Beiträge von Retrofan im Thema „C64-Farben und Farbsehschwäche“

    Ich hab' das mal numeriert

    Ich nachträglich auch (nach der Reihenfolge in der C64-Palette). Schwarz und weiß sind einfach doppelt groß, weil die keinen Helligkeitspartner haben. Und es ist natürlich nur eine C64-RGB-Palette unter vielen. Je nach C64/Monitor-Kombination, Emu-Einstellung oder PC-Monitor können die Farben abweichen.

    Das alles sollte man aber nach Möglichkeit leicht unterscheiden können. Es ist ja für den Player ein großer Unterschied, ob am anderen Ende des Spielfeldes ein Amethyst für 200 Credits oder ein Diamant für 500 Credits liegt.

    Erst einmal danke, dass du dir dazu Gedanken machst. Früher™ konnte man ja schon froh sein, wenn in Spielen überhaupt mal daran gedacht wurde, welche Farben ausreichend Kontrast zum Hintergrund haben und nicht fast verschwinden – selbst bei einem Farbmonitor und ohne Farb-Fehlsichtigkeit. (Ich war besonders gestraft, weil ich noch einen C64 mit altem VIC (mit weniger Helligkeitsstufen) hatte, den kaum ein Entwickler berücksichtigte.)

    Mir fiel bei meiner Arbeit an Bomb Jack DX auf, dass eine Möglichkeit der Unterscheidung oder auch Abhebung vom Hintergrund in der Vergangenheit drastisch unterschätzt wurde. Und zwar die zeitliche Komponente. Man kann Farben ja auch animieren, von weich pulsierenden Farbwechseln bis zu wildem Geblinke mit schnell wechselnden hohen Kontrasten. Gerade für Edelsteine könnte ich mir vorstellen, sowas zusätzlich zu nutzen, um die Werte unterscheidbar zu machen.

    Benennen ist nicht wichtig

    Doch, aber halt global, für die Sprache gesehen, nicht in einem Spiel. Untersuchungen legen ja nahe, dass eine Farbe, die in einer Sprache keinen Namen hat (und damit ist jetzt nicht Veilchen-Lila oder Petrol gemeint) auch nicht im Hirn "stattfindet" – also gesehen wird (strange, soll aber so sein). Denn, wenn sie als unterscheidbar von anderen Farben wahrgenommen wird, bekommt sie auch eine eigene Bezeichnung – und umgekehrt führen diese Bezeichnungen dazu, dass alle Sprachkundigen diese Farben auch unterschieden (also "sehen" und darüber kommunizieren) können. "Farben sehen" hat halt auch einen kulturellen Faktor und basiert nicht auf Physik allein.

    Beim Tetrachromat-Test sehe ich 39 Farben, grau natürlich nicht mitgerechnet.

    Der Test ist auch Mist, wegen der gleichmäßigen Streifen. Viele werden durch das relativ regelmäßige Muster dazu verführt, Farbgrenzen zu "erahnen", wo sie sie normalerweise nicht wahrnehmen würden.

    Glaube aber, dass ich nur normale RGB-Augen hab.

    Wie fast alle Menschen. Im von mir verlinkten Video wird ja eine Studie zitiert, bei der ein Wissenschaftlicher nach Tetrachromaten per Gen-Analyse gesucht und gerade mal 9 Probandinnen (trifft wegen der doppelten X-Chromosomen fast nur Frauen) gefunden hat. Und selbst von denen wiesen 8 keinerlei besseres Farbempfinden auf. Was ja damit begründet wird, dass das, was auf der Netzhaut passiert nur bedingt mit dem zu tun hat, was an Farbe im Hirn empfunden wird.

    Beim C64 und Klone kann man zwar nicht einfach die Farben ändern, aber beim Emulator schon. Wenn man jetzt nicht gerade R-/G-/B-blind ist, könnte man sich dann nicht die Farben bzgl. Farbton und Farbsättigung unabhängig voneinander so einstellen/auswählen, dass man sie leichter unterscheiden und somit leichter zuordnen kann?

    Das wird man sicherlich tun können – wenn man die schlecht unterscheidbaren Farben in Richtungen schiebt, in der das Farbempfinden besser funktioniert – und eine Sättigungs-Anhebung allein wird bestimmt auch was bringen. Dazu könnte man testweise mal einfach die Colodore-Palette mit maximaler Intensität exportieren und benutzen. Für Normalsichtige wird das sicherlich gruselig aussehen – aber wenn es hilft, dann einfach machen.

    Farben werden im Auge als Differenz (oder Verhältnis?) verschiedener Zäpfchen "berechnet". AFAIK sind da schon im Auge spezialisierte Zellen für da, es geht gar kein RGB (+Helligkeit) ins Hirn.

    "Die Farbempfindung entsteht durch ein Zusammenwirken der eintreffenden „mittleren“ Gesamthelligkeit und von abgleichenden Farbkonstanzleistungen des Gehirns. Die rezeptorbezogene trichromatische Reaktion – als unmittelbare Reizantwort der drei Zapfenarten – erreicht nicht das Bewusstsein. Entlang der Stationen der Signalverarbeitung von den Sinneszellen zum Großhirn werden die Parameterpaare Schwarz/Weiß (Hellwert), sowie Rot/Grün, Blau/Gelb (zwei konträre Buntpaare) geformt." (Wikipdedia)

    Wir "sehen" Farbe (im Hirn) also nicht RGB (wie von vielen angenommen, weil die Netzhaut im ersten Schritt so arbeitet), sondern Rot/Grün–Blau/Gelb also mit 4 Grundfarben + Helligkeit (wie im LAB-Farbmodell dargestellt).

    Das ist halt so ne komische alte Fotografen-Weisheit:

    Bei Sonne gibt es knallige Farben, bei weniger Licht wird es neutraler.

    Vom Gefühl her ist das so wahr...Obwohl man den Film immer gleich gut belichten kann, indem man die Belichtungszeit anpasst!

    Ist wie mit der Pupille, die ius genannt hat: Das Farbsehen MÜSSTE eigentlich gleich sein, aber irgendwie ist es das nicht.

    Ich habe mir dazu nie tiefe Gedanken gemacht, weil es mir einfach logisch vorkommt und deshalb nicht in Frage gestellt werden musste. Wie ich schon vorher sagte: Wenn es kein Licht gibt, ist die Farbsättigung Null. Und je mehr Licht, desto mehr (emittierte) Farbsättigung. Soweit doch eigentlich logisch. Und wenn ich nun die Blende der Kamera (oder die Pupille) im Gegenzug weiter schließe, dann wird zwar weniger Licht durchgelassen aber die höhere Farb-Sättigung ist ja über die Beleuchtung schon da. D.h. für mich, dass ich zwar zum Ausgleich die Helligkeit auf Sensor/Netzhaut reduzieren kann, nicht aber in gleichem Maße die Sättigung. Das erklärt aus meiner Sicht die höhere Sättigung vollständig und damit auch, warum bei besserer Ausleuchtung Farben leuchtender erscheinen und besser unterscheidbar sind.

    Wenn ich da einen Denkfehler habe, dann bitte ich um Korrektur.

    Mach' mal an einem trüben Tag schöne Fotos vom Auto, das Du verkaufen willst.

    Da kannst Du noch so viel dran rumdrehen. Sogar bei einem grauen Auto! Da spiegelt sich die Umgebung drin.

    Auch die Glanzlichter, alles ist schöner.

    Richtig. Das würde ich teils auf einen anderen Effekt schieben. Durch das starke Licht entstehen deutlich stärkere Kontraste (auch bei den Farben aber vor allem bei den Helligkeiten) – während im diffusen Sonnenlicht (durch Wolken) alles in mittleren Helligkeiten erscheint, bekommst du bei Sonnenschein alles von tiefstem Schwarz (in den Schatten) bis zu gleißendem Weiß. Und wenn deutlich mehr Licht da ist, dann spiegelt sich auch mehr Licht auf einer glatten/glänzenden Oberfläche – aus meiner Sicht vollkommen natürlich. (wenn du den Effekt reduzieren willst, sollte ein Pol-Filter helfen).

    sind C64-Farben gut genug unterscheidbar?

    Die C64-Farben sind etwas "gedeckt", also nicht sehr gesättigt. Das könnte die Unterscheidbarkeit teils erschweren. Hinzu kommt, dass die Helligkeitsverteilung (das wahrscheinlich beste Unterscheidungs-Kriterium) nicht gleichmäßig über das Spektrum verteilt ist. Die Helligkeitsunterschiede der "mittleren" Farben sind nur gering, während speziell der Sprung zu Schwarz sehr groß ist.

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    Bei Rot-Grün-Schwäche würde ich darauf tippen, dass grün/hellrot das größte Problem darstellt, gefolgt von violett/orange. Aber vielleicht gibt es noch weitere Problemfälle. Das werden hier die Farb-Fehlsichtigen am Besten beantworten können.

    Ich hab für mich noch keine Erklärung gefunden, warum mehr Licht für sattere Farben sorgt.

    Du meinst sicherlich was komplizierteres aber an sich ist das doch ganz normal: kein Licht = keine Farbe ("nachts sind alle Katzen grau"), wenig Licht = wenig Farbe, mehr Licht = mehr Farbe. In der Dämmerung kann kaum jemand Farben unterscheiden, bei Sonnenschein geht es besser. Aber wie gesagt, du wirst etwas anderes meinen ...

    Zum Thema Farb(fehl-)wahrnehmung hat die "Wissenschafts-Journalistin meines Vertrauens" Dr. Mai Thi Nguyen-Kim einen schönen Beitrag erstellt:

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    Der Film legt u.a. nahe, dass wir eine Farbe erst "sehen" (im Gehirn unterscheidbar wahrnehmen), wenn wir sie benennen können. Ich kenne alte Texte, die den Himmel nicht als blau bezeichnen und die Heide als braun (statt violett).

    Und niemand von uns kann sagen, was ein anderer wirklich "sieht". Deshalb kann man auch nicht beschreiben, welche Farbe jemand empfindet, der eine Farb-Sehschwäche hat. Jemand kann zwar sagen, dass er rot und grün nicht auseinander halten kann – aber wie soll er uns mitteilen, welche Farben er stattdessen wahrnimmt – wir wissen ja nicht einmal was sein Grün oder Rot "ist", weil wir auch nicht wissen, was das Rot oder Grün ist, dass jemand ohne Fehlsichtigkeit empfindet. Wir haben uns schlicht sprachlich darauf geeinigt, dass z.B. eine reife Erdbeere rot ist – was aber im jeweiligen Gehirn beim Ansehen der Erdbeere empfunden wird, das wissen wir vom Gegenüber nicht. Mein "Rot" könnte dein "Gelb" sein (nur anders benannt) und es gibt keine Möglichkeit, das festzustellen.