Elkos oder Kerkos?

  • Ich brech´zusammen was ich alles so im Netz lese. Für den Kondensatorentausch nehmen die einen Kerkos und die anderen Elkos. Da gehen die Meinungen so stark auseinander das ich gar nicht mehr weiss was ich jetzt machen soll. "Wenn du Deutscher bist ist es OK wenn du Kerkos benutzt" hiess es sogar da. Echt verrückt das ganze. Gibt es hier einen wirklich kompetenten und gelernten Elektroniker der mir die Richtige herangehensweise erklären kann? Ich bin drauf und dran wieder die alte SMD-Bauform zu benutzen die im Original Amiga benutzt wurden. Ich habe Handelsübliche Kondensatoren verbaut also die mit den Beinchen. Das ganze funktioniert aber da meinte jemand das durch Vibrationen sich die Pads von der Platine lösen könnten.......Thx, Frank Klafzinski.

  • Ach was das hält dicke, die Pads. Die Elkos wiegen auch absolut nix. Und welche Vibrationen ?, lässt man ja nicht auf'm Diesel schnallen das Board. Z.B. alle SNES mit Elkos erneuert, ich glaub' da müsste man nun schon mit 20kg dran ziehen dass man da etwas abreißen würde - wenn überhaupt. Also nicht so übervorsichtig sein, zumindest nicht da wo es nicht wirklich sein muss.
    Ausserdem gingen ja nicht gleich alle Pads exakt gleichzeitig ab. :) U. eher schadet das erneute drauf herumbraten bei einem nun erneuten Austausch, wo es vorerst doch erstmal 25 Jahre in Ruhe gelassen werden sollte.

  • Für den Kondensatorentausch nehmen die einen Kerkos und die anderen Elkos.

    Gibt es hier einen wirklich kompetenten und gelernten Elektroniker der mir die Richtige herangehensweise erklären kann?

    Ich bin weder kompetent noch gelernter Elektroniker, aber ich empfehle bei solchen Glaubensfragen immer die Vernunft zu Rate zu ziehen. Der Zweck eines Kondensators entscheidet darüber, welchen Typ man verwendet, nicht die Meinung irgendwelcher Heiopeis.


    Liegt der Elko zwischen VCC und GND, kann man bedenkenlos einen Kerko als Ersatz nehmen.
    Liegt der Elko in einem Signalweg (z.B. im Audio-Bereich des Amiga), dann wahrscheinlich wegen seiner Eigenschaften, nur positive oder negative Spannung durchzulassen. Als Ersatz also einen Kondensator mit Plus/Minus-Pol. Elko oder Tantal.


    Im Einzelfall gibt der Schaltplan Auskunft über die Funktion eines Kondensators. Das hat nichts mit Glauben zu tun, sondern mit Physik :)

  • Der wichtigste Grund für die Einsatz eines Elektrolytkondensators ist, dass er preiswert und kompakt bei großen Kapazitäten ist. Heutzutage sind Keramikkondensatoren billig in größeren Kapazitäten als bisher erhältlich und so werdet mann sich heute schneller für einen Keramikkondensator entscheiden.


    Keramische Kondensatoren haben viele Vorteile gegenüber Elektrolytkondensatoren, aber in peripheren Fällen kann ein Elektrolytkondensator dennoch wünschenswert sein, insbesondere wenn kleine Kapazitätsschwankungen gegenüber der Temperatur unerwünscht sind, oder wenn der niedrigere Serienwiderstand eines Keramikkondensators eher ein Nachteil als ein Vorteil ist. Dies sind Kantenfälle, in 99% der Fälle wurde ein Elektrolytkondensator verwendet, nur weil eine größere Kapazität gewünscht wurde, und wenn ein Keramikkondensator in dieser Kapazität verfügbar ist, kann er problemlos verwendet werden.


    Ein wichtiges Argument für den Einsatz von Keramikkondensatoren in klassischen Computern ist die sehr lange Lebensdauer. Man kann davon ausgehen, dass ein Keramikkondensator nach der Installation nimmer mehr ersatzt werden muss.

  • Kerkos halten ewig und sind nicht gepolt. Zwei Vorteile.


    Aber: Kerko, Elko, Folie, etc. ist nunmal alles nicht dasselbe. Das Verhalten ist unterschiedlich.


    Ich kenne genug Leute die Amigas mit Kerkos vollgepflastert haben, ohne dass das je ein Problem gemacht hat. Geht also, und anscheinend geht es nicht so schlecht. Ich persönlich mache es trotzdem nicht. Beim Kondensator wechseln kommt bei mir die selbe Bauform wieder drauf. Rein aus Prinzip.


    So, jetzt bist du genau so schlau wie vorher - Und viel schlauer wirst du auch nicht werden, bei diesem strittigen Thema.



    P.S.: Falls das Thema bei dir gerade aktuell ist, ich habe gestern einige SMD für A600 & Co. bestellt, und zwar sicherheitshalber mehr als ich brauche. Ich kann dir da gerne einen Satz zuschicken, falls du selbst nicht ohnehin tonnenweise Hühnerfutter bei dir rumliegen hast. Da wärst du ja nicht der Einzige :)

  • Es gibt beim A600 oder A1200 mindestens einen Elko der auch wieder ein solcher werden muss, sonst leidet die Bildqualität.


    Welcher genau das ist muss dir jemand anderes sagen.

    Trajan64 : das rauszufinden sind 5 Minuten Arbeit, ein bisschen im Schaltplan rumscrollen und eine unqualifizierte Einschätzung abgeben. Wenn Du magst, helf ich Dir gerne dabei.


    Ich find's immer bedenklich, wenn man einen der nach Hilfe fragt so konfus zurücklässt. Mir wurde damals, als ich hier neu war, empfohlen meinen pfeifenden Monitor Commodore 1084S bloß nicht aufzuschrauben und ihn lieber zu entsorgen als mein Leben zu riskieren. Ich hab mich dran gehalten und könnte mir heute in den A**** beißen, dass ich das gute Teil nicht mehr hab. Die Reparatur hätte mich vielleicht 2,50 Euro gekostet und mir die Erfahrung gebracht, die ich dann mit einem 1438S hatte, den ich selbst repariert hab. Irgendwo muss man mal anfangen, sonst kommt man nicht weiter.

  • Vorsicht... Es gibt beim A600 oder A1200 mindestens einen Elko der auch wieder ein solcher werden muss, sonst leidet die Bildqualität.


    Welcher genau das ist muss dir jemand anderes sagen.


    Verwechselst du das zufällig mit dem Amiga CD32?


    Da gibt es de facto "Kerko-Streifen".


    Bei A600 / A1200 höre ich dagegen immer, dass er die Kerkos gut verträgt.


    Aber meiner Meinung nach... Wieder SMD drauf, diesmal qualitative. Dann hält das Stück erstmal wieder paar Jahrzehnte und sieht original aus.



    Edit: Kurz gegoogelt und du scheinst Recht zu haben. Probleme mit dem Composit-Signal am A1200 scheinen bei einer Kerko-Transplantation durchaus vorzukommen.


    Und nochmal Edit: Der "mindestens eine" scheint C459 zu sein. Ein 22uF-Slko-SMD. (Der wird sich dann auf U12 auswirken, i think...) (Bei A600 und A1200 der selbe Fall)

  • Verwechselst du das zufällig mit dem Amiga CD32?


    Da gibt es de facto "Kerko-Streifen".


    Bei A600 / A1200 höre ich dagegen immer, dass er die Kerkos gut verträgt.

    Das stimmt schon. Ein Elko muss auch wieder durch einen Elko ersetzt werden sonst hast man ein Problem mit dem Compositeausgang. Wenn man den aber nicht braucht isses Wumpe...

  • Wenn man den aber nicht braucht isses Wumpe...

    Dann kann man ihn ja weglassen. Oder einen Widerstand statt eines Kondensators verlöten. Ich dachte es geht um den langfristigen Erhalt des Computers. Ach nee, ist ja ein Amiga, der ist noch nicht antik genug, um ihn würdevoll zu behandeln.


    Wie ich schon angedeutet habe, Glaubensgemeinschaften ("hat bei mir auch funktioniert") und erfundene Statistiken ("99%") sind vielleicht eine Basis für rechte Parteien, aber nicht in der Realität.


    Shmendric hat schon Recht, wenn er sich an das hält, was die Entwickler damals ausgetüftelt haben. Es funktioniert genau so, wie es vor dem Kondensatortausch funktioniert hat. Ob das jetzt aus diesem oder jenem Grund so gemacht wurde ist doch grundlegend egal.


    Hat schonmal jemand die Elkos im C64 durch Kerkos ausgetauscht?


    Sorry ADAC, ist nicht persönlich gemeint. Dein Kommentar hat mich grad "getriggert", wie man heute sagt.

  • Er hat doch eh schon Elektrolykondensatoren verbaut, neue.* SMD Elkos wie im Original wären dann ja fast 'dasselbe' -würde er jetzt solche nehmen-, im Gegensatz zu Kerkos. *Laut seiner letzten Zeile in Post 1.
    Das sind auch immer gepolte -die er jetzt schon neu verbaut hat-, also schnonmal gut für so Bereiche in denen ungepolte u.U. negativ/'ne schlechte Idee wären.
    Wozu dann überhaupt nochmal wechseln, wie hier z.T. indirekt vorgeschlagen ? Wie ich schon in Post 2 meinte.. .

  • Wozu dann überhaupt nochmal wechseln, wie hier z.T. indirekt vorgeschlagen ? Wie ich schon in Post 2 meinte.. .

    Wenn er schon bedrahtete Teile eingelötet hat, dann soll er es dabei belassen. Auch wenn es gruselig ist.


    Dieser Thread ist aber auch noch in den nächsten Jahren abrufbar, wo vielleicht jemand anders darauf stößt, wenn er nach "Amiga Kondensatortausch" oder so sucht. Das ist vielen vielleicht nicht bewusst, aber das ist hier kein Chat, sondern was hier verzapft wird bleibt für laaaaange Zeit online.

  • Auch wenn es gruselig ist.

    Aber nur rein optisch gruselig ;), ansonsten traue ich denen von der reinen Grundfunktionalität mehr als so kleinen Kerkos* oder Folienkondensatoren. Vlt. sogar mehr als diesen schnell austrockennden SMD Kondis, wie sie im Original waren.
    Auch wenn sich diese inzw. qualitativ gebessert haben. *Aber egal, das kann man ja elektr. [messen + "auf dem Prüfstand"] überprüfen, u. sehen dass wohl auch solche zuverlässig das machen was sie ihrem Typ nach sollten.

  • In Analogkreisen sollten man keine Kerkos einsetzen das deren Kapazität stark spannungsabhängig ist. Auch haben die eine tolle Temperaturdrift...was in einem Amiga wohl eher ein marginales Problem ist wenn nicht grad ne Turbokarte das Board aufheizt.

  • In meinem A1200 arbeiten nach der "Kur" nur Kerkos. Das einzige Problem ist, dass ich am Compositeausgang kein Farbsignal mehr habe. Da ich den A1200 nur per RGB betreibe, ist es mir dieses Verhalten aber egal und wird deshalb nicht geändert. Hätte ich aber damals bei der Umlötaktion gewusst, dass es diese Auswirkungen hat, hätte ich zumindest den/die? betreffenden Kondensatoren statt durch Kerkos wieder durch Elkos ersetzt.

  • Kurze Zusammenfassung, Kerkos können an vielen Stellen eingesetzt werden, sie können aber sehr schnell auch seltsame probleme verursachen durch ungeschickte auswahl X5 oder X7.


    Die Haltbarkeit von Keramikkondensatoren ist Grundsätzlich sehr hoch, aber die SMD hochkappa Versionen bekommen schnell beim Löten einen Thermoshock, oder rissbildung bei ungeeigneten Lötzinn oder Lötzinn mischung Bleifrei/ Verbleit.


    Heutige standard Elkos schaffen erstmal 25 Jahre wieder Ruhe, dann ist 2043! :alt:
    Die Kerkos hochkappa sind leider noch kein Bauteil mit echten Langzeit erfahrnungen, meine erfahung über die Letzten 10 Jahre zeigt aber das sie auch Defekte aufweisen.
    Bei Mechanischer Belastung oder ungünstigen Löten gerne in den Fehlerzustand Kurzschluss.
    Analoge Signale werden im ungünstigen fall auch verzerrt, siehe Datenblätter.
    Man stelle sich einen 6V Kerko vor, der für die Kopplung eines 5V Audio Signals verwendet wird...




    Auszug Datenblatt...