Posts by hubersn

    Kann mal jemand, der sich mit der Materie besser auskennt als ich, erläutern ob Risc OS wirklich "wächst und gedeiht" wie hier im Thread behauptet?

    Ich versuch's mal (ich fühle mich geradezu verpflichtet, nachdem weiter oben schon eine Webseite von mir als angeblich guter Überblick verlinkt wurde - was ich bestreiten würde, aber vermutlich ist es trotzdem einer der besten Artikel zu diesem Thema, was gewissermaßen schon traurig ist)

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    Die Situation mit den beiden Forks (inzwischen sind's ja sogar eher noch mehr), der offene Code und die Raspberry-Pi-Portierungen sind mir bekannt. Die Frage, die sich mir stellt - und die ich per eigener Recherche nicht beantworten konnte - ist folgende: Benutzt das alles auch jemand oder sind das bloß Spielereien von ein paar Hackern?

    Inwiefern sind es denn inzwischen mehr Forks? Es gibt die ROL-Linie (RISC OS 4.xx und RISC OS SIX) sowie die ROOL-Linie (RISC OS 5.xx). Nur letztere erfährt Weiterentwicklung. Alle zuletzt erschienenen Distributionen wie RISC OS ePIc, RISC OS Direct oder RISC OS Pico sind eben genau das - Distributionen von RISC OS 5.xx.


    Und ja, RISC OS wird recht aktiv benutzt von immer noch recht aktiven Usern - selten von Neueinsteigern (dazu ist RISC OS viel zu exotisch, keine Mainstream-Software, große Lücken im Softwareangebot), häufig von altgedienten Benutzern die schon den BBC Micro hatten, mindestens aber einen Archimedes oder einen Risc PC. Menschen, die sich an diverse Software und die UI gewöhnt haben. Menschen, die sich über die Jahrzehnte Tools mit BBC BASIC zusammengefrickelt haben.

    Es gibt sogar noch zwei größere Händler in UK, die im Prinzip von nichts anderem leben als diesen ganzen Usern Hard- und Software zu verkaufen. RISC OS lebt also, wenn auch auf niedrigem Niveau wenn man es mit den 90ern des vorigen Jahrhunderts vergleicht.


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    Benutzen im klassischen Sinn, also Surfen, Mails beantworten, Pixeln, Texte schreiben, Musik hören oder machen usw.? Wo kriege ich denn einen Überblick, was es an Produktiv-Software gibt und wie viel Updates da noch kommen?

    "Surfen" ist schwierig, weil die modernen Browser fehlen (im Moment befindet sich eine WebKit-Portierung auf dem Weg namens "Iris", aber die braucht schnelle Hardware - es gibt auch den nativen Browser NetSurf, aber der hinkt den modernen Web-Standards vor allem an der JavaScript-Front weit hinterher). Mailen geht mit diversen Paketen (Messenger Pro, Pluto, TapirMail) mit unterschiedlichem Level an Funktionalität. Grafik geht mit Artworks (Vektor) und Photodesk (Pixel). Text geht mit Techwriter. Musik hören geht mit DigitalCD.


    Überblick: gibt es nirgendwo. Das Internet ist voll von veralteten Infos zu RISC OS aus der Endzeit des Risc PC, also so 2002 ungefähr. Nur die wenigste kommerzielle Software hat es auf RISC OS 5 geschafft verglichen mit dem, was zu Zeiten des A5000 Anfang der 90er noch verfügbar war. Aber die allerwichtigste Software, CDVDBurn, hat gerade ein großes Update erhalten :thumbsup:


    Wieviele Updates? Da muss man den News-Seiten folgen. Riscository ist da recht rührig, Iconbar auch, und ab und zu steht auch was auf meinem RISC OS-Blog. Ansonsten: PackMan und Store beobachten, einen RPi für RISC OS sollte ja jeder erübrigen können. Läuft auch super auf einem RPi Zero oder der ersten Generation RPi B mit nur 256 MiB RAM.


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    Mir scheint RiscOS noch reichlich Altlasten zu haben (kooperatives Multitasking...), Spiele laufen auf den neueren Prozessoren (32 BIt statt 24 Bit) nicht mehr und nennenswerte Entwicklungen bei den Anwendungen konnte ich nicht finden (was allerdings sehr gut auch an mir liegen kann). Also, was mache ich denn mir Risc OS, wenn ich es irgendwo installiert habe?


    RISC OS hat wahnsinnig viele Altlasten. Es stammt eben aus den 80ern und ist niemals von Grund auf neu gemacht worden. Und ist zum Großteil in Assembler geschrieben, was es auch nicht unbedingt wartungsfreundlich macht. Allerdings hat es den Vorteil, dass seine Ur-Idee der UI ein Volltreffer war und in Würde gealtert ist. Wofür es also tatsächlich taugt, ist, sich mal ein ganz anderes Desktop-Paradigma anzuschauen, jenseits der Windows-Clones aus der Linux-Ecke. Andere Altlasten: das Dateisystem ist eine Katastrophe. Es gibt keine Multicore-Unterstützung. Der IP-Stack ist uralt. Der USB-Stack nicht viel jünger. Es gibt keine (direkte) WLAN-Unterstützung. Kompatible Druckertreiber sind Glückssache. Positiv ausgedrückt: hier kann ein motivierter Entwickler noch Großtaten vollbringen!


    Was die alten Spiele angeht, gibt es mit ADFFS eine sehr kompetente Emulationslösung für den RPi. Im Prinzip das WHDLoad von RISC OS. Für Anwendungen aus der alten 26bit-Welt (RISC OS 4.xx und älter) gibt es mit Aemulor eine sehr performante Emulationslösung, die alte Software ist also nicht verloren.


    Wirklich große neue Anwendungen sind in den letzten 20 Jahren glaube ich nicht mehr erschienen, aber einige werden noch regelmäßig gepflegt (Artworks, TechWriter, Ovation Pro, Photodesk, Fireworkz, Pipedream, Messenger Pro, TextEase). Andere werden von den typischen Ein-Mann-Entwickler-Teams am Leben gehalten oder neu geschrieben (DeskWatcher, CDVDBurn, RiscOSM, CashBook, ChatCube, NetSurf, Organizer). Zahllose kleine Tools erscheinen regelmäßig, um den täglichen Umgang mit RISC OS zu vereinfachen oder Lücken im Softwareangebot zu stopfen. Für die Anzahl der Entwickler und die Qualität der verfügbaren Entwicklungswerkzeuge schlägt sich die RISC OS-Welt gar nicht so schlecht.


    Anno 2014 habe ich mal einen Überblicksartikel für "Fachfremde" verfasst, vielleicht hilft der: http://itblog.huber-net.de/201…igentlich-dieses-risc-os/


    Gruß

    hubersn

    Slingshot hat in den Archimedes-Core das Risc Developments IDE-Podule eingebaut. Soll heißen: man kann jetzt zwei .hdf-Images auf der SD-Karte hinterlegen und kann so 2x 512MB "Festplatte" am Archie verwenden. Wir kämpfen noch mit den Details, hauptsächlich Probleme mit dem CMOS-RAM, damit auch korrekt vom Plattenimage automatisch gebootet wird, aber prinzipiell funktioniert das.


    Ich habe ein erstes einfaches Plattenimage zusammengestellt mit UniBoot, den Standard-Anwendungen von Acorn aus der RISC OS 3.1-Zeit sowie den inzwischen frei verfügbaren Spielen Elite, Burn'Out und Star Fighter 3000. Man muss aber dazu sagen, dass die CPU-Simulation im Moment für den vollen Spielgenuss der etwas aufwändigeren Spiele noch zu langsam ist.


    Der Link zum Github-Repo: https://github.com/mist-devel/…des/archimedes_191102.rbf


    Hier ist der passende Thread dazu (ab Seite 11 wird es aktuell): http://www.atari-forum.com/vie…p?f=115&t=27637&start=250


    Gruß

    hubersn

    Also ich habe mich bei meinem Erstbesuch sehr gut amüsiert und eine Menge neues Wissen mitgenommen - auch wenn ich noch nicht so genau weiß, für was ich das mal nutzen kann, denn bisher hatte ich nicht vor, Amiga-Software im NDOS-Stil zu schreiben, und schon gar nicht in C :-)


    Ich hoffe, ich konnte dem einen oder anderen mit seinen Acorn-Problem(ch)en nachhaltig helfen. Es war mir ein Vergnügen, und es ist immer eine interessante Herausforderung.


    Auch im Namen der anderen RISC OSler aus unserer Gruppe herzlichen Dank an die Orga - mangels Vergleichsmöglichkeit kann ich nicht sagen ob es diesmal besser oder schlechter war als zuvor, ich fand es aber ziemlich nahe an perfekt.

    Sicher weiß ich nur, dass Amstrad sowohl für CPC als auch für Spectrum die ROMs freigegeben hat.

    Das wusste ich noch gar nicht (naja, aber okay, ich weiß eh nicht viel ;-) -

    aber das interessiert mich ja nun doch. Kann man das irgendwo nachlesen? Ich würde zu gerne wissen, wie so eine Freigabeerklärung aussieht ...

    Man muss halt glauben, dass die Erklärung vom Copyright-Holder abgesegnet ist - das ist die Crux, aber das ist bei aller Software (und eigentlich allen Dingen, die man kauft) die Crux.


    Viel offizieller als dieses Statement wird es wohl nichts geben:

    http://www.worldofspectrum.org/permits/amstrad-roms.txt


    Gruß

    hubersn

    Wow, das ist mal ne Ansage! Den CDR100 hatte ich, der ist aber gestorben. CDR55S habe ich, der ist sehr gut, würde ich tendenziell als Ersatz nehmen. An den anderen bin ich auch interessiert. Bring einfach mal mit, ich habe meine Kiste samt SCSI-Kabel und zeugs eh' dabei. Falls du dich da von dem einen oder anderen trennen könntest wäre ganz toll :D


    LG

    Eric


    Mal schauen, was ins Auto passt und was ich wieder finde.


    Ich hätte noch ein sehr seltenes Stück, falls es nicht nur Brenner sein sollen: ein externes SCSI DVD-ROM von Pioneer, DVD-303S glaube ich, Slot-In, erste Generation, also noch RPC-1. Falls Interesse besteht.


    Gruß

    hubersn

    Ich suche alles was mit folgendem zu tun hat, ich glaube zwar bei den meisten Sachen, dass das keinen Erfolg haben wird, aber man weiß ja nie :D


    - Alte SCSI CD-Brenner (Baujahr 98 und früher) gern auch mit Caddy

    - Alte CD-Rohlinge (Baujahr 98 und früher)

    Ich weiß nicht, was aus meiner Sammlung ich da entbehren kann oder will - ich hätte da potenziell einen Yamaha CDR100t im externen Gehäuse, einen Teac CDR55S, einen Teac CDR56S (ich glaube das ist historisch gesehen der erste MMC-kompatible Brenner), irgendeinen Caddy-Plextor (könnte aber schon neuer sein, ist glaube ich schon ein ReWriter), einen Phliips CDD2000, einen HP6020i...was von denen noch funktioniert weiß ich aber nicht, zuletzt waren die Anfang der Nullerjahr in Betrieb für Kompatibilitätstests mit CDBurn.


    Von alten Rohlingen würde ich mich tendenziell leichter trennen, da müsste ich aus der Brenner-Frühzeit noch ein paar haben die mit den damaligen Laufwerken gebundelt waren.


    Gruß

    hubersn

    Sicher weiß ich nur, dass Amstrad sowohl für CPC als auch für Spectrum die ROMs freigegeben hat.


    Interessant ist auch, inwiefern man die Hardware eigentlich nachbauen darf. So ein 6845 oder CPC-Gate-Array ist ja letztlich auch IP. Auf der anderen Seite ist Reverse Engineering innerhalb der EU zum Zwecke der Herstellung von Interoperabilität zulässig, und die nicht-mehr-Verfügbarkeit wäre sicher auch relevant bei einer rechtlichen Bewertung. Sofern der Rechteinhaber sich überhaupt sicher sein kann, die notwendigen Rechte noch zu besitzen.


    Am Ende gilt wie immer: wo kein Kläger...ich könnte mir aber vorstellen, dass bei einer kommerziellen Unternehmung für den Massenmarkt schlafende Hunde geweckt werden könnten.


    Gruß
    hubersn

    Einfach nur einen HDMI-Anschluss aufs Board zu nageln hilft ja überhaupt nicht. Siehe die Schwierigkeiten beim MISTer, aus den Core-Outputs ein standardkonformes HDMI-Signal zu zimmern. Man braucht dafür mindestens einen Scaler und meistens irgendeine schlaue Methode zum Sync der Bildfrequenz.


    Ehrlich gesagt sehe ich den Sinn eines Minimal-MIST-Updates nicht so richtig. Bei den Machern des Mistica gibt es inzwischen ein MISTer-Komplettpaket für 225€. Und wir reden hier von deutlich leistungsfähigerer Hardware, da läuft ein sehr viel bessere ST-Core, der ao486, und der sich in Entwicklung befindliche NeoGeo-Core sieht auch vielversprechend aus. Alles drei sind Cores, die aufgrund ihrer Komplexität niemals auf dem viel kleineren FPGA des MIST laufen werden. Da müsste der micro-MIST ja schon für unter 100€ angeboten werden, und wenn seine beiden einzigen Alleinstellungsmerkmale - DB9-Joystick-Ports und MIDI - wegfallen, was bleibt dann übrig? Das MIST-Grundproblem "ich brauche einen dafür geeigneten Monitor mit Analog-VGA der gegen jedes schmutzige Signal synct" wird damit nicht gelöst.


    Gruß
    hubersn

    Auch von mir ein herzliches "Dankeschön" für die unkomplizierte Migration. Ich bin begeistert.


    Ich bin allerdings leicht irritiert von den Gerüchten über nachlassende Entwickler-Aktivität an der MIST(er)-Front. Eigentlich geht es da doch sehr aktiv zu, gerade wird Tape-Input an den C64-Core geflanscht, und es gab riesige Fortschritte bei PC Engine- und Megadrive/Genesis-Core. Dazu sogar etwas Fortschritt bei meinem Lieblingscore (Acorn Archimedes). Und im Moment wird der originale Atari-ST-Core auf einen neuen CPU-Core umgestellt, sehr vielversprechend.


    Und beim MISTer gibt es nun endlich ein USB-Hub-Board mit DB9-Joystick-Ports integriert, dazu nun Unterstützung für Bluetooth-angebundene Joysticks/Pads. Und noch die Bemühungen rund um MIDI und serielle Ports per USB, quer durch viele Cores die davon profitieren können. Und der zyklen-exakte Atari-ST-Core (leider noch immer ohne Veröffentlichung des kompletten Source-Codes).


    Allerdings gebe ich gerne zu, dass in diesem unserem deutschen FPGA-Forum davon recht wenig angekommen ist. Ich bin eigentlich schon ausgelastet mit "auf dem Laufenden bleiben" durch regelmäßiges Mitlesen im Atari-Forum bezüglich MIST und MISTer, und nur ab und an schreibe ich was dazu in meinem Blog (zuletzt auch schon wieder Oktober 2018...wie die Zeit vergeht): http://itblog.huber-net.de/201…ie-zweite-luft-fuer-mist/


    Gruß
    hubersn