Beiträge von 0xdeadbeef im Thema „Welcher Filme stellen Computer Realistisch dar“

    Fairerweise muß man sagen, daß (hochglanzpolierte) Filme und Serien so ziemlich gar nichts realistisch darstellen, nur fällt einem halt vor allem das auf, was das persönliche Steckenpferd ist. Aber natürlich ist alles (aus Sicht der Macher) "aufgehübscht", simplifiziert oder dramatisiert. In Predator trägt einer der Marines eine Brille, weil der Regisseur meinte, daß man sie sonst nicht unterscheiden kann, obwohl ihm klar war, daß es zu diesem Zeitpunkt keine Brillenträger bei den Marines gab. In den meisten Historienfilmen haben die Leute tolle Haut, perfekte Zähne und tragen viel zu gute Kleidung in Farben, die zur jeweiligen Zeit in dieser Form unmöglich gewesen wären. In Western und dergleichen werden Waffen verwendet, die es zu der Zeit nicht gab, weil sie cooler aussehen usw. Dabei gibt es bei großen Filmen immer Berater, die es besser wissen. Nur hört man halt nicht auf sie.

    In diese Kategorie fallen auch Sachen wie Wikingerhelme mit Hörnern, der fast immer falsch dargestellte Kamm (Crista) auf römischen Helmen oder Autos, die beim Sturz von der Klippe sofort explodieren.

    Ein ähnlicher Fall ist das sagenhafte Schwert Excalibur. In 99.999% aller Filme, Serien usw. wird es mit dem Schwert im Stein gleichgesetzt, obwohl eine einminütige Recherche oder kurzes Nachdenken ("Lady of the Lake" und so) ergeben würde, das das nicht sein kann (auch wenn es natürlich eh ein Sagenkonvolut ist).

    Mal abgesehen davon haben die meisten Autoren und Filmschaffenden den naturwissenschaftlichen Horizont von Kindern. Sie hören halt irgendwas, finden es cool und denken, sie hätten es verstanden, weil sie es in ihre Vorstellungswelt übertragen. So wird in Dan Brown Illuminati Antimaterie aus dem Cern gestohlen und dann mit batteriebetriebenen Containern wochenlang in der Gegend rumgeschleppt. Und schließlich wird halt alles ignoriert, was die Handlung ad absurdum führen würde. Im hochgelobten Marsianer gibt es keine kosmische Strahlung, in Interstellar wird zwar die Zeitdilatation in der Nähe von schwarzen Löchern ausführlich behandelt, aber die Gravitation praktisch komplett vernachlässigt.

    Aber so weit muß man eigentlich nicht gehen. Ich kenne keinen Film, in dem die Leitfähigkeit von Wasser oder der Stromfluß im Wasser einigermaßen korrekt dargestellt wird, aber es gibt unzählige Filme und Serien, in denen die genialen Hauptdarsteller ganze Scharen von Gegnern damit ausschalten, daß sie in einem unter Wasser gesetzten Raum ein Stromkabel ins Wasser halten. Meist noch dramatisiert mit blauen Blitzen.

    Überhaupt steht die absurde Darstellung von Elektrizität und Magnetismus der von Computern nicht nach. Da werden Leute mit Autobatterien defibrilliert (Defibrillation wird überhaupt zu 99.9% falsch dargestellt), Batterien an Weidezäunen aufgeladen (OK, das war ein Spiel) und Elektromagneten ziehen Leute an ihren Armbanduhren aus 100 Meter Entfernung an.

    So gesehen ist die Darstellung von Computern in Filmen und Serien eigentlich nicht besonders schlimm. Und fairerweise muß man sagen, daß es in den letzten zwanzig Jahren besser geworden ist. Wurde in den 90ern was am Computer recherchiert, war es immer absurd, heute geht es meist in Richtung Google-Clone, was soweit OK ist. Und die besonders schlimmen Fälle in der Vergangenheit waren ja in der Regel vor allem konzeptionell bescheuert. Klassiker: Jeff Goldblum lädt in Independence Day einen Virus mit einem Apple PowerBook auf ein außerirdisches Raumschiff hoch. Das wäre durch eine beliebig andere Darstellung der Benutzeroberfläche auch nicht intelligenter geworden.