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RETRO Gamer wird (doch nicht) eingestellt

  • Ist der Markt doch zu klein für zwei solche Magazine im deutschsprachigen Raum? Klar, die englische Retro Gamer deckt die USA mit ab, den Vorteil hat DE halt nicht.

    Nein und ich würde auch behaupten, dass wenn es die Retro noch im Handel gäbe und das Amiga Fanzine obendrauf wäre der Markt noch nicht zu klein. Es liegt jetzt gerade bekanntermaßen weniger an der potentiellen Leserschaft sondern mehr an den Rahmenbedingen wie Papierpreise und Vertrieb.
    Wenn die Leserschaft nur groß genug wäre, um ein einzelnes Heft zu tragen, wäre der Bereich ohnehin scheintot, weil jedes unvorhersehbare Ereignis alles zum Erliegen bringen kann. Retro Gamer und Return fischen zwar beide im Becken um klassische Systeme, aber die Zielgruppen sind trotz Überschneidungen nicht deckungsgleich.

    Man muss nicht nur ein einzelnes Magazin am Markt pflegen, sondern auch einen Acker, wo es gedeien kann. Die Community braucht auch einen Marktplatz. Bis zur Pandemie war der Special-Interest-Bereich das einzige Segment im Zeitschriften-Handel mit Wachstum und was hier Grossisten und Großverlage bezogen der Kosten entschieden habe, geht zu Lasten kleiner Auflagen, die für Vielfalt und Regalfläche sorgen. Der Retro-Gaming-Bereich ist ja nicht alleine. Meine Ma liest total gerne Landlust und wenn ich das neulich richtig gesehen habe, wird das Magazin ebenfalls eingestellt.
    Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass der Handel nicht im Gegenzug die Auslagefläche noch weiter reduziert, als es die letzten 10 Jahre ohnehin der Fall war und wann die ersten Nachrichten- und Boullevard-Zeitschrift plötzlich auch mit Umsatzeinbrüchen rechnen muss. Die Geister die ich rief und so...

  • RTL Deutschland und sein Tochterunternehmen Gruner + Jahr wollen 23 Zeitschriften komplett einstellen oder verkaufen und 700 bis 1000 Arbeitsplätze abbauen.


    Ich glaube nicht, das ich in Zukunft überhaupt noch etwas interessantes und lesenswertes im Zeitschriftenregal finden werde.

  • RTL Deutschland und sein Tochterunternehmen Gruner + Jahr wollen 23 Zeitschriften komplett einstellen oder verkaufen und 700 bis 1000 Arbeitsplätze abbauen.


    Ich glaube nicht, das ich in Zukunft überhaupt noch etwas interessantes und lesenswertes im Zeitschriftenregal finden werde.

    Finde ich hervorragend, daß der Schwachsinn eingestellt wird.


    Man sehe sich nur die Zeitungsregale in Aldi und Lidl regelmäßig an.


    Da erkennt man die Verblödung Deutschlands.

  • RTL Deutschland und sein Tochterunternehmen Gruner + Jahr wollen 23 Zeitschriften komplett einstellen oder verkaufen und 700 bis 1000 Arbeitsplätze abbauen.


    Ich glaube nicht, das ich in Zukunft überhaupt noch etwas interessantes und lesenswertes im Zeitschriftenregal finden werde.

    Das betrifft btw hauptsächlich das Special Interest Segment. Das geht alles auf die Entscheidung von Grossisten und Verlagen zurück, die gestiegenen Mehrkosten antiproportional zu den Auflagen zu verteilen. Man versucht, die großen Magazine und Zeitschriften abzusichern und streicht dafür den Markt zusammen (bzw man entzieht kleinen Magazinen das Budget für redaktionelle Arbeit). Meines Erachtens wird der Schritt eher früher als später nach hinten losgehen und auch die großen Magazine durch drastischen Schwund an Auslagefläche im Handel unter Druck geraten.

    Was das Argument von ODG wg Hobby-Schreiber angeht, ist das schwer zu halten und nicht zu vergleichen mit der Praktikanten-Schreiberarmada, die Ende der 0-er Jahre stattfand. Und ich meine jetzt nicht, dass die Return vorher da war, sondern weil mehrere Magazine am Markt eine breitere Zielgruppe ansprechen. Der Inhalt ist nicht deckungsgleich. Retro Gamer zündet mehr Richtung Nostalgie und die Return bei aktuellen Entwicklungen, alleine die Existenz beider Mags beflügelte sich in normalen Zeiten gegenseitig. Nur mal so erwähnt, bekam Harald Fränkel für die Homebrew-Rubrik der Retro Gamer vielleicht ein bis zwei Seiten. In dem Podcast auf GamersGlobal (wo die Info btw herkommt, dass die Retro Gamer eingestellt wird) erwähnt Jörg Langer, dass die Retro Gamer trotz Gewinn eingestellt wird (also, Redakteure und Übersetzer sind da schon bezahlt) und deutete an, dass bezogen auf Abonnenten das Magazin erfolgreicher als GamersGlobal selbst ist.

  • Ich hab die deutsche Retrogamer gar nie gehabt, da ich das englische "Original" im Abo habe - ist es nicht so, dass in der deutschen einfach die

    englischen Artikel übersetzt in anderer Zusammenstellung drin sind? Oder gibt/gab es auch dort eine signifikante Menge an neuen "reindeutschen" Artikeln?


    Wenn das meiste eh nur übersetzt ist, ist ja der Aufwand einiges geringer solch ein Magazin auf den Markt zu bringen - wenn dies nun

    eingestellt wird, heisst das doch im Umkehrschluss dass die Inhalte nicht so für sich stehen können, dass es sich trägt.
    Da wir ja doch des englischen sowei mächtig sein sollten, dass wir das Original verstehen, hat sich mir der Sinn hinter diesem Produkt

    auch nie ergeben, im Gegensatz zu "normalen" konventionell deutschen Mags wie Return.

  • ist es nicht so, dass in der deutschen einfach die

    englischen Artikel übersetzt in anderer Zusammenstellung drin sind?

    Für die deutsche Retro Gamer wurde überwiegend Artikel ins deutsche übersetzt und für die hiesige Zielgruppe sozusagen ausgenüchtert (also Passagen, wo zb der Original-Autor in Vergangenheit schwelgt, umgeschrieben). Die Übersetzung läuft meines Wissens über GamersGlobal, wo wohl auch das Lektorat stattfindet. Es gibt aber auch einen Anteil von etwa 10 bis 15 %, der von deutschen Autoren geschrieben wird. So sind bekannte Autoren aus der Happy-Computer und PC-Player-Ära dabei. Winnie Forster hat so eine Art Sammler-Rubrik, Harald Fränkel schreibt über Homebrew).

  • Und schon driftet das wieder Richtung Politik und Offtopic.


    Das beenden wir hier dann bitte sofort. Die RG wird eingestellt - die (welt)politischen Gründe dahinter sind allesamt allgemeiner Natur, die nicht die RG allein betreffen.


    Und da das hier nicht die Politik-Ecke ist, bitte ich darum, diese Diskussion neuen-Thread-anfangenderweise dort weiter zu führen. Danke. :)

    (und nein.... nicht auch noch "einen kleinen Kommentar noch" dazu). ;)

  • Es ist gerade im Zeitschriftensegment ein sensibles Thema, was unbezahlte Arbeit angeht. Gerade auch im Spielejournalismus wurden und vermutlich werden Redaktionen immer noch mit Praktikantenjournalismus kanibalisiert.

    Die Return, wie auch zb die Zzap, das Amiga-Fanzine und diverse andere Fan-Publikationen würden nicht existieren, wenn nicht idealistische Freizeit-Gaming-Archeologen dafür schreiben würden (gilt btw auch für einen großen Teil der Buchpublikationen auf Kickstarter, an der nicht nur ein einzelner Autor und Layouter beteiligt war).

    Es gibt eine interessierte Zielgruppe, aber mit einer 10.000er-Auflage kann man nicht nachhaltig eine Redaktion bezahlen. Das ist schlicht unmöglich. Wo ich die feine Linie ziehen würde, mit welcher Ambition das Magazin erstellt wird: Will man sich hier auf dem Rücken anderer Leute Geld verdienen oder will man einen liebgewonnenen Teil Spielekultur trotz nicht zeit- und marktgerechtem Medium am Leben erhalten. Ich war 9 Jahre bei der Return und die Redaktion bestand durchweg aus Idealisten. Die Entscheidung, dass Artikel quasi unentgeltlich erstellt werden, kam tatsächlich aus der Redaktion, weil wir das Geld besser als Rücklage für schwache Auflagen angelegt ist. Es gibt Bereiche, die nicht ohne Bezahlung auskommen. Man bekommt das Ganze nicht ohne Druckerei und Materialeinkauf bewerkstelligt und ebensowenig ohne Vollzeit-Vorturner, der auch von irgendwas leben muss - und wer nicht wirbt, der stirbt. Die Reichweite von Retro-Foren ist bekanntlich endlich.

    Aber darin den Grund dafür zu suchen, dass Magazine wie Return - und an sich würde das auch für Publikationen wie die Zzap-Neuauflage gelten - an einer schlechten wirtschaftlichen Stellung der Retro Gamer Schuld sein sollen, halte ich für absurd. Dafür muss man doch nur mal in den Zeitschriftenhandel (sofern noch vorhanden) gehen und schauen was dort los ist. Die Grundlage für kleine Verlage oder neue Magazine ist unter marktwirtschaftlichen Bedingungen utopisch. So wie bei der Retro-Gamer, die zu Marktstart vor über 10 Jahren mit einer Auflage von 35.000 Exemplaren an den Handel ging - da könnte man heute direkt Insolvenz anmelden (Sidenote: Zu der Zeit lagen meine ich nur Gamestar und Computer Bild Spiele höher). Das Magazin lag damals als Stapel beim Real-Markt um die Ecke aus. Damals war das Geschäftsmodell, dass Einnahmen über Werbung durch ausgelieferte Auflage gerechtfertigt werden konnte. Das war Wirtschaften mit der Abfalltonne, um Sichtbarkeit und Abos zu generieren, was heute aufgrund fehlenden Volumens gar nicht mehr möglich ist. Meines Erachtens zehrt die Retro Gamer eigentlich immer noch von der Marktpräsenz von damals und hat an sich bis heute eine Marktdurchdring, von der die Return nur träumen kann.

    Wenn man den Woschca-Podcast mit Jörg Langer gehört hat, wird man auch spätestens ins Stutzen geraten, dass es offensichtlich nicht daran liegt, dass die Autoren nicht bezahlt werden konnten. Das Magazin macht Gewinn. Und falls die Return wirklich eine ernste Konkurrenz im Handel gewesen wäre, wäre sie das seit etwa einem halben Jahr auch nicht mehr. Scheint ja den Verlag nicht zu beeindrucken.

  • Ich z.B. habe zwar vereinzelt englische Ausgaben, aber seit dem Erscheinen der deutschen Version keine (neue) englische mehr gekauft. Daher verfängt für mich das Argument nicht, dass es ja nur eine "abgeschriebene und übersetzte" Ausgabe ist; ich kenne ja das Original in diesen Fällen nicht.


    Und ob ich dann immer nach Lüneburg zum Bahnhof renne, um da mal so eine englische Ausgabe zu ergattern, weiss ich nicht so recht. Dann lieber nichts zu Weihnachten.

  • die Retro Gamer trotz Gewinn eingestellt wird

    Das macht das ganze natürlich doppelt traurig. Da wüsste man dann natürlich wirklich gerne, was die Beweggründe des Verlags für die Einstellung sind. Höhe des Gewinns zu gering? Mittelfristig prognostizierter Gewinn bei sich verkleinerndem Markt / sich steigernden Kosten zu gering --> also lieber "Stecker ziehen bevor es nur noch 0-auf-0 aufgeht, oder gar in die Verlustzone rutscht"? :-(


    Vielleicht wird auch - noch unbekannt - die englische Ausgabe eingestellt, was die deutsche entsprechend mit sich ziehen würde (höhere Produktionskosten). Wäre für mich plausibler, da es ja die britische Wirtschaft noch viel heftiger trifft mit der Dreifachbelastung Brexit+Pandemie+Kriegsfolgen.

    Gruß, Goethe.
    _______________
    C64, C128DCR, SX64, C16, plus/4, A1200+Blizzard1230/IV, A600HD+Vampire600V2, A300+ACA620, MEGA65, Atari 800+810
    Vectrex, Game Boy, NDSi, GameCube, Game Gear, Mega Drive, Mega CD, 32X, Multimega, Nomad, Saturn, Dreamcast, XBox, PS2, PSP, PS3, PS Vita, Ouya, PS4, PS5

  • Da wüsste man dann natürlich wirklich gerne, was die Beweggründe des Verlags für die Einstellung sind.

    Irgendwann wird es sicherlich eine offizielle Stellungnahme geben, und sie hat ganz bestimmt mit Wirtschaftlichkeit zu tun, die ja immer Ansichtssache ist. Dem einen genügen die Zahlen, irgendwelchen Konzernbossen wieder nicht, Investoren vielleicht noch weniger.


    Slightly offtopic, aber irgendwie auch nicht:

    Ich denke mit Grausen an die 64'er zurück, wo die Umstellung von Handel auf Abo-only auch sehr kurzfristig eingeführt wurde, und die Umstellung zum berühmt-berüchtigten Faltblatt in der PCgo kam meiner Erinnerung nach sogar von einem Monat auf den anderen... die waren auch nicht gerade die Erfinder der Kundenkommunikation damals.

  • Ohja, das habe ich damals auch live miterlebt.

    Aber Du hast Recht - warten wir's einfach ab, was im Laufe des Jahres offiziell kommuniziert wird.

    Dass es den Zeitschriftenmarkt gerade heftigst durchrüttelt, geht halt auch (oder gerade?) an solchen Nischenthemen wie unseren nicht vorbei. :-(

    Gruß, Goethe.
    _______________
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  • Dass es den Zeitschriftenmarkt gerade heftigst durchrüttelt, geht halt auch (oder gerade?) an solchen Nischenthemen wie unseren nicht vorbei. :-(

    Ja, bzw mal mit etwas Abstand betrachtet:
    Grossisten und große Verlage entscheiden, dass die recht drastischen Preissteigerungen bei Material und Vertrieb hauptsächlich zu Lasten kleiner Auflagen gehen. Unabhängige kleine Verleger suchen sich Alternativen, weil man die Preise schlecht für den Handel um 50% anheben kann und große Verlage machen ihre kleineren Publikationen einfach dicht. Was meint man wohl, ob das die angedachte Kompensation der Mehrkosten ergibt und wie der Handel auf den Magazin-Schwund reagiert? Die nächste Runde wird nicht lange auf sich warten lassen und irgendwann macht es für den Händler keinen Sinn mehr, überhaupt Regalfläche dafür freizuhalten.

  • Ein Format wie die Return fällt für mich unter die Rubrik Hobby, ich denke schon alleine aufgrund der erzielten Umsätze nicht dass man den Laden als Arbeitgeber im klassischen Sinn verstehen kann. Ich habe z.b. auch schon diverse Artikel im C64-Wiki verfasst. Hätte ich dafür Geld bekommen müssen ? Wieso gibt es viele Leute die ehrenamtliche Tätigkeiten ohne Bezahlung ausführen ? Werden die alle ausgebeutet ? Eure politischen Ansichten sind Eure Sache, aber diese Maßstäbe kann und sollte man auf Tätigkeiten im Rahmen der Ausübung eines Hobbys nicht anwenden, da alle Vergleiche mit einer echten Erwerbstätigkeit zwangsläufig hinken müssen. Grundsätzlich finde ich es immer schade, wenn ein Medium das unser Hobby bedient wegfällt. Ich gebe aber zu dass ich die RG nie gelesen habe, daher ist der Verlust für mich verschmerzbar. Die Return hingegen habe ich abonniert.

  • Ich lasse jetzt mal den Mod raushängen und bitte um die Rückkehr zum Thema:


    :zzt:


    Es geht hier eigentlich nur um das Verschwinden der Retro Gamer und nicht um die Geschäftsmodelle von Magazinen. Wenn ihr das diskutieren wollt, könnt ihr bitte dafür einen eigenen Thread eröffnen.

  • Ja, wir können nur abwarten, was offiziell verkündet wird und ob das dann auch der wahre Grund der Einstellung ist, steht noch auf einem anderen Blatt.


    Ich habe jedenfalls durch diesen Thread ein wenig auf ihrer Seite gelesen und werde mir vielleicht sogar das Komplettpaket als PDF holen. Hat eigentlich jemand die Ausgabe wo es um den C64 geht und lohnt sich das für uns, die sich ja damit auskennen?

  • Da wüsste man dann natürlich wirklich gerne, was die Beweggründe des Verlags für die Einstellung sind.

    https://www.gameswirtschaft.de…-gamer-einstellung-heise/

    Quote

    Auf Anfrage hat der Heise-Verlag (c’t, heise.de) Marktgerüchte bestätigt, wonach die Hannoveraner Sparte eMedia die vierteljährlich erscheinende Spiele-Zeitschrift Retro Gamer einstellt – und zwar „aus wirtschaftlichen Gründen“. Die Druckauflage wurde zuletzt mit 25.000 Exemplaren angegeben.