anstatt "off-topic" hätten wir diesen Thread auch "Mr- Museum will seine Produktidee unbedingt umgesetzt sehen" nennen können. Ich will mal versuchen ganz sachlich zu bleiben:
Micromys V3 wurde in vielen Punkten weiter entwickelt und ist durch die Weiterentwicklung für ein breiteres Publikum nutzbar (drei anstatt ein Computersystem). Es gibt keinen anderen Mausadapter, der mit so vielen Mäusen kompatibel ist, und selbst an KVM-Switches anstandslos funktioniert. Und wenn Du Dir unsicher bist, habe ich schon vor vielen Monaten in diesem Forum Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen., in dem zu lesen ist, dass Du Deine Maus bei Problemen zu mir schicken kannst, damit ich das überprüfen kann. Damit werde ich ganz sicher keine Reichtümer gewinnen, sondern ehr draufzahlen. Wenn Du mich also so sehr verteufeln willst als denjenigen, der so furchtbar viel Geld aus der Retro-Szene zieht, kannst Du mir richtig fett schaden, wenn Du mir reichlich inkompatible PS2-Mäuse schickst.
Chameleon, abgespeckte Version:
Fangen wir bei dem "unnötigen Gestöpsel" an: Der Audio-Ausgang. Der Wandler besteht aus Grips, welcher im FPGA untergebracht ist, das nennt sich "sigma-delta-Wandlung". Die Theorie dahinter ist ein virtuelles, höchstwertiges Bit, das mit einer gnadenlosen Oversampling-Rate ein- und ausgeschaltet wird. Außen am Chip befindet sich ein RC-Glied zum Herausfiltern der Oversampling-Frequenz und eine 3,5mm-Stereo-Klinkenbuchse. Sparpotential: Ca. 1,- EUR.
VGA-Buchse: Die willst Du sicher nicht sparen, schließlich ist das das Hauptmerkmal des Cartridge.
MMC-Slot: Sparpotential ca. 80 Cent, Ansteuerung durch CPLD und FPGA bereits vorhanden.
PS2 Tastatur- und Maus-Anschluß: Hier werden wieder ein paar Pins am CPLD gebraucht, zusätzlich noch ein 4-fach Widerstands-Array als Pull-up gegen 5V. Sparpotential: Ca. 0,5 Cent (0,005 EUR). Würde ich das weglassen, könnte ich wunderbar auf das Produkt "Micromys V3" verweisen und könnte mehr Umsatz machen - darüber hättest Du ganz sicher mehr zu meckern - sogar zurecht.
IEC-Buchse: Wieder ein Teil des Kabelbaumes, vier Pins am CPLD, ein weiteres Widerstands-Array von 0,5 Cent. Würde ich das auch noch weglassen, hätte man den ganzen Kabelbaum und die 9-polige Sub-D Buchse gespart, das Sparpotential zusammen mit den PS2-Buchsen liegt also in der Gegend von 10,- EUR. Der Verlust wäre jedoch ungleich größer, denn wir hätten das gleiche Problem wie mit MMCR auch: Nachlade-Spiele und Demos, die einen eigenen Trackloader haben, werden nie von MMC-Karte funktionieren. Darüber hättest Du ganz sicher auch was zu meckern - wieder zurecht.
Mini-USB Buchse: Sparpotential zusammen mit dem Microcontroller ca. 5,- EUR. Der Microcontroller erfüllt aber noch andere Funktionen, wie z.B. den Launch des FPGA, er stellt den Basistakt für das ganze Subsystem zur Verfügung (8MHz, wird im FPGA per PLL auf 166MHz multipliziert) und enthält auch noch ein EEPROM für die Speicherung von BIOS-Einstellungen. Das Sparpotential wird also noch verringert, weil man bei Verzicht auf den Microcotnroller wieder andere Bauteile einfügen muss, wie z.B. einen größeren CPLD, oder ein intelligentes config-Flash für den FPGA. Takt muß auch noch irgendwoher kommen. Des Weiteren verliert man die Möglichkeit, dass der FPGA im laufenden Betrieb umkonfiguriert werden kann. Du wärest also festgelegt auf einen einzigen Betriebsmodus der Hardware und könntest keine Hardware-Updates per Internet-Download mehr bekommen. Darüber hättest Du ganz sicher etwas zu meckern, weil Du länger auf das Modul warten müsstest, und eine Update-Aktion immer eine Herzoperation für echte Experten wäre.
Die USB-Buchse ist auch für Entwickler interessant: Man kann vom PC aus "in den laufenden C64 hineingucken", außerdem kann man den FPGA umkonfigurieren - so wie mit 500,- EUR FPGA-Entwicklerboards. Nur mit dem Unterschied, dass Du weder teure Adapterkabel kaufen musst, noch dass Du einen (doch recht selten gewordenen) Parallelport am PC brauchst.
Speicher: 32Mbyte ist ne Menge Holz für einen C64. Das SD-Ram ist heutzutage aber echt kein Kostenfaktor mehr. Würde ich auf 8MB reduzieren, kämen wir vielleicht auf ein Sparpotential von 0,80 EUR, denn der Chip selbst (also das Package) ist teuer, nicht aber das Silizium darin. Noch weniger Speicher kann man als schnelles SD-Ram gar nicht kaufen, da müssten wir uns schon bei S-Ram umschauen, was aber wieder teurer ist. Die 32MByte sind meiner Meinung nach ein prima Kompromiss, denn für ein Sparpotential von 0,80 EUR würdest Du die REU und ein chunky VGA-Display aufgeben. Darüber hättest Du garantiert etwas zu meckern - zurecht.
Der CPLD ist schon recht klein, da gibt's kein Sparpotential. Vielleicht könnte man den einzelnen Logikchip sparen, der noch im C64-Interface sitzt - Sparpotential 0,15 EUR, weil am CPLD durch andere Sparmaßnahmen wieder Pins frei geworden sind.
Damit sind wir beim größten Kostenfaktor angekommen, beim FPGA. Das ist ein Cyclone3 mit 25k Logikzellen. Der Prototyp läuft auf einem Cyclone2 mit 8k Logikzellen, was uns auf den reinen VGA+Turbo-Betrieb beschränkt. Hier gäbe es wirklich dickes Sparpotential: Der EP2C8 kostet rund 21 Dollar, der EP3C25 kostet 39 Dollar. Sparpotential: Rund 12,- EUR.
Nach Adam Riese macht das ein Sparpotential von grob 30,- EUR. Das Produkt wäre stark eingeschränkt, es wäre zu keiner anderen Erweiterung kompatibel, es hätte keinen Massenspeicher, es würde deutlich weniger Kunden ansprechen, es würde GAR KEINE ENTWICKLER ANSPRECHEN, es würde die Grundbedürfnisse eines heutigen C64-Liebhabers nicht befriedigen. Vielleicht würden wir zwei oder drei Kunden mehr gewinnen, aber wir würden ohne Zweifel 90% der jetzt angepeilten Kundschaft vergraulen.
Eine Diskussion über ein abgespecktes Produkt halte ich erst dann für sinnvoll, wenn Du eine Bestellung über mindestens 500 Stück platzierst, die mit einer Bankbürgschaft unterlegt ist.
Jens