CP/M produktiv nutzen


  • Tex_Terry
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  • CP/M produktiv nutzen

    Hallo!

    Ich habe begonnen CP/M "produktiv" zu nutzen. D. h. ich nutze Wordstar für Notizen etc., dBASE und SuperCalc setze ich als Excel-Ersatz ein. Ich will einfach mal sehen, wie weit der alte Kram heute noch nutzbar ist.

    Anhand der jüngeren Threads im Forum bekomme ich den Eindruck, dass CP/M vorwiegend für Turbo Pascal eingesetzt wird. Nutzt ihr darüber hinaus auch klassische Anwendungssoftware für heutige, alltägliche Aufgaben? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

    Viele Grüße

    Tex Terry
  • Ich mach unter Linux vieles in der Shell (z.B. Musikdatenbank+Player, Radio, ASCII-Texte (Notizzettel) tippen, Text-Email per mutt, IRC, Dateimanagement, Administration). Sogar meine Bildschirmschoner sind Ncurses. Das kommt der Arbeit unter CP/M oder meinetwegen DOS so nahe wie heutzutage möglich. Für alles andere nutze ich jedoch heutige Standardsoftware (Libreoffice, Opera, Thunderbird, Gimp).

    Alltägliche Aufgaben wie die von Dir beschriebenen sind mir unter den alten Systemen einfach zu unkomfortabel und somit zu zeitintensiv.

    Klar, die Programme im Einzelnen können alles, was man als Privatmensch heute so braucht. Aber die Interaktion mehrerer Programme miteinander/nebeneinander war damals eben nicht so ohne weiteres möglich wie heute (Stichwort: Multitasking).
    Ausschneiden/Einfügen ist nicht mal eben so drin; schnell nochmal im Internet recherchieren, bevor man einen Text tippt, ebenfalls nicht. Alles muss erst abgespeichert und wieder geladen werden.

    Was mir sonst als fehlend auffällt, wenn ich mir solche alte Software mal hin und wieder anschaue, sind z.B. fehlende ins Programm integrierte Hilfetexte. Da muss man oft die Tastaturkommandos auf nem Zettel oder in nem Buch danebenliegen haben, bis man sie auswendig kann. Weil: mal eben nebenbei im Internet... ;) < zumindest, wenn man das ernsthaft auf EINEM Rechner betreibt, wie das früher eben war.

    Was sonst noch oft stört, ist die fehlende Dateikompatibilität. Eine txt, rtf, doc, docx oder jpg, png, etc bekomme ich heute mit fast jedem passenden Programm geöffnet. Viele Programme und Dateiformate von damals sind da sehr viel spezieller.

    Weitere Probleme (sofern nicht programmiertechnisch behebbar oder selbst zu definieren):

    - Datumsformate oft nur zweistellig (2018 =/= 1918)
    - IBAN bei Kontoverwaltungen nicht möglich, da damals noch nicht existent
    - Postleitzahlen anders
    etc.



    Alles in allem:

    Zum mal wieder Reinschnuppern - ja gerne.
    Zum Erleben, wie aufwändig manches damals doch war - ein Augenöffner
    Zum Erledigen alltäglicher Aufgaben (die man meistens schnell erldigt haben will) - nein, danke! ;)
    MFG 4K4.
  • Weiss nicht, ob heute noch TP unter CP/m gecoded wird? Das war damals halt vermutlich die komfortabelste IDE.

    Damals gab es auch sicher schon in einigen Firmen dBase Programme zur Verwaltung des Warenbestands etc. Aber diese Leute schreiben hier im Forum wohl eher nicht, weil das mehr Anwender als Coder waren.
    Hier könnte ihre Signatur stehen!
  • 4k4rvi wrote:

    Klar, die Programme im Einzelnen können alles, was man als Privatmensch heute so braucht. Aber die Interaktion mehrerer Programme miteinander/nebeneinander war damals eben nicht so ohne weiteres möglich wie heute (Stichwort: Multitasking).
    Ausschneiden/Einfügen ist nicht mal eben so drin; schnell nochmal im Internet recherchieren, bevor man einen Text tippt, ebenfalls nicht. Alles muss erst abgespeichert und wieder geladen werden.
    Da hast du natürlich recht. Und wenn es darum geht ein Produkt zu erzeugen, das man weitergeben kann (z. B. eine ansprechend gestaltete PDF-Datei), dann ist das mit den Retro-Systemen auch kein Spaß mehr (es sei denn man hat sein Umfeld so konditioniert, dass es auch mit einem 9-Nadel-Ausdruck auf Endlospapier zufrieden ist. ^^ ).

    Wenn ich hingegen meine Gedanken ordnen möchte oder ein kleines Projekt plane, dann brauche ich in der Regel nicht mehr als eine einfache Textdatei. Und WordStar bietet mir dafür alles was ich brauche. Und dass ich nicht mal eben mit Alt-Tab zum Browser oder zum E-Mail-Client wechseln kann, ist für mich dann ein Vorteil. Diese einfachen Systeme helfen mir mich zu fokussieren und bei der Sache zu bleiben.
  • Tex_Terry wrote:

    Wenn ich hingegen meine Gedanken ordnen möchte oder ein kleines Projekt plane, dann brauche ich in der Regel nicht mehr als eine einfache Textdatei. Und WordStar bietet mir dafür alles was ich brauche. Und dass ich nicht mal eben mit Alt-Tab zum Browser oder zum E-Mail-Client wechseln kann, ist für mich dann ein Vorteil. Diese einfachen Systeme helfen mir mich zu fokussieren und bei der Sache zu bleiben.

    Da geb ich Dir recht. Allerdings sollte man sich dabei um eine gescheite Datensicherung kümmern. Wenn man sich nicht gerade im Emulator auf dem PC bewegt und alle erstellten Dokumente mal eben auf eine USB-Platte oder direkt ins NAS sichern kann, würde ich der alten Hardware, Disketten, etc. nicht unbedingt mehr auf lange Sicht meine Daten anvertrauen, erst recht nicht in heute exotischen Floppy- oder Dateiformaten.

    Einen unschlagbaren Vorteil haben die alten Systeme aber auf jeden Fall: Die Gefahr, sich Schadsoftware übers Internet einzufangen, ist äußerst gering. :D
    MFG 4K4.
  • daybyter wrote:

    Damals gab es auch sicher schon in einigen Firmen dBase Programme zur Verwaltung des Warenbestands etc. Aber diese Leute schreiben hier im Forum wohl eher nicht, weil das mehr Anwender als Coder waren.
    CP/M war damals ein weitverbreitetes Betriebssystem und eigentlich der Standard für den kommerziellen Einsatz. Und zwar so weit verbreitet, dass Microsoft einen eigene CP/M-Karte für den Apple II anbot und sich damit einen Namen als kommerziellen Anbieter machten. Es dürften also mehr nur "einige" Firmen gewesen sein, die CP/M nutzen.

    Ich selbst habe unter CP/M in den 80igern beruflich C- und Assembler-Programme für diverse Prozessoren enwickelt.
    Ich habe auch ein Projekt unter Concurrent CP/M86 gemacht. Das war dann wenigstens schon mal Multitasking.

    Aber seit Windows 95 habe ich mich von der Kommadozeile verabschiedet. Ich nutze die nur noch in Ausnahmefällen in der Windows Konsole, wenn ein Entwickler mal wieder zu faul war, eine ordentliches GUI zu schreiben. :D

    Klar kann man heute noch mit CP/M arbeiten, wenn man das unbedingt will. Wenn das damals ging, warum nicht heute.
    Zur Not kann man sich unter Windows ja 4 bis 5 CP/M Konsolen parallel aufmachen (natürlich nicht auf der gleichen CP/M-Maschine). :D


    Tex_Terry wrote:

    Wenn ich hingegen meine Gedanken ordnen möchte oder ein kleines Projekt plane, dann brauche ich in der Regel nicht mehr als eine einfache Textdatei. Und WordStar bietet mir dafür alles was ich brauche. Und dass ich nicht mal eben mit Alt-Tab zum Browser oder zum E-Mail-Client wechseln kann, ist für mich dann ein Vorteil. Diese einfachen Systeme helfen mir mich zu fokussieren und bei der Sache zu bleiben.
    Dafür nehme ich dann lieber Stift und Papier und setze mich gemütlich auf die Couch oder (im Sommer) ins Freie.
  • > Ich habe auch ein Projekt unter Concurrent CP/M86 gemacht. Das war dann
    > wenigstens schon mal Multitasking.

    Auf einem PC oder einer z80 Maschine? Ich würde das auch so gerne mal probieren, aber es scheint alle C= CP/m Lösungen erlauben keinen Timer IRQ am z80... ;(
    Hier könnte ihre Signatur stehen!
  • DerSchatten wrote:

    Tex_Terry wrote:

    Wordstar für Notizen etc., dBASE und SuperCalc setze ich als Excel-Ersatz ein.
    Würden die auch auf nem C128 laufen?
    Ja, die laufen auf dem C128.

    dBase, Wordstar und Multiplan wurden in den 80er Jahren sogar vom Markt & Technik-Verlag in Deutschland verkauft.
    In speziell angepassten Versionen für den C128, mit deutschen Handbüchern usw.

    Die englischen Versionen aus dem Netz kann man natürlich auch nehmen. Nur muss man dann das ganze Setup mit Terminal-Emulation usw. selber machen.

    Für CP/M sollte man aber zumindest zwei Diskettenlaufwerke haben.
    Oder wenigstens Laufwerk M: (RAM-Disk) benutzen.
  • detlef wrote:

    Aber seit Windows 95 habe ich mich von der Kommadozeile verabschiedet. Ich nutze die nur noch in Ausnahmefällen in der Windows Konsole, wenn ein Entwickler mal wieder zu faul war, eine ordentliches GUI zu schreiben.
    Für CP/M würde es ja eine grafische Oberfläche geben, leider nicht für den C128.
    Find nur die Webseite grade nicht.

    Gruss C=Mac.
  • DerSchatten wrote:

    Die Frage ist nur wie man das ganze auf eine Lauffähige C128 Disk bekommt.
    Ich nutze mein SD2IEC und CP/M Images.

    An praktischem Nutzen sind bei mir eigentlich nur ein Texteditor (Word Star) und MBASIC und TurboPascal hängen geblieben. Und auch das nur als reine Hobb-Aktivität ohne wirklichen Produktivnutzen.

    Früher dachte ich, ich müsste mit meinem Amiga produktiv arbeiten können und habe mir dazu auch MorphOS besorgt. Aber das Wettrennen zwischen Retro-Systemen und heutigen Systemen um produktives Arbeiten ist schon lange entschieden. Ich habe das akzeptiert, auch wenn ich heute noch der Meinung bin, dass früher (TM) alles besser war.
  • DerSchatten wrote:

    Würden die auch auf nem C128 laufen?
    Ja. Ich nutze die Programme unter CP/M auf dem C128. ich nutze dazu übrigens die gepatchte Version von csoren Github-Link.
    Es läuft aber auch alles auf dem "normalen" CP/M, das Commodore mitgeliefert hat. Die gepatchte Version hat nur ein paar interessante Vorteile. Unter anderem läuft die Bildschirmausgabe etwas schneller ab und die ASCII/DIN-Taste funktioniert so, wie man es vom Normalmodus gewohnt ist.
  • Bytebreaker wrote:

    Früher dachte ich, ich müsste mit meinem Amiga produktiv arbeiten können und habe mir dazu auch MorphOS besorgt. Aber das Wettrennen zwischen Retro-Systemen und heutigen Systemen um produktives Arbeiten ist schon lange entschieden.
    Für alle modernen Anforderungen sind die alten Systeme sicherlich nicht geeignet. Aber einzelne, ausgesuchte Tätigkeiten sind IMHO immer noch zufriedenstellend lösbar. Insbesondere wenn es nur darum geht ein paar ASCII-Dateien zu pflegen.

    Bei MorphOS oder andern NG-Amiga-Systemen wird der Kontrast aber meiner Meinung nach sehr deutlich. Denn auf der einen Seite kommen die Systeme relativ modern daher, auf der anderen Seite fehlen dann aber moderne Tools, wie man sie unter aktuellen Desktop-Systemen kennt. Da stellt sich dann schnell die Frage nach einem brauchbaren Browser oder einem vollwertigen Office-Paket. Bei CP/M geht mir das nicht so. Da weiß ich was ich habe und beschränke mich darauf. :D

    Bytebreaker wrote:

    Ich habe das akzeptiert, auch wenn ich heute noch der Meinung bin, dass früher (TM) alles besser war.
    Zumindest war es früher nicht so schlecht, wie manche meinen. Daher macht es mir auch so eine Freude, auszuprobieren wie weit man mit diesen 30 oder 40 Jahre alten Tools auch heute noch kommt.

    BTW: R. R. Martin schreibt seine Bücher immer noch mit WordStar 4 (allerdings unter DOS).
  • Tex_Terry wrote:

    BTW: R. R. Martin schreibt seine Bücher immer noch mit WordStar 4 (allerdings unter DOS).
    Worstar war ja auch nicht schlecht. Habe damals einigen Bekannten bei ihren Diplomarbeiten geholfen.
    Mit Wordstar 3.3 unter MS-DOS und später mit der PC-Version Wordstar 3.4 auf dem PC10.

    Die Arbeiten kamen schon mal auf 200 Seiten und das war überhaupt kein Problem. Wir haben damit sogar Formeln gesetzt.
    Das wäre genauso unter CP/M80 gegangen, nur etwas langsamer.

    Ich habe auch anfangs meine Quellcodes auf CP/M80 mit Wordstar editiert. Ein 6502-Projekt hatte rund 200 KByte Quelltext und der damals verwendete Crossassembler konnte noch nicht linken oder anderweitig die Quelltexte aufteilen. Das musste alles in eine Datei. :S

    Es hat auf dem PC eine ganze Weile gedauert, bis ich einen anderen Editor hatte, der so problemlos mit großen Files umgehen konnte.
  • OT:
    Ich finde es lustig, wie Ihr WordStar als "Texteditor" degradiert.
    Ich dachte immer, das geht damals als Textverarbeitung (*Word Processor") durch und wurde auch so verkauft :D

    Ich kann mich dunkel an ca. 1988 erinnern als ich in meiner Lehre eine Schulung auf WordStar hatte.
    Wurde aber schnell durch Word 5.0 und 5.5 ersetzt, weil das maechtiger und zugaenglicher war.
    Bei WordStar musste man sich viele, viele Shortcuts merken - war aber danach sicher effizienter, aber die Lernkurve war fuer Buerogummis halt gross.
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  • syshack wrote:

    Ich finde es lustig, wie Ihr WordStar als "Texteditor" degradiert.
    Wieso? Ich hatte doch geschrieben, dass wir damit 200-seitige Diplomarbeiten erstellt haben. Das geht nicht mit einem Texteditor.
    Da gibt es Formitierungsvorgaben, Fussnoten usw.

    1988 war ich aber längst bei MS Word.
  • Tex_Terry wrote:

    DerSchatten wrote:

    Würden die auch auf nem C128 laufen?
    Ja. Ich nutze die Programme unter CP/M auf dem C128. ich nutze dazu übrigens die gepatchte Version von csoren Github-Link.Es läuft aber auch alles auf dem "normalen" CP/M, das Commodore mitgeliefert hat. Die gepatchte Version hat nur ein paar interessante Vorteile. Unter anderem läuft die Bildschirmausgabe etwas schneller ab und die ASCII/DIN-Taste funktioniert so, wie man es vom Normalmodus gewohnt ist.
    Würdest du das zur Verfügung stellen? Oder woher bekommt man die angepasste Version?

    -= Neu in meiner Sammlung / Modding =-

    Nichts hält länger als ein Provisorium