Ich möchte mal ein paar Infos zu keramischen Kondensatoren weitergeben, die vermutlich noch nicht bei allen angekommen sind:
Zunächst: Es gibt verschiedene Keramiken mit verschiedenen Eigenschaften.
Die Wichtigsten:
NP0 - für kleine Kapazitäten, sehr gute Eigenschaften
X7R - auch für größere Kapazitäten bei kleinen Bauformen, aber schlechter als NP0
Y5V - kleine Bauformen bei hohen Kapazitäten, möglichst vermeiden oder nur dort einsetzen, wo es nicht so drauf ankommt.
Was sind gute Eigenschaften bei einem Kerko?
- Stabilität der Kapazität über die Temperatur und die Spannung
- keine dauerhafte Veränderung der Kapazität beim Lötprozess
- kein oder geringer Piezzo-Effekt
- geringer Kapazitätsverlust bei DC
Und genau dieser letzte Punkt wird gerne übersehen. Wenn keramische (Vielschicht-)Kondensatoren mit einer hohen Gleichspannung (in der Größenordnung der Spannungsfestigkeit) betrieben werden, verlieren sie je nach Typ bis zu 80% ihrer Kapazität (wieviel genau, sagt vielleicht das Datenblatt des Herstellers - wenn man Kondensatoren aber nicht rollenweise kauft, weiß man oft nicht einmal den Hersteller geschweige denn den genauen Typ des Kondensators). Ein 6,3V-Kerko mit 1µF Nennkapazität hat bei einer Betriebsspannung von 5V unter Umständen also nur noch ca. 200nF Kapazität... Wenn man die Toleranz berücksichtigt, vielleicht noch weniger. Wird die Spannung weggenommen, ist die Nennkapazität wieder da. Wenn man das nicht berücksichtigt, hat man ziemlich schnell Fehlfunktionen in der Schaltung. Man sollte also entweder die Kapazität deutlich größer wählen als berechnet (bei Stützkondensatoren) und / oder die Spannungsfestigkeit sehr viel höher als theoretisch möglich wählen, um den Effekt zu kompensieren. Und gute Kerkos haben eine kleineren Kapazitätsverlust wie schlechte. Man hat also auch mit der Wahl des richtigen Typs Einfluss auf diese Eigenschaft.
Mit Ausnahme von NP0-Kondensatoren weisen auch alle anderen Keramiken zudem mehr oder weniger einen Piezzo-Effekt auf, d.h. bei Erschütterung geben sie winzige Spannungen ab. Beim Einsatz als Siebkondensator ist das kein Problem, in einem Vorverstärker, der µV verstärken soll, ist das fatal.
Insbesonders keramische SMD-Kondensatoren kleiner Bauform im µF-Bereich sind keine guten Kondensatoren. Als Blockkondensatoren brauchbar, wenn man die Eigenschaften berücksichtigt, im Signalzweig: Finger weg.
Die Faustregel lautet: je kleiner der Kondensator und je größer die Kapazität, desto schlechter die Keramik.
Es macht also nicht immer Sinn, Elkos oder Tantalelkos durch keramische Kondensatoren zu ersetzen. Wenn man sich über die Eigenschaften und den Einsatzzweck an der konkreten Stelle in der Schaltung schlau gemacht hat, kann das problemlos funktionieren, ein blinder Tausch ist aber nicht zu empfehlen.