben.

    Übrigens kann man, wenn man Deinem Link folgt, auch die unbearbeitete Version des Bilders sehen. Einfach nach unten scrollen ;)

    Und ist diese typische Datasette eine mit (= Stereo) oder ohne die Audio-Fähigkeit ("Song abspielen während dem Laden")?


    Also... alle Datasetten für den Atari XL/XE haben einen Stereo-Tonkopf. Das wäre anders auch gar nicht machbar, denn der linke Kanal wird für Daten genutzt, der rechte Kanal optional für Töne oder Sprache. Dieses kann bereits die erste Datasette, der Atari 410. Sinn und Zweck der Geschichte ist übrigens nicht, das Laden der Programme durch Musik o.ä. zu verschönern, sondern schlichtweg die Möglichkeit, Audio-Inhalte über den Rechner abspielen zu können und die Kontrolle des Motors dabei zu haben.

    Atari hat nämlich, kurz nach Markteinführung des Atari 400 (erster 8-Bit Computer der klassischen Atari-Serie) das sogenannte "Educational System" herausgebracht. Hierbei handelt es sich, je nach Ausprägung, um ein Steckmodul plus zusätzliche Kassetten oder nur Module oder auch nur Kassetten bzw. später Disketten. Sprachlern-Programme wurden z.B auf diversen Kassetten ausgeliefert. Am Rechner konnte man dann die Schriftform der Vokabeln lernen und passend dazu wurde der Kassettenrekorder immer kurz gestartet, um eine gesprochene Variante der Vokabel von einem native Speaker zu hören. Halt "interaktiver" Sprachunterricht, soweit man dies damals realisieren konnte. Diese Technik wurde auch für diverse Schulsoftware verwendet.

    Die 410, die 1010, die XC / XCA / CA 12, die XL12 ??
    Ist es typisch, dass die Datasette ein eigenes Steckernetzteil hat / braucht, oder gar direkt an 220 Volt Netz angeschlossen wurde mit fest angebrachtem Netzkabel wie die PM 4401A?


    Kleine Übersicht:

    Atari 410: Gibt es zwei Modelle. Eines mit Netzteil (9 Volt), das andere Modell bezieht seinen Strom vom Rechner
    Atari 1010: Ausschließlich mit externem Netzteil. Gibt auch zwei Versionen von, aber Gehäuse und Netzteil identisch
    Atari XC11: Wird vom Rechner versorgt. Hat ein festes SIO-Kabel, aber eine 2. SIO-Buchse, muß also nicht am Ende der SIO-Kette hängen.
    Atari XC12: Wird vom Rechner versorgt. Hat ein festes SIO-Kabel, aber keine SIO-Buchse. Muß also am Ende der SIO-Kette hängen, was teilweise schon bei nur einem weiteren Gerät zu Problemen führen kann (nicht muß).
    Phonemark: Eingebautes Netzteil und festes SIO-Kabel

    Der XC11 ist problematisch. Nur bei diesem Modell wurde ein 1k Widerstand als Pull-Up zwischer 5V und Data_Out gehängt. Bei allen anderen sind es 10k gegen Motor_On, d.h. der Pull-Up wird nur aktiv, wenn die Datasette auch angesprochen wird. Beim XC11 ist der Pull-Up dauerhaft aktiv und dies auch mit einem sehr niedrigen Wert. Dies führt zu starken Problemen, wenn noch andere SIO-Geräte (Floppy-Laufwerke, SIO2SD usw.) in der SIO-Kette hängen und höhere Geschwindigkeiten genutzt werden.

    hier beim ABBUC steht:
    ...
    Das - der Satz mit dem Fragezeichen - liest sich ja gerade so, als sei es völlig ungesichert, dass auch die XC12 noch die Zweiteilung "Audio/Digitaldaten" auf 2 parallelen Spuren beherrscht. wer kann da aufklären?


    Leider ist auch beim ABBUC bzw. dessen Webseite nicht alles aktuell und/oder richtig - Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht 8) - das Fragezeichen ist falsch, die XC12 kann dies natürlich wie alle anderen auch.

    Gruß, Jürgen