Fragen zum PolyPlay Automaten bzw. der DDR-Computerszene

  • Fragen zum PolyPlay Automaten bzw. der DDR-Computerszene

    Ich hatte vor einiger Zeit die Option an einem PolyPlay Automaten zu spielen.
    Bisher war ich immer der Ansicht, dass der Automat offenbar das technisch höchste war, was die damalige DDR an technischer Unterhaltungstechnologie bot.

    Allerdings bin ich bei Recherche auf den KC 85 gestoßen. Und nach einigen Videos auf YouTube war ich ziemlich erstaunt wie stark der Computer offensichtlich war.
    Jetzt wundere ich mich ein wenig warum der PolyPlay Automat (laut Wiki) knapp 23.000 Mark kostete, technisch aber erheblich schwächer aussieht als einige KC 85
    Spiele. Der schien ja doch etwas günstiger zu sein.

    Ungeachtet dessen; gab es in der DDR sowas wie eine eigene Computerspielszene ?
    Laut Inet Quellen waren Heimcomputer im allgemeinem nicht allzu stark verbreitet. Zum einem wegen dem Preis und wegen der Verfügbarkeit.
    Standen Heimcomputer damals in den Kaufhäusern, oder waren die tatsächlich nahezu unmöglich zu erwerben ?

    Waren westliche Videospiele in der DDR bekannt oder war der PolyPlay Automat für den Durchschnittsbürger tatsächlich der einzige Kontakt zu Videospielen ?
  • Ich würd' sagen, ja es gab eine Computerspielszene - für die KCs gab's Spiele, aber ich glaube, sie wurden nicht kommerziell vertrieben. Da stand mehr der Idealismus im Vordergrund...

    Heimcomputer in Kaufhäusern? Vielleicht in Berlin und den (wichtigsten) Ballunszentren... nach Wismar verlief sich erst gegen 89/90 der erste Heimcomputer in Form eines KC85/4 für mehrere tausend Mark in ein Kaufhaus. Unseren C64 hatten wir durch riesiges Glück in einem An- und Verkauf bekommen. Ansonsten wurden sie gebraucht in Zeitschriften wie dem Funkamateur von Privatleuten angeboten. Oder man hatte irgendwie Westgeld zusammengekratzt und kannte jemand, der in den Westen durfte und was mitgebracht hat.

    Ob westliche Computerspiele in der DDR bekannt waren? Die von Arcadegeräten nicht, und bei den Heimcomputern, tja, in der DDR gab's kein Copyright :D

    @Squidward: cool, hab' gleich mal den Artikel überflogen. Ist ein recht netter Artikel mit schönen Fotos...
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    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tale-X ()

  • Der Bericht in der LOAD war echt interessant. :)

    Es schien in der DDR ja doch vereinzelte westliche Heimcomputer im Umlauf gewesen zu sein.
    War das in der DDR nicht verboten ? Bzw. hatte man da nicht die Sorge erwischt zu werden ?

    Ungeachtet dessen ist der Bericht natürlich von jemandem geschrieben der bereits in der DDR aktiv Interesse an Computern hatte.
    Wie sag das mit dem Nicht-Computerbenutzer aus ? Gab es da Kontakte zu Video- Computerspielen jenseits des PolyPlays und gelegentlichen
    Gastautomaten aus dem Westen ?

    Ehrlich gesagt versuche ich grade die Faszination des Automaten nachzuvollziehen.
    Die KC 85 Sachen, die ich bisher sah, waren echt hübsch. Und dagegen verliert der, eigentlich ultrateure PolyPlay Automat enorm.

    Zum Vergleich sieht Vollgas auf dem KC 85 Computer richtig schick aus.


    Oder Mine 2.



    Und wenn ich mir dann Hase & Wolf oder (um beim Rennspiel zu bleiben) "Autorennen" anschaue, dann wirkt der KC85 doch etwas imposanter.
  • Westcomputer waren in der DDR selten, aber sie waren nicht "verboten". Im Intershop (= das waren Geschäfte in der DDR, in denen man mit Westwährung Westartikel kaufen konnte), sah ich z.B. einen C64.

    Vermutlich hatte man Interesse, westliche Technik zur Verfügung zu stellen, da sie ja nicht in die DDR eingeführt werden durfte (CoCom-Verbot), man aber mit westlichen Standards mithalten wollte. Deswegen wurden die Hardware wie Software kopiert - im Fall von Software nannte man Standardprogramme wie MS-DOS und dBASE einfach um.

    (Generell betraf Verbote in der DDR weniger Technik und mehr Inhalte - also Fernsehsendungen, Werbung, Zeitschriften und Magazine ...)

    In meinem Bekanntenkreis gab es nur sehr wenige Westcomputer; ein Freund hatte einen Atari 800, ein anderer einen IBM PC, auf einem Computertreffen sah ich mal einen Amiga. Ich aber nicht gezielt Kontakt zur Westszene gesucht, da in den mir zugänglichen Kabinetten der Hochschulen nur KCs standen. Spielautomaten wie "Donkey Kong" lernte ich auf einem Leipziger Jahrmarkt kennen.
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  • Fragen zum PolyPlay Automaten bzw. der DDR-Computerszene

    Computer waren allgemein im Privatbereich nicht sehr verbreitet.
    Die DDR Computer waren nicht zu bekommen oder schwer zu bekommen und zu dem noch unbezahlbar.
    Für Computer aus dem Westen musste man jemanden dort kennen, oder jemanden beauftragen. Und auch dann waren sie ja für DDR Bürger nicht einfach bezahlbar.
    In jeder Schule gab es dann mal ein Computerkabinet mit einem KC87 oder KC85.
    Also von einer Szene kann man nicht sprechen.

    Mit ein wenig Glück hatte man jemanden auf der Schule, der auch einen C64 / Atari hatte und mit dem wurde natürlich die komplette Softwaresammlung abgeglichen ;)
  • In jeder Schule ein Computerkabinett? Nicht im Norden, unsere ziemlich große Schule hatte 1 (in Worten ein) KC87, der für die Computer-AG genutzt wurde. Da saßen dann eine handvoll Schüler um einen Rechner - nicht sehr effizient. Die Hochschule Wismar bot Programmierkurse an, da saß man dann zu zweit jeweils an einem KC85/3, das brachte schon mehr. Pascal-Kurse wurden dort am Mehrbenutzersystem P8000 durchgeführt.

    Die Szene war imho ne locker vernetzte Kopierszene... kann mich gut an das erste (und letzte) Treffen der Computersportabteilung des GST erinnern. Dort gruppierten sich schnell die +4 und 64er Besitzer, tauschten Adressen aus und der Rest lief dann über Briefkontakt :D (@Lichtmichel: auch wenn der Tipp verspätet ist - Tauschpartner wurden im Funkamateur gesucht und gefunden ;) hätte man damals mal Tanja schicken müssen - die hätte da garantiert nen Herzkasper bei den Anzeigen bekommen :D ).

    Das die Computer nicht weit verbreitet war, lag nicht nur in der Verfügbarkeit. Sondern auch am Interesse - als mein Vater Anfang der 90er einen PC kaufte wurde er schief angeschaut - das Geld hätte man auch in ein besseres Auto investieren können. Und das war in den 80ern nicht viel anders - im Gegenteil.
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  • Tale-X schrieb:

    In jeder Schule ein Computerkabinett? Nicht im Norden, unsere ziemlich große Schule hatte 1 (in Worten ein) KC87, der für die Computer-AG genutzt wurde. Da saßen dann eine handvoll Schüler um einen Rechner - nicht sehr effizient. Die Hochschule Wismar bot Programmierkurse an, da saß man dann zu zweit jeweils an einem KC85/3, das brachte schon mehr. Pascal-Kurse wurden dort am Mehrbenutzersystem P8000 durchgeführt.
    War bei uns auch so (POS). EIN KC87 und der wurde in einer AG benutzt.
    Zum Glück bestand die AG nur aus 5 Leuten, von denen 4 nur mit großen Augen ehrfürchtig guckte. Ich war irgendwie der einzige, der zumindest in Basic programmieren konnte, die der Lehrer.

    An einer Berufschule hab ich dann ein Computerkabinett mit bestimmt 15 Arbeitsplätzen und je einem KC85/3 COLOR kennengelernt.
    Da wurde dann zu zweit dran gearbeitet. Das war toll, aber leider nur 2 Wochen lang, dann war das Praktikum vorbei... :cry:

    Den Polyplay hab ich nur 1 mal gesehen und auch dran gespielt, dann nie wieder.
    Das war in einem Kurheim, wo das Teil im Eingang der Caffeeteria stand.
  • Mein Highlight war der Wechsel zum "Gymnasium" (war in der Umbruchphase, deshalb in Anführungszeichen) - die hatten dort ein Kabinett mit Bildungscomputer A5105 in Vollausstattung (mit Erweiterungseinheit, Monitor und Lehrerarbeitsplatz mit Farbfernseher). Hätte damals nie gedacht, überhaupt je einen zu Gesicht zu bekommen und dann ist dort gleich ein ganzer Raum voll. Allerdings hatten wir nich annähernd die Möglichkeiten ausgeschöpft - ich war der einzige Schüler, der nicht bei 0 anfing. Hab' dann Pascal und Redabas gemacht...

    Polyplay hatte ich nie gesehen, dafür hatte ich paar mal eine Heimspielkonsole gesehen. Wurde mit Paddles gespielt, hatte mehrere Spiele, die aber im Kern alles Pong-Variationen waren. Nachtrag: hab sie gefunden: de.wikipedia.org/wiki/BSS_01 und ja, es waren Jugend- und Freizeiteinrichtungen, wo das Teil anzutreffen war.
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  • peiselulli schrieb:

    Ich habe mal mein Spiel "Flaschbier" auf dem C64 in der aktuellen Kamera gesehen. War so 1987-88 ein Bericht über irgensoein Jugendtreff, den ich beim umzappen gesehen hatte ;)
    Interessant wie weit das rumgekommen ist.
    ich kannte wirklich niemanden, der Flaschbier nicht in seiner Diskettenbox hatte.
    Da kannst du schon stolz drauf sein. :)
  • Noch einen Gedanken zur Frage, was den Reiz des Automaten ausmachte...

    Es war ein Gerät, das "in freier Wildbahn" vorkam und eine echte Daddelmaschine. Die einzige Alternative, als nicht-computeraffiner Mensch mit einem Computer in Berührung zu kommen, waren die spärlich vertretenen Fahrkartenautomaten - sofern sie funktionierten (die Dinger hatten auch ihren rustikalen Charme btw.)

    Zu den Kosten... wenn ich an KC denke, habe ich immer nur ein S/W-Bild vor Augen. Warum? In den Einrichtungen wurden damals (sehr) oft umgerüstete Junost-SW-Fernseher verwendet. Wenn man sich vor Augen hält, dass ein Farbfernseher mehrere tausend Mark gekostet hat, eine verständliche Entscheidung. Dazu noch Kassettenrekorder, Kabel, Speichererweiterungen usw... das läppert sich auch. Es ist zwar in der Summe immer noch deutlich günstiger (ca. 1/3 des Polyplay-Preises), aber es ist auch "nur" ein Heimcomputersystem. Das andere ist ein Automat mit Münzeinwurf, richtigem Gehäuse usw. Sowas herzustellen kostet(e) auch ne gute Stange Geld...

    Zur Leistungsfaszination: in der Praxis lief der C64 gefühlt Kreise um den KC85/3. Bildschirmscrollen am /3 war - wenn ich mich richtig erinnere - mit leichten Bildstörungen verbunden und etwas langwieriger, gab ja keinen Textmodus, alles nur Grafik. Es hat schon seinen Grund, warum bei den Spielen die Labyrinthe immer komplett auf den Bildschirm passen :D Vertikal/Horizontal-Shooter dürfte es beim KC85/2-4 imho aus selbigen Grund auch nicht geben ;) (bin aber gespannt, ob jemand nen Gegenbeweis hat und wie der aussieht :D ). Die Shooter (bzw. sowas in der Art) gab es aber auf dem KC87 bzw. 85/1 - die hatten nur Textmodus, der war zügig genug.
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  • Nur linientreue und ahnungslose Bürger hatten die reinen SECAM-Geräte gekauft :bgdev Zur Auswirkung auf das Fernsehbild kann ich nix sagen, in meiner Erinnerung hingen die Geräte immer am kleinen, billigen S/W-Fernseher.
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  • MontyMole schrieb:

    Bisher war ich immer der Ansicht, dass der Automat offenbar das technisch höchste war, was die damalige DDR an technischer Unterhaltungstechnologie bot.

    Allerdings bin ich bei Recherche auf den KC 85 gestoßen.
    Also ich habe so ab 1986 in Seebad Heringsdorf im FDGB Ferienheim "Solidarität" (heute Kurhotel und Kurklinik direkt an der Seebrücke Heringsdorf) an den damals brandneuen Polyplays gedaddelt. Ein Spiel kostete 50 Pfennig. Mein Vater war damals technischer Leiter in dem Laden und kannte den Besitzer. Eine Story, die mein alter Herr Jahre später mal zu dem Thema erzählt hatte handelte davon, dass nach dem Aufstellen 2 Tage später Beschwerden an der Rezeption ankamen, dass die Automaten nicht funktionieren würden. Nach kurzer Fehlersuche war klar, das die Dinger vom Geld "verstopft" waren. War klar, es hatte noch keiner Übung in den Games, und so dauerte es nur sehr kurze Zeit bis die 50Pfenig verspielt waren. Na ja, und da Eltern in den Ferien eh spendabler sind als sonst, war um die Dinger (ich meine mich an 3-4 Automatn zu erinnern) immer ordentlich was los.
    (Es gibt zum PolyPlay übrigen einen sehr guten Artikel in der Retro #30 ("Ostzillation, Computer im Osten), Seite 10-14 von Jens Zirpins, der ist sehr aufschlußreich. Dahinter gehts gleich weiter mit KC85.)
    Einige Zeit davor war bei uns in der Schule aber mal ein NVA-Soldier mit seinem privaten KC85/3 angetanzt, der sollte uns 8-10 Klässlern mal zeigen, was Computer sind und was man damit so anstellt. (Zu der Zeit kam in der AK dauernd das Thema Produktionsteigerung dank CAD/CAM) Also hat er etwas in Basic gemacht, gerechnet, Farben und Formen und Texte behandelt. Als der offizielle Teil vorbei war, und alle anderen gegangen waren, haben mein Kumpel und ich gefragt ob es auch Spiele für das Teil gibt. Daraufhin hat er eine Kasset eingelegt und wir haben noch ca. 2h "Pyramide" und "Pursuit" gedaddelt. Wir waren ab da total angefixt und haben uns geschworen, wenn wir an Kohle kommen, uns auch so ein Teil zuzulegen.

    Den Rechner hat der Kerl dann kurze Zeit später an unsere Schule verkauft, weil er einen West-Computer ergattert konnte.

    Als ich '88 in die Lehre kam, war das Computer-Kabinett der Berufschule überraschender Weise mit 12 + 1 Plätzen mit KC85/3 samt Farbfernsehern ausgestattet. Wir hatten immer eine Doppelstunde Informatik, wobei in der langen Pause dazwischen immer die Spiele gedaddelt wurden. Aus dieser sind mir besonders "HOUSE" und ein "Boulder Dash"-Clone in Erinnerung.

    Wer sich allgemein für die Situation mit Computern in der DDR interessiert, dem empfehle ich wärmstens, sich mal die ganze Doku reinzusziehen, die Prof. Horst Völz auf seiner Webseite zur freien Verfügung stellt. Das ist der Mann, der mit Hilf eines "Exidy Sorcerers" (hat hier irgendwer so ein Teil?) die Textverarbeitung TEXOR für den KC entwickelt hat. Ist sehr interessant. Speziell diese Episode ist auch als Vorlesungsmitschnitt auf Youtube verfügbar:
    youtube.com/watch?v=ac910EeSBFk

    Tale-X schrieb:

    Zur Leistungsfaszination: in der Praxis lief der C64 gefühlt Kreise um den KC85/3. Bildschirmscrollen am /3 war - wenn ich mich richtig erinnere - mit leichten Bildstörungen verbunden
    kann ich bestätigen, der Bildaufbau beim /3 ist etwas lahmarschig. aber die Spiele waren eben darauf angepasst. und es hat mir damals (und heute wieder) trotzdem viel Spaß genacht. Ich hatte ab '87 einen Plus/4, der leistungsmaäßig nicht sooo viel mehr bot, aber natürlich durch seine 1551 unschlagbar schnell beim Programme laden, speichern usw. war.
    Theorie ist, wenn man alles weiß, aber nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert, aber keiner weiß warum.
    Bei uns sind Theorie und Praxis vereint: Nichts funktioniert und keiner weiß warum.
  • Knucklehead schrieb:

    Eine Story, die mein alter Herr Jahre später mal zu dem Thema erzählt hatte handelte davon, dass nach dem Aufstellen 2 Tage später Beschwerden an der Rezeption ankamen, dass die Automaten nicht funktionieren würden. Nach kurzer Fehlersuche war klar, das die Dinger vom Geld "verstopft" waren.
    Geschichte wiederholt sich... Genau den selben Fehler hatte der erste testweise aufgestellte Pong-Arcade-Automat von ATARI auch.

    Volle Münzbox beim Pong: ethw.org/First-Hand:The_Develo…d_the_Video_Game_Industry
    Laut dieser Seite soll das aber nur ein Mythos sein: pong-story.com/atpong1.htm
  • Naja, das zeigt eben, wie schnell sich damals so eine Kiste trotz des Einstandspreises von knapp 22.000,- Osttalern gerechnet hat. Pro Spiel waren in meiner Erinnerung 50 Pfennig weg. Macht 44000 Spiele , um den Preis drin zuhaben.
    44000/365Tage macht durchschnitzelich 120 Spiele pro Tag. Max. 3 Minuten pro Spiel für ungeübte User, da niemand großartig woanders üben konnte sind 20 Games in der Stunde. wenn da von 16:00 bis abends um 22:00 Leute dran gedaddelt haben, war so ein Teil nach einme Jahr bezahlt. Im Sommer wurde von den Badegästen da aber rund um die Uhr gedaddelt, weil es neu war und nirgends anders eine Alternative vorhanden war. Die Durchdringung mit privaten Rechner war zu der Zeit vernachlässigbar gering. Ich kannte außer mir noch genau einen (mein Kumpel, der kurz nach mir einen C64 mit Datasette von seiner Westverwandschaft bekam. Dann habe wir beim ihm PitStop II, Impossible Mission, The Train, Ace of Aces ,Commando, Ghost Busters usw.gedaddelt und bei mir auf dem Plus/4 Saboteur2, Treasure Island, Ghost Town und David's Flipper. Etwas später hat er auch eine 1541II bekommen und mich dann mit Test Drive 2 - The Duel, Turrican, GianaSiters usw. spieltechnisch abgehängt. (Bis ich dann nach der Wende als erster am A500 saß.) :thumbsup:
    Der gesamte Rest meiner Kumpels hatte keine Rechner und hat sich für diesen Kram auch nicht interessiert, da waren uns allen gemeinsam die Mopeds und Mädels wichtiger, nur einer bekam damals später noch irgendwie einen abgelegten XT aus dem Westen mit CGA-Grafik, 10Mbyte 5,25" HD und MS-DOS. Darauf haben wir Larry I gespielt. Der Rechner war aber technisch gesehen da schon veraltet und aus unserer spieltechnisch uncool.
    Theorie ist, wenn man alles weiß, aber nichts funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert, aber keiner weiß warum.
    Bei uns sind Theorie und Praxis vereint: Nichts funktioniert und keiner weiß warum.
  • Übrigens, ich weiß noch wie das dmals war..., 89/90. So aus West-Sicht. Plötzlich war im Frankfurter Raum alles voll mit Trabbis, das mit den ausverkauften Bananen kein Mythos. Ich war damals mit einem Kumpel auf dem Weg nach Köln, auf die Amiga-Messe. Es gab auch welche aus dem Osten, die diese Messe besuchten, staunend.

    Jedenfalls, einige Monate später war es ja auch für uns Wessis problemlos möglich, rüber zu fahren. Schade, ne Kamera hätte ich dabei haben müssen, und besser Bescheid wissen müssen, ich hätte noch Dampfloks im Regelbetrieb fotografieren können, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls hab ich mich mit einem Freund ins Auto gesetzt, und wir sind rüber gefahren, zu meiner buckligen Verwandtschaft am Kyffhäuser. Mein Onkel von dort war kaum älter wie ich, der führte uns überall rum, zeigte uns wie Sozialismus funktioniert - Baustelle - Sand - Kofferaum auf - rein damit - Haus muss ausgebessert werden - ließ uns mit seinem Wartburg über den Kyffhäuser brettern, auch rückwärts, und wir gingen auch in seinen Jugendclub, Clubcola und komische Mädels (nein, nicht "komisch" im Sinne von Lustig, nüüü jooo), und in der Ecke ein Polyplay mit Schwarzweiß-Monitor. Ok im ersten Moment, dass es sowas gab, aber verdammt, war das Ding schlecht...

    Ein paar Jahre später war ich dann verspätet beim Bund. Da hatte ich dann einen Kameraden aus Dresden, der nach Rheinmain umgezogen ist. Der hatte als erstes Auto nen Wartburg, und während der Rest der Kaserne nach Dienstschluss (jeder hatte seine eigene Bude) mit Ataris, Amigas oder PCs rummachte, hämmerte der auf seinen KC85 ein und baute einen U880 basierten, selbst entwickelten Bordcomputer in seinen Wartburg, der ihm auf 7segemnt alle Daten von dem Auto anzeigte, Verbrauch, Temperatur, Spannungen, Licht, usw. Leider hab ich den aus den Augen verloren.