Raubkopien-Inserate im 64er Magazin 1984

Es gibt 123 Antworten in diesem Thema, welches 15.725 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (27. Oktober 2022 um 13:04) ist von -trb-.

  • Selbst wenn es die heutigen Rechner schon gegeben hätte, wäre so ein Aufwand wohl unmöglich gewesen

    Ich erinnere mich da dunkel an einen Artikel in irgendeiner Zeitschrift, in dem über die Möglichkeiten der CD-ROM für Spiele sinniert wurde: Würde man nie vollbekommen, wenn man den verfügbaren Platz mit der Grösse von aktuellen Spielen vergleicht käme man da ja auf Rollenspiele mit zehntausenden von Räumen und Spielzeiten im Bereich von Monaten bis Jahren - wer solle das alles programmieren und wer hätte die Geduld das zu spielen?

    Dazu Peter Molyneux in Power Play 10/90:

    Zitat

    Haben Spiele auf CD eine Zukunft? Wir haben damit unsere Probleme: Es dauert viel länger, ein Spiel für CD zu entwickeln. Zum Beispiel: Um ein gutes Bild zu malen, brauchen unsere Grafiker eine Wocher. Will man 50 bis 100 Bilder auf eine CD bringen, braucht man theoretisch ein bin zwei Jahre! Und dadurch werden die Spiele sehr teuer.

  • Warum?

    unter anderem , neben den ganzen anderen Sachen, auch wegen dem Türkenschock Demo....
    Dann wohl noch Disks geklaut usw usw, man hat halt nix gutes von ihm gehört damals.

  • 13 Cracks hat er gemacht ... zähle ich da

    dann ist zählen nicht deine Stärke :)

    Wieso ... da stehen 13 Idefix Cracks ... was zählst du?

    Ahaa ... verstehe ... du meinst weniger ... also kein Crack von ihm ... sondern *Alles nur geklaut*.

    Ne, mehr als 13. Du hast nur die Releases gezählt, wo ausschließlich Idefix als Cracker gewertet wird. Aber er hat ja auch für Groups gecrackt.


    Na ... dann ... für kurze Zeit mal als Goodie. Wenn's mehr nicht ist ... :bia:nixwiss:.

    Oha, was denn diesmal? :)

  • Also der GvG war ganz wild auf mich und wollte mich mehrfach "zur Strecke bringen". Habe auch einen "Tanja" -Brief bekommen und auch einen "Tonband"-Anruf.

    War er ein guter Kerl? Also der Richter der ihn wegen Betrugs veruteilt hat und was dann zu seinem Ende führte meinte "Nein" und auch "Anwalt ohne Rechtsverständnis".

    Ich selbst sage auch "Nein", da er selbst mich zur Strecke bringen wollte, einen Typen der im CF nur ORIGINALE verkauft hat, zu Preisen die auch 100% Preise für Originalsoft und damit auch leicht als legal zu erkennen waren.

    Zu den Heinis aus dem 84er 64er: Die 2. Generation der Warez-Dealer hatte dann Postfächer an die Interessierte z.B. 10 Mark im Brief schicken konnten und dann zB 5 Disks bekommen haben. Die Unsitte hielt auch noch bis mindestens Mitte der 90er an, und letztendlich hat die ausufernde Raubkopiererei das Ende der Mikrocomputer nochmal deutlich beschleunigt.

  • Hätte ich damals einen Brief von einem Mädchen (mit Foto!) bekommen, die erst mal ihre "Lebensgeschichte" erzählt, das wäre mir schon ziemlich seltsam vorgekommen. Der Brief ist ja praktisch auf den Stereotyp des männlichen, einsamen Computerfreaks zugeschnitten. Es war auch nicht so trivial wie heute, einem Brief ein Foto beizulegen. Entweder, wie im Beispiel eine Kopie, die man meistens nicht zu Hause machen konnte oder ein "richtiges" Foto, was Geld kostete.

    Na ja, vielleicht hätte ich auch in freudiger Erwartung geantwortet ;)

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  • Hätte ich damals einen Brief von einem Mädchen (mit Foto!) bekommen, die erst mal ihre "Lebensgeschichte" erzählt, das wäre mir schon ziemlich seltsam vorgekommen. Der Brief ist ja praktisch auf den Stereotyp des männlichen, einsamen Computerfreaks zugeschnitten. Es war auch nicht so trivial wie heute, einem Brief ein Foto beizulegen. Entweder, wie im Beispiel eine Kopie, die man meistens nicht zu Hause machen konnte oder ein "richtiges" Foto, was Geld kostete.

    Na ja, vielleicht hätte ich auch in freudiger Erwartung geantwortet ;)

    Es gab wohl (auch?) Originale. Wenn man heute was im Netz findet, darf man nicht vergessen, dass Farbscanner oder Kopierer damals noch nicht so verbreitet waren.

    Was größeres habe ich in Farbe im Netz nicht finden können. Zu Lebzeiten ist der Herr Anwalt ja wohl auch gegen die Veröffentlichung der Tanja-Briefe und der Agentur-Bilder vorgegangen.
    Wenn man "im Erfolgsfall" >1.000 DM pro Nase abmahnen kann, dann kann man auch schonmal etwas Geld ins Lockmitteln investieren. ;)

  • Und wenn dieser Tanja-Brief von ihm ist, dann ein Oberarschloch.

    Im CF machte damals immer der Name "Ralf Bellendorf" als eigentlicher Verfasser der Tanja-Briefe die Runde. Dieser soll im Auftrag von GvG die Briefe unter verschiedenen Mädchennamen (aber immer aus Gladbeck) gegen Bezahlung versendet haben.

    Obwohl damals gelästert wurde, dass doch niemand auf diese Briefe reinfallen würde, ist dies wohl relativ oft geschehen - zumindest so oft, dass es sich gelohnt hat. Im Grunde waren die Briefe psychologisch auch gut durchdacht formuliert. Man beachte z.B. den Hinweis auf den bösen Diskstealer "Peter Zielonki" aus Hamburg, der der armen Tanja einfach die Disketten geklaut hatte. Das sollte den Leser der Briefe dazu veranlassen, dem armen Mädchen zu beweisen, dass es auch nette Jungs gibt.

    Außerdem war das Datum des Geburtstags im Brief immer so gewählt, dass der Brief kurz vor diesem Datum beim Empfänger ankam und man ihr daher eine Geburtstagsfreude mit den Kopien machen könnte. Ob auch der Tippfehler "Gebrustag" Absicht war und ein paar unterschwellige Signale senden sollte, ist aber Spekulation ;). In jedem Fall waren Mädchen in der Computerszene rar und viele Jugendliche hätten gerne ein Tauschfreundin gehabt.

    Soweit ich weiß, gab es später aber auch noch Fangbriefe von einem männlichen "coolen Scene-Dude", der Tauschpartner suchte. Das hatte aber wohl weniger gut funktioniert.

    EDIT: das mit dem Geburtstag stand wohl nicht in jedem Brief, ich hatte mich jetzt auf diesen Text hier bezogen:

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    Einmal editiert, zuletzt von Chris P. (25. Oktober 2022 um 09:17)

  • Im CF machte damals immer der Name "Ralf Bellendorf" als eigentlicher Verfasser der Tanja-Briefe die Runde. Dieser soll im Auftrag von GvG die Briefe unter verschiedenen Mädchennamen (aber immer aus Gladbeck) gegen Bezahlung versendet haben.

    Zumindest war er laut einem Spiegel-Artikel der eigentlichen "Empfänger".
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    Auch interessant:

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    Code
    Gravenreuth arbeitet mit einem gewissen Ralf Bellendorf (Ralf B.) zusammen.Dieser Name wird aber kaum zu lesen sein, da Ralf B. Fangbriefe unterverschiedenen Maedchennamen schreibt. (s.u)
    
    Das Famose an der Geschichte ist, dass Ralf Bellendorf Ende der 80er Jahrezu den groessten Raubkopieren Deutshclands zaehlte. Anfangs der 90er Jahrewurde er deshalb zu einer Bewaehrungsstrafe veruteilt. Anfang 1992 machte ersich selbst daran, Abmahnbriefe an Raubkopierer zu versenden. Dabeiberechnete er in einer Kostenrechnung vom 15.04.1992 satte 399 DM. 
  • Ich habe mal in Sachen Gravemreuth eine Frage, auch wenn die evtl. ein wenig OT ist. Auch deswegen, weil ich in besagter Zeit nur C-16 Plus/4 hatte und damit nicht betroffen war.

    Ging es eigentlich nur um die C-64 Cracker-Szene oder waren auch andere Systeme wie Atari 800 XL, Schneider CPC, Amiga oder sonstige davon betroffen? Cracker gab es ja auf praktisch jeden System.

  • Zumindest im "Musterbrief" in den von Chris P. verlinkten FAQ geht es um PC-Software. Also wohl nicht nur C64 bezogen.

    Prinzipiell ging es wohl um jedwede Software, die von Firmen vertrieben wurde, die GvG einen Auftrag erteilt hatten.

    Und das ging dann querbeet durch alle bekannten Systeme. Oft passten der Computer, den Tanja & Co angeblich hatten, und die gesuchten Spiele auch gar nicht zusammen. Irgendwer hatte mal geschrieben, dass sie "Pinball Dreams" auf dem C64 von ihm haben wollte. Das gab es zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal als Preview.

    Die vielen Tippfehler bei Spielenamen und sonstiger Unfug wie "Windows 3.2" sollten halt auch unterstreichen, dass sie noch jung und unerfahren war und einen guten Tauschfreund brauchte, der sich besser auskannte. Der ganze Brieftext ist irgendwie darauf ausgelegt, dass sich der männliche Empfänger schlauer fühlen sollte. Wie gesagt, da steckte schon eine gewisse Planung dahinter.

  • Ich habe mal in Sachen Gravemreuth eine Frage, auch wenn die evtl. ein wenig OT ist. Auch deswegen, weil ich in besagter Zeit nur C-16 Plus/4 hatte und damit nicht betroffen war.

    Ging es eigentlich nur um die C-64 Cracker-Szene oder waren auch andere Systeme wie Atari 800 XL, Schneider CPC, Amiga oder sonstige davon betroffen? Cracker gab es ja auf praktisch jeden System.

    Er hat Recht spät damit begonnen, wahrscheinlich als es mit der Karriere als "Star-Anwalt" aufgrund der mangelnden rechtlichen Kenntnisse nicht geklappt hat, also Anfang 90er und da waren die meisten anderen 8-bitter wie auch die .264 Reihe nicht mehr ertragreich genug.

    Ich bekam einen Tanja-Brief mit C64-Wunschliste.

  • Zumindest im "Musterbrief" in den von Chris P. verlinkten FAQ geht es um PC-Software. Also wohl nicht nur C64 bezogen.

    Prinzipiell ging es wohl um jedwede Software, die von Firmen vertrieben wurde, die GvG einen Auftrag erteilt hatten.

    Ich bestreite diese Aussage (d.h. ich verneine. Nicht persönlich nehmen). Ich bin mir eigentlich sicher diese Abmahnungen waren alle rechtswidrig und sicherlich immer ohne ein Mandat seitens eines Herstellers. Es gibt/gab, auch noch heute, eine Reihe von dieser Abmahn-Schätzchen die rechtswidrig vorgehen.

    Man sollte auch nicht vergessen dass er selbst wegen "Betrugs" mehrfach vor Gericht stand.

  • Ich bin mir eigentlich sicher diese Abmahnungen waren alle rechtswidrig und sicherlich immer ohne ein Mandat seitens eines Herstellers.

    Hmmm, ich vermeine mich zu erinnern, dass er in seinen Günni-Texten im CF auch öfters von seinen "Auftraggebern" gesprochen hat bzw. dass bei den versendeten Kopien bestimmte Titel dabei sein mussten, damit er tätig werden konnte. Inwieweit das der Realität entsprach, weiß ich aber nicht.

  • oder waren auch andere Systeme wie Atari 800 XL, Schneider CPC, Amiga oder sonstige davon betroffen?

    Zu Amigas Zeiten gab es auch den ein oder anderen der Post von ihm bekommen hatte. Einen Tauschpartner von mir hat es damals erwischt.

    und sicherlich immer ohne ein Mandat seitens eines Herstellers.

    Nope. Bei Pati ( axis/cascade ) und mir lag ein Schreiben von Ariola Soft bei dem Durchsuchungsbeschluss mit dabei. Das heisst Ariola Soft hat GvG damit beauftragt und der hat die örtliche Kripo dann zu und /mir geschickt.