Petros Buch: Der Lese-Begleit-Thread

  • Petros Buch: Der Lese-Begleit-Thread

    Hallo, seit gestern auf der HomeCon, Petro hat uns dort mit ein paar Exemplaren seines Buches besucht und wurde auch alle los, habe ich mein Exemplar, natürlich mit persönlicher Widmung. Eben gerade habe ich, weil ich ohnehin nicht mehr schlafen konnte, mal angefangen, es zu lesen. Nunja, zwei kleine Fehler hab ich auch schon gefunden, und schon eine Detailfrage, die ich gerne beantwortet wüsste, dachte ich mir, ich eröffne mal einen Lese-Begleit-Thread, zu dem natürlich alle anderen Leser des Buches eingeladen sind, ihre eigenen Kommentare dazu zu stellen. Und wer das Buch noch nicht hat, kann evtl. trotzdem bei den offenen Fragen sein Wissen beisteuern. Ich fang dann mal an und mache mir dazu auch Randnotizen ins Buch.

    Logische Fehlerchen
    Seite 14, Absatz 3. Streiche Motorola 68000 als Konkurrenz zu MOS 6502, ersetze durch Motorola 6800 (eine Null zu viel)
    Seite 25, Absatz 1. Streiche im Satz mit den Besuchen in Hong-Kong, Taiwan und Japan das erste "nun"
    Seite 45, Absatz 1 unter den 3 Bildern. Streiche einmal "mussten wir das" (Wiederholung)

    Fragen:
    Seite 28, Abasatz 2. Commodore bezog in den 1980ern 250.000 Drucker von Robotron, ohne den Typ zu nenen, konnte davon aber nur 50.000 absetzen. Welche waren das? Gab es den Präsident 6310 (bzw. eine Variante davon) tatsächlich mit Commodore-Typenschild, oder war das ein anderes Modell?

    Am Ende des selben Absatzes wird dann geschrieben, dass nachdem Commodore mit den Robotron Drucker auf die Nase gefallen ist, hochwertigere Drucker von Olivetti bezog, dazu kann ich als ehem. Olivetti-Mitarbeiter ergänzen, das waren die Modelle Olivetti DM-100 und DM-105, 9 Nadeln Schwarzweiß und Farbe, die dann als Commodore MPS-1230 und MPS-1500 verkauft wurden. Einen DM-105 hab ich sogar noch.

    Das Robotron-Geschäft hat auf jeden Fall noch vor der Wende statt gefunden, denn den MPS-1500 gab es schon, als ich noch bei Olivetti war, und das war bis Januar 1990.
  • Also der Präsident 6310 wird wohl kaum gemeint sein, denn der war zwar klobig und fett, aber ein sehr guter Drucker mit gutem Schriftbild und unverwüstlich. Und klar war das vor der Wende. Nach der Wende gab es weder eine DDR aus der man Drucker kaufen konnte, noch eine Firma Robotron. :facepalm:

    Petros Buch hätten ein paar Lektoren in der Tat gut getan: Einerseits jemand, der sachliche Fehler erkennt, dann jemand, der die Gliederung ein wenig in Ordnung bringt und schließlich jemand, der Rechtschreibung und Grammatik korrigiert. Aber vielleicht ist das Buch eben deshalb im Selbstverlag erschienen, weil Petro keine Änderungen wollte.
    Nichts desto trotz ist das Buch eine sinnvolle Ergänzung zu "On the Edge", weil erstmalig auch die andere Seite, nämlich das Management, zu Wort kommt. Für manche aus Technikersicht unverständliche Entscheidungen gab es nämlich sehr wohl Gründe. Was mir allerdings aus Petros Buch nach wie vor nicht erschließt ist, wieso er Mehdi Ali so toll fand. Auch wenn er Petro ein Handy und ein Auto gekauft hat, halte ich auch nach der Lektüre Mehdi Ali für den Hauptgrund für Commodores Untergang. Der Mann war vollkommen unfähig. Petro selbst schreibt ja, dass Ali keine Ahnung hatte, was Commodore eigentlich verkauft, er daher auf Berater angewiesen war.
  • Ich bin jetzt schon im Anhang. Das Buch liest sich ansonsten sehr flüssig und leicht verständlich, auch für Techniker wie mich. Außer vereinzelten Kommafehlern ist mir jetzt erstmal nichts weiter aufgefallen, vielleicht auch weil ich seit etwa 1990 Commodore etwas aus den Augen verloren hatte, da ich mich ab 1986 langsam eher auf den privat Atari ST und beruflich auf PCs kontentrierte, auch wenn der C-64 nach wie vor weiter genutzt und ausgebaut wurde, und auch ein A500 als zunächst Kopiermaschine für ST-Disks in meinen Besitz wechselte und dann auch zum Zocken genutzt wurde, aber die Details bei Commodore bzw. Amiga Technolgy blieben mir da weitestgehend verborgen. Genauso wenig wie ich die Pleite von Atari kurz später bewusst miterlebte.

    Auf der HC 27 war Petro ja da und hielt in Vorwegnahme zu seinem Buch einen Vortrag zum Thema, ich erinnere mich da noch an ein paar Rückfragen im Anschluss an den Vortrag, u.a. wurde (ich glaube von mir) gefragt, wieviele SX-64 denn nun eigentlich hergestellt wurden. Petro verwies dazu auf das Buch, in dem das drin stehen würde, bisher habe ich diese Zahl aber noch nicht gefunden, schade.
  • Dann mal ganz ehrlich gefragt. Lohnt sich die Anschaffung von dem Buch überhaupt? Wie detailliert wird dort auf die Dinge eingegangen? Wenn ich höre "liest sich flüssig" dann ist das fast gleichbedeutend mit "seichter Literatur, evtl. zu wenig Information".

    Gruß und Danke für die ehrliche Antwort.
    Tom
    "Um den Krieg zu überleben, muss man selbst zum Krieg werden." - John Rambo / Rambo II - "Der Auftrag"
  • Ich glaube es ist wie immer Geschmacksache. Ich fand das Buch echt lesenswert und man kommt halt sehr nah an die Geschehnisse dran. Hier und da gab es auch etwas zu lachen und da ich selbst überhaupt keine Leseratte bin und mich Bücher sonst schnell langweilen, hat mich das schon sehr gefesselt und ich wollte immer schnell wissen wie es weiter ging in der Commodore Welt. Ob sich das lohnt muss natürlich jeder für sich entscheiden. Ob das alles so stimmt kann ich selbst auch nicht zu 100% beurteilen. Es liest sich in der Tat flüssig und man erfährt einige Fakten aus erster Hand.

    Es sind einige Rechtschreibfehler und Satzstellungsfehler drin, das stimmt, daran darf man sich natürlich nicht stören. Ich habe Petro angeschrieben und ihm gesagt dass ich eine Art Fehlerliste zu sende, in der Art wie 1st1 das hier getan hat - Seitennummer, Fehler, in einer kleinen Textdatei. Die Idee fand er gut. Denn sollte es eine 2. Auflage geben wären diese Fehler dann schon mal nicht mehr vorhanden ;)

    Ich habe den Kauf nicht bereut und momentan liest das Buch meine Mutter, die so gar nichts mit Technik und Commodore am Hut hat und sie findet es auch sehr gut geschrieben.

    Just my two Cents

    LG Entchen
    :winke:
    9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen ich bin nicht verrückt. Die zehnte summt die Melodie von Tetris
  • Es lohnt sich auf jeden Fall, weil es die sehr wichtige Seite des Managements beleuchtet. Die bisherigen Bücher gingen eher auf technische Aspekte ein. Der C-65 kommt z.B. in dem Buch garnicht vor, auch der Misserfolg der 264-Reihe wird nicht beleuchtet aber dafür die ganzen finanziellen Aspekte. Seicht ist der Inhalt sicherlich nicht, aber gut verständlich dargestellt.
  • Für VEB Robotron war Sommer '90 Schluß, das Ende der DDR im Oktober. Wenn sich auch Teile der Firma bis ins neue Jahrtausend retten konnten, war doch das Kombinat schon lange aufgelöst.
  • Ragnarok schrieb:

    Für VEB Robotron war Sommer '90 Schluß
    Wie fast alle anderen Staatsbetriebe, so wurde auch Robotron in die Treuhand geworfen. "Schluß" ist in soweit falsch - es gab einen neuen Eigner. Da die Produkte aber nicht marktfähig waren, wurde dann alles relativ schnell abgewickelt. Am 31.12.1991 war in Sömmerda das Licht aus.

    Um kurz darauf wieder anzugehen, weil man festgestellt hat, dass diese Kombinate ja nicht nur Produktion waren, sondern auch Infrastruktur (Energieversorger, Kindergärten etc). Also wurden wieder ein paar Leute eingestellt (thueringer-allgemeine.de/web/z…tadt-Soemmerda-1968020337).

    Später hat ASI Computer GmbH von Winfried Hoffmann, ehemals Deutschland-Chef bei Commodore, dort wieder PCs und Monitore gebaut (spiegel.de/spiegel/print/d-13680585.html). Irgendwann ist natürlich die ganze Fertigung nach Fernost gegangen.

    Die Namensrechte sind heute etwas verteilt. In Dresden gibt's einen Datenbankspezialisten, in Leipzig eine Immobiliengesellschaft und dann noch eine Bildungs- und Beratungsgesellschaft.
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  • Toast_r schrieb:

    Der erwähnte Robotron-Drucker dürfte der CBM 8028 sein. Wenigstens das Druckwerk dieses sehr schweren, robusten Typenraddruckers stammt von Robotron, und vielleicht auch das Gehäuse.
    Angeblich die Mechanik des CBM 8028 und CBM 8229.
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  • AntaBaka schrieb:

    Später hat ASI Computer GmbH von Winfried Hoffmann, ehemals Deutschland-Chef bei Commodore, dort wieder PCs und Monitore gebaut (spiegel.de/spiegel/print/d-13680585.html). Irgendwann ist natürlich die ganze Fertigung nach Fernost gegangen.


    ASI stellte übrigens laut Buch PCs für Commodore her und hing irgendwie mit dem immer noch in Frankfurt-Praunheim existierenden PC-Händler Abacomp zusammen, bei dem ich 1984 mir meinen C-64 kaufte. Und auch ich hatte später beruflich ab und zu mit ASI zu tun, bevor das zu FSC wurde.

    Aber das ASI-Werk wurde von Fujitsu-Siemens aufgekauft und dort wurden dann die Consumer-PCs, welche in der ersten Hälfte der 200er in den Mediamärkten usw. sehr präsent waren (u.a. Marke: "Network"), gebaut. Ich hatte dort, als das dann FSC wurde immer noch ab und zu, wenn bestimmte Sachen in der PC-Produktion nicht funktionierten, zu tun, und die Leute dort Support brauchten...
  • Toast_r schrieb:

    Wobei der CBM 8229 nur ein CBM 8028 mit einer Speichererweiterung ist.


    Das Gehäuse beider Drucker, wenn man sich die Bilder bei Google ansieht, sieht in der Tat sehr nach Robotron aus. Das waren auf jeden Fall nicht solche Drucker, die man durch den Olivetti DM 100/105 ersetzen konnte, das war ein anderes Kaliber. Demnach muss dieser Robotron-Deal aber schon spätestens Mitte der 1980er gelaufen sein, den da war ja dann mit der CBM-80xx-Reihe langsam Schluss...
  • AntaBaka schrieb:

    Ragnarok schrieb:

    Für VEB Robotron war Sommer '90 Schluß
    Wie fast alle anderen Staatsbetriebe, so wurde auch Robotron in die Treuhand geworfen. "Schluß" ist in soweit falsch - es gab einen neuen Eigner. Da die Produkte aber nicht marktfähig waren, wurde dann alles relativ schnell abgewickelt. Am 31.12.1991 war in Sömmerda das Licht aus.


    Kann man sehen, wie man will. Das Robotron, wie es seit '69 bzw. '78 bestand, war jedenfalls futsch. :)
  • Ragnarok schrieb:

    Kann man sehen, wie man will. Das Robotron, wie es seit '69 bzw. '78 bestand, war jedenfalls futsch. :)
    Ja, sicher, wenn der Betreiber eines Staatsbetriebes, also der Staat, weg ist, dann ist der Staatsbetrieb so gesehen natürlich auch weg :)
    Aber immerhin gab es noch eine Weile Kontinuität im Betrieb und nicht, wie bei anderen Firmen, einfach eine Namensübertragung.
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