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Erinnerungen Steinzeit-Selbstbau-PC?

  • Neulich haben wir uns am Stammtisch über alte Computer unterhalten und dabei festgestellt dass wir alle restlos die Zeit verpasst haben in der man sehr frühe MSDOS-PCs selbst baute. Kurz zum Hintergrund, die meisten von uns kommen aus der CP/M- und CBM-Ecke, uns waren bis etwa 1987 MSDOS-PCs komplett egal und danach waren sie nur dumpfe Arbeitspferde neben dem Amiga. Zu meiner Überraschung war ich trotz lausiger Erfahrung "der King" weil ich um 1986 einen leicht defekten IBM PC 5150 am Flohmarkt erworben und zum Laufen gebracht hatte. D.h. wirklich der Urvater von IBM, 128kByte RAM, ROM-Basic(!), ein 180kByte Floppy-Laufwerk und keine MSDOS-Diskette. Schaltete man das Gerät ein suchte die Floppy nach einem Bootmedium und wenn nichts gefunden wurde landete man im typischem Microsoft-Basic wo man als CBM-User prima zurechtkam. Erst im folgenden Jahr wurde das Ding durch weitere Schnäppchenkäufe lauffähig (nämlich Hercules-Monitor, Tastatur und DOS-Bootdisk) aber RAM und Krüppel-Floppy blieben so bis 1992 als ich mich erstmals ernsthaft mit PCs befasste und den Oldie auf 640kByte, 2x360k-Floppy, 10MBit-Ethernet, 20MB Harddisk und VGA aufrüstete.


    Aus alten Computerzeitschriften konnte ich herauslesen dass es auch schon 1982 bis 1985 eine rege Selbstbau-Szene gab die sich aus einzelnen PC-Komponenten komplette MSDOS-PCs baute. Im genannten Beispiel ging es um einen 8088 mit mässiger IBM-kompatibilität der mit 64kByte RAM und Kassettenlaufwerk aber ohne Gehäuse für 400DM Ende 1983 im Eigenbau machbar war. Logischerweise gab es ohne Floppy keine MSDOS-Kompatibilität und die IBM-Kompatibilität war eher bescheiden. Was man damit machen konnte ist mir ein Rätsel. Darüber hinaus habe ich nur sehr wenige brauchbare Unterlagen und Beispiele gefunden und frage daher mal in die Runde:


    Wer hat sich denn in der echten MSDOS-Steinzeit selber einen PC gebaut?
    Welche Komponenten?
    Welche Hersteller?
    Welche Preise?
    Welche Software?
    Wo kann man mehr nachlesen?

  • Aus alten Computerzeitschriften konnte ich herauslesen dass es auch schon 1982 bis 1985 eine rege Selbstbau-Szene gab die sich aus einzelnen PC-Komponenten komplette MSDOS-PCs baute.

    Ich komme auch vom CBM und von CP/M. Ich habe ab 1984 in einer Firma gearbeitet habe, diie IBM-kompatible Rechner genutzt und später auch gebaut und verkauft hat.
    Aber aus meiner Erinnerung grob geschätzt war bei uns vor 1985 nicht viel mit IBM-kompatiblen. Wir hatten in der Zeit die verschiedensten MS-DOS-Rechner im Einsatz (Genie, Victor Sirius, Sharp MZ-6xxx, usw.). Irgendwann gings dann aber richtig los und überall wurden IBM-kompatible Boards und Gehäuse angeboten.
    Ich weiss noch, dass die Firma mir einen frühen PC-10 zu Verfügung stellte. Das war mein erster IBM-kompatibler. Angeblich wurde der schon ab 1984 verkauft. Das passt aber überhaupt nicht zu meinen zeitlichen Erinnerungen. In den Jahren ab 1984 ist PC-technisch so viel passiert, dass ich das einfach nicht mehr exakt auf die Reihe bekomme.


    Aber vor 1984? :gruebel
    Das finde ich auch interressant. Hast du mal eine Quelle? In Welchen Zeitschriften hast du das gelesen?

  • Die Quelle war eine entweder tief im Keller eingemottete oder entsorgte Fachzeitschrift aus dieser Zeit. Ich kann mich erinnern dass es keine der bekannten (Elrad, computer persönlich usw) und dass sie als Format gefaltet wie eine Tageszeitung daherkam, d.h. riesige Seiten und zigfach gefaltet.


    Ich mache mal eine Mischung aus Erinnern, Vermuten und Brainstorming:


    Es gab damals Rechner die zwar MSDOS-kompatibel aber nicht IBM-kompatibel waren. Zum Teil stammen diese Rechner sogar aus der Zeit vor dem IBM5150 und MSDOS und wurden ursprünglich mit CP/M geliefert das ja auch recht gut auf x86 lief. Für MSDOS und CP/M brauchte man aber IMMER Massenspeicher mit Sektoren - behaupte ich mal, ich habs nie anders erlebt und denke daß das technisch nicht anders geht - also Disketten, Platten oder Flash - von HP und Atari kenne ich einige Rechner ohne mechanische Laufwerke bei denen MSDOS komplett im ROM auf einem simuliertem "ROM-Laufwerk" saß. Bei HP gab es sogar alternativ CP/M und HPUX 2 in diesem ROM. Imho war das Zeug so inkompatibel wie sonstwas. Die damals verwendeten MSDOS-Versionen mußten dann im Kern an die Zielplattform angepaßt werden und hatten einige andere Limits als IBM-kompatible, z.B. gab es einige Osborns und Sirius-Systeme die statt 640k-Limit andere Limits hatten (512, 704, 768 sind mir bekannt) oder statt MBR+FAT12 irgendwelche anderen Formate nutzten. Interessanterweise zählen da später einge CBM-8088-Rechner dazu die einen VIC2 für die Grafik und einen SID für den Sound verwendeten, imho der B256 bzw. einige CBM-600-Varianten. Es gab die tollsten Bastarde, nix war wirklich genormt oder nennenswert kompatibel und Do-it-Yourself-PCs bekam man nur mit Ätzbad und Lötkolben. Das ist die Zeit vor 1983, die habe ich noch minimal in Erinnerung und dieses Chaos war für mich damals auch der Grund von MSDOS erstmal die Finger zu lassen.


    Ich kann mich dunkel, sehr, sehr dunkel an Anzeigen aus 1984 und 1985 für einzelne PC-Komponenten erinnern. Allerdings auf einem geradezu deprimierend Niveau: Entweder Pfusch oder teuer oder keine Auswahl. Aus dieser Zeit kann ich mich an Notlösungen erinnern wie "Obst-Kiste als PC-Gehäuse" oder "C64 über Adapter als PC-Tastatur" oder "C64-Datasette über Adapter als PC-Kassettenlaufwerk". Auch diese Zeit war so deprimierend dass sie zuverlässig vom PC abgeschreckt hat. Und an dieser Stelle fällt mir gerade ein dass ich aus dieser Zeit zumindestens noch eine Handvoll Elrads, CPs und Happy Computer rumliegen have - da müßte man ja eigentlich was finden.


    Fast alles was ich am PC bis 1985 gesehen habe kann man so zusammenfassen: Monochromer Textmodus mit lahmer BIOS-Textausgabe sowie Laufwerke A, B, C - das war praktisch alles was genormt war. Gerade die Textausgabe auf alten PCs war zum heulen: da grafisch absolut keine Standards existierten konnte man nicht mal eben in den Bildschirmspeicher schreiben und damit war der kleinste gemeinsame Nenner die Textausgabe über BIOS- und MSDOS-Routinen. Die war aber eklatant doof und ineffizient gelöst: Im Prinzip wurden einzelne Buchstaben per INT-Aufruf übergeben und dann ausgeben. Gefühlt waren sogar viele Terminals mit 9600bps massiv schneller, selbst das Auflisten eines Verzeichnisses mit 20 Dateien dauerte da gerne mal mehrere Sekunden. Erst viel später wurde stärker an der Hardware entwickelt was die Leistung explodieren lies.

  • oder statt MBR+FAT12 irgendwelche anderen Formate nutzten.

    Genial war doch der Victor Sirius mit seiner variablen Umdrehungsgeschwindigkeit.


    Monochromer Textmodus mit lahmer BIOS-Textausgabe

    Eben genau so, wie das CP/M vorher gemacht hatte. MS-DOS war ja auch nur ein aufgebohrtes CP/M. Und deswegen lief das Betriebssystrem und die Software auf so unterschiedlichen Maschinen.
    Ich habe damals Wordstar unter CP/M und MS-DOS genutzt. Das war schon legendär lahm. So lahm, dass die Bildschirmausgabe optimiert war. Wenn man während des Bildschirmaufbaus geblättert hatte, wurd die Ausgabe unterbrochen.
    Dann bekam ich Wordstar 3.4 für PC-DOS, also optimiert für IBM-kompatible Hardware. Da ging die Post ab!


    Aber man kann diese Zeit auch postiv sehen. Soviel Computervielfalt gab es später nie wieder. ;)


    Mein Highlight war der Sharp MZ-6500. Der hatte ein MS-DOS-kompatibles Multitasking-Betriebssystem EOS-16 (ähnlich Concurrent-CP/M) und konnte gleichzeitig MS-DOS, CP/M-86 und CP/M-80 Programme ausführen.
    Das war der perfekte Übergang von CP/M nach MS-DOS. Ausserdem hatte das Teil VGA-Grafik-Auflösung als bei den PCs noch CGA-Grafik Standard war.


    Aber frag nicht nach Preisen. :D


    Schade, dass du keine konkreten Quellen hast. Aber das bestärkt mich in der Erinnerung, dass vor 1984 mit PC-kompatiblen nichts lief. Und 1985 wohl auch noch nichts. Ich würde auch entgegen dem Wikipedia-Artikel behaupten, dass der PC-10 vor Mitte/Ende 1985 nicht wirklich verfügbar war.

  • So, ich komme gerade aus dem Keller zurück. Gaanz hinten habe ich meine alten Computerzeitschriften gelagert. Und wie es der Zufall will lag ein Sammelordner Computer Persönlich Jahrgang 1983 obenauf. Weiter habe ich nicht gesucht weil ich dafür entweder einen Gabelstapler, eine archäoligische Ausgrabung oder Dynamit gebraucht hätte.


    Meine Güte ist das eine depremierende Zeitschrift. Wieso ist Markt und Technik nicht schon 1982 pleite gegangen? Das ist ja unterträglicher Quatsch und Mist und Scheiss. Aber immerhin, es kommt ein wenig Licht ins Dunkel:


    Ausgabe 1983-1: Erster grosser Vergleich des brandneuen IBM-PC mit etablierten 16Bit-Systemen. Im Prinzip ein stumpfsinniger Vergleich zwischen Sirius-I und IBM 5150 der um haaresbreite an jeder nützlichen Information vorbeischramt. So wird festgestellt dass beide mit einem Betriebssystem kommen. Was die können und welche Soft- und Hardware es dafür gibt wird nicht erwähnt. Dafür wird lange darüber berichtet daß bei einem Computer das Tastaturkabel sich aufrollt und beim anderen nicht. Wer den ersten Abschnitt bei Wikipedia über MSDOS gelesen hat ist zehnmal schlauer. In der Werbung werden viele komplette CP/M-Computer zu absurden Mondpreisen beworben (z.B. ein 64kByte Bildschirm-Arbeitsplatz mit CP/M, Floppy, Monitor und Drucker bis 30.000 DM). Bei den Kleinanzeigen findet man einige günstige CP/M-Komponentenanbieter - ich hab mir im Kopf ein brauchbares 32k-CP/M-System für 3000DM zusammengestellt. Insgesamt hat man den Eindruck dass hier keinerlei Wettbewerb sondern nur Idiotenabzocke ausserhalb der Bastlerecke stattfindet.


    Ausgabe 1983-12: Kein einziger Artikel der irgendwie mit MSDOS zu tun hat. Auch CP/M wird nur nebenbei in oberflächlichen Artikeln und ausufernd-inhaltsleerem Buzzwordbingo angesprochen. Es werden ein paar brauchbare Büroanwendungen zu Mörderpreisen getestet aber das Gro der brauchbaren Artikel befaßt sich mit CBM-Zeug. In der Werbung habe ich für den PC sehr wenig gefunden, eine Werbung für eine PC-Multi-IO-Karte, zwei Kleinstanzeigen für Software und eine Anzeige in der verschiedene IBM Komplett-PCs für 8000-12.000DM verkauft wurden. Es gab noch ein paar Anzeigen rund um CBM-Geräte, meistens C64 und CBM8000, alles recht günstig, ein wenig Sinclair-Zeug und ein paar CP/M-Komplettsysteme für bis zu 5.000DM. Man hat fast den Eindruck die ganzen Blender und Wucherer wurden aus der Stadt gejagt. Die Bastler aber großteils auch. Die meisten Anzeigen machen nur für eine Handvoll Produkte Werbung so nach dem Motto "C64 700DM, Floppy 800DM, Vizawrite 200DM, Tel 12345 ruf mich an, Ende Werbung".
    Aber jetzt die Überraschung: Gefühlte 50 Anzeigen rund um Apple2-Nachbauten. Platinen, CPUs, Massenspeicher-Kontroller, EPROM-Brenner, EPROM-Umschaltbanken, verschiedene CPU-Boards für diese Apple-Nachbauten mit 68000, Z80 und 8088-CPUs, Grafikkarten uswusf.... manche Anbieter hatten über 100 Artikel rund um Apple2-Nachbauten im Angebot - ich habs mal im Kopf überschlagen, ein einfacher Clone war für 1200DM machbar und dann etwas schlechter als ein C64. Aber man konnte problemlos auf der gleichen Basis einen Rechner für 10.000DM zusammenstellen der fast an einen Amiga1200 rankam, zumindestens nach technischen Spezifikationen. Und das 1983. Inwiefern ein Aplpe2-Clone mit Zusatz-68010@12Mhz irgendwie praktisch genutzt werden konnte ist mir allerdings völlig unklar.


    Fazit: Der PC spielte 1983 absolut überhauptkeine Rolle. CP/M fiel binnen eines Jahres aus himmlischer Hochpreispolitik auf die verbrannte Erde der Commodore-Dumping-Produktpalette. Wer basteln wollte tat das auf Basis von Apple2-Clonen. Ganz ehrlich, hätte Apple damals sein System lizensiert wäre der PC nie über das Model 5150 rausgekommen.

  • Genial war doch der Victor Sirius mit seiner variablen Umdrehungsgeschwindigkeit.

    Oja, ja das Floppy-Format-Chaos hatten die ersten PCs aus der CP/M-Werlt geerbt. Ich habe heute noch Albträume wenn man da mal Daten tauschen wollte... ich habe gefühlt 10mal als junger Hiwi kleine Transferprogramme eingetippt um Daten über RS232 zu tauschen. Denn alles andere war Chaos.


    Mein Highlight war der Sharp MZ-6500. Der hatte ein MS-DOS-kompatibles Multitasking-Betriebssystem EOS-16 (ähnlich Concurrent-CP/M) und konnte gleichzeitig MS-DOS, CP/M-86 und CP/M-80 Programme ausführen. Das war der perfekte Übergang von CP/M nach MS-DOS. Ausserdem hatte das Teil VGA-Grafik-Auflösung als bei den PCs noch CGA-Grafik Standard war.


    Jetzt wo Du es sagst... in den Anzeigen für Mondpreis-CP/M-Maschinen CP-1983-1 habe ich auch davon gelesen. Das würde die teils astronomischen Preise erklären. Nciht unbedingt rechtfertigen aber erklären.


    In CP-1983-12 wurde von einer Messe berichtet auf der neben "revolutionären Koffercomputern" (also Notebooks mit 30kg) auch flexible Allround-Computer erwähnt wurden die mit mehreren verschiedenen CPUs kamen, z.B. 6502, Z80, 68000 auf einmal. Angeblich sollte das die Umstellung auf neue Technik vereinfachen aber aus heutiger Sicht wirkt das schlicht albern und dürfte ausser technikfremden Großkopferten sinnlos erscheinen - die Dinger haben zwar verschiedee CPUs aber trotzdem läuft darauf keine C64- oder Sun-Software... Diesbezüglich habe ich auch den einzigen genial-aufschlussreichen Artikel gelesen, das war eine Kommentarrubrik mit dem Namen "Schlagseite" und watschte diese Wolperdinger-Computer ziemlich ab: "Wozu einen Rechner kaufen der die Fähigkeiten von drei Rechnern schlecht vereint wenn man fürs halbe Geld drei klassische Einzelrechner bekommt die sogar zu irgendetwas kompatibel sind"...


    Nach dem Studium der CP-Archive von 1983 verstärkt sich mein Eindruck dass zwischen 1980 und 1985 jeden zweiten Tag eine planlose neue Architektur erschien die zu nix kompatibel war und binnen Wochen restlos aus der Geschichte verschwunden ist. Wer hat sich denn den ganzen Experimental-Quatsch damals ernsthaft gekauft? Wirklich Hand und Fuß hatten nur Produkte von einem halben Dutzend Hersteller, der Rest war schon vor der Produktion reif für die Deponioe.

  • Jetzt wo Du es sagst... in den Anzeigen für Mondpreis-CP/M-Maschinen CP-1983-1 habe ich auch davon gelesen. Das würde die teils astronomischen Preise erklären. Nciht unbedingt rechtfertigen aber erklären.

    Alles günstiger als ein Original IBM-PC oder ein Apple. :D
    Und in Anbetracht der Speicherausstattung (bis zu 256KB) waren die Preise für die damalige Zeit durchaus gerechtfertigt.
    Meine komplette CBM-Anlage hat 1981 auch rund 7000 DM gekostet.


    Das waren im wesentlichen alles Kisten für den kommerziellen Einsatz. Das darf man nicht mit dem C64 verwechseln. Wobei der anfangs mit Floppy auch über 2000 DM gekostet hat.

  • Da muss ich mal eine zwischenfrage stellen:


    Warum war Speicher damals so unbeschreiblich teuer? Lag es an der Fertigungsweise, oder gab es damals nur eine Hand voll Firmen, welche überhaupt "in der Lage" waren Speicher herzustellen?

  • Da muss ich mal eine zwischenfrage stellen:


    Warum war Speicher damals so unbeschreiblich teuer? Lag es an der Fertigungsweise, oder gab es damals nur eine Hand voll Firmen, welche überhaupt "in der Lage" waren Speicher herzustellen?

    Beispiel: Ein PET 2001 hatte 8kByte RAM die sich auf 16 Bausteine zu je 4096 Bit = 512 Byte verteilten. Für die 64kByte eines C64 hätte man mit diesen Bauteilen rund 128 RAM-Chips gebraucht. Bzw eigentlich 129 wegen Farb-RAM. Nicht zu vergessen 16 Bohrungen pro Chip. Daher ist es nicht verwunderlich dass Anfang der 1980er RAM einen grossen Kostenfaktor darstellte. Trotzdem muss man sagen dass die RAM-Preise von teilweise 800-2000 Mark pro 64kByte oft einfach Nepp waren. Oder anders gesagt, dumme Kunden sind die besten Kunden.


    Ausserdem gab es eklatante Schweinezyklen, eigentlich sogar mehr als heute weil teilweise schon Lagerbestände eines einzigen Großhändlers den ganzen Markt eine Woche Achterbahn bescherrte. Wenn man alten, langsamen Speicher verwenden konnte (d.h. viele kleine statt wenigen grossen Chips) konnte man nochmal kräftig sparen, hatte aber im Gegenzug eine riesige Platine mit vielen Bohrungen, Sockeln und mehr Arbeit. Kleinserien von Nieschenherstellern hatten anfang der Achtziger noch den Nachteil daß es keinen Spotmarkt gab und Komponenten dann eben bei Apotheken kaufen mußten. Dicke Fische hingegen hatten Lieferveträge und gute Konditionen. Auch wenn es einige nicht gerne hören, CBM war damals nach Stückzahlen ein richtig dicker Fisch während viele "Systemhäuser" pro Jahr weniger RAM umsetzen als der Mediamarkt München-West an einem lebhaften Wochenende. Natürlich hatten grosse Minicomputer vier oder achmal mehr RAM als ein C64 aber welche Mikrocomputer erreichte auch nur 1% der Stückzahlen des C64? Eben, und darum hatte CBM ziemlich gute Konditionen. (Erklärung: Früher gab es zwischen Mikrocomputern wie C64, PC und Amiga und Großrechnern wie Cray und IBM noch die Minicomputer die "nur" ein halbes Rack belegten. Als Begriff ist das heute wohl fast ausgestorben).


    Der C64 war für seinen gigantischen Speicher ausgesprochen günstig. In der Minicomputer-, CP/M- und Apple-Welt zahle man üblicherweise mehr für 32kByte rohe RAM-Chips als für einen kompletten C64. In einer alten Usenet-Legende wird von einem Systemhaus berichtet das sich palettenweise C64 besorgte und dort das RAM ausbaute um es in eigenen Rechnern zu verbauen weil das immer noch billiger war als das RAM am freien Markt zu erwerben. Wäre mal was für die Mythbusters ;-)

  • Warum war Speicher damals so unbeschreiblich teuer? Lag es an der Fertigungsweise, oder gab es damals nur eine Hand voll Firmen, welche überhaupt "in der Lage" waren Speicher herzustellen?

    Teuer? 1957 vielleicht. :D


    https://jcmit.net/memoryprice.htm

  • Aber jetzt die Überraschung: Gefühlte 50 Anzeigen rund um Apple2-Nachbauten.

    Ich kann mich auch gut an Anzeigen erinnern, in denen "Kompatible" angeboten wurden und man konnte bei identischem Gehäuse wählen, ob das Kernstück Apple- oder IBM-kompatibel sein sollte, wobei IBM (nach meiner Erinnerung und weil 16 Bit) einiges teurer war. Ja, es gab wirklich eine Zeit, wo "kompatibel" zum Apple-II-PC kompatibel meinte, im PC-Heimatland USA noch viel stärker als bei uns in Europa. Aus der Troika der PC-Anfangs-Zeit (Apple II, Commodore PET, Radio Shack TRS-80) von 1977 ist der Apple II als original wohl nicht der bestverkaufte gewesen (gerade der TRS-80 war ja auch einiges günstiger), aber dafür hat er sich als Kompatibler sehr gut durchgesetzt.


    Ganz ehrlich, hätte Apple damals sein System lizensiert wäre der PC nie über das Model 5150 rausgekommen.

    Ich denke auch, dass Apple da hätte gegensteuern können, indem sie den Apple-Kompatiblen freien Lauf gelassen hätten. Aber im Gegensatz zu Betriebssystem-Herstellern (wie DR oder MS) haben die Geräte-Hersteller (wie IBM oder Apple) aber erstmmal nicht sehr viel davon, wenn man ihre Geräte nachbaut (und Apple hat sich immer als Hardware-Firma gesehen). Und man muss auch sagen, dass auf lange Sicht die Microsoft/IBM/Intel-Partnerschaft für die tausenden von Computer-Bauern (nicht für MS oder Intel) eher schlecht ausging. Die meisten Firmen gibt es nicht mehr und die, die es gibt (z.B. IBM) bauen keine PCs mehr. Einzig HP hat es neben Apple geschafft, sich über die 70er/80er/90er zu retten und immer noch PCs zu bauen. Von daher kann man nicht sagen, ob es wirklich die bessere Taktik ist, einer von vielen Herstellern mit identischem OS zu sein, selbst wenn dieses den größten Marktanteil hat.

  • Du hast noch die Computer Persönlich? Oh, was hab ich diese Zeitschrift geliebt... :love:
    Da waren tolle Tests drin...IBM PC junior, der Genie 16 PC mit 8086 und soooo viel mehr. Leider hab ich nur noch wenige Ausgaben davon... ;(


    Alleine die Berichte über LISP auf dem ST waren toll. Und das OIS, wo ich zum ersten Mal Online-Foren sehen durfte...


    Also meine Bastelei find mit dem PC 10 an. Festplatte eingebaut, NEC v20 CPU versucht zu verbauen (ging nicht wirklich, weil unter dem Netzteil zuwenig Platz war), Grafikkarten getauscht usw.


    Dann machte un unserem Städtchen ein Laden auf, wo kompatible PCs gebaut wurden und in alle Richtungen 'verteilt' wurden. Ich sag mal verteilt, weil die Nachfrage so gross war, dass nie genug Material rangeschafft werden konnte, um alle Aufträge zu erfüllen. Ich nahm dort nen Studenten-Nebenjob an, und wurde ab sofort fürs Basteln bezahlt. Nicht sehr gut, aber immerhin...

  • Der PC kam bei mir erst 1990 oder 1991 - in Form eines (natürlich!) Commodore PC-10. Einer meiner ersten (Selbstbau-) "PCs" etwas später war ein originales(!) IBM-AT-Mainboard mit 6 MHz (ja, die ersten hatten keine 8 MHz), welches ich geschenkt bekommen habe. Damals war auf den Mainboards außer dem Tastaturanschluss genau keine Schnittstelle vorhanden.


    Als ich einen Floppy-Controller im ISA-Slot einsetzte (kein IBM, sondern natürlich ein Nachbau ) lief dieser nicht. Erst als ich das originale IBM-BIOS durch ein "kompatibles" (keine Ahnung mehr, was, irgendein Compaq vermute ich) ersetzt habe ließ sich auch der FDC ansprechen. Soviel zur Kompatibilität ... =O


    Weiteres Kuriosum:
    Das Ding hatte ab Werk DRAM-ICs huckepack(!) auf die im Board eingelöteten 1:1 draufgesetzt, um den Speicher zu verdoppeln. Keine Ahnung, wie IBM das gemacht hat, da war nichts gefädelt oder so - ich vermute, da wurde extra ein spezielles IC mit anderem Pinout dafür entwickelt. Leider habe ich das Board recht bald entsorgt, weil ich ein anderes, schnelleres, besseres :D bekam. Heute würde mich z. B. das Thema mit den Huckepack-DRAMs brennend interessieren.