Atari XC-12 Program recorder ("Datasette")-Klon: Innereien von Commodore-Zulieferer?

Es gibt 25 Antworten in diesem Thema, welches 8.235 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (9. Dezember 2015 um 18:26) ist von mc71.

  • Moin,

    Da würde mich mal interessieren: Was für Erweiterungen gibt es, die man Sinnvoller Weise ins Tape-Laufwerk platzieren könnte - mal abgesehen vom SIO2SD bzw. SDrive oder andere SIO-Erweiterungen? Gab es Erweiterungen speziell für die Cassettennutzung am Atari?


    Außer den Turbo-Tape Umbauten (wofür man aber nicht massig Platz braucht) sind mir keine weiteren Datasetten-Mods bekannt. Aber genau soetwas meine ich... ich habe in meiner 1010 ein SIO2SD und ein S-Drive, jeweils abschaltbar, eingebaut. Und es ist generell viel Platz, wenn Stephan also basteln will, wäre die 1010 eine gute Wahl.

    Gruß, Jürgen

  • Moin,

    Hallo, nur mal kurz:

    textlich hast du etwas Kritik geübt - mit "aber mindestens 20 Jahre zu spät" - klar, aber mit der Geste :thumbsup: hast du es doch begrüßt, seh ich das richtig? :)

    Bemerkenswert ist aus Commodore-Sicht, dass das Atari-Aufzeichnungssystem und Leseelektronik "elastisch genug" sind, um eine solche Beschleunigung um rund fünfzig Prozent klaglos wegzustecken, offenbar ohne Änderungen an der Software! das ist bei Commodore nur schwer vorstellbar, allenfalls so im Rahmen weniger Prozentpunkte. Von daher interessant die beiden Rechner-Philosophien zueinander kompatibler zu machen oder eine Synthese zu wagen.


    Alles gut, war keine Kritik. Es könnte nur sein, daß das ein Projekt wird, was nicht die Mega-Wellen schlägt... im Atari-Sektor waren Datasetten nur ein notwendiges Übel und meist wurden sie nur als Einsteiger eine Zeit lang verwendet. Bereits ab Ende 1984 waren Floppy-Laufwerke - in damaligen Relationen - bezahlbar und die langsamen Datasetten wurden schnell eingemottet. Von daher gibt es, zumindest im "Wessiland" kaum große Fans. Die "Ossis" haben, auch dank der Turbo-Tape Umbauen, wesenlich länger mit Datasetten gearbeitet.

    Ich kenne das Commodore Aufzeichnungsformat nicht, von daher kann ich dazu nichts sagen. Beim Atari wird am Anfang jedes Blocks (normal: 131 Bytes insgesamt) zwei Bytes mit abwechselnden 1 und 0 Bits geschrieben, dann folgen 128 Nutzdaten-Bytes und 1 Byte Prüfsumme. Die ersten beiden Bytes dienen dazu, die Zeitabstände zu messen. Die Laderoutine stellt daraufhin die Baudrate am POKEY-Chip ein - der POKEY führt die serielle Kommunikation für Kassette als auch Diskette durch. Dies geht aber nur in gewissen Grenzen (Baudraten-Einstellung) mit den Original-Betriebssystem-Routinen. Für "mehr Speed" braucht es eben Turbo-Tape Routinen, die klassisch entweder von Kassette gebootet werden oder sich auf einem Steckmodul befinden.

    Gruß, Jürgen

  • Danke Jürgen für die Beschreibung des sehr kompakten Block-Formats der XC12 und verwandten Geräte. In Punkto Langzeit-Sicherheit scheinen Datasetten / Kassetten aber die Nase vorn zu haben gegenüber den damals überlegenen Disketten. Von daher verabschiede ich mich von so Zielen wie "Länger, höher, weiter, schneller", und neue Ziele sind noch nicht umrissen. Auch den Bedienkomfort spielt eine Rolle, und auch die Einfachheit. In punkto Einfachheit ist sowohl das Atari- als auch das Commodore-Konzept sehr gut, finde ich. Bei Commodore sind Pulslänge und Baudrate fest verkoppelt, bei Atari ist es m.E. eher eine Frequenzmodulation / Demodulation wo analoge und digitale Konzepte vermischt sind, bei der man Pulslänge und Baudrate entkoppeln kann.(?)

    Die Datasette ist so eine Art lifelong-Projekt von mir. Ich erinnere mich, dass ich mit sechzehn Jahren am Schulcomputer eine Meßsoftware geschrieben hatte, die eine große Zahl von verschiedenen aufeinanderfolgenden Frequenzkombinationen auf Band schrieb und dann im 2. Durchlauf, zurücklas, mit größtmöglicher Genauigkeit. Ich war in der Zeit bei meiner Oma untergebracht und habe den Stapel Tabellierpapier aus dem 3022 Drucker mit den hexadezimalen Pulslängen-Werten, der eingerissen war, am Küchentisch mit Tesa wieder geflickt-...

    Das Resultat war (unerwartet) sehr eierig wegen des Gleichlaufs und die großen Verbesserungsmöglichkeiten rückten in weite Ferne, zumindest ahnte ich, dass ich mehr Mathematik investieren müsste als ich damals kannte. Ob es mir gelingt für ein Wiederaufleben dieser Projekte (immerhin 31 Jahre her, man glaubt es kaum) Kräfte zu mobilisieren, ist noch nicht klar ...

    Und dann hat mich auch beschäftigt, dass der Computer die Tape-Counter-Zählerstände nicht zur Kenntnis nahm und intern kein "Mathematisches Modell" existiert, das die unterschiedlichen Wickelzustände der Rollen berücksichtigt. Möglicherweise haben die Amstrad-Schneider-Rechner oder Spectrum oder Q-Drive (?) Geräte da mehr "Intelligenz" investiert.

    Unterscheidet die Atari-Datasette eigentlich die PLAY und die Fast - FORWARD und REWIND-Tasten per Software? auch so ein interessanter Punkt, oder weigert sich die XC-12 loszulaufen wenn man versehentlich RECORD gedrückt hat, wenn sie nur "Laden" soll?

  • Möglicherweise haben die Amstrad-Schneider-Rechner oder Spectrum oder Q-Drive (?) Geräte da mehr "Intelligenz" investiert.


    Nein. Nichtmal die Microdrives können das, die werden beim Formatieren einmal vollgeschrieben und dann wird geschaut, welche Blöcke noch auf dem Band sind.

    Unterscheidet die Atari-Datasette eigentlich die PLAY und die Fast - FORWARD und REWIND-Tasten per Software?


    Ja, aber anders als Du meinst. Von FF/RW bekommt der Rechner nix mit, da wird der Motor direkt an die Versorgungsspanung geschaltet. Commodore macht das anders, da lösen alle Tasten CASS_SENSE aus. War die Datasette auf STOP läuft der Motor an. Stand die Datasette auf PLAY mit ausgeschaltetem Motor (nach dem Laden eines Programmes), dann passiert nix.

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  • Es gibt "Turbo Tape" Umbauten aus der ehemaligen DDR für bis zu 6000 baud, aber meistens waren so beschriebene Kassetten auch nur in DEM Laufwerk lesbar, wo sie geschrieben wurden. Generell keine sehr stabile Sache.

    Hier, Jürgen, muß ich Dir widersprechen.

    Kassetten mit 'Turbo' oder 'Chaos'- Loader waren sehr Stabil und Kompatibel, d.h., wir haben die Kasseten getauscht und mit unseren eigenen Datasetten knapp 100% lesen können.
    Lesefehler waren schon eher die Ausnahme. Die Datasetten mussten natürlich auch das Modul besitzen und den Loader (oder Translator) musste man zuerst laden.

    LG Blubber

  • Ja, aber anders als Du meinst. Von FF/RW bekommt der Rechner nix mit


    Argh. Bullshit. Der Atari bekommt vom Tastendruck am Bandlaufwerk genau gar nix mit, man muß extra die Eingabetaste am Rechner drücken...

    Ich finde die Ähnlichkeit schon sehr erstaunlich und frappierend. Was denkt ihr? Die beiden Firmen waren ja immerhin schärfste Konkurrenten ....


    Es ist längst bekannt, daß die Bandlaufwerke (und Disk-Laufwerke, und Drucker, und Monitore...) zugekauft waren. Schlimmer noch: Commodore hat selbst zeitweise Halbleiter an Atari geliefert. Immerhin hat Commodore aber immer ihr 'eigenes' rundes Gehäuse für die 1530/1531 verwendet.

    Ist ein zusätzlicher Op-Amp ohne jede Speicherfähigkeit der zwei gleichgerichtete Signale vergleicht und das Ergebnis digital ausgibt, schon Intelligenz?


    1st1 ging offenbar davon aus, daß die Bandlaufwerke auch das SIO-Protokoll der Diskettenstationen etc. benutzeen, dem ist aber nicht so. Sie teilen sich nur die Datenleitungen. Allerdings ist die computerseitige Schaltung im Atari deutlich aufwendiger (Pokey) während der Commodore alles mit Software und Timern erledigt.

    nicht zwei Programme gleichzeitig, aber eventuell "mehr Daten in der gleichen Zeit", indem die Datenbytes gleichzeitig auf 2 Spuren nebeneinander verteilt werden


    Sinclair-Microdrives tun das tatsächlich, zwei Bit paralel um ein halbes Bit versetzt, mit Hardware-Schieberegister das daraus wieder ganze Bytes macht. IIRC waren das sogar normale Stereo-Tonköpfe mit angepaßter Bandführung für das schmalere Endlosband. Alles in allem war das sehr schnell (7 Sekunden für bis zu 150 Kilobytes!) aber leider auch sehr fehleranfällig...

    Das - der Satz mit dem Fragezeichen - liest sich ja gerade so, als sei es völlig ungesichert, dass auch die XC12 noch die Zweiteilung "Audio/Digitaldaten" auf 2 parallelen Spuren beherrscht. wer kann da aufklären?


    Wenn es trösten sollte: Ich hab das damals auch nie hinbekommen, Audio vom XC12 wiederzugeben- ich möchte aber nicht drauf wetten ob das an der Hardware lag oder an meinen eher geringen Kenntnissen des Atari-Systems. Mag also sein, daß der Autor des Artikels es für möglich hielt, daß es tatsächlich nicht geht...-

    Bemerkenswert ist aus Commodore-Sicht, dass das Atari-Aufzeichnungssystem und Leseelektronik "elastisch genug" sind, um eine solche Beschleunigung um rund fünfzig Prozent klaglos wegzustecken,


    Auch Commodore mißt die Bandgeschwindigkeit aus- die Farge ist halt nur, ab wann die Gweschichte auf einen Time-Out läuft.Ein schnelles, robustes Verfahren mßte also bei jedem Bit oder Byte die Bandgeschwindigkeit messen und seine Timing-.Konstanten nachführen. Alternative: Unterschiedliche Puls-Zahlen für 0 und 1 Bits a la Kansaas City. Solide, aber leider recht langsam.

    (BTW: 'notched' heißt 'eingekerbt', gemeint sind hier aber wohl Schattenfugen. 'Abgestuft' wäre 'stepped')

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