Beiträge von 1ST1 im Thema „Eigenes Konsolen-Unternehmen hier in Deutschland?“

    Bei einem Amiga-basierten System hast du aber das Problem, dass das Copyright am Betriebsystem bei Amiga Inc. liegt und die da wahrscheinlich nicht mitziehen. Ich schlage daher als Alternative was auf Basis des Atari ST...Falcon vor, denn dafür sind zwei komplett freie und kompatible Betriebsysteme zu bekommen, EmuTOS und MiNT, selbst das zugrunde liegende GEM wurde vor Jahren auf eine OpenSource-Lizenz umgestellt.

    Sind die nicht wegen des Todes Ihres Gründers seit Anfang des Jahres geschlossen????

    Wenn zwei Forenbeiträge das behaupten, wirds schon stimmen. ATARI ist auch tot. Aber all das hatte eh nix mehr mit den Firmen, die wir von unseren geliebten Rechnern noch kennen, mit denen wir unsere ersten Gehversuche in der IT machten, für und mit denen wir arbeiteten, spielten, programmierten und Software bis zum Abwinken kauften, kopierten und sammelten - und es immer noch oder wieder tun - rein garnichts mehr zu tun.

    Unabhängig vom Erfolg der Umsetzung dieser Idee finde ich die Diskussion einiger hier äußerst demotivierend.
    Projekte wie das Open Pandora, der Kiwi oder vielleicht sogar Commodore USA haben gezeigt, dass es Leute gibt, die mit viel Einsatz und Leidenschaft an eine Idee rangehen. Aber hier kommt dann sofort "Damit die Leute ihren Job aufgeben..." oder "50.000 Euro Jahresgehalt". Mag sein, dass ihr das witzig gemeint habt, aber hier wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Ich glaube auch nicht, dass er das schafft, da er falsch anfängt, trotzdem muss man ihn hier nicht gegen die Wand fahren.

    Es IST demotivierend, aber so ist es eben. Pandora ist kein Erfolg. Kiwi auch nicht. Und bei Commo-USA werden wir es erst noch sehen. Bei letzterem vermute ich mal da steckt hoffentlich wenigstens noch eine größere Geldsumme dahinter. Erfolg messe ich daran, dass man die Konsole in gängigen Läden kaufen kann, und das ist mir bei Kiwi und Pandora noch nicht begegnet.

    @C64_Fan: Erst mal mit einer StartNext-Kampoagne zu starten ist der falsche Anfang. Wie weit ist Deine Theorie gereift? "Ich hätte gerne" steht da ganz am Anfang. Dann kommt ein Konzept, Ausarbeitung der Theorie: Technische Basis, Problem der Softwarebeschaffung, Matreialbeschaffungsplan, Geplanter Verkaufspreis, Vertriebsstruktur.

    Die Frage ist, wird ihm über eine StarNext-Kampagne überhaupt jemand Geld anvertrauen. Solche Projekte funktionieren doch nur, wenn man schon einen Namen in dem Themenbereich hat, wenn man etwas fertiges vorzuweisen hat, was auch was taugt, usw. Sonst könnt ja da jeder kommen, Startnext-Kampagnen auf Luftschösser, und sobald die Kohle da ist, Konto zu machen und mit der Kohle verdünnisieren.

    - Hast Du überhaupt eine elektrotechnische Ausbildung? Wenn nein, brauchst Du einen Elektronikfachmann auf dem Level Ingenieur, um das Teil erst mal zu planen.

    Einer reicht da nicht, um das Ding in vernünftiger Zeit fertig zu machen. Es ist ja wesentlich mehr als nur ne Platine machen, und selbst da kann ein Ingenieuer nicht alles machen. Es gillt zum einen die Chips richtig miteinander zu verschalten, die ganze Analog-Elektronik drumherum, das ganze Frequenzgedöns (denn was bei 1 MHz funktioniert, muss es bei 100 Mhz nicht unbedingt), nicht zu vergessen die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV, CE) ohne die man die Dinger nicht in Europa verkaufen kann (und in Übersee West und Ost auch nicht), elektrische Sicherheit (Isolation, Kurzschlussverhalten, etc.), Gehäusedesign, evtl. sogar Chipdesign wenn man sehr individuell sein möchte oder es unbedingt besser als ATI, nVIdia, Sony, Nintendo, Microsoft, Commodore, ... weiß, es muss ein Softwareteam da sein, welches das Basissystem, Netzwerkunterstützung, Laufwerksansteuerung, Kopierschutzmechanismen und Programmierschnittstellen implementieren muss - das schafft auch einer nicht alleine, und vieles mehr. Außerdem braucht man Marketing, Support, Vertrieb usw.


    - Prototyp: den musst Du entwickeln (lassen), bauen, testen (lassen).

    Wie eins weiter oben geschrieben, einer alleine kann das nicht, außer vielleicht bei einer einfachen 8-Bit-Konsole. Aber wer außer einer kleinen Retro-Szene will sowas noch? Außerdem gibts da noch genügend echte Retro-Hardware in der Bucht, und massig Spiele.


    -Software: WER soll die Spiele schreiben? Inwiefern unterscheiden die sich von den anderen Games, die auf Android-Basis laufen? Hier wäre mal ein Besuch auf der Gamescom interessant, dort sind in Halle 8 einige Unis, die junge Leute zu Gamedesignern ausbilden. Vielleicht bekommst Du hier ein paar Kontakte.

    Die Spieleentwickler werden stöhnen: Noch ne Plattform, die sie mit ihren Spielen unterstützen sollen? Ja ist da denn überhaupt ein Markt, wieviele Konsolen wurden schon verkauft, wieviele können verkauft werden, was taugt das Teil denn? Wie sieht es denn mit Schutz vor Raubkopien aus? Es ist null vorzuweisen, also keine Chance.


    - Materialbeschaffung: Ganz großes Thema. Die Herstellung der Konsole (Material plus Montage INCL. Gehäuse und Controller!) darf mal grob geschätzt die 20% des VK´s nicht überschreiten.


    Die wirklich erfolgreichen Konsolen von Sony, Microsoft und Nintendo sind teils durch die Spiele quersubventioniert. (wer also diesen Herstellern ein bischen weh tun will, kauft so ne Konsole ohne Spiele und legt sie die nächsten 10 Jahre ungeöffnet in den Schrank...)

    DAS alles muss vorher geklärt sein (und auch offen gelegt werden), bevor Dir einer Geld anbietet für eine Idee.

    Wer lötet denn heute noch selber, wer schraubt denn noch selber? Nein, entweder muss man dafür Schlecker-Frauen für die Montage einstellen (welcher Ingenieur organisiert eine geregelte Produktion?), oder doch besser ein Auftragsfertiger - der wird natürlich auch erstmal wegen der Stückzahl fragen...

    Ich denke, dass sowas aus dem Nichts heute nicht mehr geht. Wenn man da wirklich was reißen will, muss man bei den etablierten Herstellern einsteigen, und selbst dazu muss man schon was vorweisen können, wenigstens einen ausgezeichneten Abschluß in Elektronik, (Ingenieur-)Informatik, Feinwerktechnik, Spieledesign, etc.

    Wir leben aber nicht mehr in der Computersteinzeit als die richtigen Leute mit der richtigen Idee mit 0815 Bauteilen aus dem Bauteil in der Garage mal eben die Computerwelt revolutionieren konnten.

    Es gibt noch solche Nischen, die derzeit noch von Kleinstfirmen erfolgreich beackert werden, ich nenne mal 3D-Drucker und Einplatinen-Bastel-Computer wie den Rhapsberry-Pi. In dieser Richtung dürfte es noch vergleichsweise leicht sein, eigenes Knowhow aufzubauen und eigene Wege zu gehen, um besser zu sein als die Mitbewerber. 3D-Druck könnte, immerhin soll Windows 8.1 solche Drucker direkt unterstützen können, das nächste Massenthema werden. Aber als Garagenfirma bei Spielekonsolen mitreden zu können halte ich für aussichtslos, die Großen sind zu stark und machen einen spätestens mit ihren Patenten platt.

    Wer eine eigene Konsole entwickeln und produzieren will, den gebe ich folgenden Tipp:
    - studieren, studieren, studieren, Hardware, Software je nach Geschmack, und darin verdammt gut sein und das auch durch die Abschlussarbeit beweisen
    - dann bei Nintendo, Sony oder Microsoft bewerben und dort die eigenen Ideen einer Spielekonsole durchboxen
    Viel Erfolg!