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Wie bahnbrechend waren die CMD-Entwicklungen wirklich?

  • Die CMD-Sachen (vor allem die SuperCPU und die RAMLink) haben auf mich immer eine schwer zu erklärende Faszination ausgeübt. Als Teenager in den 90ern konnte ich sie mir nicht leisten, um 2000 habe ich dann einmal JiffyDos direkt am Telefon bei Charles Christianson bestellt. Später kam dann über CSW noch eine RAMLink hinzu, die sogar von Maurice Randall gefertigt worden war. Die anderen Teile habe ich dann nach und nach bei Ebay ersteigert und auch zum Teil wieder verkauft.

    Obwohl man damit als reiner User nicht viel Produktives machen kann, fand ich es immer faszinierend, dass im Kern Mark Fellows und eine Handvoll Leute um ihn herum solche Geräte entwickelt haben, die den C64/C128 auf ein komplett neues Level heben. Auch die Fertigungsqualität mit Metallgehäusen und relativ professionell gelayouteten Handbüchern hat sich gefühlt deutlich von dem Bastelimage abgesetzt, das die meisten anderen Hersteller von Zubehör an den Tag gelegt haben. Ebenso dass es einen Europa-Vertrieb in Telfs in Österreich gab - das sah immer nach internationalem Business aus und nicht nach Hinterhofbude.

    Die FD und HD waren für mich als technischen Laien noch einigermaßen nachvollziehbar - im Prinzip ein Floppy- bzw. SCSI-Controller, der die Verzeichnisstruktur auf der Disk managed und das Ganze für den CBM-Bus übersetzt.

    Bei der SCPU und der RAMLINK schien es mir dagegen wie Zauberei, dass man plötzlich viele Sachen gefühlt in Echtzeit machen konnte - anstatt minutenlang dem Computer beim Rechnen oder Laden zuzuschauen.

    Daher die Frage: wie viel Genialität steckt zum Beispiel in der SuperCPU? Ist das für einen erfahrenen Hardware-Entwickler einigermaßen straightforward, einen 65816 zu nehmen und die Logik plus ROM zu entwerfen, um die Berechnungen in die SuperCPU auszulagern? Ebenso bei der RAMLink? Oder sind da Kniffe drin verborgen, die nur jemandem einfallen, der auch die erste Mondlandefähre hätte programmieren können?

    Ich vergleiche es vielleicht mit den Schachcomputern von Mephisto aus den späten 90ern: die hatten mit Richard Lang einen begnadeten Entwickler, der quasi im Alleingang über Jahre hinweg die Software auf 68k-Prozessoren geschrieben und damit die Weltmeisterschaften gewonnen hat. Heute gibt es natürlich bessere Programme auf moderner Hardware, aber es hat etwas unglaublich Faszinierendes zu sehen, wie sich bei begrenzter Rechenzeit ein alter 68030 noch immer gegen einen modernen Schachcomputer auf ARM-Cortex durchsetzt.

  • Ich sehe eine Symbiose zwischen CMD Hardware und Geos. Beide ergeben zusammen einen Sinn. Ohne Geos erscheint die meiste CMD Hardware zweifelsohne interessant, aber gegrenzt nützlich. Übersehe ich Usecases?


    Ob die CMD Hardware gut gemacht ist, muß man wohl historisch differenzieren. Zum Veröffentlichungszeitraum technisch mindestens erstaunlich, heute möglicherweise schlecht gealtert. Retro halt.

  • Ich hatte Mitte der Neunziger CMD HD, SuperCPU, Swiftlink, REU und eine (gebraucht gekaufte) 1581 an meinem C64 hängen - war mein einziger Rechner. GEOS habe ich immer wieder mal probiert, war aber nicht so meins.


    HD, Swiftlink, REU und 1581 waren Gold wert:

    • HD: Alle Anwendungen (und einige Spiele) auf Knopfdruck verfügbar, schnelles Laden, keine Diskettenwechsel mehr, native Partitionen mit 15 MB und Unterverzeichnissen waren toll zum organisieren meiner Projekte/Daten
    • Swiftlink: ich war viel in Mailboxen online, auch Usenet und E-Mail via SachsenGEOS - mit SL "schnelle" Downloads, auf jeden Fall das Geld wert
    • REU: Nützlich als RAM-Disk (Download geht schneller, Disk-Images oder Archive von dort auf Platte entpacken, Offline-Mailpakete direkt in der RAM-Disk beantworten und von dort wieder in die Mailbox hochladen...) oder für schnellere/bessere Kompression.
    • 1581: War zum Datenaustausch mit anderen Rechnersystemen oder Personen toll.

    Die SuperCPU habe ich mir gekauft, weil ich genau wie du "fasziniert" war. In der Praxis hielt sich der Nutzwert aber in engen Grenzen - so viele CPU-intensive Geschichten macht man halt auf einem C64 nicht. Das eine oder andere 3D Spiel lief schneller, Packen ging flott usw. Aber als Nicht-GEOS-User war's mehr ein Gimmick.


    "hochwertig" ist auch bei mir exakt das erste, was mir bei CMD-Produkten in den Sinn kommt. Man hatte schon das Gefühl hier für sein Geld gute Qualität zu bekommen. Ob ich die Entwicklungen dagegen als "bahnbrechend" bezeichnen würde, weiß ich nicht. Ich würde eher sagen, in vielen Fällen war CMD erst als zweites oder drittes auf dem Markt (Festplatten, batteriegepufferte RAM-Disks, schnellere-CPUs) - dafür waren ihre Produkte dann halt ausgereifter als die der Pioniere.


    Manches war auch ein bisschen barock geraten: um meine HD per Parallelkabel mit dem Rechner zu verbinden, hätte ich noch eine RAMLink gebraucht - nur dort gab's den entsprechenden Anschluss. Wozu ich bei einer Festplatte mit Parellel-Anschluss allerdings noch eine batteriegepufferte RAM-Disk für teures Geld hätte kaufen sollen, erschloss sich mir nie - das roch schon ein bisschen nach "die kaufen echt alles! was fällt uns noch ein?!"

  • Stimmt schon, richtig Ausreitzen kann man die CMD-Sachen nur Mit/unter Geos.

    Ohne Extra Anpassungen sind Spiele mit der SCPU "Unspielbar",

    und nur um Spiele schneller zu laden, viel zu teuer.

    Auch die RamLink HD & FD waren Natürlich mehr für Geos gedacht.

    SCPU + HD+RamLink + Paralellkabel, noch schneller gehts kaum


    Ich denke mal, zu ihrer Zeit, waren die CMD-Sachen absolut Genial,

    (Sind sie auch heute noch) Qualiätsmäßig 1A+ Leise & Edel, in der Verarbeitung,

    Leider gabs fast keine Software für diese Sachen (Soviel ich weiß)....................

  • Daher die Frage: wie viel Genialität steckt zum Beispiel in der SuperCPU? Ist das für einen erfahrenen Hardware-Entwickler einigermaßen straightforward, einen 65816 zu nehmen und die Logik plus ROM zu entwerfen, um die Berechnungen in die SuperCPU auszulagern? Ebenso bei der RAMLink? Oder sind da Kniffe drin verborgen, die nur jemandem einfallen, der auch die erste Mondlandefähre hätte programmieren können?


    Viel Erfahrung mit dem C64 ist auf jeden Fall nützlich, aber ansonsten eher straight-forward, die Zeit half natürlich auch, in den 1980ern wäre die SCPU noch ein TTL/PAL-Grab geworden und man hätte timing-Probleme ohne Ende bekommen, wie ja auch frühe 65816-Speeder Lösungen von anderen Herstellern wie Roßmöller zeigten. Die 65(C)816 selbst gab es schon seit 1983, d.h. auch Commodore hätte (wie Apple mit dem Apple IIGS) auf diese Schiene setzen können, aber dann eben Lizenzgebühren zahlen müssen (oder Chips teuer einkaufen), da der 65816 KEINE MOS/CSG-Entwicklung war....


    Zur Qualität: Gebogenes und lackiertes Blech ist in Kleinserie einfacher und letztlich günstiger zu verarbeiten (auch heute noch!), als Kunststoff, wenn man so primitive Thermoplast-Tiefzieh-Sachen -mit dem Charme einer Einmal-Fleischschale vom Discounter- wie bei manchen Modulabdeckungen oder auch dem ZX80 mal aussen vor lässt.


    Blech ist also erstmal nur ein Zeichen, das der Hersteller nicht von allzu großen Stückzahlen ausging. Zudem schirmt es etwas ab, was auch helfen kann und ESD verliert damit auch seinen Schrecken.


    Von Qualität zeugt es aber definitiv nicht, jedenfalls wenn man nicht auf Spaltmaße, sondern auf elektronische Faktoren schaut.


    Und da sind die PCBs von CMD bestenfalls Mittelfeld, wie man es besser macht, kann man z.b. an Bausätzen/Modulen aus dem Hause ELV sehen, die waren von jeher sehr gut designt und gelayoutet unter Berücksichtigung vieler für gutes Platinendesign notwendiger Punkte.


    Die Gewinnspanne war aber Mitte der 1990er extrem hoch, verkaufte man doch PC-Standardware mit ein bisschen ollen 65xx Kram auf ner recht einfachen PCB dann für richtig viel Geld und genoß dennoch einen sehr guten Ruf bei all denen, die beim C64 hängen geblieben waren...


    FD und HD sind und waren immerhin brauchbar auch ohne GEOS (dem ich so oder so nix abgewinnen kann, da es zu mehr als "das geht auch mit dem C64" angesichts der steilen Entwicklung im PC-Bereich kaum zu gebrauchen war (wir reden von Anwendungssoftware, nicht Spielen an dieser Stelle).


    Wer hingegen nur seine 10 Lieblingsspiele "instant on" haben wollte, der brauchte (auch schon in den 1980ern) nur nen Eprommer (im Freundeskreis) und ne Multi-Epromkarte samt Startmenü-Generator und max. noch nen Freezer, um Nachladespiele "einzufangen".


    Das BESTE Produkt von CMD war (und ist) für mich eindeutig das Jiffy-Dos, das ohne Parallelkabel und belegten Userport dennoch akzeptable Ladezeiten auch von Diskette ermöglichte, wenngleich es für mich einfach zum C64 gehört, das man ein-zwei Minuten in Vorfreude auf das zu ladende Spiel verbringt, war damals so (die Disk war ja immerhin deutlich komfortabler und schneller als die Datasette, von der die meisten kamen) und das "Knurren" der Floppy gehört irgendwie zum 64er Retro-Feeling dazu wie alte Mixtapes am Kassettenrecorder als Hintergrundsoundtrack...

  • Um mal auf die Frage einzugehen - technisch funktioniert das wohl so, dass die interne CPU des C64 über das DMA-Signal des Expansionsports abgeschaltet wird und eigentlich alles extern läuft (inkl. wohl 128k SRAM, die direkt auf der Karte sitzen). Kitzlig ist dabei "nur" die Ansteuerung der internen Chips des C64 (CIAs, VIC-II, SID) durch die externe CPU, die dafür entsprechend synchronisiert werden muss und im Falle des VIC-IIs auch die Grafikdaten irgendwie zuspielen muss.


    Ist und war auch damals den Technikern soweit bekannt, das aber auch tatsächlich zum Laufen zu bekommen (und das sogar anscheinend halbwegs stabil?), war definitiv eine große Leistung.


    Das TC64 funktioniert wohl von dem Ansatz her ähnlich wie die SuperCPU.

  • Stimmt schon, richtig Ausreitzen kann man die CMD-Sachen nur Mit/unter Geos.

    [...]

    Leider gabs fast keine Software für diese Sachen (Soviel ich weiß)....................

    "Die CMD-Sachen" sind größtenteils größere/schnellere Datenträger, Übertragungsmethoden oder Schnittstellen - das funktioniert mit aller Anwendungssoftware, die die Kernel-Routinen nutzt (also 99%). Und wenn etwas mal auf Laufwerk 8 besteht, tauscht ein CMD-Laufwerk auf Tastendruck die LW-Adresse mit der 1541, die Nummer Acht belegt. Für das Switflink gab's gute Terminal-Programme, JiffyDOS ist sowieso mit so ziemlich allem kompatibel.


    "Keine Software" trifft (außerhalb von GEOS) auf die SuperCPU zu - die anderen CMD-Produkte hatten das Problem nicht. Unter GEOS haben SuperCPU und HD richtig viel Unterschied in der Benutzbarkeit gemacht - aber dann hat mal halt schnell gemerkt, wie funktionsarm und umständlich die meiste GEOS-Software im Vergleich zu etablierten Textmodus-Anwendungen war.

  • Die 65(C)816 selbst gab es schon seit 1983, d.h. auch Commodore hätte (wie Apple mit dem Apple IIGS) auf diese Schiene setzen können, aber dann eben Lizenzgebühren zahlen müssen (oder Chips teuer einkaufen), da der 65816 KEINE MOS/CSG-Entwicklung war....

    Der 65(S)C02 und der 65816 wurden von WDC entwickelt. WDC war (und ist wohl immer noch) im Prinzip Bill Mensch, einer der Väter des 6502. Dieser ging weg von MOS und arbeitete dann nach kurzem doch wieder eine Zeit lang exklusiv für Jack Tramiel (er durfte gar keine anderen Kunden haben). In diese Zeit fällt zumindest die Entwicklung des 65SC02. Jack Tramiel hätte den exklusiv bekommen, für lau. Er war aber nicht die Bohne interessiert. Das Gleiche galt wohl für den 65816.


    Kann man in Bill Menschs "Oral History" nachlesen/nachhören. "Für MS/Commodore war NMOS gut genug." Und das war Ende 70er, Anfang 80er.

    "Wenn du überredet, ermahnt, unter Druck gesetzt, belogen, durch Anreize gelockt, gezwungen, gemobbt, bloßgestellt, beschuldigt, bedroht, bestraft und kriminalisiert werden musst. Wenn all dies als notwendig erachtet wird, um deine Zustimmung zu erlangen, dann kannst du absolut sicher sein, dass das, was angepriesen wird, nicht zu deinem Besten ist." - Quelle unbekannt.


    "Steve Jobs hat User hervorgebracht, Jack Tramiel Experten." - Quelle unbekannt.

    "Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen." - Voltaire.

    "Diskutiere nie mit einem Idioten - er zieht dich auf sein Niveau hinunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung!" - Volksweisheit.


  • Ich vermute das die Geschichte zwei Bedürfnisse abgedeckt hat. Das Können der Macher und die Nutzer die ihren C64 langsam veraltet sahen, aber noch nicht bereit waren auf ein anderes System zu wechseln.


    Wenn man die damalige Mentalität betrachtet, wo sich Konsolen grundsätzlich durch 8 und 16 Bit vermarkteten, da verwundert es nicht das Upgrades beliebt waren. Denn was hat die Nutzer wirklich wechseln lassen?

    Langsamkeit, keine 3,5" Disketten und keine Festplatte.

    Und mit den CMD Teilen hatte man eben ein besseres Gefühl.


    Ich vergleiche das auch gerne mit dem Golf 2.

    Da gab es noch Jahre danach Zubehör um das Auto auf den "neuesten Stand" zu bringen.

    Die Nutzer waren ihrem Gerät treu, man kannte jede Schraube, kaputt wurde auch nichts, aber der Golf 3 oder Opel Vectra hatten eben dieses und jenes, was man auch wollte.

    Ich selbst habe da wahrscheinlich um die 4000€ investiert um moderne Optik, besseres Handling und mehr PS zu erreichen.


    Rückwirkend betrachtet würde ich kaum einen Cent dafür ausgeben. Der Wechsel auf neue Technik hat sich bis zum Beginn des Klimakult fast immer mehr gelohnt.

    Und auch am C64 finde ich es fast immer spannender wenn nicht all zu viel ausgelagert wird um neue Möglichkeiten zu demonstrieren.

  • Die SuperCPU war für mich tatsächlich insofern genial, dass 20 MHz und VIC gleichzeitig gingen - hatte Commodore beim C128 nicht geschafft, und da waren es nur 2 MHz.


    Das FD-2000 fand ich am besten. Commodore hatte bei der 1581 nichtmal echte Unterverzeichnisse. Doch das genialste war der SWAP Button zum spontanen Tausch der Geräteadresse. Damit konnte ich die FD viel besser als die 1581 nutzen, da fast alle Programme nur Laufwerk 8 unterstützten.


    Quote

    Der Wechsel auf neue Technik hat sich bis zum Beginn des Klimakult fast immer mehr gelohnt.

    Fast. Außer beim Office PC. Habe einen i5 von 2010 mit Win7. Neuer Laptop daneben, Win11 sorgt dafür dass er teils sogar langsamer ist. Sehr schade um die vielen Ressouren.

  • "Für MS/Commodore war NMOS gut genug." Und das war Ende 70er, Anfang 80er.

    kinzi Danke für die genauen Hintergründe, aber das Resultat ist doch das Gleiche: Commodore setzte die Neuentwicklungen, sei es die Portierung auf C-Mos, sei es eben die 16bit Variante 65816 NICHT ein, zumindest nicht, so lange Tramiel auch nur irgendwie dort was zu sagen hatte...


    Der C65 blieb aber auch ein Prototyp, d.h. eigentlich defakto gar nicht. (ok, auf ner seriellen Karte für den Amiga ist auch ein 65CE02 oder so drauf ;-)


    PS: Es gab auch jenseits von WDC Weiterentwicklungen des 65xx Kerns, z.b. in Japan

  • Doch das genialste war der SWAP Button zum spontanen Tausch der Geräteadresse. Damit konnte ich die FD viel besser als die 1581 nutzen, da fast alle Programme nur Laufwerk 8 unterstützten.

    Wenn nicht mehr ist: Den "Swap-"Button hätte man bei allen 15xx LW wohl relativ einfach nachrüsten können, die SW-Änderung dafür (im Floppy-Kernal) dürfte sehr überschaubar sein und irgend nen Portpin war sicher noch frei oder hätte umgedeutet werden können (z.b. die Zugriffs-LED zeitlich wechselweise auch als Eingang schalten und da den Taster mit abfragen)


    Wundert mich aber auch, das es das nicht gab (?!?), sonst waren die C= Jünger doch auch bohrfreudiger als die schlimmsten Zahnärzte ;-)


    Oder ist das an mir vorbei gegangen, der heute stolz auf seine absolut unangebohrten C= Geräte in erster oder fast erster Hand ist? ;-)

  • kinzi Danke für die genauen Hintergründe, aber das Resultat ist doch das Gleiche: Commodore setzte die Neuentwicklungen, sei es die Portierung auf C-Mos, sei es eben die 16bit Variante 65816 NICHT ein,

    Darauf wollte ich hinaus.

    Es ging gar nicht um die Kosten.

    "Wenn du überredet, ermahnt, unter Druck gesetzt, belogen, durch Anreize gelockt, gezwungen, gemobbt, bloßgestellt, beschuldigt, bedroht, bestraft und kriminalisiert werden musst. Wenn all dies als notwendig erachtet wird, um deine Zustimmung zu erlangen, dann kannst du absolut sicher sein, dass das, was angepriesen wird, nicht zu deinem Besten ist." - Quelle unbekannt.


    "Steve Jobs hat User hervorgebracht, Jack Tramiel Experten." - Quelle unbekannt.

    "Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen." - Voltaire.

    "Diskutiere nie mit einem Idioten - er zieht dich auf sein Niveau hinunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung!" - Volksweisheit.


  • Es ging gar nicht um die Kosten.

    Hmm, bei Tramiel ging es doch IMMER um die Kosten, ist doch das allgemeine Credo zum Thema Commodore, aber -so wie ich ihn einschätze nach dem, was mir so in Erinnerung geblieben ist, wohl auch persönliche Befindlichkeiten. Soll ja auch bei anderen "self made men" so vorkommen, ich erinnere mich z.b. mit Graus an meine Zeit unter einem österreichisch-stämmigen Wahlkanadier (oder wars andersrum, irgendwie beides) Franz Strohsack hieß der glaub ich ;-)

  • Vielen Dank für die detaillierten Antworten!

    Um mal auf die Frage einzugehen - technisch funktioniert das wohl so, dass die interne CPU des C64 über das DMA-Signal des Expansionsports abgeschaltet wird und eigentlich alles extern läuft (inkl. wohl 128k SRAM, die direkt auf der Karte sitzen). Kitzlig ist dabei "nur" die Ansteuerung der internen Chips des C64 (CIAs, VIC-II, SID) durch die externe CPU, die dafür entsprechend synchronisiert werden muss und im Falle des VIC-IIs auch die Grafikdaten irgendwie zuspielen muss.


    Ist und war auch damals den Technikern soweit bekannt, das aber auch tatsächlich zum Laufen zu bekommen (und das sogar anscheinend halbwegs stabil?), war definitiv eine große Leistung.


    Das TC64 funktioniert wohl von dem Ansatz her ähnlich wie die SuperCPU.

    Darauf wollte ich hinaus: jedenfalls auf der SCPU und der RAMCard ist ja neben den GALs jeweils ein größerer CPLD, der einiges an Komplexität zu beherbergen scheint.

    Das heißt laienhaft, die SCPU legt mehr oder weniger den Rechner lahm und übernimmt praktisch das gesamte System, einschließlich der Kommunikation mit dem VIC und dem CBM-Bus.

    Und genau das scheint vorher keiner sauber hinbekommen zu haben.

    Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass sie bei CMD angeblich überrascht gewesen seien, wie stabil die SuperCPU quasi von Beginn an lief. Das wäre eine schöne Geschichte im Sinne von "oh, wir haben durch Zufall den heiligen Gral entdeckt". Aber deine Ausführungen hören sich eher danach an, dass hier auf Grundlage von existierenden Entwicklungen wie Flash8 etc. noch einmal massiv Wissen, Hirnschmalz und Versuche eingeflossen sind.

    Da liegt die Frage nahe: Die Hardware wurde ja hier mittlerweile reverse engineered (was für mich mindestens ebenso nach Magie aussieht). Kann man daraus ableiten, was die Entwickler sich dabei gedacht haben?

  • Ich wusste, bis ich hier im Forum aktiv wurde, nicht mal dass es solche Produkte gab.

    SuperCPU und HDD etc. wären bahnbrechend gewesen....1986.


    Aber 1996? Da war man im Mainstream bestenfalls noch Amiga Besitzer oder wie die meisten zu Windows & Mac umgestiegen.

    War dann eher was für Liebhaber und dead horse beater.


    Too little too late, Jim.

  • Was haben Autos und Klima jetzt wieder mit CMD zu tun?

    Na, hat der xxx mal wieder Einwände? (edit cp2: Bezeichnung entfernt)

    Rückwirkend betrachtet würde ich kaum einen Cent dafür ausgeben. Der Wechsel auf neue Technik hat sich bis zum Beginn des Klimakult fast immer mehr gelohnt.

    Und auch am C64 finde ich es fast immer spannender wenn nicht all zu viel ausgelagert wird um neue Möglichkeiten zu demonstrieren.

    Ich verstehe was du meinst. Zu Beginn der Entwicklung lohnte das Aufrüsten von Computern kaum, weil die Nachfolger so extrem viel besser waren. Man schaue nur auf den VIC20 zum C64. Letzterer kann im Prinzip ALLES besser als der Vorgänger (Sprites, 40 Zeichen, SID), lässt aber nichts gegenüber des Vorgängers vermissen (z.B. dieselbe gute Tastatur, die gleichen Anschlüsse für Peripherie). Später bei den PC konnte man das wieder erleben: Neue Boards mit PCI waren grundsätzlich besser als nur-ISA aber es lief alles, was es auch auf dem Vorgänger gab.


    Heute hat sich das gedreht. Wenn du einem iMac mit Datengrab-SSD benötigst, der sonst gar nicht so viel können muss, wirst du bei den Preisen für Upgrades für z.B. 2 TB bei Apple selbst ohnmächtig (und M.2 nachstecken geht eben intern nicht). Da lohnt es sich dann wieder zum älteren, gebrauchten Intel-iMac zu greifen, den man auseinander nehmen kann, um eine SSD einzusetzen, um ihn dann mit OCLP mit neuem OS zu benutzen. Aufrüsten ist jetzt wieder sinnvoll, weil man da extrem spart. Das war vor 15 Jahren nicht so.


    Beim KFZ ist das ähnlich. Früher lagen die Verbesserungen in besserem passiven Crash-Schutz, besseren Radios und effizienteren Motoren bei den Modellwechseln. Alles Dinge über die sich der KUNDE freut. Da war Wechsel besser als Aufrüstung. Wenn jetzt im Sommer die neuen Modelle mit dem Zwang zu dem ganzen Überwachungstinneff kommen (Fahrer wird ständig zur Müdigkeitsüberwachung gefilmt oder Geschwindigkeits- und Spurassistent greift dem Fahrer mit Künstlicher Dummheit in Lenkrad und Bremse) ist es etwas, was der Staat will, der Kunde aber bezahlen muss (nicht nur im Kauf sondern auch immer wieder in der Reparatur bei Ausfall). Da wird dann plötzlich Aufrüsten und Instandsetzen des Vorhandenen attraktiver, auch aus Kostengründen aber eben nicht nur.


    'Klimakult' fasst da nur die ganzen Sachen zusammen, die viel kosten aber keinen ROI einbringen (und auch immer sehr bald revidiert werden können: Erinnern wir uns doch an die pro-Umwelt Werbung für LPG-Autos oder Pellet-Heizungen). Dabei gibt es aber auch viele Verbesserungen, die Sparen UND Spaß machen. Ich hatte erst im Januar voller Freude gesehen, dass bei uns Norma (oder war es Lidl?) diese E27 Spot-Strahler als LED in dimmbar hat. Das war ein Großeinkauf, um die ganzen Reflektorbirnen bei meinen Eltern mal auszutauschen (von 40 auf unter 4 Watt runter und optisch bleibt alles gleich). Aber das muss man ja auch nicht mit 'Klima' wie Sauerbier verkaufen, weil solche Maßnahmen aus sich selbst heraus ja schon in jeder Hinsicht sinnvoll sind (ökologisch UND ökonomisch).


    Aber jetzt mal wieder komplett on-topic zu CMD:


    Hätte Commodore nicht am Ende doch noch Amiga Jack Tramiel bei Atari vor der Nase weg geschnappt (und hat es leider nicht so richtig gemocht, um voll auf das System zu setzen und es weiter zu entwickeln), wäre die Stoßrichtung bei Commodore ja eine etwas andere gewesen. Unter den Entwicklern gab es viele, die - aus einem Grund den ich nicht verstehe - ZiLOG sehr zugetan waren. Die Eigenentwicklung war dann auch der CBM 900. Das wäre dann die große Maschine geworden, die 264er wären in dieser alternativen Realität genau so gescheitert, wie sie es ohnehin waren und dann wäre so etwas wie der C128 ebenfalls entstanden.


    C128 für den Privatkunden (mit Z80) und CBM 900 (mit Z8001) für den professionelleren Einsatz, wären sich dann schon ähnlich geworden. Mit Apples grafischer Oberfläche im Rücken, hätte man sich dann auch bei Commodore überlegen müssen, was man da entgegensetzt. Ich kann mir gut vorstellen, dass - statt wie Atari in unserer Realität - dann Commodore GEM für Coherent lizenziert und angepasst hätte, um aus dem CBM 900 so etwas ähnliches zu machen, wie der ST war. Für SOHO hätte man den C128 viel effektiver als kleinen Bruder mit GEOS vermarktet und auch länger am Leben erhalten. Es gab ja auch mal Überlegungen einen Nachfolger ohne VICII und nur mit VDC als CR-Version zu bauen. Dazu wäre es dann sicher gekommen und diese Serie hätte man dann mit Geschwindigkeitsverbesserungen bis zum absoluten Ende zu reiten versucht (mit HDD, schnellerer Floppy, höherer Taktung).


    Für mich sehen die Produkte von CMD immer so aus, als hätte da ein externer Hersteller versucht das nach zu implementieren, was in dieser alternativen Zeitlinie von Commodore selbst im 8/16-Bit Bereich durch stetige Verbesserung der Technik aus dem 128er gekommen wäre, was aber in "unserer" Realität obsolet wurde, da der Amiga 500 das alles wegkanibalisierte.


    Nachtrag:


    Meines Wissens nach hat toms01 die Platinen der CMD-Geräte nachentworfen und stabilisiert, um als Gesamtprojekt daraus dann diese Vollausstattung nicht in einer kippeligen Daisy-Chain, sondern integriert auf EINER Platine zu realisieren. Ich bin darauf gespannt. Das ganze basiert dann zwar auf einem um CMD-Hardware erweiterten C64 und nicht C128, aber im Endeffekt käme dann ein Produkt zustande, dass schon sehr dem entsprechen würde, von dem ich vor zwei Absätzen fabuliert hatte. Das integrierte Board wäre dann etwas größer und dürfte kaum in ein C64-Gehäuse passen, wenn das aber in die Pizza-Box des Commodore PC-I passgenau eingesetzt werden könnte, wäre das schon geil (am besten noch mit VDC-Option und 128er Modus aber ohne Z80 ... ich habe nur keine Ahnung ob das überhaupt möglich ist).

  • Die SuperCPU kam sicher nicht nur deswegen so spät, weil die Sache schwer zu realisieren war, sondern vermutlich auch, weil das wie schon hier in Thread anklang seit Mitte der 80er eigentlich kommerziell nicht mehr interessant war (und so in dem Bereich vermutlich so gut wie niemand ernsthaft entwickelt hat), zumal das Ding mit hohen Einschränkungen kommt (sehr beschränkte Kompatibilität wegen fehlender Illegal Opcodes, inkompatibel mit den sehr beliebten typischen Freezer-Modulen). Ein Stück weit sieht die SuperCPU auch dem Versuch eines letzten Unique Selling Point für das CMD-Hardware-Universum aus, da sie alleine ja wenig bringt; gleichzeitig war sie offensichtlich eigentlich zu teuer in der Herstellung (z.B. hätte die SuperRAM-Funktionalität natürlich gleich onboard gehört).


    Was das Reverse Engineering der Hardware angeht, ich wüsste jetzt nicht, dass sich jemand die CPLD-Inhalte mal im Detail angesehen hätte, die sind glaube ich auch nicht öffentlich verfügbar wegen Copyright. Aber große Geheimnisse werden da nicht drin sein, eher wird man nach einer Analyse Anekdoten wegen der damaligen Einschränkungen erzählen können (alleine dass das Ding mehrere CPLDs und GALs benutzt, ist ja schräg; siehe das TC64, das alles mit einem FPGA macht).

  • Technisch mag vor allem die SuperCPU damals beeindruckend gewesen sein – zumindest für die Leute, die 1996 noch beim C64 gewesen sind. Man muss dabei aber immer bedenken, dass das schon deutlich "nach dem C64" und selbst "nach Commodore" war. Der C64 war 14 Jahre zuvor erschienen und selbst der Apple IIGS (1986) mit der gleichen CPU, wie die SuperCPU, war schon wieder vom Markt verschwunden. Die SuperCPU war Peripherie für einen Retro-Computer, wenn man so will. Ich z.B. habe zu der Zeit, als die SuperCPU auf den Markt kam, angefangen, den C64 und Arcade-Maschinen (MAME) auf meinem PowerMac zu emulieren und hatte damit sehr viel Spaß, während mein C64 eingemottet auf dem Dachboden stand.


    Was das Gehäuse-"Design" anging: eigentlich gruselig (bestenfalls "tut, was es muss"), weil es weder zum Brotkasten noch zum Türkeil passte.


    Und aufgrund des späten Erscheinens gab es praktisch kaum Software, die wirklich von der SuperCPU profitierte. Ich denke, in erster Linie war sie eine Erweiterung für GEOS-User, die (aus welchen Gründen auch immer) noch nicht den Sprung auf 32 Bit mit dreistelligen MHz-Zahlen (Pentium, PPC) gemacht hatten.