Beiträge von Retrofan im Thema „Eigenes Konsolen-Unternehmen hier in Deutschland?“

    Ich mache jetzt mal, was ich auch beruflich immer wieder machen muss, wenn ein Kunde schon mit einer Diagnose zu mir kommt, die genau beschreibt, was ihm angeblich fehlt ("ich brauche ein neues Logo"). Ich vergleiche das immer mit einem Patienten, der schon beim hineingehen in die Arztpraxis dem Doktor erzählt, er habe Krebs, Morbus Irgendwas oder eine andere Krankheit, von der er mal gelesen oder gehört hat. Was ich dann tue, ist "einen Schritt zurücktreten" und dann das ganze mal in Ruhe von außen betrachten – bessere Übersicht und neue Perspektiven. Oder übersetzt: "Was will man eigentlich erreichen?"

    Ich denke, Hardware ist doch überhaupt nicht (mehr) das Problem. Hardware, auf der man Spiele zum Laufen bekommt, gibt es wie Sand am Meer in jedem Haushalt und in jeder Hosentasche. Was wäre denn der Vorteil, wenn man weitere Hardware produzieren würde – selbst wenn das in Deutschland oder zumindest Europa geschehen würde? Man würde doch nur noch mehr Elektroschrott (von morgen) erzeugen. Was ist denn an der vorhandenen Hardware verkehrt? Ich glaube, man hat hier das Bauchgefühl, dass die eigenen Wünsche von der Spiele-Industrie ignoriert werden und man sich in dem Angebot an Software-Titeln nicht (mehr) wiederfindet. Zu viel 3D, zu viel online, zu komplex, zu wenig Spielspaß. Habe ich das evtl. richtig analysiert?

    Dann sollte die Antwort auf die Frage, bzw. die Lösung des Problems nicht in der Hardware gesucht werden, sondern eher im Bereich Software-Entwicklung. Es gibt ja eine Menge an aktuellen "Retro-Spielen" auf unterschiedlichen Plattformen (ich selbst stelle ja immer mal wieder Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen. was ich für das iPhone so finde), allerdings müssen sich die Entwickler um den Pixel-Look etc. immer selbst kümmern. Was haltet ihr von der Idee, eine standardisierte Retro-"Hardware" zu definieren und diese dann nicht zu bauen, sondern gleich zu emulieren, sodass (Indy- und Hobby-) Spiele-Entwickler eine technologische Basis haben, auf der sie ihre Projekte realisieren können? Man hätte dann ein SDK für Mac/Linux/Windows zur Verfügung und hätte eine ungewöhnliche, virtuelle Zielplattform mit meinetwegen 200 x 200 Pixeln, 64 festen Farben, Rasterroutinen, soundso vielen Sprites und Tonkanälen etc. (und einfach zu nutzenden Möglichkeiten, diese Fähigkeiten anzusprechen) Und für diese virtuelle Hardware stellt man dann Emulatoren für die unterschiedlichsten echten Hardwares (Settop-Boxen, PCs, Smartphones, Konsolen, Tablets, TV-Sticks ...) zur Verfügung. Gut, das wäre jetzt etwas ganz anderes, als dem Threatstarter vorschwebte – aber evtl. löst es genau das Problem, das er gesehen/gefühlt hat.

    [Edit] Ich habe diese Idee noch einmal in einem Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen. formuliert, um darüber ausführlicher diskutieren zu können. Wer dazu also etwas betragen möchte, der folge bitte dem Link.

    Unabhängig vom Erfolg der Umsetzung dieser Idee finde ich die Diskussion einiger hier äußerst demotivierend.


    Ich weiß ja nicht, wen du mit "einige" gemeint hast, aber dein weiterer Text sagt auch nichts anderes als das, was ich und andere hier schon geschrieben haben:

    [...] Elektronikfachmann auf dem Level Ingenieur [...] Prototyp [...] Software [...] Materialbeschaffung [...] (Kalkulation). DAS alles muss vorher geklärt sein, bevor Dir einer Geld anbietet für eine Idee.


    Das ist quasi, was hier "alle" dem Threadstarter sagen: Mach erstmal deine "Hausaufgaben" (Recherche bzgl. Marktchancen, Technik, USP, Finanzierungsmodelle ...), Such dir ein "Kompetenzteam", Mach einen Businessplan oder konkretisiere wenigstens auf 2 – 5 DIN-A4 Seiten, wie das Projekt KONKRET aussehen soll und was das (in Steps) ungefähr kosten wird. DANN kannst du evtl. Leute (über indiegogo etc.) um ihr Geld bitten, um in die Realisierung einzusteigen. Und bleib trotz aller Widrigkeiten motiviert, denn sowas wird in der Umsetzung einige Jahre benötigen.

    Wo sind die Leute, die Ahnung haben? Wo finde ich sie?


    Die haben häufig einen bezahlten Job und wollen von dir eine Art Garantie, dass du sie bezahlen kannst, wenn sie für dich ihren sicheren Job an den Nagel hängen. Und sie wollen einen Plan, der realisierbar erscheint. Auch hier hilft der Businessplan, der eigentlich die Grundlage eines jeden Projektes dieser Art sein sollte – außer man finanziert das alles aus seinem Privatvermögen.

    Zumal es bei Crowdfunding erstmal um Ziele, Pläne oder Ideen geht, die ohne Finanzierung gar nicht realisiert werden können.


    Vielleicht sehe ich das etwas eng aber meines Erachtens sollte man, wenn man Geld über eine Crowdfounding Plattform einsammeln will, so etwas ähnliches, wie einen Businessplan haben, wenn sonst schon nichts greifbares (Prototypen, Team etc.) vorhanden ist. Wenn einem jemand Geld geben soll, dann will der üblicherweise wissen, wofür genau und wie groß die Chancen stehen, dass es nicht einfach weg ist. Siehe Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen..

    Bei anderen Projekten, wie z.B. einem Computerspiel oder einem Gadget existieren zum Zeitpunkt der Geldbeschaffung meistens schon konkrete Demos, Skizzen, Prototypen und ein motiviertes Team von Fachleuten, die in der Lage sind, auch noch die letzten 25% bis zum zum Release zu schaffen. Ich glaube, du fängst etwas zu früh mit der Finanzierung an (aber was weiß ich schon).

    Sehe da jetzt nicht das Problem, außer den üblichen deutschen Pessimismus.


    Ich gehöre da wohl zu den Pessimisten bzw. Realisten. Lies dich mal durch die Probleme durch, die die Jungs von Pandora, Ouya und Co. hatten, bis da überhaupt mal was Brauchbares existierte. Und wenn so eine Konsole dann endlich in Produktion gehen sollte, ist sie wegen der geringen Manpower bei der Entwicklung und den ganzen anderen Schwierigkeiten schon wieder total veraltet, was u.a. die Bauteile-Beschaffung erschwert. Und diese Jungs haben noch nicht einmal groß was in die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems gesteckt – da wurde einfach ein Linux Derivat bzw. Android draufgepackt. Und anders geht es auch gar nicht, sonst findet man nicht einen einzigen Entwickler, der Software dafür portiert oder neu schreibt. Egal, welchen Aspekt man sich auch herauspickt, Hardware, Betriebssystem, 3rd-Party-Spiele-Entwickler, Finanzierung, Kosten für Prototypen und Produktion, Bauteilebeschaffung, Vertrieb, Rücknahme/Recycling – da gibt es so viele Unwägbarkeiten, Hürden und Showstopper – da darf man nicht nur keine Ahnung haben und Tagträumer sein – nein, man muss schon masochistische Neigungen haben, um sich so etwas freiwillig anzutun. Aber wenn es dennoch klappen sollte: Hut ab! :wink: