Schade, dass er nicht einfach genug Boards produziert,
Es sind sicher nicht zu wenige Boards. Es sind lediglich zu wenige, die "sofort" verfügbar sind. Hier arbeiten zwei Leute in der Werkstatt, ich im Büro, und ab Juli bekomme ich noch eine Teilzeitkraft, die mir ein paar Verwaltungsaufgaben abnimmt. Die Programmierer in Düsseldorf und Berlin können beim Handling des C64 Reloaded nicht helfen, weil zu weit weg.
oder Vorbestellungen sammelt und danach fertigen lässt,
Das ist gegen die Firmenpolitik, die ich seit mehr als 15 Jahren vertrete: Als Amiga-Firmen begonnen haben, Geld für "zukünftige" Produkte zu nehmen, und dann pleite gingen, habe ich deutlich gesagt, dass ein ehrliches Business kein Geld für etwas nimmt, was nicht *sofort* geliefert werden kann. Diese Aussage habe ich bis heute nicht gebrochen, sondern lediglich "gedehnt": Ich habe auch schon Geld genommen, wenn ich einen festen Liefertermin in der Zukunft hatte.
Ich fordere immer wieder die Leute auf, NIEMANDEM zu trauen, egal welche Versprechungen er macht. Ich kann mir aber vorstellen, dass die vor wenigen Monaten geänderten Bedingungen bei PayPal für die "traue niemanden, auch nicht mir"-Aussage zuträglich sein können: Wenn ich Vorbestellungen ausschließlich über PayPal annehme, könnte ich das machen, wenn der Liefertermin maximal 180 Tage in der Zukunft liegt. Da man gern mal 12 oder 14 Wochen Lieferzeit bei bestimmten Bauteilen hat, könnte eine solche Zeitspanne nötig werden. Da der Kunde über PayPal sein Geld innerhalb der 180 Tage praktisch jederzeit zurück bekommen kann, wäre er ausreichend geschützt.
oder eine zweite Charge in Aussicht stellt falls die erste zu schnell weg ist oder, oder, oder. Tja, dann heißt es wohl für mich keine sofortige Kohle, kein Reloaded.
Auch das habe ich im Amiga-Markt, wo mir immer wieder mal vorgeworfen wurde, dass ich zu wenig bauen würde, oft kommentiert: Leih' Dir das Geld, denn ich kann nicht ewig auf Lager produzieren. Wie ich schon auf Lemon erwähnt habe, ist meine Lagerpolitik der letzten fünf Jahre nicht aufgegangen: Ich habe wahnsinnig viel Zeug produziert, aber dennoch nicht spürbar mehr verkauft. Ich fahre also jetzt Lager runter, zahle Kredite zurück und senke damit die Kosten, die die Firma hat. Da kann es schonmal zu Durststrecken kommen, in denen ein bestimmtes Produkt im Auktionshaus Deines Vertrauens teurer wird, als Du für Produkt+Dispo-Zins gezahlt hättest. Auch wenn ich die Banken gern und oft für die Hochzins-Politik speziell beim Dispo kritisiere, ist das ein gutes Mittel, sich das Produkt seiner Wahl zu einem vertretbaren Preis zu leisten.
Allerdings wundert es mich das das Teil bisher noch nicht in Serie bzw. in die Massenproduktion übergegangen ist. Bei so großer Nachfrage sollte man doch wirklich mal darüber nachdenken. Wäre doch cool wenn man es irgendwann auch für "Retroeinsteiger" auf Amazon oder bei Saturn bekäme, vielleicht auch gleich als Komplettrechner mit Gehäuse, Netzteil und allen nötigen Anschlußkabeln.
Weder Amazon, noch Saturn könnten den C64 Reloaded für so kleines Geld anbieten, denn die kalkulieren mit noch höheren Margen als Retro-Händler das tun. Massenproduktion ist bei diesem Produkt so gut wie unmöglich, weil ziemlich viel Handarbeit drin ist. Außerdem bezweifele ich, dass man von der momentan gefühlten Nachfrage auf eine hohe Nachfrage auf breiter Front schließen kann.
Wie Du an den vielen Nebenschauplätzen siehst, die es rund um die neuen Gehäuse gibt, ist so ein komplett neuer C64 nicht wirklich billig zu bauen: Gehäuse, Board, Tastatur(-kappen), Schrauben, Netzteil... wenn Du das alles beisammen hast, bist Du deutlich mehr Geld los, als für einen durchschnittlichen Laptop. Ob das massentauglich ist, wage ich zu bezweifeln. Sollte das jemand, dessen Taschen tief genug sind, anders sehen, bin ich gern bereit auch 100.000 Boards zu liefern.
Jens