Beiträge von Schmitti im Thema „TED's produzieren“

    @s2k: Deine Zweifel sind richtig. Kein Hersteller kann mit den heutigen Prozessen den SID herstellen. Die Masken wären auch nicht einmal das entscheidende. Fixier dich nicht so auf die masken. Direkt verwenden kannst du die ohnehin nicht mehr. Sie können lediglich zur Rekonstruktion mit herangezogen werden. Das geht aber auch notfalls mit mehreren SID's selbst. Dafür könnte man sogar defekte IC's nehmen. Was einfach unabdinglich für eine neue Auflage ist, ist eine fehlerfreie exakte Spezifikation mit den technischen Raffinessen (intern bei den Chipherstellern Design-Report genannt) des IC's. Dann kann man einen neuen SID machen. Das ist im Prinzip mehr als ein Redesign (quasi ein neues Design). Und da das nicht verfügbar ist, bleibt das unrealistisch, da niemand zuviel Geld hat. Mit Versuch macht klug würde man da nur Geld versenken.
    Ich weiß auch nicht, was du mit Produktionsstraße meinst. Meinst du damit die Verpackungslinie, wo das Gehäuse gefertigt wird? Falls ja, gehört da noch sehr viel mehr dazu.

    Infineon (oder ein anderer Hersteller) kann solche Chips nicht herstellen. Dazu werden viele technische Unterlagen benötigt und der richtige Prozess. Beides ist nicht vorhanden. Wenn die technischen Unterlagen vorhanden wären, könnte man immerhin ein Redesign starten (wenn dazu viel Geld auf den Tisch gelegt würde, so etwa ein 6 bis 7 stelliger EUR-Betrag).

    Die Verlustleistung eines IC's wird nicht einfach durch "Shrinken" geringer. Das ist in erster Linie von der Stromaufhnahme abhängig. Zummal beim Shrinken nicht übermässig viel herauskommt, da der größte Teil vom MOS6581 (der ja jetzt hier favorisiert wurde) ohnehin auf analoger Schaltungstechnik beruht.
    Da wäre dann eher ein komplettes Redesign (mit dem entsprechenden Aufwand) erforderlich.

    Die Frage nach der Maskenanzahl ist sicher erstmal interessant. Wenn nämlich nicht klar ist, wieviele der Halbleiterprozess hatte, helfen die 6 auch nicht weiter, wenn noch einige wichtige fehlen. Heutige Halbleiter in älteren Prozessen haben etwa 14 - 20 Masken. Die Anzahl hängt davon ab, welche Optionen im Prozess genutzt wurden. Deshalb gibt es keine feste Anzahl. Da die Commodore-ASIC's noch älter sind, werden es aber eher weniger Masken sein. Um die Schaltung aus den Masken heraus zu bekommen, benötigt man sicher auch nicht alle Masken. Aber halt die entscheidenden, die die aktiven Strukturen darstellen sowie die Metallebenen. Die anderen sind vielleicht nicht erforderlich.
    Des weiteren wirde es vermutlich die alten Halbleiterprozesse nicht mehr geben. Das bedeutet mit den alten Parametern aus den damals verwendeten Prozessen muss das ganze auf neue Prozesse transferiert werden. Theoretisch ist das auch machbar.
    Ich vermute, dass hier im Forum keiner mit solcherlei Thematik bis jetzt Kontakt hatte und ich kann nur sagen, dass das ganze eine schöne Idee ist. Problem bei der Sache ist jedoch, dass ohne die ganzen (und hier meine ich auch wirklich alles) technischen Unterlagen zu den Commodore-ASIC's mit den analogen Schaltungsteilen kein Nachbau sinnvoll möglich ist. Selbst wenn alle Daten vorhanden sind, benötigt man häufig mehr als einen Versuch, bis das IC das tut, was es soll und häufig sind dann auch noch Kompromisse dabei, die anderweitig technisch gelöst werden. Dabei spielen die physikalischen Eigenheiten vom Prozess gerade bei den analogen Komponenten sehr stark mit rein. Ohne Träume zerstören zu wollen, geht das an der Realität vorbei, da der Markt für eine Reproduktion viel zu klein ist.
    Etwas anders sieht es ja bei den rein digital arbeitenden ASIC's aus. Die kann man mit viel Aufwand nachbauen. Ob sich jemand dafür aber die Zeit nimmt, ist eine andere Sache. Diese könnte man dann zumindest mit Adapter in einem FPGA einsetzen. Eine professionelle Reproduktion wird es hier sicherlich aus wirtschaftlichen Gründen ebenfalls nicht geben.
    Das zeigt heute zumindest die Realität in dem Geschäftsbereich der Halbleiterentwicklung. Da stehen immense Kosten dahinter. Es kann also eigentlich nur sinnvoll sein, die IC's, die noch existieren, sorgsam zu behandeln und vermehrt Schutzschaltungen einzusetzen, die Commodore damals aus Kostengründen einfach nicht realisiert hat. Dazu gehört als allererstes ein vernünftiges Design um die Festspannungsregler der 78xx-Serie, die zum Beispiel im Commodore 64 direkt und seinem Netzteil eingesetzt werden. Das habe ich hier im Forum ja auch teilweise schon in einem anderen Beitrag in der Bastelecke beschrieben.