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Was kostet ein 3D Druck Gehäuse?

  • Hin und wieder wurde ich gefragt "kannst Du mal für mich ... drucken?" Und immer wieder stelle ich fest das es viel Unwissenheit gibt über die Kosten, Druckzeit und Entwicklungszeit.

    Daher heute mal ein Versuch mit wenigen Worten und Bildern zu zeigen, wie sich diese drei genannten Faktoren zusammensetzen.


    Kosten:

    Bei den Kosten rechne ich jetzt nur mit den reinen Materialkosten. Bei mir aktuell ca. 17€ für eine 0,75kg Rolle. Natürlich gibts es günstigere Rollen und auch bestimmt gute Erfahrungswerte dazu, aber darum geht es erstmal nicht.



    Druckzeit:

    Bei der Druckzeit kommt es natürlich auf die Größe vom Bauteil an und wie dick eine Schicht gedruckt werden soll. In meinem Beispiel verwende ich eine 0,25mm Schichtstärke mit einer ⌀ 0,40mm Düse.


    Bis hier sieht es für Außenstehende nach nichts besonderen aus. Thingiverse ist doch voll mit vielen kleinen Teilen, das kann ja nicht so lange dauern und viel kosten. Aber...



    Die Entwicklungszeit:

    Beispiel Tastenstempel.



    Schwarz das Original, links daneben ein gedruckter Stempel. Konstruktionszeit mit DesignSpark Mechanical ca. 30min wenn ich mich recht erinnere. Das ist dann aber nur die erste Version vom Stempel,

    also das Original abmessen und die Werte ins CAD übertragen. Das reicht dann auch aus für den ersten Probedruck. Ok schlechtes Beispiel, weil ich für den Stempel eine 0,2er Düse und andere Schichtstärken

    verwendet hatte. Aber gerade diese kleinen Stempel zeigen gut den Aufwand der (bei mir) notwenig war. Denn der erste Prototyp taugt natürlich nix. Da kamen noch viele weitere.


    1. Die richtige Temperatur finden, damit das kleine Kreuz nicht zu einem Klumpen Kunststoff wird.

    2. Man kann so ganau messen wie man will, bei so kleinen Strukturen springen ggf. die Werte hin und her, weil die Materialschrumpfung hinzu kommt.

    3. Die Schichtstärke muss runter, weil es ein passgenaues Bauteil ist und die Nacharbeit nur gering ausfallen soll.


    Mindestens wegen dieser drei Gründe lag ich irgendwann bei 10-20 Prototypen bevor die ersten brauchbaren Stempel verfügbar waren. Beim nächsten mal sollte es schneller gehen, weil ich ja nur die entsprechenden

    Erfahrungen bei so kleinen Teilen gesammelt hatte. Der Materialaufwand für einen Stempel liegt bei ca. 2g. Die Kosten kann sich jetzt jeder selbst ausrechnen. ;)


    Nun ist nicht alles so klein und fummelig wie ein Tastenstempel. Nun ein anderes Beispiel (der Grund warum ich diesen Text schreibe). Und jetzt auch mit 0,25mm Schichtstärke mit einer ⌀ 0,40mm Düse. Versprochen. :D




    Ich wurde gefragt was ein Gehäuse für ein Mega Drive kosten würde. Da ich dafür keine Vorlage habe hatte ich auf die schnelle eine sehr simple Oberschale entworfen, um zu zeigen was da alles dran hängt.

    Für diese Oberschale habe ich keine fünf Minuten benötigt. Ein Gehäuse welches dem Original nahe kommt wird entsprechend sehr viel mehr Zeit benötigen und einen viel komplexeren Oberflächenaufbau haben.


    Nun kommt das CAD Modell in den Slicer (Slicer wandelt ein 3D Modell in ein 2D Schichtmodell für den Drucker um).



    Diese Oberschale hat eine Größe von 200 x 200 x 40 mm, ist also etwas kleiner als ein originales Mega Drive. Das Bild rechts zeigt einen Schnitt durch das Modell, wobei in blau die notwendige Stützstruktur zu sehen ist.

    Natürlich würde jeder das Bauteil um 180° gedreht im Slicer ablegen. Aber ich wählte diese Position, weil dann die Druckzeiten einem Nachbau ähnlicher sind.


    Wie schon geschrieben verwende ich jetzt 0,25mm Schichtstärke mit einer ⌀ 0,40mm Düse. ;)


    Das macht dann an Druckzeit 1 Tag und 14 Stunden. :zzz:

    84,08m bzw. ca. 610g an Material, d.h. eine Rolle ist fast komplett aufgebraucht. Ein "Schöndruck" benötigt mit kleineren Schichtstärken natürlich noch viel mehr Zeit.


    Und jetzt kann sich noch zusätzlich jeder an seinen 10 Fingern ausrechnen wie aufwändig einige richtige Oberschale im Entwurf wäre. Dazu kommen noch X Prototypen = X Rollen = X * 17 Euro = Kosten für eine Oberschale.

    Den reinen Zeitaufwand will ich gar nicht erst in Kosten umrechnen und die Stromkosten lasse ich auch außen vor. Hinzu kommt das ich einen 3D Drucker niemal so lange unbeaufsichtigt laufen lassen werde. Es geht ja auch

    keiner aus dem Haus und lässt den Lötkolben an oder Kerzen brennen.


    Wie ihr sehen könnt ist ein "mal eben" bei vielen 3D Teilen gar nicht umsetzbar. Ich helfe gerne mal, aber ab bestimmten Größen ist das einfach nicht mehr umsezbar, wie ihr sicher verstehen werdet.


    Soweit mein Text zu diesen Thema. Bestimmt findet einer den einen oder anderen (Denk/Schreib)Fehler. Darüber können wir uns dann gerne unterhalten. :Peace