Videotext und C64?

  • Videotext und C64?

    Ich meine, es gab schonmal einen Thread zu dem Thema, aber dank der nutzlosen Suchfunktion finde ich nichts dazu. Also wenn jemand durch einen Link abkürzen kann, dann bitte.

    Was ich wissen möchte: (Wie) kann man am C64 den Videotext verschiedener Fernsehsender anzeigen und einzelne Seiten ausdrucken oder auf Diskette speichern?
    Bei mir persönlich läuft TV am Röhrenfernseher über einen Kabelreceiver, aber interessant sind natürlich auch andere Konstellationen...
    Bitte beachten: Telespielatorgesetz (TspG)
    Verstöße gegen das TspG werden umgehend und gnadenlos von Supererdbeeregeahndet!
  • Egal was die Suchfunktion liefert - das sind wahrscheinlich alte Informationen. Zu Zeiten der terrestrischen, analogen Fernsehverbreitung wurde noch der Teletext in der Austastlücke übertragen, aber heute ist es ein separater Datenstrom im MPEG-Container. Die alten Videotext-Decoder Chips funktionieren also nicht mehr.

    Wenn Du unbedingt den Videotext eines Senders auf dem C64 anschauen möchtest, würde ich das Internet als Quelle vorschlagen. Viele Sender bieten die Textseiten auch im Internet an, da sie ohnehin digital erzeugt werden. Beispiel:

    ard-text.de/index.php?page=107

    Jens
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  • Wiesel schrieb:

    Die alten Videotext-Decoder Chips funktionieren also nicht mehr.
    Soeben mit einem SD-Digital-Receiver (etwas älter, aber schon mit HDMI-Ausgang) und einem ziemlich neuen Telefunken-HD-Flatscreen probiert: Teletext über AV problemlos möglich. HD-Receiver mit AV-Ausgang hab ich grad keinen zur Hand, und ich wieß auch nicht was der Fernseher an seinem AV-Ausgang macht. VPS war übrigens das Signal, für das die meisten Kisten keinen Re-Encoder haben.

    Nächste Frage: WIe komme ich an den Teletext-Chipssatz und wie generiere ich die Hilfssignale, die das Teil braucht? Am besten aus eienm alten Fernseher den Videotext-Decoder ausbauen- geht natürlich nur, wenn die Kiste ein Modulchassis hat. Oder einen VT-Decoder für den PC umbasteln. Eine Anleitung für ein I2C-Interface am C64 findet sich in Uwe Gerlachs 'Hardware-Basteleien' aus dem M&T-Verlag c64-wiki.de/wiki/Hardware-Basteleien_zum_C_64/C_128
  • Es gab In einer Ausgabe der 64er mal eine Anleitung mitsamt Software für teletext am c64.
    Es war im Endeffekt ein teletextdecoder aus einem Fernseher mit etwas Schaltung aussen Rum. Wie das damals mit dem signalempfang (Also tuner) gelöst wurde weiß ich nicht.

    Heute würde wohl ein dekoder mit fbas bzw Bas Eingang am meisten Sinn machen.
    Viele sät reciver oder auch analoge kabelbetreiber packen den teletext noch normgerecht in die austastlücke.
    Teletext bei VHS geht übrigens sehr schlecht bis garnicht, während ich bei alten svhs Aufzeichnungen noch sehr gute Ergebnisse erzielen konnte. Eine kleine zeitreise ;).

    Zt findet man ja noch alte Module für Fernseher um teletext nachzurüsten.
    Grundig hat das zb auf jeden Fall bis zum Chassis cuc3400 durchgezogen. Das weiß ich, weil meinem grundig mit diesem Chassis das teletext Modul fehlt ;). Das war Ende der 80er Jahre. Wie lange das genau noch so gemacht wurde und wie es bei anderen Herstellern aussah weiß ich aber nicht.

    Gruß C-Man
  • Ich habe sowas mal beruflich gemacht. Also Teletextdecoder per Software dressiert. Folgendes weiss ich noch aus meinem Erfahrungsschatz:

    1. Teletext wird bei DVB mit im Transportstrom auf einer eigenen PID uebertragen. VPS im uebrigen auch.
    2. Einige, aber zunehmend immer weniger, DVB-Receiver fuegen dieses Teletext Signal wieder in die Austastluecke des analogen SD-Videosignals an der Scart-Buchse ein. Sowas nennt man re-insertion. Leider ist das aber schon zimlich aus der Mode gekommen.
    3. Einige Videorecorder, vor allem S-Video-Recorder hatten genug von der Austastluecke aufgenommen um das Teletextsignal dort auch spaeter wieder dekodieren zu koennen. Allerdings braucht man da bei 20 Jahre alten Videokassetten jetzt nicht viel erwarten. Es funktionieren ja ohnehin nur Eigenaufnahmen vom damaligen Fernsehprogramm.

    Es gab zunaechst eigene Chips zur Teletext-Dekodierung (Siemens Megatext ist mir in Erinnerung) der das Teletextbild dann als Videosignal liefert. Dann wanderte die Funktion zunehmend in den immer maechtiger werdenden Microcontroller des Fernsehers. Micronas M2 ist da der entsprechende Controller. Alles waren im Prinzip spezialisierte Controller meist auf 8051 oder C161 Basis.

    Der letzte Decoder mit dem ich zu tun hatte (VCT6973 von Micronas), war eine eierlegende Wollmlichsau fuer TV-Anwendungen und hatte meiner Erinnerung nach intern tatsaechlich einen hoch getakteten 6502-core auf dem die Software, also auch der Teletext Decoder lief. Es hatte mich damals schon immer gereizt damit mal ein bisschen Unfug zu treiben (z.B. Basic V2.0 auf dem Fernseher) aber wie das so ist im Leben, man findet nie die Zeit fuer sowas.

    Die Daten vom analogen Signal aus der Austastluecke zu holen ("slicing") machte am Anfang der dedizierte Decoderchip selbst. Spaeter war das dann Aufgabe des Farbdecoders. Der hatte dann schon einen digitalen Ausgang (656-Format) in dem die Teletext Daten mitgeliefert wurden.

    So ein Teletextdecoder in Software ist im uebrigen alles andere als trivial zu programmieren. Nur so als kleine Warnung.
  • Commodore Man schrieb:

    Wie das damals mit dem signalempfang (Also tuner) gelöst wurde weiß ich nicht.
    Von der FBAS-Buchse eines Videorecorders oder Fernsehers pflücken. Damals waren die schon weit genug verbreitet. Tuner-Modul von der Restposten-Rampe (Pollin, auch damals schon, oder Bühler waren da gute Kandidaten) wäre auch gegangen, aber da brauchte es meist eien 30-Volt-Hilfsspannung, und jedes Modul hatte so eine Eigenheiten beim Anschluß. Die ganz alten brauchten sogar noch den kompletten ZF-Kreis... Elektor hat das anno '80 bei seiner Anleitung noch so gemacht, aber die Zielgruppe war halt auch etwas vorgebildet in Sachen HF-Technik.

    andi6510 schrieb:

    Es gab zunaechst eigene Chips zur Teletext-Dekodierung (Siemens Megatext ist mir in Erinnerung) der das Teletextbild dann als Videosignal liefert.
    Chip_satz_, bitteschön. Die ersten hatten noch vier Chips, Ende der 80er war gerade der Übergang von zwei Chips auf einen (plus RAM, natürlich)

    Witzig an dem Vierer-Satz: Man konnte nicht nur den Zeichen-Generator wählen (Teletext hat viele länderspezifische Zeichen), die Darstellung war auch so gut, daß manche Computer den Bildausgabe-Teil als Videochip eingesetzt haben.

    andi6510 schrieb:

    So ein Teletextdecoder in Software ist im uebrigen alles andere als trivial zu programmieren.
    Nunja, die alten Dinger brauchten grad mal die Fernbedienungs-Kommandos (Ziffern, Aufdecken, etc) und wenn gewünscht den Zugriff aufs Seiten-RAM. Alles andere haben die selbsttätig gemacht. Der ganze Schnickschnack Marke TOP-Text oder Videotext 2.0 kam erst _viel_ später. Und dank Internet, MHP und Digi-EPG hat alles nach TOP-Text nur sehr begrenzte Verbreitung gefunden :(

    EDIT:

    Die Pollin-Karte wird wohl auf das computer-interne RAM angewiesen sein und viel Rechenleistung für die Auswertung des Videotextes brauchen...?
  • Ich glaube, in dieser Diskussion sollten zwei grundsaetzliche Dinge getrennt betrachtet werden:

    1. Wie bekomme ich die Teletextdaten aus dem Videosignal und wie in den C64:
    - hierfuer waere die Pollin-Karte u.U. geeignet, wobei ich vermute, dass es hier NXP Farbdecoder mit 656 Ausgang drauf sitzt. Das Problem ist damit nur verschoben, aber nicht geloest, da dann die Daten aus dem 656 Datenstrom abgezweigt werden muessen.
    Da die Bitrate nicht so furchtbar hoch ist, koennte es sogar rein in Software mit einem schnellen Controller klappen: Der muss die Sync Pulse mitzaehlen bis die Austastluecke gefunden ist und dann das Videosignal schnell genug (mit der genauen Bitrate) abtasten um die Bits dort rauszuziehen. Ich persoenlich wuerde ja ein FPGA fuer diese Aufgabe bemuehen, aber das ist persoenliche Praeferenz.

    2. Wie erzeuge ich aus den Rohdaten eine Textdarstellung auf dem Bildschirm:
    - dies ist der Teil, der nicht ganz so trivial zu loesen ist. Fuer Teletext 1.0 noch machbar, aber alle heutigen Teletext Seiten sind in Teletext 2.x (x=0 oder 5) und das ist recht stressig zu dekodieren, denn der Teufel steckt im Detail. Zudem unterscheidet sich die "common practice" in vielen Punkten subtil vom Standard. Da hat man viel Spas mit, vor allem, wenn es nicht nur spezialisiert auf z.B. deutsche Verhaeltnisse funktionieren soll, sondern auch international. Es gibt z.B. Teletext auch auf Farsi. Da passt dann sogar nicht mal mehr das Datum, weil eine andere Zeitrechnung verwendet wird, nur um ein Extrembeispiel zu nennen.
  • In den frühen 90er Jahren haben einige Kollegen an einer Börsensoftware für PC programmiert.
    Ich habe da auch ein wenig mitgemischt. Die "echtzeit" Börsendaten wurden über eine Steckkarte die über einen Videoeingang verfügte und daraus das Teletextsignal extrahierte an das Programm übermittelt.
    Diese Karte wurde damals von einem kleinen Elektronikgeschäft in einer Seitengasse der Mariahilferstrasse vertrieben.
    Ich glaube Printtechnik war der name. War lokal ziemlich bekannt für solche Sachen. Diesen Teletextdecoder gab es meines Wissens auch für den Expansion Port des C64.
  • Eine Firma, die frueher Teletext Datenslicer fuer den PC verkauft hat ist Tara-Systems. Die gibts noch heute und die verkaufen die tools von damals immer noch:

    tara-systems.de/geditor.html

    Interessant waere der VBI Recorder. Der hat Teletextdaten aus einem Videosignal ueber Parallelport (spaeter USB) an den PC geschickt.

    Man bekommt bei denen auch ein Kiste, die Teletext Daten erzeugen kann und einen Editor fuer die Datenfiles, die abgespielt werden (Geditor).

    Die Preise sind verglichen mit damals guenstiger geworden. Liegt aber eher am konstanten Preis und der Inflation als daran, dass da irgendwas billig waere.
  • Ich bin mir ziemlich sicher, da0 da noch ein SAA 5246 plus 8K RAM fehlt- oder einer der Vorgänger.

    Die oben postulierten getrennten Schritte stimmen dann natürlich auch überhaupt nicht: Der Chip macht alles von der Decodierung des Datenstromes bis zur Darstellung der Seite; der steuernde Rechner muß 'nur noch' die Seiteninhalte aus dem RAM auslesen oder eigene dort hineinschtreiben. Und natürlich die Tastatureingaben des Users in die i2C-Steuercodes umsetzen, damit der Decoder überhaupt irgendwas tut.