Ich habe angefangen auf GamersGlobal ein Tagebuch zu dem Spiel The Bard's Tale zu schreiben, in dem ich meine Erlebnisse aufzeichne um unter anderen jüngeren Spieler zu zeigen, wie man damals gespielt hat. Hier finde ich zwar keine "jüngeren" Leser, aber vielleicht findet es ja trotzdem Anklang. ![]()
The Bard's Tale (1986 / Commodore 64)
04.08.2011:
Ich habe heute versucht The Bard's Tale für den C64 zu spielen. Bei dem Versuch ist es leider auch geblieben, da ich in meinem jugendlichen Leichtsinn einfach draus losgespielt habe, ohne mich vorzubereiten. Gruppe erstellt, in die Stadt gegangen, 8 pöbelnden Orks begegnet und gestorben. Ich hatte keine Ahnung wie man zaubert, geschweige denn wie ich mich in der Stadt zurechtfinde.
Jetzt habe ich mich nochmal hingesetzt, mir die Original Anleitung und Karte ausgedruckt, die damals mit dabei waren. Nun muss ich mir erstmal die Anleitung durchlesen, damit ich überhaupt eine Ahnung habe, wie das Spiel funktioniert. Wenn ich es nämlich richtig überblicke, gibt es 72 verschiedene Zaubersprüche, die nur aktiviert werden können, wenn man im Kampf die 4-Buchstaben-Abkürzung eingibt. Die Party besteht aus 6 Charakteren, wovon anscheinend nur die ersten 3 in der Liste im Nahkampf kämpfen können. Es gibt zwar ein paar vorgefertigte Beispiel-Charaktere, aber um das Spiel richtig gut spielen zu können, muss man sich wohl eine eigene Party, mit 3 Nahkämpfern, 2 Zauberern und einem Barden zusammenstellen.
Schade das es solche Spiele heutzutage, selbst im Indie-Bereich nicht mehr gibt.
08.08.2011:
Ich habe heute The Bards Tale auf dem C64 weitergespielt.
Meine Charaktere haben mittlerweile die beste Ausrüstung, die man für Geld kaufen kann. Da das Spiel aber ein Dungeoncrawler ist, habe ich das komplette Spiel noch vor mir. Man startet bei dem Spiel in der Stadt Skara Brae, die auch Dreh- und Angelpunkt von allem ist. In der Anleitung war eine grobe Karte wie die Stadt aussieht und die Straßen heissen, ansonsten ist man völlig auf sich alleine gestellt, da es keine Automap-Funktion gibt und man die Karten selber zeichnen muss. Es gibt auch keinen Levelaufstieg wie in anderen Spielen, sondern man muss erst das Haus mit dem sogenannten Review Board finden, in dem dann entschieden wird, ob man ein Level aufsteigt.
Ein Charakter kann nur geheilt werden, wenn man in den Tempel geht und sehr viel Geld bezahlt, oder die Zauberklasse Conjurer mitnimmt. Diese kann aber erst ab Level 3 heilen, also muss man es schaffen, 2 Level aufzusteigen, um überhaupt eine Chance bei dem Spiel zu haben. Da der Tod eines Charakters so immens teuer ist, kann man sich das wiederbeleben nicht leisten. Stirbt also einer der 6-Mann Truppe, muss man zurück in die Gilde, diesem Charakter die Ausrüstung abnehmen, ihn löschen, einen neuen erstellen und dem die Ausrüstung des toten geben.
Man nimmt 6 Mann mit, wovon nur die ersten 3 in der vorderen Reihe kämpfen und die zweiten 3 in der hinteren Reihe stehen. Man packt also seine Zauberer in die hintere Reihe, in der Hoffnung dass das vordere Kanonenfutter es schafft ein paar Gegner zu töten, damit die hinteren genug EXP sammeln um irgendwann aufsteigen zu können. Sollte wider erwarten einer der hinteren Charaktere sterben, war alles umsonst, da ein Tod anfangs eben aufgrund der hohen Kosten definitiv ist.
In der Anleitung wird es folgendermaßen beschrieben:
Wenn du das Spiel anfängst, dann mach dir nichts draus wenn ein Level 1 Charakter stirbt, dass wird dir noch sehr häufig passieren. Wenn du es allerdings schaffen solltest, dass ein Charakter von dir Level 3 erreicht, dann nimmt ein Kopierprogramm deiner Wahl und mach dir unbedingt eine Sicherheitskopie von ihm. Sollte dieser Charakter trotzdem sterben, bleibt dir dann immerhin die Möglichkeit, deinen C64 auszuschalten, damit der tote Charakter nicht abgespeichert wird.
Das Spiel spielt sich wie eine Art Diablo meets Spelunky, mit rundenbasierenden Kämpfen. Um es komplett durchzuspielen benötigt man Wochen und Monate, in denen man seine Charaktere immer schön weiter levelt und ausrüstet. Wenn man keine Lust mehr auf das Spiel hat, oder es durchgespielt hat, kann man seine Charaktere auch gleich nach The Bards Tale 2, The Bards Tale 3 und dessen inoffiziellen Nachfolger Dragon Wars importieren.
Vom Einstiegs-Schwierigkeitsgrad her, steckt das Spiel Demons Souls locker in die Tasche und ist zu dem noch ein sehr viel komplexeres Rollenspiel als Dragon Age.
13.08.2011:
Gestern und heute wieder ein wenig The Bard's Tale.
Nachdem ich wieder von vorne anfangen musste, weil mein serielles Kabel eine Macke hatte und meine Spielstände zerschossen hat, habe ich es nun endlich geschafft, mit 3 Charakteren Level 2 zu erreichen. War ein hartes Stück Arbeit, hat sich aber gelohnt.
Was aber viel cooler ist, dass ich in meiner C64-Schublade gekramt habe, die letztens durch einen Kauf bei eBay Kleinanzeigen stark aufgefüllt wurde. Dort drin lag eine selbstgebaute Cartridge für den Expansionport, ohne eine weitere Aufschrift. Ich habe sie also mal angesteckt und mir strahlte ein Menü des Action Replay Professional V6 entgegen, das eine schöne Option hat: Install Fastload.
Nun ist mein im Ladevorgang ungefähr genauso schnell wie ein Emulator mit WarpSpeed, nur mit dem Vorteil das nur der Lade- und Speichervorgang stark beschleunigt wird, das Spiel aber in der normalen Geschwindigkeit weiterläuft. So kann ich die schön kurzen Ladezeiten geniessen, während die Emulatoren-Benutzer immer wieder den WarpSpeed ausschalten müssen, wenn sie normal spielen wollen. Ganz zu schweigen vom Sound des Diskettenlaufwerks, der von einem Emulator einfach nicht ordentlich wiedergegeben werden kann.
16.08.2011:
Gestern hatte ich einen richtig erfolgreichen Tag, beim Spiel The Bards Tale. Mein Conjurer, Magician und mein Bard sind jeweils Level 3 geworden, während mein Paladin, Warrior und Hunter nun Level 2 ist. Das Geld für die Rang 2 Zaubersprüche habe ich auch zusammen gehabt und ich habe mittlerweile fast ganz Skara Brae auf Kästchenpapier kartografiert. Heute werde ich mich wohl mal in den ersten Dungeon wagen.