BBS Szene - warum meistens USA?

  • Reine Vermutung: Die strengen Reglementierungen der "grauen Post" bezüglich bezüglich Hardware in Verbindung mit im Vergleich viel höheren Telefonkosten in DE (auch ohne Cornflakes- Pfeifchen).
    Those who surrender freedom for security will not have, nor do they deserve, either one.
  • Ich konnte mich damals nicht beklagen. Es gab einige Mailboxen und auch aus meinem Freundeskreis habe ich mehrere zum DFÜen angesteckt.
    Zwar zunächst mit Akustikkoppler und 300 Baud, aber für damals war das fast genug.

    Und -,23 Pfennig pro Anruf war auch nicht die Welt.

    Probleme dürfte aber evtl. dennoch die starke Postregulierung gemacht haben. Das machte es wohl schwerer im Kaufhaus die passende Hardware zu kaufen.
    Es gab seinerzeit meiner Meinung nach nur EIN zugelassenes POST Modem, dass wohl schweineteuer und dazu noch schlecht gewesen sein soll - aber dazu fehlen mir genauere Informationen.
    carrier lost...
  • Chagizzz schrieb:

    Und -,23 Pfennig pro Anruf war auch nicht die Welt.
    Reden wir hier von 23 Deutschen Pfennige pro Anruf bei der deutschen Bundespost?
    Da scheint dich deine Erinnerung ein wenig zu täuschen, mit 23 Pfennigen liegst du richtig, jedochwaren das die Kosten der Zeizeinheit, und der Takt dieser Einheit unterteilte sich bei Ortsgesprächen, Nahzone und Ferngespräch wenn ich mich recht erinnere.
    Nach 18h konnte man im Ortsnetz 12 Minuten telefonieren, davor 6 Minuten. In der Nahzone reduzierte sich das schon drastisch ganz zu schweigen vom Ferngespräch. Als Schüler später Auszubildender kaum zu bezahlen..
  • Ja, ich denke auch das es an mehreren Faktoren lag:
    1. Telefonkosten waren in den USA einfach viel früher viel günstiger.
      Oft waren Ortsgespräche schon kostenlos. Daher war die "Scene" uns hier einfach voraus
    2. Technische "Hacks" wie BlueBoxing, CallingCards usw. waren hier auch nicht so möglich wie in den USA.
      Auch dieses hat dazu geführt, das einfach mehr telefoniert wurde.
    3. Post Monopol: Die Post hat künstlich die Preise für Modems hochgehalten bzw. auch Geräte einfach nicht zugelassen die technisch besser und schneller waren.
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    RapidFire BBS: rapidfire.hopto.org:64128
  • InsertDisk2 schrieb:

    Reden wir hier von 23 Deutschen Pfennige pro Anruf bei der deutschen Bundespost?
    Achso, sorry.

    23 Pfennig pro Anruf innerhalb Berlins. Und da gab es ja schon ein paar Mailboxen.
    Das galt allerdings nicht für das übrige Gebiet der BRD. Hab' ich eben nicht dran gedacht.

    Ich bin auch eher lokal im Berliner Bereich geblieben, von daher genügten die 23 Pfennige.
    carrier lost...
  • pcollins schrieb:

    Telefonkosten waren in den USA einfach viel früher viel günstiger.
    Oft waren Ortsgespräche schon kostenlos. Daher war die "Scene" uns hier einfach voraus

    ( Technische "Hacks" wie BlueBoxing, CallingCards usw. waren hier auch nicht so möglich wie in den USA.
    Auch dieses hat dazu geführt, das einfach mehr telefoniert wurde. )

    Post Monopol: Die Post hat künstlich die Preise für Modems hochgehalten bzw. auch Geräte einfach nicht zugelassen die technisch besser und schneller waren.
    Der erste Punkt war sicher ausschlaggebend für die positive Entwicklung der DFÜ in den Staaten, gemessen an Deutschland und auch Österreich.

    Auch der letzte Punkt ist ähnlich gelegen. Obwohl es auch kein Problem war, am Telefonanschluß ein "nicht zugelassenes Modem" zu betreiben. Solange das keine Störungen verursachte oder andere Teilnehmer beeinträchtige (so wie von @Ronny_1581 erlebt), dann wurde auch die Post nicht tätig.
    So eine Art "Planquadrat" gab es für solche Geräte meines Wissens nach nicht.
    Manipulationen am "Beikasten" (das Ding, das bei Viertel-Telefon-Anschlüssen wie eine Art Multiplexer arbeitete und die eine Amtsleitung auf den Viertel-Anschluß-Teilnehmer schaltet, der gerade telefonieren möchte oder angerufen wird), wurden je nach Techniker anders gehandhabt. Der, der bei uns eine Störung bearbeiten mußte hat das fehlende Post-Siegel am Beikasten ohne großes Aufsehen einfach durch ein neues Siegel ersetzt - da wurden auch keine Fragen gestellt. Es soll aber auch Fälle gegeben haben, wo der Techniker diesen Umstand "beim Amt" zur Anzeige gebracht hat.

    Nochmal zurück zum ersten Punkt, den Telefonkosten:
    Nachdem es hier in Ö relativ wenig Mailboxen gab, die auch brauchbare Software hatten (speziell für den Atari), war ein Anruf beim Mausnetz in Deutschland unumgänglich.
    Da kostete die Zeiteinhat (war glaube ich eine gute Minute) tagsüber 8 Schilling (mehr als eine Mark) und abends ein bißchen weniger (5 öS?). Das trieb die Telefonrechnung in astronomische Höhen und der Vater bekam fast einen Herzinfarkt ;)
    Besser wurde die Situation später mit dem Fidonet und dem Ausbau des Mausnetzes, wo es dann auch in Wien zwei Boxen gab. Die Nachrichten wurden dabei von Box zu Box gesammelt und komprimiert und an die jeweils nächste Box weiterübertragen. So entstand ein einfaches Nachrichtensystem.

    Was nicht unterschätzt werden darf, ist auch die Wartung und die Pflege von Mailboxen.
    Ist heute mit den Foren/Boards ja auch nicht anders. Diese Situation kennt man ja.
  • InsertDisk2 schrieb:

    es waren meiner Meinung nach die Telefonkosten sowie Gerätekosten.
    Ich erinnere mich gerade dunkel an einen Test, ich glaube in der 64'er vielleicht so '88 oder '89, wo das erste/einzige(?) postzugelassene DFÜ-Gerät unter die Lupe genommen wurde, ich denke es war ein Akustikkoppler (eher kein Modem... oder doch?). Wenn ich nicht völlig irre hat das Teil über 1000,- Deutschmark gekostet. Also, ja, Kosten (Hardware und Gebühren) und Illegalität haben die Entwicklung gebremst, vornehmlich in den 80ern.
  • M.W. begann die BBS-Szene hierzulande erst im 16-Bit-Zeitalter - da gab es plötzlich zugelassene(!) schnelle und noch schnellere nichtzugelassene Modems zu kaufen (ZyXel U-1496E mit wahnsinnigen 16800 bps, das E plus hatte sogar 19200 bps, und dann gab es das legale EG plus), in schnellen Schritten ging dann die maximale Datenrate auf 28k8 und 57k6 bps hoch.

    Die hohen Telefonkosten führten dann dazu, dass man BBS-Systeme bevorzugte, die komplett im Batch-Modus arbeiteten, d.h. die die Verbindung herstellten, (komprimierte) Daten hoch- und herunterluden und dann die Verbindung wieder trennten. Dies zum Teil mit aufwendigen selbstgestrickten, Clients mit kompletter Benutzeroberfläche (in Hamburg gab es bis 1997 z.B. das Atari-ST-BBS "D-Box", das auf diese Weise arbeitete). Bekannter waren hierzulande das MausNet und das Z-Netz, hinzu kam das im Usenet aufgrund immer wieder auftretender falsch konfigurierter Usenet-Gateways als Dupeschleuder gefürchtete weltweite FidoNet. Alle diese Insellösungen wurde durch RFC-Standards (ich nutzte zunächst lange Zeit UUCP, zeitweise über einen Hagenuk Speed Dragon, später dann - was war ich froh, als man für DM 119,- im Monat eine ADSL-Flatrate bekommen konnte - IP) verdrängt.
  • thE rZA schrieb:

    Erst mit einem TKR 14.4
    Ja, das hatte ich auch ;)
    Und dann das TKR 28.8... die haben mir damals sogar extra eine angepasste Firmware gebastelt weil meine Amiga BBS nicht damit laufen wollte.
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    RapidFire BBS: rapidfire.hopto.org:64128
  • Thorsten Günther schrieb:

    M.W. begann die BBS-Szene hierzulande erst im 16-Bit-Zeitalter - da gab es plötzlich zugelassene(!) schnelle und noch schnellere nichtzugelassene Modems zu kaufen (ZyXel U-1496E mit wahnsinnigen 16800 bps, das E plus hatte sogar 19200 bps, und dann gab es das legale EG plus), in schnellen Schritten ging dann die maximale Datenrate auf 28k8 und 57k6 bps hoch.
    Mir erschloss sich damals nicht, wieso ein Modem schneller als 300 Baud sein musste. Ich konnte sowieso nicht schneller lesen.
    Als die 1200er und 2400er kamen, war ich erst mal raus.
    carrier lost...
  • Chagizzz schrieb:

    Mir erschloss sich damals nicht, wieso ein Modem schneller als 300 Baud sein musste. Ich konnte sowieso nicht schneller lesen.Als die 1200er und 2400er kamen, war ich erst mal raus.
    Lesen macht man offline, das schont die Telefonrechnung.

    Quellcode

    1. 10 x=rnd(-1963):fori=1to81:y=rnd(1):next
    2. 20 forj=1to5:printchr$(rnd(1)*16+70);:next
    3. 30 printint(rnd(1)*328)-217

    sd2iec Homepage
  • Unseen schrieb:

    Lesen macht man offline, das schont die Telefonrechnung.
    Achso.

    Na in Berlin gab' es keine Zeittaktung, da kostete der Anruf 23 Pfennig und wenn man dann erstmal reingekommen ist...

    ...allerdings kommt man auch schneller wieder rein, wenn jeder Offline liest.

    Nun begreife ich doch noch knappe 30 Jahre später
    carrier lost...