Fragen zum PolyPlay Automaten bzw. der DDR-Computerszene

  • Commodore Man schrieb:

    Es wundert mich ja, das die Aufstellung solcher Automaten nicht auch von einer staatlichen Institution erledigt wurde.
    Aber vermutlich war da der Markt einfach noch viel zu gering.
    Markt? Wir reden hier von der DDR. Da wurde auf einen "Markt" wenig Rücksicht genommen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Führung nicht erkannt hätte, dass es einen Bedarf für sowas in einem sozialistischen Paradies überhaupt geben kann. Glücksspiel gab es nach der Meinung der Funktionäre ja auch nur im bösen Westen.....
  • 1ST1 schrieb:

    Volle Münzbox beim Pong: ethw.org/First-Hand:The_Develo…d_the_Video_Game_Industry
    Laut dieser Seite soll das aber nur ein Mythos sein: pong-story.com/atpong1.htm
    Alcorn bestätigt das auch in dem Retro Gamer Interview (2/2013):
    Retro Gamer: War der Münzschacht jemals so voll, dass der Automat nicht mehr bespielbar war?
    Alcorn: Ja. Nach ungefähr einer Woche rief Bill an und meinte, dass Pong die Mitarbeit verweigerte. ... Ich fuhr also nach der Arbeit rüber, um mir Pong anzuschauen. ... Als ich den Münzkasten ausbaute, sah ich das Problem: Es war vollgestopft mit Münzen.
    Retro Gamer: Wie viel Geld war drin?
    Alcorn: Schätzungsweise 100 Dollar. Umgerechnet also rund 400 Pong Partien in einer Woche.
  • 1ST1 schrieb:

    ein Polyplay mit Schwarzweiß-Monitor
    Also die Dinger hatten ab Werk einen Farbmonitor. Entweder war das schon eine aus "Resten" wiederhergestellte Kiste, aber im Original waren die alle farbig.

    Commodore Man schrieb:

    Es wundert mich ja, das die Aufstellung solcher Automaten nicht auch von einer staatlichen Institution erledigt wurde.
    Naja, die Aufstellung erfolgte schon "quasi staatlich, da ja in der DDR fast alles "volkseigen" war. Die Automaten, von den ich spreche, waren ja auch im größten Gewerkschafts-Erholungsheim in Heringsdorf aufgestellt. Ich weiß auch von wem, derjenige und sein Sohn machen heute "in Fisch".
    Theorie ist, wenn man alles weiß, aber nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert, aber keiner weiß warum.
    Bei uns sind Theorie und Praxis vereint: Nichts funktioniert und keiner weiß warum.
  • mc71 schrieb:

    Und der Kneipenwirt war zu blöd den Münzbecher zu leeren? Ja, nee, is' klar.
    Das halte ich in den frühen 70er jahren gar nicht für so unrealistisch.
    Ein Kneipenwirt war halt kein Techniker. Und Spielautomaten dürften für den Durchschnittsbüger damals noch ziemliche SciFi gewesen sein.
  • MontyMole schrieb:

    Ein Kneipenwirt war halt kein Techniker. Und Spielautomaten dürften für den Durchschnittsbüger damals noch ziemliche SciFi gewesen sein.
    Na von wegen: Juke Boxen, Flipper, elektromechanische Geldspielautomaten... die Kneipen waren voll davon, spätestens seit den frühen 50ern, und ganz besonders in Amerika. Davic Winter beshcreibt ja auch, daß der Atari-Pong bis auf die 'pokey noses' der Konkurrenz anfangs eher mäßig angenommen wurde. Zumal das Spiel schweineteuer war im Vergleich.

    Witzig ist auch, wie die Geschichte immer wieder nachgebessert wird, um sie am Leben zu halten- den Dreh mit dem Kurzschluß auf der Platine durch übergefallene Münzen kannte ich jedenfalls bislang noch nicht...
  • das war so 1987 in einer Jugendherberge in Stralsund. Dort war auch eine Schulklasse aus dem Westen ! Das war total aufregend. Ein Junge hatte zig Aufkleber von Opel Bochum und hat die verschenkt ! Warum auch immer, aber das Ost-Kind fand es geil ! Und später auch in seiner Akte ...
    Hier ein "Screenshot" von dem dort aufgestellten Automaten. Ich glaub der war in Farbe, aber wir hatten nur einen Scharz/Weiß - Film im Fotoapparat ^^
  • mc71 schrieb:

    Na von wegen: Juke Boxen, Flipper, elektromechanische Geldspielautomaten... die Kneipen waren voll davon, spätestens seit den frühen 50ern, und ganz besonders in Amerika. Davic Winter beshcreibt ja auch, daß der Atari-Pong bis auf die 'pokey noses' der Konkurrenz anfangs eher mäßig angenommen wurde. Zumal das Spiel schweineteuer war im Vergleich.
    Ja, das stimmt bestimmt für die westliche Hemisphäre, aber in der DDR gab es Daddelautomaten eben erst später. Arcade-Automaten gab es außer den PolyPlay meines Wissen in der DDR genauso wenig, wie Flipper und einarmige Banditen. Das einzige, was ich mal im Plänterwald (Freizeitpark in Berlin Ost, Hauptstadt der DDR) gesehen habe, waren noch solche Pong-Clones:
    (Das war zur Jungendweihefahrt im Frühjahr '86)
    de.wikipedia.org/wiki/BSS_01

    Davon waren mehrer in so'ner Bude aufgebaut und die Bude war komplett überfüllt mit Leuten.

    Angeblich sollen die auch für den Heimgebrauch erwerbbar gewesen sein, ich kenne aber niemanden, der so ein Ding privat hatte.
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  • Markus_64 schrieb:

    Hier ein "Screenshot" von dem dort aufgestellten Automaten. Ich glaub der war in Farbe, aber wir hatten nur einen Scharz/Weiß - Film im Fotoapparat
    Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael!

    Ne, aber toll dass du so was hast! Ich hatte damals nicht mal einen Fotoapparat.
    Hast Du noch mehr Bilder vom Daddeln an den Kisten?
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  • Knucklehead schrieb:

    Arcade-Automaten gab es außer den PolyPlay meines Wissen in der DDR genauso wenig, wie Flipper und einarmige Banditen. Das einzige, was ich mal im Plänterwald (Freizeitpark in Berlin Ost, Hauptstadt der DDR) gesehen habe, waren noch solche Pong-Clones:
    An irgendeiner Stelle hatte ich das bestimmt schon mal irgendwo im Forum geschrieben: Ich bin mir sicher, dass es 1988 im Plänterwald Arcadeautomaten aus dem Westen gab. Dafür habe ich dort keine BSS gesehen, aber das hat ja nichts zu heißen.
  • Als ich mit meinem Bruder das erste und einzige mal im FDGB- Heim (in Rheinsberg?) einen Poly Play sahen, fanden wir ihn nur durchschnittlich. Wir hatten schon anderes gesehen. Bei uns im Ort hatten wir auf dem Jahrmarkt jedes Jahr eine Bude mit uralten mechanischen Glücksspielautomaten, Flippern (Black Hole,...) und Arcades (Pengo, Phoenix,...) und auf der Kleinmesse in Leipzig stand auch eine Bude mit Spielautomaten. Und auch während des Kinderferienlager hatten wir an der polnischen Ostsee an etlichen (moderneren) Arcades zocken können (Indiana Jones, Games mit Raumschiffen, eines in einer Westernstadt,...) Trotzdem haben wir etliches Geld am Polyplay verspielt.
    Computer und Spielkonsolen gehören genutzt und nicht in die Vitrine.

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  • Ein schwarzes RFT BSS habe ich auch einmal in freier Wildbahn gesehen. Stand im Fernsehraum unserer Unterkunft, irgendwann im Sommer in den 80ern. War glaube ich ganz verstaubt und nicht mal angeschlossen, bis wir es ausprobierten.
    Kann mich noch erinnern das es ein Haus auf einem Berg war und im Eingang ein giftgrünes veralgtes Aquarium stand. Habe wahrscheinlich mit der Sportgruppe dort übernachtet, vielleicht aber auch mit der Familie. Ist ja schon so lange her. Man vergisst soviel und vermengt es mit anderen Erinnerungen. Kann durchaus sein, das es auch ganz wo anders war.
    Computer und Spielkonsolen gehören genutzt und nicht in die Vitrine.

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