Posts by MJGraf

    (Und ja, ich habe so um 1987/88 Texte für die Schule mit Mastertext geschrieben. Ich weiß wie Software-80-Zeichen aussehen. Ich will sie nicht zurück.)

    Hmm, ich habe mir Mastertext mal angeschaut. Das verwendet doch den ganz normalen Zeichensatz.

    Zum editieren, ja. Es gibt aber noch eine Druckvorschau, die Software-80-Zeichen verwendet. Dafür war es gerade noch erträglich.

    Genau das meine ich. So schwer wäre es nicht gewesen, sowas wie WordStar oder VisiCalc zu programmieren. Erfahrene Coder hätten das in einer Woche hingezimmert.

    Mit 15 Jahren Berufserfahrung in der Anwendungsentwicklung möchte ich Dir sagen:


    Ha hahaha haha. Nein.


    Nicht from scratch. Nicht in Assembler. Nicht auf einer 8-Bit-Maschine mit ein paar zig KB RAM. (Datenpunkte: Die Entwicklung von Visicalc dauerte mehr als ein Jahr, einer der Entwickler schreibt darüber hier: https://rmf.vc/implementingvisicalc. Visicalc wurde zwar für, aber nicht auf einem Apple II geschrieben. Die Entwicklung erfolgte auf einem Großrechner unter Multics. Die Entwickler fanden es also schon 1978/79 wirtschaftlicher, Rechenzeit auf einem Großrechner zu mieten, als direkt auf einem 8-bit-Rechner mit <=64 KB Speicher und 40x25 Zeichen zu arbeiten.)


    Korrektur: "I started to program VisiCalc in November 1978 and we shipped the first production copy in October 1979." (von der o.g. Website). Es war also "nur" knapp ein Jahr.

    Zumindest das kann man softwaretechnisch lösen. Sieht zwar nicht super fancy aus, aber es ist lesbar.

    Nicht in einer Qualität, die ergonomisch vertretbar war, und die man Mitarbeitern 40 Stunden pro Woche zumuten wollte. Und ja, das war damals schon ein Thema. Aus einer Bundestagsdrucksache von 1994 (http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/12/067/1206781.pdf):


    Quote

    Bereits 1978 ist ein vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung in Auftrag gegebener Forschungsbericht „Anpassung von Bildschirmarbeitsplätzen an die physische und psychische Funktionsweise des Menschen" veröffentlicht worden, durch den ein wesentlicher Beitrag zur ergonomischen Gestaltung von Arbeitsmitteln, Arbeitsplätzen und Arbeitsumgebung für die Bildschirmarbeit und zur Versachlichung der Diskussion geleistet werden konnte. [...]

    Bereits Anfang der 80er Jahre haben die Unfallversicherungsträger „Sicherheitsregeln für Bildschirmarbeitsplätze im Bürobereich" und „Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen zur Bildschirmarbeit" verabschiedet, die allgemein anerkannte Regeln der Technik über die Gestaltung von Arbeitsmittel, Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung sowie zur arbeitsmedizinischen Vorsorge enthalten.

    Ein C-64 mit Software-80-Zeichen hätte da keine Chance gehabt. (Und ja, ich habe so um 1987/88 Texte für die Schule mit Mastertext geschrieben. Ich weiß wie Software-80-Zeichen aussehen. Ich will sie nicht zurück.)

    Bei Deinen Gedankngängen solltest Du aber auch bedenken, dass der C64 eben ein HOME Computer war. Der war ertmal fürs Wohnzimmer bzw heimische Büro konzipiert.
    Alleine ein MS-DOS war schon von der Basis ganz andersim Anspruch, als ein C64 der ins Basic Startete.

    Der Original-PC (IBM 5150) bootete auch ins Basic, wenn keine Diskette eingelegt war, ganz in der Tradition der Maschine, die er angreifen sollte, des Apple II.


    Generell muss man das gesamte Marktumfeld betrachten, nicht nur den IBM PC. Und man muss im Hinterkopf behalten, dass es bei Businessanwendungen idR nicht um reine Anschaffungskosten geht, sondern um Total Cost of Ownership (also Hardware + Software + Wartung + Schulungen + ...), gegen die ein (erhoffter) Produktivitätsgewinn gerechnet wird. Einsparungen bei der Hardware alleine fallen da kaum ins Gewicht, wenn die Produktivität darunter leidet.


    8-Bit-Rechner mit bis zu 64KB Speicher waren bei Arbeitsplatzrechnern für produktive Aufgaben eher in den späten 70ern Stand der Technik. Den Markt teilten sich um 1980 im wesentlichen Apple + Clones (Apple II, idR mit 80-Zeichen-Karte, oft mit CP/M-Karte) auf der einen Seite und die CP/M-Systeme auf der anderen Seite auf. In größeren Unternehmen kamen oft auch Minicomputer oder Großrechner mit Terminals zum Einsatz. Fast allen gemeinsam waren 80 Zeichen, vernünftige Tastaturen, und Massenspeichersysteme mit mindestens 2 Diskettenlaufwerken pro Rechner bzw. Festplatten am Mini-/Großrechner. Alles darunter, und die Produktivität hätte zu deutlich gelitten. 64kB waren für längere Texte und größere Spreadsheets ja auch schon arg knapp.


    1981 brachte IBM mit dem PC einen (wenn auch kastrierten) 16-bit Prozessor und bis zu 256 KB RAM an den Start, Anfang 1983 mit dem XT einen echten 16-bit Prozessor mit bis zu 640 KB RAM (mit Bill Gates' berühmten "ought to be enough for everyone"). Apple brachte zur gleichen Zeit mit der Lisa einen Vorgeschmack darauf, was machbar sein könnte, und legte 1984 den Macintosh nach.


    Wie hätte ein C-64 dagegen bestehen sollen? Keine 80 Zeichen, keine Speichererweiterung (die 17xx kamen erst mit dem C-128), ein Gewusel aus mindestens vier Geräten auf dem Schreibtisch, wenn man zwei Laufwerke will, nicht intern erweiterbar. Ein Rechner nach Art des C-128D, aber spätestens 1982, mit zwei Laufwerken, von Anfang verfügbarer Speichererweitung und einem nicht ausgebremsten CP/M-Modus hätte eventuell eine Chance gehabt, den Business-Markt aufzurollen. So war der 8bit-Zug abgefahren.

    Vielleicht bin ich (noch) zu idealistisch wenn ich sage das ich keines der Boards schlachten will, aber momentan ist es so.

    Wie Gerrit schon sagte: Irgendwann wird es persönlich! Und da das ganze ein extrem interessantes Hobby ist und mir die doch übersichtlichen Kosten recht egal sind bis ich am Ziel bin, wird jedes Board von mir gerettet!

    Ist ja alles ehrenwert, und fällt als Hobby sowieso nicht unter ökonomische Kriterien, aber am Ende muss irgendjemand halt doch ein Board schlachten, um an Teile zu kommen.

    [XP] kann nämlich online nicht mehr benutzt werden (ohne sehr hohes Risiko)

    Hinter einer halbwegs vernünftig konfigurierten Firewall (alle eingehenden Ports und alle nicht benötigten ausgehenden Ports zu) und mit einem halbwegs vernünftigen User davor (der nicht auf jedes Clickbait hereinfällt) sollte das eigentlich unkritisch sein.

    Clifford Stoll und Tracy Kidder wurden ja bereits erwähnt. Beide würde ich auf jeden Fall empfehlen. Außerdem:

    • In gewisser Weise ähnlich: Steven Levy, Hackers: Heroes of the Computer Revolution
    • Interessant wegen mancher Parallelen: Tom Standage, The Victorian Internet: The Remarkable Story of the Telegraph and the Nineteenth Century's On-Line Pioneers
    • Als Übersichtswerk: Paul E. Ceruzzi, A History of Modern Computing (von den ersten Rechnern 1945 bis zu den Anfängen des Internets)
    • Die Platform Studies-Reihe von MIT Press, insbesondere in diesem Forum Jimmy Maher, The Future was Here zum Amiga
    • Jimmy Maher schreibt als Digital Antiquarian auch ein Blog in Buchqualität zu Retrocomputing-Themen: https://www.filfre.net/sitemap/

    Damals[TM] konnte man in Italien an jedem Zeitschriftenstand ganz legal und für sehr wenig Geld (umgerechnet ~ 10 DM) Kassetten kaufen, auf denen sich jeweils 6-10 Cracks kommerzieller Spiele befanden, bei denen der gesamte Text ins Italienische übersetzt war. Anscheinend war diese Übersetzung damals genug, um das italienische Urheberrecht auszuhebeln. War immer ein schönes Urlaubssouvenir ;-)


    Was ich damit zum Thema sagen will: Was damals technisch möglich war (und wohl nicht viel Arbeit gemacht hat), dürfte auch heute machbar sein.

    Wenn man jetzt noch wüßte, welche Software darauf programmiert wurde... Ein wenig stutzig machen mich die 6 Disketten. Das ApplePascal-System kam üblicherweise mit 4 Disketten: apple0, apple1, apple2 und apple3. apple0 enthielt einen Mix aus apple1 und apple2 zum Booten auf Computern mit nur einem Diskettenlaufwerk (unüblich), und apple3 enthielt Hilfsprogramme z. B. zum Formatieren von Disketten und eine Grafikdemo. Was enthalten die anderen beiden Disketten des Fortransystems? Was die Handbücher anbelangt, so gab es für Pascal zwei verschiedene: eines für die implementierte Sprache und eines für das Betriebssystem mit Beschreibung der Stackmaschine. Ich nehme an, letzteres liegt Dir vor.

    Das Handbuch ist das Apple FORTRAN Language Reference Manual (online im Internet Archive). Von den 6 Disketten sind zwei mit FORT 1 und vier mit FORT 2 beschriftet. Um zu klären, ob das tatsächlich Dubletten sind, und was genau drauf ist, müsste ich erstmal den zugehörigen Rechner instandsetzen...


    Der Vorbesitzer hat sich damals (Anfang der 80er Jahre) als Softwareentwickler selbständig gemacht und einige Jahre auf diesem System Individualsoftware entwickelt, allerdings wohl vor allem in Pascal, wenn man den Diskettenlabeln glauben darf.

    Den Fortran-Compiler gab es damals auch beim ApplePascal, doch bezweifele ich, daß er dort in der Praxis wirklich zum Einsatz kam.

    Dem Vorbesitzer meines Apple II Clones war es zumindest so ernst damit, dass er den Compiler im Original von Apple gekauft hat. Ich habe hier das Handbuch und sechs Disketten.