Computerszene in der DDR


  • René
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  • Computerszene in der DDR

    Ich schreibe gerade an einem Text über die Computerszene in der DDR. Von der war ich ein Teil - aber ich hatte nur Zugang zu DDR-Rechnern wie dem KC 85. Es wäre toll, wenn Erfahrungen und Anekdoten von anderen einfließen würden.

    - Wer hatte in der DDR einen Westcomputer wie den C64? Woher? Was hatte man damit gemacht? Wie nahm man Kontakt zu Gleichgesinnten auf?

    - Wer hatte vor 1989 im Westen Kontakt zu Computerbesitzern in der DDR und anderen osteuropäischen Ländern? Wie lief das ab? Hatte man Hardware und Software spendiert?

    Danke sehr!
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  • Zur Kontaktaufnahme innerhalb der DDR gab es einige Möglichkeiten:
    • Kleinanzeigenteil der funkamateur (sowohl An- und Verkauf von Heimcomputer als auch SW-Tausch)
    • Computer-AG, falls die Schule sowas bot
    • "Flurfunk", es sprach sich schnell rum, wenn jemand einen hatte
    • Computerkurse an der FH
    • GST



    Unseren C64 hatten wir aus dem An- und Verkauf (=viel Zufall und noch mehr Glück)
    Wissen ist das einzige Gut, das sich beim Teilen vermehrt. Also seid vorsichtig damit!
  • Hallo René,

    da ich im Westen geboren bin, kann ich leider nichts zu deinem Thema beitragen. Aber ich interessiere mich wirklich sehr für die ehemalige DDR, deren Technik und was man als "Normalbürger" dort alles organisierte.

    Wirst du deinen Text dann auch hier veröffentlichen??? Würde mich sehr interessieren. :dafuer:

    Gruß, Hackes.
    Alte Technik und Elektronik haben einen Hauch von Romantik. :thumbup:
  • Horst Völz war mir schon damals präsent als der Heimcomputer-Guru der DDR. Der Text wird ein Büchlein, aber auf irgendeine Weise wird man ihn auch online lesen können. Ich glaube, den Podcast hatte ich vor Jahren schon mal gehört; aber eine Auffrischung kann nicht schaden ...

    Danke!
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  • Bei mir in der Schulklasse hatte einer einen C64, keine Ahnung woher und immer begeistert davon erzählt. Ansonsten gabs da eine Computer- AG in der Landwirtschaftsschule mit KC85ern und LCR- Kassettenteilen an Junost- Fernsehern. Da habe ich meine ersten Basic- Erfahrungen gesammelt. War da noch etwas zu jung um in eine Szene reinzurutschen, denn nach 2 Jahren kam schon die Wende und kann deshalb nix dazu erzählen. Mal abgesehen davon wäre ein eigener Rechner, wenn überhaupt erhältlich, unbezahlbar für mich oder meine Familie gewesen.
    Fantasie ist die beste Grafikkarte.

    The post was edited 1 time, last by tilobyte ().

  • Gut, der Begriff Szene ist vielleicht etwas hochtrabend aber so wenige Leute waren es meiner Meinung nach nicht. Es gab über verschiedene Betriebe/Kombinate die Möglichkeit Computer für zuhause auszuleihen. Zumindest bin ich so um 1985 an die ersten KCs gelangt. Vom KC85/2 über KC87 bis KC85/3 hatte ich recht durchgängig einen Rechner zur Verfügung. Dann die erwähnten AGs, an meiner Schule von meinem Vater selbst geleitet, und einige Bekannte mit ebenfalls KCs und in den späten 80ern dann auch mit C64 oder Atari 800XL war ich gar nicht so schlecht vernetzt :) Da wurden schon auch Programme getauscht, so bin ich zu Digger und Pengo gekommen.
    Ach ja, dieses Heim Spielesystem ala Pong hatte ich auch kurz, weiß nicht mehr genau wie das hieß.
    Software war viel über Funkamateur und irgendein Radiosender hatte auch eine Computersendung mit Programmmitschnitten. Zumindest hatte ich bis in die frühen 90er sehr aktiv auf dem KC85/3 programmiert und später auch einige Sachen auf den 85/4 portiert. Das war auch meine einzige Assembler Zeit, später hatte ich nicht mehr so den Antrieb mich auf anderen System da einzuarbeiten, der PC mit seinen grafischen Möglichkeiten erzeugte andere Interessen. Zum 85/3 hatte ich auch diverse Erweiterungsmodule, 16 kb, 64 kb, Drucker, Diskettenlaufwerk und IO Module mit denen ich auch externe Sachen gesteuert hatte. Allerdings war das dann auch schon Anfang der 90er und das Interesse schwand wie schon oben erwähnt.
    Vieles davon habe ich auch noch, weiß allerdings nicht, was davon noch funktioniert. Ist durch einige Umzüge und Langzeitlagerungen sicherlich nicht im einsatzbereiten Zustand aber irgendwann einmal :)
    Hatte auch mal angefangen einige Programme von mir als WAV aufzunehmen, hatte mal einen KC Emu der das angeblich einlesen konnte, hat aber irgendwie nicht funktioniert. Hätte da aber schon ein paar Sachen die ich mir gerne irgendwann mal anschauen würde, bzw, überleg ich sogar mal ein größeres meiner KC85/3 Programme zu portieren. Aber wann denn nur, zuviel andere Sachen zu tun...
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  • Sobald man einen Rechner hatte, war man drin in der Szene. Es wurde viel kopiert (Programme), abgeschrieben* (Dokumentation und Bücher) und eifrig getauscht. Kontakt wurde hauptsächlich über Zeitungsannoncen hergestellt.

    *) Kopiergeräte waren rar in der DDR und für private Zwecke kaum zugänglich

    Commodore-Computer wurden entweder an Verwandte in die DDR verschenkt oder von Rentnern auf ihren Reisen nach Westdeutschland gekauft, um sie dann im "An- und Verkauf" (dem Offline-Vorläufer von eBay in der DDR) gewinnbringend zu verkaufen. Das war dann die Chance für Nicht-D-Mark-Besitzer, auch an einen C64 o.ä. zu gelangen. Die Preise in DDR-Mark waren jedoch extrem hoch. Ich erinnere mich an 2.500 bis 3.000 Mark für den C64. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Monatsgehalt betrug im deutschen Osten ca. 1.000 Mark.

    Auch Firmen nutzten jede Chance, um über die "A & V" Läden an Computer heranzukommen. Die in der DDR produzierten Industriecomputer der PC-Klasse waren für Betriebe schwierig zu beschaffen, da sie erst nach längerer Lieferzeit erhältlich waren. Stichworte: Bilanzierung, Plan Wissenschaft und Technik, ... Beispielsweise die Fluggesellschaft INTERFLUG deckte sich förmlich mit Commodore-Hardware ein. So gab es dort neben zahlreichen C64 auch C128D und einzelne Amiga 1000, vor allem weil diese Geräte relativ kurzfristig und unproblematisch erhältlich waren (Ersatzteile natürlich weniger).
    Thomas
    aka geoFlight*

    *) Das GEOS-Programm, das ich gern gehabt hätte.
  • geoFlight wrote:

    Beispielsweise die Fluggesellschaft INTERFLUG deckte sich förmlich mit Commodore-Hardware ein. So gab es dort neben zahlreichen C64 auch C128D und einzelne Amiga 1000, vor allem weil diese Geräte relativ kurzfristig und unproblematisch erhältlich waren (Ersatzteile natürlich weniger).
    soweit ich weiß, durften Amiga-Computer gar nicht in die DDR eingeführt werden, da der 32bit Prozessor auf der Embargoliste des Westens stand.
  • C= Hallunke wrote:

    soweit ich weiß, durften Amiga-Computer gar nicht in die DDR eingeführt werden, da der 32bit Prozessor auf der Embargoliste des Westens stand.
    Der 68k ist ein 16 Bit Prozessor, der 32 Bit adressieren kann und ein 32 Bit Register sein eigen nennt ;)
  • Ich hab das zwar nicht selbst erlebt aber ein Berufsschullehrer von mir hatte mal von früher erzählt und deutlich machen wollen dass es an dem Rechner an dem er programmiert hatte keine dollar taste gab sondern irgend einen Ersatz, weil der dollar ja ein symbol des Kapitalismus sei. Ich meine aber dass die kc Rechner sehr wohl eine dollar taste haben.
    Ich weiß aber dass zumindest einige Robotron Kisten diese Taste wirklich hatten. Sieht ein wenig wie ein * aus aber doch anders.

    Hier auch ein sehr interessanter Artikel zum Thema ddr computerszene golem.de/news/ddr-computer-wie…bastelte-1602-119183.html
  • C= Hallunke wrote:

    geoFlight wrote:

    Beispielsweise die Fluggesellschaft INTERFLUG deckte sich förmlich mit Commodore-Hardware ein. So gab es dort neben zahlreichen C64 auch C128D und einzelne Amiga 1000, vor allem weil diese Geräte relativ kurzfristig und unproblematisch erhältlich waren (Ersatzteile natürlich weniger).
    soweit ich weiß, durften Amiga-Computer gar nicht in die DDR eingeführt werden, da der 32bit Prozessor auf der Embargoliste des Westens stand.
    Im Intershop war es möglich den Cevi zu bekommen.

    Oma hat ihn damals aus dem Westen mitgebracht samt 1541II.

    Mein Vater war an der POS Informatiklehrer und am Nachmittag und am Abend waren die Schüler seiner Klassen bei uns im Wohnzimmer und kopierten fleißig.