Beiträge von 0xdeadbeef im Thema „16bit Multiplikation in Assembler“

    Hmm, aber eine solche analoge "kontinuierliche" Spannung lässt sich ja wieder in abzählbar viele Sinus- bzw. Kosinusterme zerlegen (Fourierreihe) und wäre nach deiner Definition eigentlich wieder digital. Vielleicht sollte man den Begriff "digital" besser auf endliche Signale beschränken.

    Das ist eine ziemlich bizarre Argumentation. Man könnte argumentieren, daß es keine wirklich kontinuierlichen/analogen Werte gibt, weil Ladung, Energie und vermutlich auch Raum und Zeit gequantelt sind. Aber die Fourierzerlegung hat damit nun wirklich gar nichts zu tun.

    Diskret ist das Gegenteil von kontinuierlich und digital das Gegenteil von analog. Aber im Kern ist die Bedeutung ähnlich.

    Digital bedeutet eigentlich "abzählbar" ("digitus" ist das lateinische Wort für Finger) und diskret bedeutet ursprünglich "unterschiedlich" ("discernere" heißt "unterscheiden"). Die Bedeutung ist also praktisch identisch, aber der Sprachgebrauch unterscheidet sich trotzdem leicht. Wenn man einen Wert digitalisiert, wird er von einer kontinuierlichen Größe (analoge Spannung) in eine diskrete Größe (digitaler Wert) überführt.

    Digitaltechnik ist also eine Technik, die auf abzählbaren Zahlenwerten basiert und nicht auf kontinuierlichen analogen Spannungen.

    Daß Digitaltechnik in den allermeisten Fällen mit binärer Logik umgesetzt wurde, hat dazu geführt, daß viele Leute "digital" und "binär" gleichsetzen, aber deshalb haben die Worte trotzdem nicht die gleiche Bedeutung. Man könnte Digitaltechnik auch auf mehreren diskreten Zuständen aufbauen, aber zwei Zustände (an/aus) sind halt einfacher zu handhaben. Es ist aber in jedem Fall ein Irrglaube anzunehmen, Digitaltechnik würde nur zwei Zustände kennen. Das ist schon auf der untersten Ebene nicht der Fall (Tristate von Bussen) und natürlich kann man auf digitale Modulation/Demodulation mit viel mehr als zwei Zuständen betreiben. Spätestens auf der Ebene von Mikroprozessoren sollte jedem klar sein, daß sie digital sind, weil sie mit abzählbaren Werten arbeiten, aber daß die Implementierung basierend auf binärer Logik halt nur eine Möglichkeit der Implementierung sind, wenn auch derzeit praktisch die einzige.

    Das muss keine Verwechslung sein. In meinen Jugendjahren (Mitte der 80er) hat man beide Begriffe tatsächlich noch synonym benutzt.

    Das Problem war und ist, daß 99,99% aller Menschen, die den Begriff "digital" verwenden, ihn nicht wirklich verstanden haben. Und bloß weil Digitaltechnik in aller Regel mit binär operierenden Schaltungen implementiert ist, haben "digital" und "binär" noch lange nicht die gleiche Bedeutung. Bloß weil der Papst immer ein Mann ist, sind ja noch lange nicht alle Männer Päpste.

    Allerdings ist es erst in den letzten Jahren so richtig schlimm geworden, seitdem die Umstellung von Behörden usw. auf Internetangebote "Digitalisierung" genannt wird, was in der ursprünglichen Wortbedeutung überhaupt rein gar keinen Sinn ergibt. Aber nachdem heute ja jeder denkt, "Cyber" hätte irgendwas mit Internet oder Hacking zu tun, ist ja eh alle Hoffnung verloren.

    Aber OK, ist "off topic" und ich bin dann mal raus.