Beiträge von cbmuser im Thema „Neue C64 Hauptplatinen!“

    Kickstarter fällt in diese Kategorie: Sie greifen Geld ab, weil sie versprechen, dieses Geld weiter zu reichen. Ein Mehrwert existiert nicht.

    Das sehe ich anders. Kickstarter hilft einfach, Projekte ueber Crowdfunding zu finanzieren, welche sonst keinen Investor gefunden haetten. Und dafuer stellen sie Serverinfrastruktur fuers Marketing zur Verfuegung und sorgen fuer die Zahlungsabwicklung, das ist schon ein nicht unerheblicher Mehrwert in Form einer Dienstleistung. Nur weil man etwas nicht anfassen kann, heisst es nicht, dass es nicht existiert.

    Es gibt viele Projekte, die dank Kickstarter erst moeglich wurden wie z.B. die Neuauflagen von Leisure Suit Larry, Carmageddon, Jagged Alliance und eben die neu hergestellten C64C-Gehaeuse. Insbesondere letzteres haette vermutlich kein gewoehnlicher Investor finanziert.

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    Kickstarter nimmt ein Projekt AFAIK erst dann an, wenn ein Prototyp existiert. Bis das aber der Fall ist, ist der größte Batzen an Entwicklungskosten schon ausgegeben. Technische Änderungen aufgrund kurzfristig veränderter (Markt-)Notwendigkeiten (z.B. Einkauf: Lieferzeiten für ein bestimmtes Bauteil) führen dazu, dass Kunden wieder abspringen können. Das ist *immer* so und kann auch ein Kickstarter nicht ändern.

    Nun, der Protoyp existiert ja schon recht lange, oder? Und dass es bei der Finanzierung eines Kickstarters grundsaetzlich Risiken gibt, ist jedem Backer eigentlich bekannt. Aber genau das macht ja den Reiz dahinter aus.

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    ...haben auch viele Fans schon Geld verloren. Das ist der einzige Vorteil von Kickstarter: Laberköppe die nur Geld einsammeln wollen, oder wirklich der Meinung sind, dass sie ein Problem lösen können, wenn sie es mit ausreichend Geld bewerfen, werden damit ausgetrocknet. Wer aber wirklich liefern kann, der macht sein Produkt mit Kickstarter nur teurer.

    Die Beispiele, die ich oben aufgezaehlt habe, belegen aber das Gegenteil. Pauschal andere als "Laberköppe" zu bezeichnen, finde ich jetzt auch nicht unbedingt charmant.

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    Und das ist entgegen meinem Ziel, das Hobby Retro-Computing halbwegs bezahlbar zu halten: Ich habe in den letzten Jahren immer wieder mal Preisbrecher "nach unten hin" gebracht, damit man auch ohne dicken Geldbeutel Spaß an Amiga und C64 haben kann: Nordic Replay Bausatz für 39,90 EUR und ACA500 für 79,90 EUR wären mit Kickstarter nicht so günstig gewesen.

    Deine Preise hielt ich auch immer fuer sehr preiswert, teilweise vielleicht zu billig, wenn man den Entwicklungsaufwand bedenkt und dann sieht, dass hinterher nur eine kleine Stueckzahl dabei herauskommt. Letztendlich sollst du ja hinterher an deiner hervorragenden Hardware auch etwas verdienen

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    Mein Platinenlieferant hat mich von Januar bis April hängen lassen

    Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber fuer so etwas sind in der Industrie normalerweise Vertraege mit entsprechenden Vertragsstrafen vorhanden.

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    , Leute wären abgesprungen und ich würde auf Teilen sitzen, die ich für kaum etwas Anderes gebrauchen könnte.

    Als Backer kannst du prinzipbedingt nicht abspringen. In dem Moment, wo das Projekt als erfolgreich finanziert gilt, ist das Geld endgueltig beim Projektersteller. Du kannst als Backer dann nicht mehr hinterher deine Meinung aendern. Ansonsten wuerde das ganze Konzept auch gar nicht funktionieren.

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    Kickstarter ist der Traum vom grenzenlosen Wachstum. Das gibt es nicht. Wer glaubt, dass man alle Probleme mit Geld lösen kann, gehört nicht in dieses Forum, sondern in die Politik. Die haben meist auch keine Ahnung.

    Das ist doch quatsch. Kickstarter stellt lediglich eine Plattform zur Verfuegung, mit der Ideenhaber ihre Projekte ueber Crowdfunding finanzieren koennen, nicht mehr und nicht weniger. Und Crowdfunding ist wirklich eine hervorragende Idee. Bei uns in der Open-Source-Szene gibt es immer wieder erfolgreiche Crowdfunding-Projekte auch z.B. ueber Indiegogo, welche die Entwicklung von Projekten wie Blender und Krita deutlich vorangebracht haben.

    Ich finde das ehrlich gesagt schade, dass du das so schlecht redest. Du weisst ganz genau, dass ich als Debian-Entwickler primaeres Interesse daran habe, gute Software kostenlos zur Verfuegung zu stellen. Aber auch Software-Entwickler wollen manchmal bezahlt werden, auch wenn ihre Software hinterher quelloffen ist.

    Adrian

    Diese Menge darf aber nicht zu groß werden, damit er nachher nicht noch hunderte auf Lager liegen hat.

    Und genau deswegen verstehe ich nicht, warum Jens das ganze nicht als Kickstarter durchgezogen hat. Er kriegt sowohl eine verbindliche Menge an Vorbestellungen als auch das ganze Geld per Vorkasse, geht also selbst nicht mal ein Risiko ein. Und den Preis haette man einfach hoch genug waehlen koennen, dass hinterher abzueglich der Kickstarter-Gebuehren noch ein ordentlicher Gewinn bei herauskommt.

    Grundsaetzlich werden Platinen billiger, je hoeher die bestellte Menge beim Hersteller ist. Das gleiche gilt fuer das Ordern von elektronischen Bauelementen und Bestueckungsauftraegen. Anders waeren moderne Mainboards mit mehreren dutzend Layern gar nicht bezahlbar.

    Zwar stimme ich zu, dass die Custom-Chips der stueckzahllimitierende Faktor sind, aber man kann ja im Kickstarter einfach eine Menge an Boards mit einer bestimmten Menge an Chips anbieten. Wenn z.B. nur 500 SIDs da sind, gibt es halt 500 Boards mit einem SID drauf. Fertig. Andere Angebote (sogenannte Tiers) haben dann nur die CIAs oder eben gar keine Commodore-Chips.

    Ich denke, dass sich diese Probleme loesen liessen. Aber wie Jens mir gegenueber schon einmal durchblicken liess, haelt er von Kickstarter ueberhaupt nichts und er bevorzugt daher sein eigenes Finanzierungs- und Vertriebsmodell. Ich finde es aber ehrlich gesagt schade, da in der Vergangenheit durch Kickstarter schon sehr viele Projekte ins Leben gerufen wurden (z.B. die Neuauflagen von Videospielklassikern), die durch gewoehnliche Finanzierungsmodelle nie Realitaet geworden waeren.

    Ich denke aber, dass gerade in der Amiga- und Commodore-Szene Kickstarter-Projekte sehr gut funktionieren, weil die meisten Fans bereit sind, diese im vorraus zu finanzieren, weil ja die Hardware oft unter normalen Umstaenden unbezahlbar ist. Man ueberlege sich mal, wenn man durch einen Kickstarter eine bezahlbare 68040-Turbokarte fuer den Amiga 1200 bekommen koennte.

    Adrian

    Hi!

    Also, ich habe mich jetzt hier extra registriert, weil ich gestern auch nach ueber 3 Stunden den Kauf nicht abschliessen konnte und das obwohl ich seit 17:30 vor dem Rechner sass und letztendlich auch bis zum Formular mit dem "Order"-Button gelangt bin. Eine Bestaetigungsmail habe ich bisher nicht erhalten und ich denke auch nicht, dass das ganze geklappt hat.

    Tatsaechlich war mir aber schon von vornherein klar, dass es so einen Ansturm geben wuerde. Ich habe den Kickstarter fuer die neu-produzierten C64-Gehaeuse mitgemacht und dort konnte man die Nachfrage nach einem neuen C64 gut erhahnen. Der Ersteller des Kickstarters rechnete damit, dass er vielleicht $10.000 fuer die Produktion der neuen Gehaeuse sammeln wuerde. Am Ende wurden es ueber $100.000.

    Ich hatte Jens bereits damals vorgeschlagen, aus dem C64-Board einen Kickstarter zu machen. Es waere meiner Meinung nach selbst dann erfolgreich, wenn alle Commodore-spezifischen Schaltkreise wie SID, PLA, CIA1/2 weglaesst und wirklich nur das Board mit den Komponenten installiert verkauft, die man aktuell auch noch im Elektronikhandel erwerben kann (z.B. irgendwelche ICs der 74er-Reihe). Damit umgeht man das Problem, dass einige der ICs nicht mehr produziert werden. Fuer die meisten Commodore-Fans ist das aber letztendlich egal, denn jeder hat ja wahrscheinlich mindestens drei 64er zuhause, die er schlachten kann.

    Durch den Kickstarter haette Jens deutlich mehr einnehmen koennen und Boards produzieren koennen und die Kickstarter-Website haelt auch einem deutlich groesseren Ansturm an.

    Durch die aktuelle Situation werden doch die Boards wegen ihrer geringen Stueckzahlen letztendlich zu Goldstaub und man laeuft wieder in das Problem, was man als Commodore-Fan schon immer hatte: >20 Jahre alte Hardware/Technologie zu Preisen, die eigentlich nicht zu rechtfertigen sind.

    Wirklich schade alles. Ich habe mich schon seit Monaten auf einen C64-Reloaded bekommen und werde jetzt vermutlich keinen bekommen :( .

    Adrian