Beiträge von Ruudi im Thema „c't816 - C64 mit 4-MHz-Takt und 16-Bit-CPU - Bastelanleitung in der "c't" (Ausgabe 6/1987)“

    Bei einigen meiner Programme muss ich z.B. den Takt bei TC64 oder SCPU64 auf 1MHz reduzieren.

    Also letztlich ist auch ein gepimpter C64 kein C64 mehr, sondern ein neuer Computer mit einem C64 Kompatibilitätsmodus.

    Das wiederum kann aber ein moderner PC etc. deutlich besser, d.h. wenn man den Emulator auf "max speed" stellt, kommt deutlich mehr raus als schnöde 25%...

    Daher eben die Sinnfrage: was soll so eine Erweiterung heute noch, wo doch ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, selbst wenn man grundsätzlich beim C64 als "Target" bleiben will...

    Wenn man dann schon weiß, das selbst das gepimpte Gerät kaum schneller sein wird, dann stelle ich mir wirklich die Frage, warum man sowas dann machen sollte?

    Dass es geht weiß man seit den historischen Vorbildern, von denen das genannte ct Projekt sicherlich noch nicht mal das Highlight war...

    Und ohne smd geht es eben nicht wirklich viel kleiner, denn CLPDs im DIL Gehäuse sind eher selten und selbst im PLCC Gehäuse mit THT-Sockel heute schwer aufzutreiben...

    Old school war THT sowieso nur im Lowcost-Bereich im Westen, Asien setzte von Anfang an auf smd und die Gehäusebauformen für smd sind teils sogar schon in den 1960ern entstanden, jedenfalls aber waren die meisten der heute noch verbreiteten Hobby-tauglichen Bauformen schon VOR der Einführung des PET verfügbar, ich habe z.b einen Valvo-Katalog von 1977, der sehr viele smd-Bauformen bereits beinhaltet.

    Also reine Ausrede für die eigene Grobmotorik und/oder Altersstarrsinn, seit es die moderne Halbleiterelektronik und PCBs gibt, gibt es parallel auch THT und smd.

    Letztlich der gleiche Ansatz wie bei TurboProcess und Flash8 von Rossmöller und auch der CMD S-CPU, nur das Letztere noch deutlich weiter gepimpt wurde und später enstand, d.h. auch schon höher integrierte und komplexere programmierbare Logik enthält.

    Und darkvision ja: wenn man es in smd macht und konsequent die größten verfügbaren RAM/ROM Bausteine verwendet, sowie ein CPLD anstelle der div. TTL-Logik und GAL/PAL, dann bekommt man das sehr sehr kompakt hin.

    Was aber immer bleibt: die 65(C)816 kennt eben KEINE der illegal op codes der 6502, dafür aber natürlich erweiterte Befehle sowohl für den 8 Bit, als auch natürlich Umschaltung und 16bit Betrieb, d.h. die C64 Kompatibilität ist nicht besonders hoch, insb. Cracks und Demos laufen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht oder nicht korrekt.

    Zudem stellt die 65xx Architektur mit ihrem 2-Phasen-Takt hohe Ansprüche ans timing, was mit zunehmender Taktrate immer schwerer erfüllbar wird und der VIC-II mit seinen Eigenheiten macht die Sache nicht einfacher, im Gegenteil: vom nominal 4fachen Takt bleibt real nicht allzu viel Performance übrig und dann noch das 8bit Speicher-Nadelöhr, ähnlich wie beim UR-PC/XT von IBM mit dem i8088 oder dem 68008 im Sinclair QL.

    Ich habe mich während Corona mal mit diesen Turbo-Karten etwas gespielt und muss einfach als Resumee festhalten: es lohnt nicht, hier eine Neuauflage zu machen:

    a) fast keine Software

    b) wenig Performance-Gewinn

    c) mangelnde Kompatibilität zu den NMOS 65xx CPUs (s.o.)


    Was die Lösung aus der ct anbelangt: die war noch dazu unausgereift und bugbehaftet, d.h. das wird ein Faß ohne Boden, siehe die Site oben von egretz dazu...