Angepinnt 1541: Wartungs- und Einstellarbeiten


  • JMP$FCE2
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  • 1541: Wartungs- und Einstellarbeiten

    edit cp2:
    IN DIESEM THREAD BITTE KEINE DISKUSSIONEN ANFANGEN (werden gelöscht!)! Er dient ausschließlich der Sache! JPM$FCE2 wird ihn auch noch erweitern. Diskussionen zum Thema bitte ausschließlich in diesen Thread (KLICK).



    In diesem Thread erkläre ich wie eine 1541 Generalüberholt und auf aktuelle Netzspannung umgerüstet wird.
    Es geht hier nicht darum eine defekte 1541 zu reparieren denn dafür gibt es keine allgemeingültige Anleitung.
    Ich hafte für keinerlei Schäden die auftreten könnten, sei es durch unsachgemäßen Gebrauch der Messgeräte
    oder Werkzeuge oder Schäden die durch ESD auftreten können.

    Es wird benötigt:

    - Schraubendreher Kreuzschlitz PH1
    - Schraubendreher Kreuzschlitz PH2
    - Schraubendreher Schlitz 2mm
    - Multimeter
    - Lötkolben
    - Schrumpfschlauch
    - Oszilloskop (dieses nur für die Spurlageneinstellung)
    - Q-Tips
    - Küchentücher
    - 2-Euro Münze + etwas Garn
    - etwas starrer 0,6mm Draht
    - Pinsel
    - Staubsauger
    - säurefreies nicht harzendes Öl (z. B. Ballistol)
    - Isopropylalkohol 99%
    - Original 1541 Test/Demo Diskette
    - Software: Kwik Copy
    - Software: Floppy Adjust

    Ein Tip vorweg:
    ESD ist ein ernstzunehmendes Thema und für 60% aller Schäden an alter Commodore-Hardware verantwortlich.
    Wer keinen ESD-Konformen Arbeitsplatz hat sollte bitte nach Möglichkeit während der Arbeiten keine Klamotten
    mit hohem Kunststoffanteil tragen und die Schuhe ausziehen.


    Zuerst wird das Gehäuse geöffnet und mit dem Staubsauger und Pinsel sämtlicher Staub entfernt.
    Dann werden alle Steckverbinder gelöst, die Platine demontiert und das Chassis aus dem
    Gehäuseunterteil entfernt. Zum Schluss wird das Laufwerk aus dem Chassis geschraubt.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von controlport2 ()

  • Umbau auf 240 Volt:

    !!!ACHTUNG!!! Netzspannung, Dieser Teil ist nur für Leute die sich damit auskennen und an Netzspannung arbeiten dürfen.

    Die 1541 ist ab Werk mit einem Transformator für die Netzspannungen 220V und 240V ausgerüstet. Ausgeliefert wurden die
    Geräte immer mit der Einstellung 220V. Heutzutage beträgt die Netzspannung 230V und somit wird im Transformator und der
    Regelelektronik ein größerer Anteil der aufgenommenen Leistung in Wärme umgesetzt. Mehr Wärme stresst die Bauteile der
    1541 und der thermische Verzug der Mechanik im Betrieb ist höher.
    Der Transformator kann sehr leicht auf 240V umgebaut werden, was bedeutet, dass die erzeugte Abwärme um ca. 30% sinkt.



    Auf dem Bild ist zu erkennen das der Transformator primärseitig 3 Leitungen hat, Weiß für den Nulleiter, rot für 220V
    und schwarz für 240V. Die schwarze Leitung hängt normalerweise isoliert am Kabelbaum. Man kann sich nicht darauf Verlassen
    das sämtliche Transformatoren die gleiche Belegung und Leitungsfarben haben. Deshalb ist es Sinnvoll das nachzumessen.



    Der Schrumpfschlauch der roten Leitung wird am Sicherungshalter entfernt sowie die schwarze freihängende Leitung abisoliert.
    Dann wird mit dem Multimeter im Widerstandsmessbereich von der weißen Leitung zur roten Leitung gemessen.
    ein Widerstand von ca. 38 Ohm zeigt sich wenn der Transformator für 220V-Betrieb eingestellt ist. In diesem Fall muss die
    und die schwarze Leitung gegeneinander getauscht werden. eine Messung zwischen der weißen und der schwarzen Leitung sollte
    ca. 42 Ohm ergeben und ist die Einstellung für 240V.



    Hier ist zu sehen das die rote und die schwarze Leitung gegeneinander getauscht worden sind und alle Netzspannungsführenen
    Teile wieder mit Schrumpfschlauch isoliert worden sind. Der Umbau auf 240V ist damit abgeschlossen.
  • Überprüfung der Spannungsversorgung:




    Die Platine wird zunächst wieder mit dem Chassis verschraubt und das Laufwerk davorgelegt und angeschlossen.
    Mit dem Multimeter wird jetzt überprüft ob die Betriebsspannungen von 5V und 12V in Ordnung sind.



    Als Massebezug für alle folgenden Messungen ist der Masseanschluss des Elektrolytkondensators C17 zu nehmen.



    Die 5V werden wie im Bild gezeigt an der Diode CR7 gemessen. Eine Spannung zwischen 4,8 und 5,2 Volt ist in Ordnung




    Die 12V werden am Motorstecker mittlere Pin gemessen. Eine Spannung zwischen 11,5 und 12,4 Volt ist in Ordnung
  • Elektrische Überprüfung der Mechanik:

    Der Kopf und der Steppermotor sind mit dem Multimeter per Widerstandsmessung prüfbar.
    Alle gemessen Werte können so um 2-3 Ohm von den hier dargestellten Werten abweichen.



    0,6mm Drahtstücke passen exakt in den Stecker und erleichtern die Messung.
    Der Steppermotor hat 4 Wicklungen von denen jeweils 2 in Reihe geschaltet sind. Im Mittelpunkt der Reihenschaltungen ist jeweils ein Abgriff für die Spannungsversorgung (Rote Leitungen).

    Widerstandswerte nach Leitungsfarben:

    Braun nach Schwarz: 64 Ohm
    Braun nach Rot: 32 Ohm
    Schwarz nach Rot: 32 Ohm

    Orange nach Gelb: 64 Ohm
    Orange nach Rot: 32 Ohm
    Gelb nach Rot: 32 Ohm

    Rot nach Rot: offen (unendlich hoher Widerstand)


    Kopf durchmessen:

    Rot nach Blau: 32,5 Ohm
    Rot nach Gelb: 27 Ohm
    Rot nach Weiß: 16,5 Ohm
    Gelb nach Weiß: 10,5 Ohm
    Gelb nach Blau: 26,5 Ohm
    Weiß nach Blau: 16,5
  • Reinigung und Schmierung:


    Der Kopf setzt sich mit der Zeit mit Schmutz und Diskettenabrieb zu und die Gleitschienen ziehen Staub an, so dass die Schmierung langsam schlechter wird.



    Der Kopf wird mit Isopropylalkohol gereinigt, dazu ein Q-Tip mit Alkohol tränken, zwischen Andruckfilz und Kopf
    einklemmen und 2 Minuten einziehen lassen. Danach den Kopf und Filz sauberrubbeln und mit der trockenen Seite
    des Q-Tip den Kopf nachpolieren. danach das Laufwerk mit offener Klappe 15 Minuten stehen lassen.
    Den Andruckfilz nur soweit hochklappen wie es zu Reinigung unbedingt nötig ist, sonst leiert die Andruckfeder aus.



    in der Zwischenzeit kann der Riemen gereinigt werden. Dazu den Reimen abnehmen und 2-3-mal durch ein Alkoholgetränktes Tuch ziehen.

    Zum Schluss werden die Gleitschienen für den Kopf leicht eingeölt. Etwas Öl auf einen Q-Tip auftragen und damit die Schienen einreiben.
    es wird NICHTS anderes geölt!

    Überprüfung des Anpressdrucks:

    Die Feder in der Kopfeinheit sorgt dafür das bei geschlossener Laufwerksklappe die Diskette mit einem definierten Druck
    auf den Kopf gepresst wird. Diese Feder kann ausleiern (speziell wenn der Andruckfilz zu weit hochgeklappt wird.
    Die Gerätschaft um den richtigen Druck zu ermitteln hat wahrscheinlich niemand, daher gibt es eine simple Lösung.



    Eine 2-Euro Münze mit einer Garnschlaufe als Prüfgewicht.



    Das Laufwerk wird kopfüber gehalten und das Gewicht vorsichtig wie im Bild zu sehen angehängt.
    Eine gute Feder wird die Münze tragen können ohne das der Andruckfilz sich nach unten bewegt.
    Wenn sich der Filz nur um ein paar Millimeter nach unten bewegt ist das auch noch OK, nur sehr viel mehr sollte es nicht sein.
  • Spurlage, Spur-0 und Drehzahl Einstellung:

    Spurlage:

    Um die Spurlage genau einstellen zu können ist ein Oszilloskop und eine Referenzdiskette zwingend erforderlich.
    Wer kein Oszilloskop verfügbar hat sollte davon Absehen an der Spurlage zu justieren.
    Anstelle der Referenzdiskette kann auch die 1541 Test/Demo Disk genommen werden, diese wurde auf einer korrekt
    eingestellten Maschine beschrieben.

    Die Messung muss mit einem 1:10 Tastkopf erfolgen, der Tastkopf wird an einem der beiden Beine von der Spule L11 auf der Platine angeschlossen
    und die Masseklemme an Masse von C17.
    Das Oszilloskop wird auf AC-Messung mit Spannung 5mV/Div und Zeitbasis 200µs/Div gestellt.

    Die beiden Schrauben die den Steppermotor festhalten werden so weit gelöst das sich der Motor gerade eben noch nicht
    von selbst verstellen kann. Den C64 mit der Platine verbinden Das Laufwerk seitlich hinstellen und die Floppy einschalten
    und die Test/Demo Diskette einlegen.
    Auf dem C64 wird ein kleines Basicprogramm erstellt das nichts anderes tut als ständig Spur 18 zu lesen:

    10 LOAD"$",8,1

    Dieses Programm starten und dann die Wellenform auf dem Oszilloskop beobachten.
    Eine gut eingestellte Spurlage erzeugt Flusswechsel mit hoher Amplitude auf dem Oszilloskopbilschirm.

    Zum Vergleich zwei Bilder:


    schlechte Spurlage


    gute Spurlage

    Die Spurlage kann durch vorsichtiges drehen des gesamten Steppermotors auf Maximale Amplitude eingestellt werden.
    Es sind wahrscheinlich mehrere Versuche notwendig weil beim festziehen der Befestigungsschrauben der Motor
    wieder leicht verstellt wird.

    Spur-0 Einstellung:



    Dazu wird die Software "Floppy Adjust" geladen und dann per Feineinstellung als Starttrack sowie Endtrack Spur 1 gewählt.
    Als Hilfsmittel wird ein Blatt Kopierpapier in drei kleine Streifen geschnitten und diese drei Streifen übereinandergelegt.
    Dieses muss dann genau ohne Spiel zwischen den Anschlagsnocken auf dem Steppermotor und dem Anschlagblech passen.
    Gegebenenfalls das Blech entsprechend einstellen.

    Drehzahleinstellung:

    Dazu wird die Software "Kwik Copy" geladen dann wieder die Test/Demo Disk eingelegt der Menüpunkt Drive-Speed gewählt



    Auf der Motorplatine befindet sich ein kleiner Trimmer zur Einstellung der Drehzahl.
    Dieser wird jetzt so eingestellt das Drive-Speed genau 310 RPM anzeigt.
    310 RPM deswegen weil Kwik Copy ein Programm ist das ursprünglich für NTSC-C64 entwickelt wurde und der Timingunterschied
    zum PAL-C64 etwa 10 RPM beträgt.

    EDIT by FXXS: +"einem"
  • Lichtschrankentest:

    Die Lichtschranke ist erforderlich damit die Floppy einen Diskwechsel und einen Schreibschutz erkennen kann.
    Die Prüfung ist sehr einfach, und wird mit dem Multimeter im Spannungsmessbereich gemacht.



    Die Spannung an der orangenen Leitung beträgt ohne Disk im Laufwerk ca. 5V, wenn eine Disk halb eingelegt wird muss
    die Spannung auf ca. 0,15V fallen.

    Zum Schluss wird noch das Öl auf den Gleitschienen etwas besser verteilt, indem noch mal das Programm "Floppy Adjust"
    gestartet wird und im Menü Feineinstellung alle Vorgaben StartTrack, Endtrack und Zeit so belassen werden.
    Das Programm sollte ca. 2 Minuten laufen, der Kopf bewegt sich dabei ständig von Track 1 bis 35 verteilt dabei das Schmiermittel gleichmäßig.

    Endtest:

    Die 1541 wird wieder komplett zusammengebaut und das Programm "PERFORMANCE TEST" von der Test/Demo Disk gestartet.
    Wenn sich hier keine Probleme zeigen dann war die Wartung erfolgreich.


    Herzlichen Glückwunsch!
  • Widerstandsmesswerte für Mitsumi/Newtronics D500 Mechanik

    Widerstandswerte nach Leitungsfarben:

    Braun nach Schwarz: 64 Ohm
    Braun nach Rot: 32 Ohm
    Schwarz nach Rot: 32 Ohm

    Orange nach Gelb: 64 Ohm
    Orange nach Rot: 32 Ohm
    Gelb nach Rot: 32 Ohm

    Rot nach Rot: offen (unendlich hoher Widerstand)


    Kopf durchmessen:

    Rot nach Blau: 24,5 Ohm
    Rot nach Gelb: 25,8 Ohm
    Rot nach Weiß: 12,4 Ohm
    Gelb nach Weiß: 14 Ohm
    Gelb nach Blau: 25,8 Ohm
    Weiß nach Blau: 12,6 Ohm
  • Widerstandsmesswerte für Digital System DS-50F Mechanik

    Widerstandswerte nach Leitungsfarben:

    Braun nach Schwarz: 92 Ohm
    Braun nach Rot: 46 Ohm
    Schwarz nach Rot: 46 Ohm
    Orange nach Gelb: 92 Ohm
    Orange nach Rot: 46 Ohm
    Gelb nach Rot: 46 Ohm



    Kopf durchmessen:

    Rot nach Blau: 20 Ohm
    Rot nach Gelb: 11,8 Ohm
    Rot nach Weiß: 10 Ohm
    Gelb nach Weiß: 2,7 Ohm
    Gelb nach Blau: 12,2 Ohm
    Weiß nach Blau: 10 Ohm

    Hinweis: an der Digital System DS-50F gibt es keine Drehzahleinstellmöglichkeit.
  • Widerstandswerte "OCEANIC" (OC-118N und weitere) Lese/Schreibkopf

    schwarz (dünn) -> schwarz (dick): 144 Ohm
    schwarz (dünn) -> rot: 8.3 Ohm
    schwarz (dünn) -> blau: 7.2 Ohm
    schwarz (dünn) -> weiss: 14.6 Ohm
    schwarz (dick) -> rot: 138 Ohm
    schwarz (dick) -> blau: 138 Ohm
    schwarz (dick) -> weiss: 145 Ohm
    rot -> blau: 1.5 Ohm
    rot -> weiss: 9 Ohm
    blau -> rot: 8 Ohm
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