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The Missing Link II - ein etwas anderer CP/M Computer: Olivetti ETV 250

  • Das hier ist jetzt sozusagen die Fortsetzung eines früheren Beitrags The missing link - ein etwas anderer PC, Olivetti ETV 2700. Dort habe ich schon etwas über Olivettis Bildschirmschreibmaschinen erzählt und meine ETV 2700 aus dem Jahr 1989 präsentiert, welche nicht nur ein Textverarbeitungssystem mit Typenraddrucker ist, sondern auch ein vollständiger MS-DOS-PC, auf dem auch CGA-Spiele usw. laufen.


    Vor ein paar Tagen hatte ich nun das Glück, den Vorvorgänger zu ergattern, eine ETV 250. Die 250 sieht reichlich anders aus als die 2700, noch viel mehr wie eine Schreibmaschine. Glücklicherweise habe ich zu dieser ETV eine ganze Reihe Zubehör dazu bekommen, mehrere Typenräder, knapp 20 vorformatierte 3,5 Zoll Disketten und zwei Systemdisketten, das Benutzerhandbuch (für die 2700 habe ich es auch) und - ganz wichtig - den Schwenkarm für den Grünmonitor.


    Die ETV 250 wurde 1985 vorgestellt und sie besticht durch - wie ich finde - einem außergewöhnlichem - und schönem - Gehäuse-Design, welches übrigens wie bei vielen Olivetti PCs, Tischrechnern, Schreibmaschinen usw. von Mario Bellini gestaltet wurde. Die ETV 250 besteht logisch, alles auf einer Basisplatine integriert eigentlich aus zwei Computern, jeweils mit Z80-Prozessoren. Der eine übernimmt die Funktion der Schreibmaschine, sprich Steuerung des Typenraddruckers und Abfrage der Tastatur. Man kann die ETV 250 über die Mode-Taste auch in einen Schreibmaschinenmodus versetzen, wo sie sofort druckt, was man schreibt, dann dreht der andere Teil der Maschine nur noch Däumchen und schaltet den Monitor ab. Dieser Schreibmaschinen-Teil entspricht im Prinzip einer ET 111 Büroschreibmaschine (kein Display, kleiner Korrekturspeicher). Der andere Teil der Basisplatine ist der Wordprocessor, der auch über einen Z80 Preozesor und 64 kB RAM verfügt. Als Massenspeicher werden ein oder zwei einseitge 3,5 Zoll Floppies mit einer Kapazität von 320 kB verwendet. Als Betriebssystem wird CP/M von Diskette geladen und bei den normalen Arbeitsdisketten landet man direkt im Olitext MWP, das man aber über die Exit-Taste verlassen kan, und dann landet man direkt im CP/M Betriebssystem. Meine ETV 250 hat zwei Laufwerke und leider (auch wieder) keine LCU (Line Control Unit, also eine Erweiterung mit serieller und paralleler Schnittstelle). Optional gab es auch einen Endlospapiertraktor und einen ASF (automatic sheet feeder, automatischer Einzelblatteinzug) und eine externe, per RS232 anschließbare, 5,25 Zoll Floppy "DU 251", welche die Disketten der ETV 300 und ET 351 lesen und schreiben konnte.


    Leider sind die beiden Bootdisketten ziemlich abgespeckt, außer dem Textverarbeitungsprogramm MWP sind nur die CP/M-Programme PIP (Dateien kopieren) und STAT (freie Kapatität der Disketten anzeigen) drauf. Weder als CP/M-Befehl noch im MWP findet sich ein Befehl zum Formatieren von Disketten, so war für Olivetti ein Zusatzverdienst in Form von vorformatierten Disketten Teil des Geschäfts. Das werde ich versuchen, zu ändern. Die erste Challenge wird sein, diese Disketten mal funktionsfähig zu kopieren - das könnte am ehesten mit einem Diskmonitor von der Scheibenkleister-Diskette für den ST gelingen, das ist nämlich auf Fremdformate spezialisiert. Oder der Amiga mit XCOPY im Nibble-Modus... Wenn das dann gelingt, habe ich mir für den PC schon Omniflop und 22Disk besorgt, damit kann man CP/M-Disketten lesen und schreiben, ob aber das Format der ETV 240/250/350 sauber unterstützt wird, werde ich erst noch sehen. Übrigens, in die andere Richtung klappt der Transfer schon, die ETV 2700 kann mit Olitext SWP (also nicht auf MS-DOS-Ebene) die MWP-Dokumente der ETV 250 von den CP/M-Disketten lesen, das habe ich gestern mal kurz ausprobiert.


    Gestern Abend habe ich sie dann mal komplett ausprobiert und die Mechanik etwas gereinigt, die vor vielleicht 20 Jahren verwendeten Öle und Fette von der letzten Wartung waren inzwischen verharzt und haben die Mechanik teils blockiert, der Farbbandtransport funktionierte nicht mehr. Jetzt flutscht das aber wieder und es ist eine Freude, der Maschine beim Hämmern zuzusehen. Und dann gabs eine kleine Fotosession...

  • So, Info: Ich bin jetzt in der Lage, Dateien zwischen der PC-Welt und der ETV 250 hin und her zu schippern. Und zwar benutze ich dazu auf meiner TA WALKSTATION 386 unter MS-DOS das Tool 22disk.* Das kann die ETV 250 Disketten (also auch ETV 240/350, aber auch ETV 300) lesen und beschreiben. Habe vorhin schon ein bischen ZORK 1 gezockt. Damit das mit dem Datenaustausch leichter klappt, 22disk besteht aus mehreren Tools, deren Syntax man kennen muss, habe ich mir da eine Batchdatei drumherun gestrickt, bei der man nicht die komplette Syntax kennen muss, und auch einiges an Tipp-Arbeit erspart. Die Batchdatei wäre auch ganz leicht an andere CP/M-Systeme anpassbar, wenn das jemanden interessiert.


    * Den MS-DOS-Laptop befüttere ich wiederum vom Windows-PC per ParCP-USB mit der CP/M-Software für die ETV.