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Reparaturbericht SX-64, schräger Fehler.

  • Hallo,


    nur ein kurzer Bericht zur Reparatur eines SX-64... Ist vielleicht mal hilfreich.


    Symptom 1 (das einfache): Kein Bild.


    Erste Messung am Char-ROM (weil einfach erreichbar): _CS ist immer LOW. Nanu?


    Lösung hierzu: PLA ersetzen. Der C64-Teil startet wieder problemlos.



    Symptom 2 (das gemeine):


    LOAD "$",8 mit Disk im Laufwerk lässt den Motor anlaufen, aber die Laufwerks-LED bleibt aus und der Kopf bewegt sich nicht. System hängt.


    LOAD "$",8 ohne Disk im Laufwerk ergibt aber die zu erwartende Fehlermeldung 'Drive not ready' im Fehlerkanal, kurze Kopfbewegungen und eine blinkende Laufwerks-LED. Ebenso meldet sich das Laufwerk problemlos wenn man direkt nach dem Booten den Fehlerkanal abfragt. Auch blinkt die Laufwerks-LED keine Fehlercodes.


    Ausbau der Floppy-Platine, aha, ein MOS 7707. Den ersetzt man durch einen 7406, wenn man die Platine schon draussen hat. Leider war es das nicht, aber zumindest kann der keinen Ärger mehr machen. Die Spannung für den Analogteil stimmte auch. Meine weitere Überlegung zielte auf die Art und Weise wie die 1541 Daten von der Diskette liest, bzw. der Controller meldet, daß Daten zur Abholung bereitliegen. Das passiert über das Overflow-Flag im Statusregister und den SO-Pin am 6502. Wäre es möglich, das es hier klemmt und die CPU nicht einmal das erste Byte von der Floppy liest weil sie nie ein Overflow-Flag sieht? Damit würde sie bis in alle Ewigkeit warten. Laut Schaltplan sind hier nur der 6502, einer der 6522 und das Gate Array involviert. Das Gate Array war leider gelötet (es gibt auch SX-64 bei denen es gesockelt ist), aber der 6502 steckt in einem Sockel. Also diesen durch einen anderen 6502 ersetzt.


    Test... Und der 'LOAD "$",8' geht wieder!


    Damit war es der 6502 und zwar ist der anscheinend so defekt, daß er nicht mehr auf den SO-Pin hört oder ein anderes Feature defekt ist welches beim POST und Warten auf Kommandos nicht benutzt wird, aber das Laden von Daten von der Floppy zuverlässig verhindet.


    Der Besitzer des SX-64 will die CPU behalten und woanders testen. Bei einigen Anwendungen stört ein defekter SO-Pin ja nicht.


    Andere Auffälligkeiten an diesem SX-64: Kein 2564 für den KERNAL sondern ein echtes ROM (251104-04), aber immer noch ein 28pin Sockel.

  • Sowas hatte ich mal bei meinem Pentagon (ZX Spectrum Clone aus Russland), war ein Z80 mit 'nem defekten M1 Signal - der Rechner lief, ausser bei der "Freezer"-Funktion und Floppyzugriffen.
    Den Z80 hab ich heute noch hier, ist eigentlich auch eher ein Fall für die Tonne.


    Aber Glückwunsch zur erfolgreichen Reparatur.

  • So, wo das Wetter dieses Wochenende etwas daneben war gleich noch einen weiteren SX64 mit einem Freund (dem Besitzer) repariert.


    Diesmal war es ein SX64 aus USA den die Post auf dem Weg mindestends einmal aus größerer Höhe hat fallen lassen. Von aussen sah das Gehäuse noch einigermassen OK aus, aber innen rappelte was beim Schütteln doch deutlich. Beim Auseinanderbau zeigten sich einige lose Plastikteile die irgendwo abgebrochen waren und einige leicht verbogene Blechteile. Die I/O-Platine war um eine Pinreihe versetzt im Stecker der Hauptplatine. Also nichts was wirklich Arbeit macht.


    Hier die Liste der echten Schäden:


    - Netzteil (115V) startet nicht. Grund: Beim Sturz hat die Platine beim großen Übertrager einen Riss bekommen was eine Leiterbahn unterbrochen hat (dauerte eine Weile bis wir das gefunden haben!). Sah man kaum, war aber gut zu messen. Mit etwas Draht geflickt, geht wieder. Der SX64 hat ein interessant aufgebautes Netzteil, primär getaktetes 12V-Schaltnetzteil mit nachgeschaltetem extra Schaltregler an diesen +12V der die +5V produziert. Beide benutzen denselben Controller, den Fujitsu MB3759.


    - Nach dem Netzteilfehler noch einen kritischen Blick auf die Monitorplatine geworfen. Auch hier ein Riss beim Zeilentrafo (woran man erkennt was das für ein Sturz gewesen sein muss), also gar nicht erst eingeschaltet sondern gleich den Monitor ausgebaut und rund um den Zeilentrafo alle Unterbrechungen mit Drahtstücken geflickt. Nachdem dieser Rechner schon Monate nicht mehr lief war da kein Problem zu erwarten.


    - Nach der Monitorreparatur wieder soweit zusammengebaut, daß man einen Test machen kann. Kein Bild, aber Monitor läuft (Bildröhre hat es also überlebt). Oszi zeigt, daß die CPU keinen Takt an Pin 1 bekommt. VIC hingegen bekommt die Takte vom Clock-Module. Also VIC ersetzt (6567R8, Freund sammelt auch in PAL-Land unbrauchbare MOS-ICs) und schon kam wieder das normale Einschaltbild. Der Ausbau der CPU-Platine macht beim SX64 aber wirklich keinen Spass.


    - Kontaktprobleme im Expansionport, Diag-Cartridge startet nicht. Lösung: Tuner 600 bzw. Äquivalent (NICHT Kontakt 60!), dann mehrfach Ein- und Ausstecken. Jetzt funktioniert auch die Diag-Cartridge.


    System rennt wieder, SID ist aber leider stumm und die Tastatur muss noch überarbeitet werden weil schwergängig.


    Von der Floppy wurde bisher nur die Elektronik im gestern erwähnten SX64 getestet, die funktionierte dort. Laufwerk und Kommunikation mit dem Hauptrechner müssen noch getestet werden. Die CIAs auf der I/O-Platine sind gesockelt, eventuelle Fehler hier sind also schnell gefunden und repariert.


    Alles in allem ein erfolgreiches Wochenende.


    Wer auch immer den SX64 designed hat, leichte Reparierbarkeit stand nicht im Pflichtenheft. Teilweise ist das eine ziemliche Sch...-Arbeit und nur kurz mal zusammenstecken um was zu testen geht kaum. Ich will gar nicht fragen wie das in der Produktion war...

  • Bevor ich meinen SX vertickt hatte stand der Jahre im Keller.
    Eingeschaltet - MIST läuft nicht mehr :(
    Defekt bekommste nix für...
    Da der Bildschirm schwarz war und die Floppy einen Dauerläufer machte war schnell ein Verdacht da.
    Zum Glück war es auch so - der Rechner hing in der Resetroutine.
    NE555 gemessen - tatsächlich defekt.
    Ausgetauscht - alles gut :)


    Das war das erste und letzte mal, dass ich einen SX64 auseinander und wieder zusammengebaut habe.
    Eine echte Strafe !!


    Hucky

  • Mhm, also was Ihr hier so als Strafe bezeichnet, übernehme ich gerne. Defekte und ungeliebte SX-64 finden bei mir ein Zuhause. Bitte senden Sie Ihre Postsendung an: .... ;)


    Das mit dem Kernal als EPROM hat Commodore bei den ersten Geräten tatsächlich selbst gemacht. Ich habe einen SX mit niedriger Seriennummer, der sichtlich nie auseinander geschraubt war - der hat sowas drin.


    Ich habe an anderer Stelle schonmal drauf hingewiesen, ich sags hier nochmal:
    Das EPROM, was den Kernal erstezt, ist ein 2564 (nicht 2764, wie üblich). Ich hab hier ein paar davon, teilweise auch schon mit dem SX-Kernal beschrieben. Wers braucht, wende sich an mich.

  • Nee, die späteren hatten tatsächlich einen "richtiges" Kernal. Ich vermute mal, dass die bei den ersten Versionen noch Veränderungen vorgenommen haben. Oder MOS kam mit der Produktion nicht hinterher.


    *edit:* War zu langsam mit der Bildnachbearbeitung. Gerrit war schneller.

  • Und noch zum Abschluss dieses durchaus erfolgreichen Reparatur-Wochenendes:


    Freund hatte noch einen CBM 8028 (Typenraddrucker, was für ein Klotz... und LAUT, aber interessantes Design von der Logik her) rumstehen der nicht mehr mochte.


    Fehler: Beim Einschalten bewegt sich der Wagen kurz, dann nichts mehr.


    Jetzt tut er wieder, defekt war einer der beiden 6504 (Synertek), einer der drei 6522 (MOS) und das Massekabel des Bedienfeldes war lose.


    Debuggingmethode: Da die beiden 6504 sich jeweils um Wagen und Typenrad kümmern einfach mal beide vertauscht (Sockel sind was schönes). Danach lief der Wagen wieder komplett durch den POST, aber das Typenrad wollte nicht. Also entsprechenden 6504 ersetzt. POST lief durch, dafür gabs endlosen Zeilenvorschub. Auch hier half Tauschen der drei 6522 untereinander beim Eingrenzen des Fehlers. Mit einem 'neuen' 6522 druckt er jetzt wieder.

  • Nee, die späteren hatten tatsächlich einen "richtiges" Kernal. Ich vermute mal, dass die bei den ersten Versionen noch Veränderungen vorgenommen haben. Oder MOS kam mit der Produktion nicht hinterher.


    *edit:* War zu langsam mit der Bildnachbearbeitung. Gerrit war schneller.


    Bedeutet das eigentlich, dass wenn ich ein Kernal auf z.B. ein 27c128 brenne, dass ich bei einer späteren Speicherstelle anfangen muss weil der hat ja 28 statt 24 Pins? Das Kernal hat ja nur 8K die der SX auch finden muss an der richtigen Stelle auf dem riesigen 27c128 Eprom?

  • Okay, das ist was anderes - damit das so ganz ohne Adaptersockel funktioniert, müsste die Versorgungsspannung an zwei Pins anliegen (oder per Jumper auf dem Board schaltbar sein).


    Das mit den Adresspins ist denkbar einfach: Hat ein Chip z.B. Adresspins von a0 bis a12, sind das insgesamt 13 Adresspins. Jeder Adresspin verdoppelt den adressierbaren Speicherplatz, mit 13 Adresspins kommt man also auf 2^13 => 8192 Speicherstellen => 8 KiB.
    Ein Chip mit doppelt soviel Speicher muss also einen Adresspin mehr haben: Liegt dieser neue Adresspin (a13) auf Ground, werden die ersten 8 KiB angesprochen; liegt er auf High-Pegel, werden die zweiten 8 KiB angesprochen.
    Normalerweise macht man bei größeren Chips die zusätzlichen Adresspins also schaltbar und kann somit z.B. mehrere Kernals in einem Chip unterbringen.
    Legt man sie fest auf Ground, kann man also nur den ersten Teilbereich ansprechen.