Liebe Forum-64 Freunde,
Ich halte es für sinnvoll, hierfür noch mal einen eigenen Thread zu öffnen, da mein gestriger Thread lediglich eine Anfrage für Themenvorschläge bzgl. des Interviews war.
Leider kamen ja keine Vorschläge für Fragen, also hab ich mir kurzerhand selbst welche ausgedacht. Hier also meine kleine CeBIT 2007 Commodore-Reportage...
An meinem heutigen CeBIT Besuch konnte ich mir Michiel Kroder, Content Manager bei CommodoreGaming schnappen und ihn zu einem Interview für uns, die Commodore Gemeinde, bewegen.
Viel Spaß beim Lesen!
Montag , 19. März 2007, 7:00 UHR
Es ist Montag. Meine Vorfreude auf die CeBIT ist von der Tatsache, dass ich verschlafen und damit mein Frühstück versäumt habe, etwas getrübt. Pünktlich fahren meine Arbeitskollegen, die mir das völlig überzogen teure CeBIT-Ticket aufgeschwatzt haben, und ich los. Die Straßen sind erstaunlich frei. Außer einem Formel -1 Piloten mit Koordinationsschwierigkeiten konnte niemand die gemütliche Autobahnfahrt stören.
Montag , 19. März 2007, ca. 10:00 UHR
Da ist es, das gigantische Messegelände der CeBIT. Hinein kommt man nur per Eintrittskarte, die in automatische Drehgatter gesteckt werden musste. Neben jedem dieser Gatter stand jedoch noch eine Person, die die Funktion der Geräte überwachen sollte. Da fragt man sich, ob dieser neumodische Kram wirklich Kosten einspart...
Montag , 19. März 2007, ca. 10:20 UHR
Ich wusste, ich hätte meine Krawatte, die ich mir Probeweise heute morgen anlegte, anbehalten sollen. Im "Räuberzivil" sind wir für die Aussteller nämlich anscheinend genau so interessant, wie ein Kaugummi unter der Stiefelsohle. Nun denn, so wird man wenigstens nicht von jedem angequatscht. Auf vielen Ständen ist nämlich noch tote Hose und wir können uns relativ frei umher bewegen.
Also erst mal in den LinuxPark. Als begeisterte, jahrelange Linux-Anwender stürzten wir uns auf die Stände. Aber wirklich Neues war hier nicht zu entdecken. Es wurden einige Vorträge über die Zusammenarbeit von ActiveDirectory mit Linux-Netzen gehalten und der Ubuntu-Stand (ein Tisch und ein Hocker) bettelte um 5 Euro Spenden. Daneben gab es natürlich viele Unternehmen, die mit eigenen Linux-Distributionen und Supportleistungen den Mittelstand anpeilten.
Montag, 19. März 2007, ca. 13:30 UHR
Im Marathon haben wir uns die anderen Hallen angeguckt. Maushersteller reihte sich an Maushersteller. Es gab keine große Produktvielvalt, sondern eher massenweise Kopien in mehr oder minder guter Qualität. Naja, wer's braucht. Man darf nicht vergessen, dass der Großteil der Messe nicht für den typischen Konsumenten gedacht ist und einige Unternehmen diese große Vielfalt unter dem ständig gleichen vielleicht schätzen.
Montag, 19. März 2007, ca. 13:45 UHR
Endlich, da oben prankt es. Das leuchtende C=! Der einzige Grund, mich auf diese CeBIT zu freuen, schien in greifbarer Nähe zu sein. Mein Tempo beschleunigte sich, dass meine Kollegen zwangsweise auch. Ich war gespannt auf das, was ich am Commodore-Stand finden würde.
Doch dann die Enttäuschung. Es handelte sich bei dem angepeilten Stand um den CommodoreWorld - Stand, der mit Multimedia-Produkten rund um eine iTunes-ähnliche Online-Plattform namens CommodoreWorld warb. Nicht, dass ich das Projekt von vornherein verurteilen möchte, aber es war eben nicht das, was ich sehen wollte.
Montag, 19. März 2007, ca. 14:00 UHR
Bei unseren Streifzügen stießen wir auf den GIGA - Stand. Hier wurden einige Erinnerungen wach. Früher mochte ich dieses Fernsehrformat wirklich gerne. Warum, kann ich nicht mal genau sagen, aber es war für mich immer noch interessanter als der andere Müll, der am Nachmittag das Fernsehprogramm bestimmte.
Hier wurden verschiedene Themen der CeBIT vorgestellt und e-Sports-Gefechte ausgetragen. Zumindest ließ sich ein Intel-T-Shirt ergattern. Moment... INTEL? Ihgitt! Naja. Vielleicht freut sich ja wenigstens einer meiner Bekannten darüber, es als Putzlappen zu benutzen...
Montag, 19. März 2007, ca. 15:00 UHR
Nun, durch den Tipp eines anderen Kollegen, der sich mit einer kleinen Gruppe selbsständig auf den Weg durch die CeBIT gemacht hatte, gelangten wir endlich an den Stand der CommodoreGaming. Bilder des Standes findet Ihr im entsprechenden Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen..
Interessiert begutachtete ich zunächst mal die Rechner, insbesondere die Gehäuse. An den Geräten konnte natürlich auch Probe gespielt werden. Allerdings waren die spielbaren Titel für die vorhandene technische Ausstattung der Geräte etwas schlecht gewählt. Die spielbare Version von "Teenage Mutant Hero Ninja Turtles" war zwar vom Prinzip sehr witzig, grafisch aber eher auf dem Niveau von mittelmäßigen PlayStation 2 Titeln. Natürlich ist die Grafik für die Qualität eines Spieles nicht ausschlaggegend. Aber wenn ich einen Ferrari vorführen möchte, mache ich das doch auch nicht in einer verkehrsberuhigten Zone.
In einigen Glasvitrinen konnte man dann auch noch ein paar Objekte betrachten, die einem warm ums Herz werden ließen. Mein neidisches Auge fiel allerdings auch sofort auf die stylischen T-Shirts der Commodore-Mitarbeiter, die es aber leider nicht als übliches Give-Away gab...
Nach einer Weile sprach ich den nächsten Verfügbaren Mitarbeiter des Standes an. Nachdem ich mich kurz vorstellte, stellte man mich dem CommodoreGaming Content Manager Michiel Kroder vor, der die Leitung des Standes inne hatte.
Der war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch mit einem anderen Besucher der Messe beschäftigt, der ihm in gebrochenem Englisch die Tatsache vermitteln wollte, dass er "e kommodore in mai kella häf". Nachdem sich beide mit einem fragenden Blick voneinander verabschiedeten, wandte er sich sofort zu mir und gab mir die Hand.
Nach dieser freundlichen Begrüßung stellte ich mich erneut kurz vor und erklärte ihm, dass ich für unser Forum gerne einige Fragen bzgl. des Relaunch der Marke Commodore stellen wollte. Wir einigten uns darauf, dass Ganze in Englisch abzuhandeln, damit er sich nicht mit seinem -nach eigenen Angaben- gebrochenen Deutsch abquälen müsste.
Hier das Interview in kompletter Form:
MK: Sie sehen noch sehr jung aus - für einen Commodore-Fan...
BL: Naja, also ich bin 24. Mein erster Computer war ein Commodore 64, dessen Faszination mich bis heute nicht losgelassen hat.
MK: Ja es ist erstaunlich, wie sich die Begeisterung für die klassischen Heimcomputer in allen Altersgruppen wiederfindet.
BL: Gute Musik von "damals" findet ja auch immer wieder neue, junge Hörer. Herr Kroder, ihr Auftritt auf dieser Messe wird von vielen Commodore-Fans interessiert aber auch sehr skeptisch beobachtet. Wie waren die bisherigen Reaktionen auf dieser Messe?
MK: Nun, sie waren durchweg sehr positiv. Wir waren sehr gespannt darauf, wie der Relaunch der Marke Commodore in dieser Form in der breiten Öffentlichkeit aufgenommen werden würde. Natürlich ist die CeBIT nicht das Maß aller Dinge. Es wird sich zeigen, wie sich dieses Projekt entwickelt, aber wir sind voller Tatendrang.
BL: Viele Mitglieder der Commodore-Community betrachten diesen "Relaunch" mit Ratlosigkeit. Viele suchen den Bezug zu dem, was einst das Unternehmen Commodore ausmachte, und finden scheinbar nur wenig in dem, was Sie heute verkörpern.
MK: Ja, das haben wir mitbekommen. Wir waren ein Haufen junger Leute, die dieses Projekt CommodoreGaming initiierten. Und das mit einem äußerst begrenzten Budget. Wir überlegten uns, wie wir den Namen Commodore wieder ins Gespräch bringen könnten. Wir waren alle selbst begeisterte Commodore-Spieler und das ist auch das, was als schönste Erinnerung geblieben ist.
Wir produzieren diese Rechner und statten sie mit Komponenten aus, die keinen Vergleich mit anderen Spielerechnern der gehobenen Klasse scheuen müssen. Wärend Unternehmen wie Intel Ihre neueste Technik auf dieser Messe in Form von Prozessoren präsentieren, sind Sie in unseren Geräten längst eingebaut.
BL: Ist es denn nicht auch so, dass es aus unternehmerischen Gründen wenig erfolgversprechend wäre, nur mit aufgewärmten Produkten aus der Vergangenheit wieder auf dem Markt zu erscheinen?
MK: Ja genau. Wir standen vor einigen Alternativen. Option 1: Wir entwickeln ein völlig eigenständiges, neues Commodore System, dass sich neben die Standard-PCs und Apple-Rechner einreiht. Man muss dann aber ergründen, ob für eine solche Plattform überhaupt ein Markt bestünde.
Natürlich würde jeder von uns sich so etwas wünschen, aber letztenendes wollen wir ja auch ein Produkt verkaufen und nicht ein weiteres Beispiel in der Reihe von Systemen, die sich nicht durchsetzten, abliefern.
Wenn man sieht, welchen -doch geringen- Anteil die durchaus guten Apple-Rechner auf dem Weltmarkt ausmachen, wäre das Todesurteil für ein solches Projekt schon vor der ersten Schraube unterzeichnet. Die frühen Jahre der Computerbranche waren gut für Pioniere, denn man konnte leichter als heute etwas Revolutionäres durchsetzen.
Wir möchten mit unseren Systemen natürlich einen möglich breiten Markt ansprechen.
Teil 2 folgt...