Beiträge von syshack im Thema „Nerdvana“

    Ich konnte gestern Nacht die letzten Seiten zuende lesen, nachdem das Buch (genauer: das Kindle) Monate nur in einer Ecke rumlag.
    Der folgende Text widerspiegelt meine persönliche Meinung und Empfindungen zum Buch.

    Die Idee der Story finde ich gut. Es geht um ein paar Retro-Nerds, die regelmässig zusammen kommen und u.a. alte Games spielen und the good old days fröhnen.
    Aber auch um das Älterwerden dieser Nerds, die teilweise in Beziehungen sind und dort für Ihr Hobby nicht immer Verständnis bekommen. Allzu tief geht der Autor aber nicht auf diese Beziehungen ein.
    Der belesene Buchleser wird hier wohl denken: "Moment, das kommt mir doch bekannt vor?". Ja, diese Thematik ist auch teil von Extraleben.
    Das lässt sich aber auch nicht vermeiden, wenn wir uns selbst anschauen und wo wir heute im Leben stehen, als 80er Jahre Computerkids.

    Der Handlungsstrang der Erzählung ist gradlinig. Es sind keine grösseren Höhen und Tiefen und Kanten drin.
    Es gibt kaum Erzählungsschnitte, wo zwischen unterschiedlichen Protagonisten-Perspektiven oder unterschiedlichen Orten gewechselt wird.
    Die Geschichte spielt in einer Deutschen Stadt und nur dort.

    Grosse Überraschungen bleiben leider aus. Man wartet immer "dass noch was Grosses passiert", aber dieser Wunsch wird nicht erfüllt.

    Diverse Bezüge zur Realität werden geschaffen, so etwa wie die Erwähnung von Retro-Magazinen und den Twist von hitzigen Diskussionen in Retro-Foren, wenn es um seltene Originale und deren Fälschungen bzw. der Verdacht auf Fälschungen geht. Das sind aber ganz wenige Stellen, wo das kurz erwähnt wird und der Retro-Nerd Leser, der diese Bezüge kennt, sieht diese auch.

    Wer einen Roman im Stil von Extraleben erwartet, wird enttäuscht.
    Auch wenn es etwas unfair erscheint: Daran muss sich das Buch doch etwas messen, geht es doch auch um die Retro-Computing/Gaming Thematik, welche auch in den Extraleben Büchern teil des Handlungsstrangs sind.

    Beim Lesen der letzten Seiten gestern abend dachte ich mir: "Jetzt passiert dies und das", was dann auch passierte. Das sollte es eigentlich nicht. Für mich sollte es nicht so vorsehbar sein.
    Nur, wer am Schluss was getan hat (ich möchte nix spoilern, deshalb wage Formulierungen), das war dann für mich doch ein Bisschen "aha", obwohl ich es geahnt hatte.

    Der Schlussteil ist auch etwas kurz geraten. Kein grosses Feuerwerk, keine Vorhänge werden gelüftet, die bis anhin Verborgenes mit einem Handschlag auf der Stirn "ach so, das macht nun Sinn" logisch erklären. Keine Spannung, die gelöst wird.
    Es ist kein Krimi. Es finden keine Verfolgungsjagden statt. Es ist kein Spionagethriller. Aber auch kein historischer Roman mit tiefen Einblicken aus der Retro-Computing Zeit.


    So bleibt das Ganze eine kurzweilige Geschichte, die man sich als Retro-Nerd reinziehen kann, ohne grosse Erwartungen zu haben.