@Leichtfuß: Erst einmal: Grundsätzlich sind wir von der Meinung her gar nicht mal so weit auseinander – auch ich bin keine Freund von "Basis-Gerät verschenken und mit den Diensten oder Spielen dann Reibach machen" aber dennoch möchte ich meinen Senf dazugeben:
Spielkonsolen sind (genau wie Mobiltelefone) Computer, bei denen man gezielt die Modifizierbarkeit und Programmierbarkeit durch den Nutzer entfernt hat. Damit wird sichergestellt, dass der Nutzer keine freie Wahl der Software hat, also mithin Software nur über die vom Hersteller erlaubten Wege erlangen kann. Was in aller Regel 'kaufen' heißt.
Es ist also kein Zufall, dass der Preis für die Anschaffung der Konsole erschwinglich scheint, die Games aber dann preislich weh tun. Gerade das ist ja das Geschäftsmodell.
Bei den Konsolen ja, bei den Smartphones (ich nehme an, dass du diese Klasse mit Mobiltelefonen meinst) sehe ich das anders. Die Marktführer Samsung und Apple lassen sich ihre Geräte gut bezahlen (beide haben eine durchschnittliche Marge von rund 37%) und die Software (Spiele und andere Apps) für diesen Gerätetyp ist eher günstig (verglichen mit z.B. mobilen Konsolen). Der Systemzulieferer von Samsung (Google) verzichtet zwar auf seinen direkten Gewinn durch das OS (u.a. daher kann Samsung die Geräte auch günstiger anbieten), holt sich den aber über Bildung von detaillierten, (durch die Werbewirtschaft) bezahlten Userprofilen wieder rein. An der Stelle hast du natürlich recht mit deiner Aussage:
Neuerdings kommt allerdings -nicht zu vergessen- die Möglichkeit hinzu, mit Nutzerdaten Geld zu verdienen
Wer reinen Konsum mag, und außerdem nichts dagegen einzuwenden hat, ausgespäht und manipuliert zu werden, für den ist es okay.
Naja, zu was außer Konsum soll denn eine Spielkonsole taugen? Dafür wird sie doch üblicherweise angeschafft (und nicht zum Erstellen von Dokumenten). Dass man deswegen gleich ausgespäht wird, halte ich aber auch für nicht vertretbar – leider passiert es wohl (selbst bei LG- und Samsung Fernsehern wird man ja ausgespäht). Aber auch sonst, am normalen PC versucht man natürlich, dein Nutzerverhalten zu protokollieren, sei es über Nutzung von "Social" Networks, Ausspähen des Surfverlaufs, Cookiesetzung, G+/Like-Buttons, Google Analytics auf Webservern, deine unverschlüsselten eMails oder was auch immer.
Beim PC hat man nämlich die Wahl des Betriebssystems, und damit die Möglichkeit, selbst zu bestimmen -oder überhaupt erstmal rauszukriegen- was das Ding tut. Macht kaum einer, aber immerhin könnte man.
Das Problem an der Sache schreibst du schon selbst am Schluss: Macht halt kaum jemand – weil es auch kaum jemand versteht. Die meisten kaufen sich einen PC, wie einen Fernseher oder Handy: Aus dem Laden nach Hause, schnell ausgepackt, Einschalter gesucht und los geht's. Anderes Betriebssystem installieren: Warum? Angst vor dem Ausspähen: Häh? Hauptsache Facebook und YouTube funktioniert, die neuesten Spiele lassen sich installieren und Tittenseiten lassen sich öffnen – schon ist der junge, erwachsene Kunde zufrieden. Dieser Durchschnittskunde wird wahrscheinlich auch kaum weniger ausgespäht als der Konsolenkäufer (Xbox Kinect mal außen vor).
Nicht so bei der Konsole. Die bleibt immer eine Black Box, und unter dem Kommando des Herstellers, wird also strenggenommen nie wirklich Eigentum dessen, der sie mal gekauft hat.
Ich halte die landläufig geäußerte Behauptung für Nonsens, dass mir ein Gerät erst wirklich gehört, wenn ich es "rooten" kann. Wenn ich ein Auto bar bezahle, dann gehört es mir, unabhängig davon, ob ich es selber umlackieren kann oder nicht verstehe, wie ein Motor funktioniert. Klar, man fühlt sich bei Blackboxen irgendwie unwohler, weil man nie so wirklich weiß, was sie gerade im Hintergrund böses tun – aber für die meisten Leute sind eben auch normale PCs Blackboxen.
Deine grundsätzliche Kritik ist nachvollziehbar aber der Ausweg kann nicht der (für die meisten Menschen zu) komplexe PC (oder Mac) sein. Im Prinzip ist der PC gescheitert – und deswegen verkauft er sich auch nicht mehr gut. Die meisten Kunden wollen nicht am PC herumbasteln, ihn mit Steckkarten erweitern, Treiber installieren, das Betriebssystem warten, Ordnerstrukturen anlegen, Lüfter hören oder das System mal neu aufsetzen, weil irgendwas schief gelaufen ist. Sie wollen nichts über Viren und andere Malware wissen und auch nicht 27 Programme gleichzeitig laufen lassen. Die meisten Menschen wollen heutzutage mit dem PC einfach die Dienste des Internets nutzen und ein wenig mit Medien (Fotos, Musik, Filme, Games) herumspielen – das war's schon. Man kann nicht als Allheilmittel gegen das Ausspähen und zu teure Software (bei Konsolen) allen Leuten stumpf raten: "dann installiere doch Linux." Ich denke, es funktioniert nur umgekehrt: Wir müssen den Herstellern (über Gesetze, Regelungen, Kontrolle und technische Mechanismen) irgendwie klar machen, was geht und was nicht – und bei Missachtung durch die Konzerne muss es schmerzhafte Strafen geben. Die meisten Kunden sind schlicht nicht in der Lage, sich selbst zu wehren, daher muss das anderweitig geregelt werden.