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Neuzugang: HP 9000/425e (Apollo)

  • Die DomainOS Tape-Images lassen sich über Ethernet von einer im Ostermeyer-MESS emulierten Apollo mit DomainOS booten

    Ich habe jetzt endlich die Zeit gefunden, die Apollo (ich nenne sie jetzt mal so) zu booten:






    Es läuft also Apollo Domain/OS darauf. Kernel 11, Rev. 10.3.5.4 von Dezember 1991. Die Copyrights lesen sich echt cool. Neben HP, Apollo, University of California und AT&T hat sich auch noch Siemens/Nixdorf verewigt. In erster Linie scheint auf der Maschine MCAD installiert zu sein. Irgendwie habe ich es auch hinbekommen, die Software zu starten. Aber nur weil man mit Windows und macOS zurechtkommt, heißt das noch lange nicht, dass man mit DIESER Fensteroberfläche klarkommt. Vor 20 Jahren habe ich öfters mal mit SUN-Rechnern zu tun gehabt, leider weiß ich davon nicht mehr viel.


    Wie fährt man die Kiste sauber runter? ich will ihr nicht einfach den Saft abdrehen.

  • Sehr schick, gratuliere! Das DomainOS ist auch eine der letzten erschienenen Versionen.


    Shutdown sollte als root in einer shell gehen mit:


    xdmc shut


    Bei den neueren hp-Modellen gibt es einen Soft-Powerknopf und die Kiste könnte beim Drücken runterfahren. Bin aber nicht sicher, ob die 4xx das hat (und kann's grade nicht an meiner testen)...

  • Bei den neueren hp-Modellen gibt es einen Soft-Powerknopf und die Kiste könnte beim Drücken runterfahren.

    Gerade ausprobiert ... dieses Modell geht sofort aus. Mutig bei einem Schalter an der Front.


    Gibt es eigentlich Infos, welche kommerzielle Software (vor allem aus dem grafischen Bereich) es für Domain/OS gab? Neben CAD sollen die Geräte ja auch für DTP eingesetzt worden sein. Das liegt mir mehr, daher würde ich gerne solche Software mal installieren.

  • Irgendwie irre, wie manche Entwicklungs-Stränge an einem vorbei gehen. Apollo war laut Wikipedia in der Zeit von 1980 bis 1987 Marktführer bei vernetzten Workstations. Später fielen sie auf Platz 3, hinter Symbolics und Sun Microsystems, zurück und wurden letztlich von HP gekauft. "Apollo Domain" hatte ich früher mal gehört, klang irgendwie nach Hi-End-Technik, die einen nicht zu interessieren brauchte. Auf der CeBIT in den 80ern interessierte mich von den ganzen Workstation-Herstellern ohnehin fast nur Silicon Graphics – natürlich wegen der schicken Render-Filme (und der schicken Computer).


    Es wäre cool, wenn ein Auskenner mal ein Video über die Bedienung von Domain/OS machen könnte – ein kleines Tutorial würde ja reichen. Als Schnelleinstieg ist ein YouTube Video einfach angenehmer als ein PDF-Handbuch.

  • Gibt es eigentlich Infos, welche kommerzielle Software (vor allem aus dem grafischen Bereich) es für Domain/OS gab? Neben CAD sollen die Geräte ja auch für DTP eingesetzt worden sein. Das liegt mir mehr, daher würde ich gerne solche Software mal installieren.

    Es gab einen ziemlich guten Pascal-Compiler, mit dem zB ein frühes System zur Hardwaresynthese (MIMOLA) geschrieben wurde.

  • Wir hatten auf den Kisten das CASE-Tool "Sigraph-Set" von Siemens laufen und damit Logistik- und Steuerungssoftware für das KHD Motorenwerk in Köln erstellt.

  • Bei den neueren hp-Modellen gibt es einen Soft-Powerknopf und die Kiste könnte beim Drücken runterfahren.

    Gerade ausprobiert ... dieses Modell geht sofort aus. Mutig bei einem Schalter an der Front.


    Gibt es eigentlich Infos, welche kommerzielle Software (vor allem aus dem grafischen Bereich) es für Domain/OS gab? Neben CAD sollen die Geräte ja auch für DTP eingesetzt worden sein. Das liegt mir mehr, daher würde ich gerne solche Software mal installieren.

    Hab den Thread leider erst jetzt bemerkt ... 8o


    Wir hatten an der TU Wien HP/Apollo Workstations bzw. Server, sowohl für den Instituts- als auch Übungsbetrieb.

    In der Übungsumgebung waren die Workstations (so um die 20) diskless (Apollo 3010) bedient von 2 Servern (Apollo 3500er). Später haben wir dann auch noch paar "neue" HP/Apollos 425t gekauft. Die dürften damals umgerechnet sicher 30.000 oder 40.000 DM per Stück gekostet haben. Die Sparc-Station IPC lag zu der Zeit bei rund 25.000 DM.


    Wir schrieben damals jegliche Dokumentation (Scripten, Bücher) mit Mentor Graphics DOC (DTP) und PicED (Bildererstellung). Nach dem so um 1993 diese Produktlinien aufgegeben wurden, sind wir dann auf das bei Publikationen übliche LaTeX umgestiegen und haben das auf Sun SS-4 und SS-5 weiter geführt. Das Informatik-Buch wurde layout-fertig mit DOC erstellt und dem Springer-Verlag zur Verfügung gestellt, sodass es fotoreproduziert gedruckt werden konnte.
    Die Umstellung auf LaTeX ging dank des DOC-Export-Formats per Script ziemlich gut nach LaTeX. Nur die Bilder mussten alle neu erstellt werden (die Vektorgrafiken).


    Möglicherweise hab ich noch Tapes von Mentor Graphics und deren Software. Ob ich die aber so schnell irgendwie einlesen kann ist wieder eine andere Frage (wenn es sie denn noch gibt). Ich kann auch nicht mehr sagen, ob das mit den Lizenzen überhaupt noch funktioniert (da hab ich überhaupt keine Erinnerung mehr daran).


    Wir haben sonst auch Cross-Entwicklung für 68K-VME-Boards betrieben. OS war pSOS+ (seit einiger Zeit in VxWorks aufgegangen) mit den Microtec Research Inc. Toolchain (Assembler, Linker, C-Compiler, XRAY+ Debugger) wurde entwickelt und Debugging betrieben.


    Das Unix unter DomainOS war eigentlich kein echtes klassisches Unix, sondern es gab nur System-Umgebungen, die die gängigen Unix-Systemumgebungen bereitgestellt haben, zwischen denen man aber beliebig hin-und-herspringen konnte (je entsprechenden Umgebungsvariablen). Da gab es BSD 4.3, SysV und das eigentlich zu DomainOS gehörende AEGIS.

    Also Windows-GUI war das DomainOS-native DM (ich glaub, es stand für DisplayManager). X11R4 (bin mir nicht mehr sicher, X11R5 glaub ich auch noch) gab es als "Aufsatz" in unterschiedlichen Einbettungsmodellen: entweder Umschalten zwischen X11- und DM-Screen oder X11 und DM am gleichen Screen, wobei DM auch der Window-Manager war.


    Die DomainOS-Netzwerk-Umgebung war für die damaligen Verhältnisse unheimlich stabil und performant (nicht zuletzt wegen der Tokenring-Architektur). Alle Services, das Filesharing, zentrales Accounting war aus einem Guss und hat einfach funktioniert. Wenn man sich den Fleckenteppich der damlaigen Sun-Protokolle (RPC und das darauf aufbauende YP, NFS etc.) ansieht, die auch echt mühsam zu administrieren waren, dann lagen Welten dazwischen. HP/UX war da nicht viel besser. Mit der Apollo-Übernahme zu HP, so habe ich den Eindruck, hat HP/UX leider nicht wirklich, das was DomainOS ausmachte "übernommen", sondern weiter HP/UX gepusht und paar Sachen herausgepickt bzw. übernommen. Damit hat ähnlich bei der Video-Format-Geschichte, nicht ein besseres System überlebt ...


    Legendär war ja die Portierungen von Open-Source-Software auf Apollo. Da hakte es oft und die Systemintegration war nicht selten mehr schlecht als recht. Man musste ziemlich oft immer Hand anlegen, um etwas von Source compiliert zu bekommen. Perl5 z.B. hab ich so mit Ach und Krach hinbekommen (wird glaub ich von Jim Rees Site referenziert bzw. ist dort gehostet).


    Wurde schon die Apollo FAQ erwähnt (vermutlich bekannt), mein Mirror ist jedenfalls auch noch da ... http://jk.kom.tuwien.ac.at/Software/Apollo/FAQ.html



    Retrofan: Wie ging es weiter? Gibt es noch etwas an Erfahrung zu berichten?