MSX in Holland. Warum war der dort so populär ?

  • Philips war mit drin in so einem japanisch geführten Konsortium von Elektronikherstellern (Samsung war auch drin, Sony, Sanyo, u.a), die alle die Heimcomputer-Ära verschlafen hatten. Das Mittel zum Aufholen war das gleiche Rezept, mit dem der Amiga 10 Jahre später vom Thron gestoßen werden sollte: Firmenübergreifende Hardware-Standards.

    Das Problem war die Spezifikation. Die war zwar einheitlich, aber es waren alles 8 -Bit-Zutaten von der Stange, nicht konkurrenzfähig zum C64 und erst recht nicht zur heraufdämmernden 16Bit-Generation. Der IBM-Standard hat dagegen ein Wettbewerbskonzept eröffnet, das Luft nach oben hatte. Firmen konnten sich nun spezialisieren (Grafikkarten, Soundkarten, CPUs, RAM, Boards, Busse) und sich auf genormte Schnittstellen verlassen zum Rest der Hardware. Das war 1984 noch kein Thema. Es gab da zwar auch Lieferanten von Bausteinen, aber die waren alle mehr oder weniger gleich gut. Es war genormte Durchschnittsware, nicht schlecht, aber auch nicht herausragend.

    MSX hatte sehr gutes Basic und hat damit auf die gleiche falsche Karte gesetzt wie Plus/4, CPC und C128. Das hat eine kleine Elite von Hobby Codern glücklich gemacht und die restlichen 95% wollten bloß genauso zocken können wie am C64. Nix selber Software schreiben oder Tabellenkalkulation machen.

    Ich selber besitze einen MSX-1 von Sanyo. Der läuft mit einem Kassettenradio von 1974. Ich kann da eigene Basic-Programme sichern und laden. Der konnte damals schon Print using, if then else und while do loop. Aber als Spielemaschine dem C64 eben nicht ebenbürtig. Trotzdem sehr sympathisch, dieser Rechner.

    Die Popularität in Japan, Holland und Korea kann evtl. mit Lokalpatriotismus erklärt werden. Die Engländer schwörten ja auch auf ihren Amstrad und Speccy einfach weil es genuin englisch war. Wir Deutsche waren zuletzt patriotisch zu Zuses Zeiten und kaufen seitdem nur das, was gut ist, egal ob es von Siemens ist oder Sony. Das ist ganz vernünftig, denn sonst hätten wir dem amerikanischen C64 nicht soviel Zeit und Liebe geschenkt, auch, nachdem die Amis sich gar nicht mehr interessiert haben für ihr eigenes Produkt, auch für den Amiga nicht. Und die Europäer sind die Treuesten der Treuen für diese Commodore-Hardware. :)
  • Retro-Nerd schrieb:

    Was ich hier lese hört sich für mich deutlich mächtiger an als der Zilog Z80A vom MSX-2. Der Vergleich scheint mir unfair. Der W65C816S kann wohl im 8bit Emulationsmodus laufen.

    LINK
    Naja kann man sicherlich tot diskutieren, wenig sinnvoll, sind genug 2016 gestorben. Für mich ist es konsequente Weiterführung der Apple2 Technik die als 8Bit Technik gestartet ist mit Hinblick auf die 16 Bit Amiga/ST Konkurenz.

    Ich glaube es ist umgedreht der 65816 startet als 6502 und ist auf den ersten Blick auch pinkompatibel, die zusätzlichen Bits sind gemultiplext wie beim 8088. Der Z80 ist auch mächtiger als der 6502, ist letzterer deshalb eine 4Bit CPU ?

    Micha
  • Es wird wohl auch dieses "Nerv getroffen" Ding gewesen sein. Aus irgendeinem Grund lag den Franzosen der CPC wohl mehr. Die Japaner meiden X- Boxen als wäre der Teufel drin versteckt, dabei ist eine X Box nicht soooo schlecht dass es diese fast Kaufverweigerung rational erklären könnte.

    Und der C 64 hat bei uns einen Nerv getroffen und ich glaube, wir haben ihn zu einem europäischen Computer gemacht. Das ist kein amerikanischer Computer mehr, so wie auch der Amiga.
  • Es wird wohl auch dieses "Nerv getroffen" Ding gewesen sein. Aus irgendeinem Grund lag den Franzosen der CPC wohl mehr. Die Japaner meiden X- Boxen als wäre der Teufel drin versteckt, dabei ist eine X Box nicht soooo schlecht dass es diese fast Kaufverweigerung rational erklären könnte.

    Und der C 64 hat bei uns einen Nerv getroffen und ich glaube, wir haben ihn zu einem europäischen Computer gemacht. Das ist kein amerikanischer Computer mehr, so wie auch der Amiga.
  • MSX kam sehr spät und die Vermarktung war auch nicht so pralle hierzulande. Irgendwer hatte den Japanern und Mickysaft erzählt, die Deutschen wären so furchtbar ernsthaft, daß sie Computer für z.B. Vereinsverwaltung nutzen würden. Oder um das Haushaltskonto zu verwalten. Oder um Beschwerdebriefe an Behörden zu schreiben. Ich habe eine Menge Werbung für MSX gesehen, und fast jede bezog sich auf so "ernste" Themen. Spiele kamen da nur sehr selten bzw. am äußersten Rande vor.

    Was sicher auch damit zusammenhing, daß die Technik nicht so geil-bunte und rasante Spiele zuließ wie beim C64.
  • Die MSXe boten viel Leistung, aber auch für teilweise ziemlich viel Geld. Die Dinger waren zu spät dran und teilweise am Markt (Spiele!) vorbei konzipiert. Da waren die Schneider CPC ähnlich, aber wenigstens etwas erfolgreicher.

    Ich schätze auch, daß es bei "MSX in Holland" eher um Lokalpatriotismus und Einsatz heimischer Technik in Bildung und Forschung ging.
  • whose schrieb:

    Ich schätze auch, daß es bei "MSX in Holland" eher um Lokalpatriotismus und Einsatz heimischer Technik in Bildung und Forschung ging.
    Da bin ich deiner und auch der Meinung der meisten anderen hier: Auf die Frage "warum MSX in den Niederlanden?" gibt es nur eine (simple) Antwort: "Philips".
  • Commodore vs. Atari und Apple hierhin verschoben:
    Deutsche kaufen Billig-IT

    Bitte hier thematisch beim MSX bleiben.
    Thanks
    ___________________________________________________________
    Meine Kreationen: Deviant Art | Toonsup | Flickr | Youtube
    | Twitter
    Avatar: Copyright 2017 by Saiki

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von syshack ()

  • Retro-Nerd schrieb:

    Bleibt noch die Frage, warum der gerade in Südamerika (Brasilien, Argentinien, Chile) noch so erfolgreich war. Viel Geld hatten die nie, weshalb auch z.B. dort eher die Master System Geräte so erfolgreich liefen und nicht das Mega Drive.
    Könnte auch daran liegen dass MSX in Asien und Südamerika anscheinend deutlich früher auf dem Markt war als bei uns. Anno '83 war das Zeug ja noch voll auf der Höhe. Bei uns kamen die ersten Geräte ja erst in der zweiten Jahreshälfte '84 raus, da war das große Rennen schon entschieden.
    An Bord: VC20, C64, Plus/4, Atari 800XL, Atari 1040ST, Amiga 500... sonst nix mehr ;(
  • (Z80 vs. 65816)

    Retro-Nerd schrieb:

    Was ich hier lese hört sich für mich deutlich mächtiger an als der Zilog Z80A vom MSX-2
    War es auch; die 16-Bit-Befehle des Z80 sind nichtmal ein schlechter Marketing-Gag. Gut, der '816 ist auch locker zehn Jahre jünger und hat im S-NES bis in die späten 90er 'state of the art' Videospiele ermöglicht (mit entsprechend leistungsfähiger Zusatz-Hardware) und der/das Apple II GS war angeblich sogar schneller als zeitgleich verkaufte low-end Macintosh... trotzdem war der Z80 für das MSX völlig ausreichend dimensioniert. Das geht aber letztlich auf die alte Diskussion hinaus 'ist 16-bit wirklich besser als 8-bit, oder stolpert man bloß andauernd über die zu großen Schuhe'.

    Nicht zu vergessen: Noch um die Jahrtausendwende (also eine mittlere Ewigkeit nach MSX und MSX-2) waren damalige PCs auf diverse Beschleuniger-Karten angewiesen um Videos abzuspielen, 3D-Landschaften zu rendern oder auch nur MP3 zu erzeugen...

    Unseen schrieb:

    Du verdrehst da was, die CPU mit der 4-Bit-ALU ist der Z80.
    Das macht der Z80 mit der höheren Taktfrequenz wieder wett und ist kein Deut langsamer als das Intel-Vorbild. Úmso ärgerlicher, wenn er nichtmal bei einer 16-Bit-Addition die Flags richtig setzen kann. Als Zähler ist ein simples 'dec bc' also schonmal nutzlos. Dafür sind die meisten 16-Bit-Befehle quälend langsam, weil sie ein zweites Opcode-Byte brauchen. Und über die Index-Register, die keine sind, regt man sich schon gar nicht erst auf... Tabellenbasis im Register, Offset fest im Programmcode hintzerlegt? Echt jetzt? Vor einiger Zeit gabs mal einen Thread, bei dem raus kam, daß Z80-Code fast immer langsamer und nur selten kürzer war als 8080-Code. Aber es sah halt so hübsch aus auf der Werbung...

    Übrigens hat der Z80 nur drei frei verwendbare Adreßregister (plus drei Spiegelregister, plus zwei Index-Register, plus STapelzeiger und Programmzähler), der 6502 dagegen deren 128 Stück. Nur liegen die halt nicht auf dem Prozessor-Chip, sondern im Hauptspeicher. Und er hat eine ganz gute Auswahl an Index-Modi. Damit sind viele Programme in 6502 sehr elegant zu scchreiben, wo der Z80 oftmals aussieht als würde man am Microcode rumfummeln.

    whose schrieb:

    Ich habe eine Menge Werbung für MSX gesehen, und fast jede bezog sich auf so "ernste" Themen. Spiele kamen da nur sehr selten bzw. am äußersten Rande vor.
    Das hatten damals aber viele Rechner, auch von Atari und Commodore. Nicht zu vergessen daß damals gerde die 'Computer(-spiele) verderben unsere Jugend' und 'Spielautomaten nur ab 18' Kampagnen liefen.

    whose schrieb:

    Ich schätze auch, daß es bei "MSX in Holland" eher um Lokalpatriotismus und Einsatz heimischer Technik in Bildung und Forschung ging.
    Naja, die Holländer haben auch nicht alles gekauft, nur weil Philips drauf stand. Die hatten nämlich nach dem G7000 schon einiges in Richtung Heim-/Personal-Computer rausgebracht, und es war... sagen wir mal... zumindest nicht ganz so schrecklich wie die ersten Triumph-Adler Kisten. MSX hatte dagegen eine solide Hardware-Ausstattung (Grafik bewährt seit dem Coleco-Vision und Basis für das Sega Master-System, Sound identisch mit dem Atari ST, Speicher erweiterbar bis IIRC ein Megabyte- wer würde das jemals brauchen?) und ein ziemlich gutes und vollständiges BASIC. die 'großen Namen' auf dem Typenschild und die versprochene Kompatibilität zwischen den Marken taten ein übriges, nachdem gerade die ganzen kleinen Klitschen hops gegangen waren... wer also nicht nur Disketten auf dem Schulhof tauschen wollte, war mit so eienm System ziemlich gut bedient.

    Retro-Nerd schrieb:

    Bleibt noch die Frage, warum der gerade in Südamerika (Brasilien, Argentinien, Chile) noch so erfolgreich war. Viel Geld hatten die nie, weshalb auch z.B. dort eher die Master System Geräte so erfolgreich liefen und nicht das Mega Drive.
    Uh, da hatte ich doch grad neulich ein Video zu gesehen... demnach hätte der Preis durchaus funktioniert wenn Sega of Amerika nicht verhindert hätte, daß die Geräte/Platinen in Brasilien gefertigt werden. Darüber haben sie sich mit dem Importeur derart zerstritten, daß sie (SEGA) den Stecker ganz gezogen haben- und der Importeur das Master System weiter verkauft hat. (Ohne Gewähr daß die Story so zu 100% stimmt, es klingt aber recht plausibel anbetrachts der Handelsbeschränkungen in Brasilien)

    Ein weiterer Punkt war natürlich, daß im MSX keinerlei Sonderchips steckten- Sound und Grafik gabs von der Stange, alles andere war notfalls durch TTL-Wüsten ersetzbar. Auch das ist in einem abgeschotteten Markt nicht ganz unwichtig.