Warum hatte der C16 eigentlich kein Plus/4-Gehäuse

Es gibt 55 Antworten in diesem Thema, welches 8.004 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (11. August 2022 um 20:55) ist von ^MGR3SA^.

  • Der größte Teil an Software war, wie das Gerät selber, ja Low Budget.

    Wir haben uns damals nen 10er von Omma und Co.zusammen geschnorrt und dann ging es los zu Real.- wo dann ein Mastertronic Titel gekauft wurde, der vom Titelbild oder gar Screenshots her irgendwie vielversprechend war.

    Zu Weihnachten oder so gab es dann Kingsoft Titel, wo dann auch mal die 64K teilweise genutzt wurden oder Perlen wie ACE 64K, wo dann der 264er zeigen konnte, das er zu ähnlich guten fähig war, wie der 64er.

    Wie man heute sieht, ist er teilweise durch die vielen Farben sogar in Bereichen besser !

    Das Spiel Alpharay sieht ja grafisch fast nach Amiga Niveau aus...der Sound, okay da geht nichts über den SID und die Sprites fehlen deutlich.

    Man kann sagen der Rechner ist vor allem ANDERS als der 64er, wie CPC oder Atari 800.

    Die 64k ließen sich ja durch Module oder einfache Umbauten nachrüsten am 16er.

    Gib mir noch ein Hörnchen Met...Damit ich weiss wies weiter geht.

    Denn hab ich mich mit Met befeuchtet bin ich schon mal vor-erleuchtet...

    TORFROCK

  • Wenn man sich so durch Internet liest, sollte der 116er als Bückware angeboten werden und gegen ZX Spectrum antreten. Das vorallem über dem Preis, der glaube nur bei der Hälfte des Spectrums lag?

    Den C16 sollte man als Weiterentwicklung des VC20 versehen. Ich vermute er fing damals auch in dessen Preiskategorie an.

    Beim Plus4 seh ich ehr die Nähe zu den Rechnern, die bereits Software eingebaut hatten. Stellenweise ist die Rede davon, das er als Nachfolger der CBMs angedacht war.

    Viele sagen das die Inkompatibilität zu VC20/C64 Bessere verhindert habe. Aaaaaber, das war evtl. auch gewollt. Man sollte sich neue Hardware kaufen müssen, wenn man die neuen Rechner nutzen wollte. Auch was die Software angeht. Ist doch heute uch nicht viel anderst...man schaue sich nur diese Ladegeräteunsinn bei Handys, Laptops usw. an... Die Technik da drin kann sich doch ändern, aber der Anschluss zum Endgerät muss sich doch nicht ständig von Rund zu Eckig und 3 Jahre später wieder zu Rund entwickeln. Gibt sicher noch besser Beispiele.

    Der 264-Serie kam am Ende auch der schnelle Preisverfall in die Quere. Grundsätzlich darf man es nicht nur durch unsere deutsche Brille sehen. Commodore hat für die ganzen Welt entwickelt und da waren halt günstige Rechner wie der 116er eine gute Option für die Käuferschaft. Aber es kam halt kaum Software für diese Rechner auf den Markt, weil man sich vorallem bei den beiden günsten Rechner beim Speicher sehr einschränken mußte. Und der C64 war halt ein Allrounder, wenn man einen Commodore wollte. Schlussendlich ging das Konzept nicht auf.

    Jetzt denkt euch mal an dem Plus4 einen LCD-Bildschirm. Ich glaub das hätte einen schönen Laptop gegeben, denn der C116/Plus4 sind von Haus aus herrlich kompakt.

  • Wir haben uns damals nen 10er von Omma und Co.zusammen geschnorrt und dann ging es los zu Real.- wo dann ein Mastertronic Titel gekauft wurde, der vom Titelbild oder gar Screenshots her irgendwie vielversprechend war.

    Wobei das Anfing bis Mitte 90'er durchaus auch für den C64 galt. Als die 16-Bit-Systeme sich durchgesetzt hatten, und spieletaugliche PCs gerade dabei waren, den Markt zu erobern, wurde der ganze 8-Bit-Kram nur noch so verramscht.

    In "Murphys Gemeinste Computergesetze" steht auch, daß ein Computerspiel nie so gut ist, wie das Bild auf der Verpackung.

  • Gleichzeitig traurig, dass der 364 nie erschienen ist. Existieren die Prototypen noch?

    Bo Zimmerman besitzt einen der wenigen 364 Prototypen. Mehr auf seiner Seite -> Bitte melde dich an, um diesen Link zu sehen.

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  • Viele sagen das die Inkompatibilität zu VC20/C64 Bessere verhindert habe. Aaaaaber, das war evtl. auch gewollt. Man sollte sich neue Hardware kaufen müssen, wenn man die neuen Rechner nutzen wollte. Auch was die Software angeht. Ist doch heute uch nicht viel anderst

    Meiner Ansicht nach hat sich darüber damals kaum jemand wirklich Gedanken gemacht. Das war nicht Absicht sondern ist sozusagen daraus entstanden, dass man einfach keine vernünftige Architektur hatte, die man weiterentwickeln hätte können. Das ging in dem Preissegment vermutlich auch schlecht, man hätte es aber versuchen müssen, weil man am Ende mehr verkauft hätte. Gegenseitig inkompatible Hard- und Software innerhalb des selben Herstellers schadet diesem Hersteller nur, sonst gar nichts. Das macht man nur, wenn man gnadenlos Innovation will, auch wenn es dann mit der 264er Serie in die Hose geht und genau deshalb nämlich, weil man inkompatibel zu sich selbst ist. Das ist keine Strategie, nicht einmal eine schlechte, sondern einfach gar keine.

    IBM hat ja dann mit dem Personal Computer vorgemacht, wie eine Architektur auszusehen hat, die man kompatibel weiter entwickeln kann. Sogar Commodore musste mit dem C128 indirekt auf mehreren Ebenen zugeben, dass man eigentlich hätte kompatibel sein müssen.

    Hard- und software-seitige Kompatibilität haben wir heute eben schon, da hat sich sehr viel getan. Tatsächlich ist es besonders in meinem Job als IT-ler so, dass (softwareseitige) Interoperabilität explizit in die Ausschreibungsunterlagen reinkommt. Das ist natürlich auf einer anderen Ebene der Kompatibilität, das ist klar, da geht's jetzt nicht mehr um Binärkompatibilität der Software, sondern da geht's um Inhalte. Da hat sich dennoch viel geändert.

    Der 264-Serie kam am Ende auch der schnelle Preisverfall in die Quere. Grundsätzlich darf man es nicht nur durch unsere deutsche Brille sehen. Commodore hat für die ganzen Welt entwickelt und da waren halt günstige Rechner wie der 116er eine gute Option für die Käuferschaft.

    Dem Preisverfall hätte Commodore ja sogar dadurch begegnen können, wenn man sich an die von Jack Tramiel gewünschte Preisgestaltung gehalten hätte. Das Management von Commodore wollte dann aber die 264er zu überhöhten Preisen in den Markt bringen und das -- da wiederhole ich mich -- bei der Inkompatibilität. Warum sollte man einen plus/4 kaufen, wenn man einen C64 haben kann, für das selbe Geld, der aber erheblich mehr Software zur Verfügung hat (die man notfalls auf dem Pausenhof „tauschen“ kann)?

    Ich lese gerade das Buch „Volks Computer“ von Brian Bagnall und da stellt sich die Sache anders dar. Grundsätzlich hat Commodore für Nordamerika und Europa entwickelt, aber: Laut Brian Bagnall erkannte Jack Tramiel, dass die Leute in Europa und speziell in Deutschland bereit waren, mehr Geld für diese Geräte auszugeben (auch wenn mich das eher wundert, aber wenn Bagnall das so recherchiert hat, muss man das erst mal hinnehmen). Der Deutsche Markt war für Commodore durchaus sehr wichtig.

    Und der C64 war halt ein Allrounder, wenn man einen Commodore wollte.

    Das ist er vielleicht, weil er damals leistungsfähig genug und gleichzeitig preisgünstig genug war, sodass in sehr kurzer Zeit eine sehr große Software-Bibliothek entstanden ist. Ohne die Software-Bibliothek wäre der C64 genauso nützlich gewesen, wie die 264er. Es ist auch so ein bisschen der Blick aus heutiger Sicht. Heute sehen wir den C64 vielleicht als Allrounder an, aber warum? Vielleicht gerade deswegen, weil es so viel Soft- und Hardware dafür gibt. Ein Allrounder in welchem Bereich? Ich bin da nicht so sicher. Der C64 ist ein Allrounder, wenn man sich auf C64 beschränkt. Aber er kann keine Programme laufen lassen, die spezifisch für einen der anderen Commodore 8-bitter geschrieben sind. Das ist ja das Problem an der fehlenden Kompatibilität. Man kann ja froh sein, dass wenigstens die Diskettenlaufwerke recht breit nahezu überall verwendbar sind. Bis auf das 1551er wieder, das nur am 264er läuft ... nun ja.

    Der C128 kann allroundmäßig mehr, finde ich. Der ist ja drei Computer in einem und kann noch andere Diskettenformate lesen, die nicht von Commodore stammen.

    Jetzt denkt euch mal an dem Plus4 einen LCD-Bildschirm. Ich glaub das hätte einen schönen Laptop gegeben, denn der C116/Plus4 sind von Haus aus herrlich kompakt.

    Das hatte ich auch schon mal überlegt. Ein plus/4 im Gehäuse eines SX-64 oder so. Ein LCD-Laptop war ja bei Commodore sogar in Arbeit, wurde aber dann nie realisiert. Bil Herd hat einen der Prototypen:

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    Aber natürlich führt das alles vom Thema weg: Warum kam der C16 nicht im Gehäuse des plus/4?

    “64k should be enough for everybody.” (nicht Bill Gates)

    “Thou shalt not follow the NULL pointer, for chaos and madness await thee at its end.” (Medieval Aphorism)

    “It's never the PLA!” (Dr. House?)

  • Ja, so kann man das auch sehen. Aber wie gesagt, der C16 sollte der Nachfolger des VC20 sein, meiner Meinung nach und darum hat man man ihm das gleiche Äußere gegeben. Ist wie bei VW mit dem Golf. Da sieht von außen jede neue Generation nur nach einem Facelift aus. Mal abgesehen der Sprung vom 2er zum 3er Golf. Unterm Blech tut sich aber einiges.

    Aber man sieht schön, hier haben sich einige schon mal Gedanken darüber gemacht, warum der so aussieht wie er ist. :D

  • Ich habe mich schon lange gefragt, was Commodore wohl geritten hat, für den C16 nochmal ein Brotkastengehäuse zu verwenden.

    Das frage ich mich bei der gesamten 264 Reihe. Um das Billigsegment zu bedienen, hätte der c116 als einziges Modell vollkommen gereicht.

  • Das war nicht Absicht sondern ist sozusagen daraus entstanden, dass man einfach keine vernünftige Architektur hatte, die man weiterentwickeln hätte können.

    Und dennoch orientiert sich der Commander X16 in erster Linie an der VC20-Architektur. So unvernünftig kann die also gar nicht gewesen sein:

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  • Der C116 war die ursprüngliche Idee - einen möglichst billigen Computer anzubieten, als Nachfolger des VIC 20. Ich meine der ursprüngliche Zielpreis waren 50 USD, also noch mal deutlich billiger als der VIC, obwohl der C116 der weitaus bessere Rechner war. Tramiel wollte dem Spectrum, ein paar amerikanischen Rechnern und evtl. bald aufkommenden japanischen Systemen etwas entgegensetzen.

    Das Ziel hatte sich dann aber recht schnell erledigt, da Billigcomputer aufgrund des Preisverfalls von C64 & Co einfach kein sinnvolles Marktsegment mehr waren. Was sie dann draus gemacht haben (C16, Plus/4, 364) hat nie irgendeinen Sinn ergeben. Das ist aber schon zu Tramiels Zeiten passiert, nicht etwa erst nach seinem Abgang. Das letzte Foto von Tramiel als C64-Chef zeigt ihn wie er stolz einen 364 in die Kamera hält...

    Wieso der C16 kein Plus/4-Gehäuse benutzt ist allerdings eine gute Frage. Meine Theorie: Der C16 ist älter als der Plus/4 - sie haben ja offenbar erst mal mit Single-Layer-Platinen für den C16 experimentiert, das würde m.E. darauf hindeuten. Das Plus/4-Gehäuse ist dann halt einfach entstanden, als es den C16 schon gab - 264 (Plus/4) und 364 (Plus/4 mit integriertem MagicVoice und Zehnerblock) waren ja die letzten Ausbaustufen des Wahnsinns.

  • Der C116 war die ursprüngliche Idee - einen möglichst billigen Computer anzubieten, als Nachfolger des VIC 20.

    "Volkscomputer" (Original: "On the Edge") benennt als explizites Ziel die Sinclair-Rechner anzugreifen. Das und nichts anderes war Tramiels Ziel.


    Ich meine der ursprüngliche Zielpreis waren 50 USD, also noch mal deutlich billiger als der VIC, obwohl der C116 der weitaus bessere Rechner war.

    Aus o.g. Quelle: 50 USD Herstellungskosten, angestrebter Verkaufspreis unter 100 USD.

  • .....Der C16 ist älter als der Plus/4 - sie haben ja offenbar erst mal mit Single-Layer-Platinen für den C16 experimentiert, das würde m.E. darauf hindeuten. Das Plus/4-Gehäuse ist dann halt einfach entstanden, als es den C16 schon gab - 264 (Plus/4) und 364 (Plus/4 mit integriertem MagicVoice und Zehnerblock) waren ja die letzten Ausbaustufen des Wahnsinns.

    Um auf die $49 zu kommen, hätten laut Bil Herd die Produktionskosten für die einseitige Platine bei ca. $12 gelegen. Die Rechnung ging wohl insgesamt nicht auf, weswegen es dann ja auch keine einseitigen Platinen in der C16-Serie gab:

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  • Meine Theorie: Der C16 ist älter als der Plus/4 - sie haben ja offenbar erst mal mit Single-Layer-Platinen für den C16 experimentiert, das würde m.E. darauf hindeuten. Das Plus/4-Gehäuse ist dann halt einfach entstanden, als es den C16 schon gab - 264 (Plus/4)

    Ich würde gar nicht unbedingt davon ausgehen, daß dieser C16-Prototyp dazu diente die 264-Architektur zu entwickeln. Er könnte durchaus auch nach dem Plus/4 entstanden sein, als Versuch, ob man mit einer einseitigen Platine die Kosten reduzieren kann. Hatte sich wohl nicht gerechnet.

  • Bil Herd: Life at Commodore

    Wenn ich höre, das Commodore seine eigene LCD-Glass-Abteilung besass, aber nichts damit anfangen konnte ausser 3 Prototypen vom Commodore LCD ... :yellowcard:

    After a time, you may find that 'having' is not so pleasing a thing after all as 'wanting'. It is not logical, but is often true... Spock
    When you’re playing and you’re just you, powerful things happen... Joybubbles

  • Vermutlich könnte man es in den ganzen Büchern sehr genau recherchieren warum der C16 kein plus/4 Gehäuse besaß.

    Vielleicht fand man einfach das das Gehäusedesign Käufer ansprechen könnte.

    Man wollte jeden Bereich abdecken.

    Es war ja auch zu lesen der C64G wurde gebaut weil gerade in Deutschland die Kunden die Brotkastenform immer wieder anfragten und mit dem C64C Gehäuse unzufrieden waren.

    Gib mir noch ein Hörnchen Met...Damit ich weiss wies weiter geht.

    Denn hab ich mich mit Met befeuchtet bin ich schon mal vor-erleuchtet...

    TORFROCK

  • Es war ja auch zu lesen der C64G wurde gebaut weil gerade in Deutschland die Kunden die Brotkastenform immer wieder anfragten und mit dem C64C Gehäuse unzufrieden waren.

    Zu der Zeit war der C64 allerdings schon so günstig, daß der C16 keine Rolle mehr gespielt hat.

  • Ich habe jetzt den Thread nur überflogen, sorry. Meine Antwort auf die Ausgangsfrage würde etwa so aussehen:

    Nachdem bei Commodore die BWL-Absolventen das Ruder übernommen hatten, war der Begriff "Marktsegment" das große Paradigma.

    Man sah sich angreifbar, weil unterhalb des C64 nur der veraltete VC20 den Konkurrenten Sinclair & Co. Paroli bot.

    Also konzipierte man, nachdem man das ursprüngliche 264er-Konzept ad acta gelegt hatte, den C16 als VC20-Nachfolger, den C116 als Sinclair-Blocker und dann eben den plus/4 als den neuen "Semiprofessionellen".

    Ich vermute, dass man den C16 einerseits in ein Brotkastengehäuse packte, weil man womöglich hoffte, VC20-User könnten umsteigen und würden sich von einem gewohnten Gehäuse angesprochen fühlen, das zudem auch beim C64 ja noch aktuell war (Corporate Design). Aber vermutlich war es auch einfach schön billig, die vorhandenen Produktionsstraßen des VC20 weiterzunutzen (weil bereits abgeschrieben). Ich vermute, dass genau aus diesem Grund später auch nochmal C64-Modelle im alten Gehäuse angeboten wurden. Da hängt ja auch viel dran. Verpackung und Ladekapazitäten bei Containern, LKWs zum Beispiel.

    Der C116 zielte auf eine andere Käuferschicht ab, da war Kompaktheit ein Faktor, den man wohl für wichtig hielt. Aber über eine an den plus/4 angelehnte Optik sollte wohl signalisiert werden, dass man bei Commodore mehr fürs Geld bekam.

    Vielleicht haben C116 und plus/4 auch deswegen verschiedene Platinen und Gehäuse, weil man verhindern wollte, dass potenzielle

    plus/4-Kunden erst den deutlich billigeren C116 kaufen, in der Absicht, diesen erst bei Bedarf (und dann womöglich von Drittanbietern) aufrüsten zu lassen.

    Im Nachhinein betrachtet, hat Commodore bei dieser Modellreihe so ziemlich alles falsch gemacht, was ging.

    Man wollte VC20-Kunden halten, ihnen dann aber nicht einmal die Weiterbenutzung von Datassette und Joystick gestatten? Na, danke!

    Man brachte drei Rechner auf den Markt, die in technischer Hinsicht ein Rückschritt waren (trotz einiger charmanter Details), statt sich auf die nächsten logischen Schritte zu konzentrieren. 16-Bit-Rechner waren absehbar!

    Ich glaube, man hat bei Commodore die Marktsegmente einfach völlig überbewertet und als viel zu statisch angesehen.

    Man hat verkannt, dass das Billigsegment deutlich an Bedeutung verloren hatte und die Käufer inzwischen bereit waren, mehr Geld für Computer auszugeben.

    Wäre es da nicht sinnvoller gewesen, die vorhandenen Rechner aufzuwerten (VC20 mit umschaltbarer 40Z-Ausgabe und 32k? / C64 mit 128k und Simons' BASIC (bugfixed)), auch mit besserer Peripherie (schnellere Floppy¹, etc.) und sich ansonsten auf die Entwicklung eines 16-Bit-Rechners zu konzentrieren, um die ersten zu sein, die sowas billig anbieten (Commodores Stärke)?

    Ich weiß leider gar nichts über Bemühungen bei Commodore, einen 16-Bitter zu entwickeln, die Amiga-Sparte wurde ja zugekauft.

    Kann es sein, dass die gar nicht die Leute und die Kapazitäten für sowas gehabt hätten? Die Erfolge bis dahin waren ja auch eng mit einzelnen Personen verknüpft, die mit relativ kleinen Teams neue Rechnermodelle entwickelt hatten. Bereits da gab es starke interne Kämpfe, die Innovation ausbremsten.

    Ich vermute, man überschätzt auch die Kapazitäten von Commodore leicht. Die ganze Computerbranche war damals ja noch vergleichsweise klein. Auch Commodore war kein billionenschwerer Technologiegigant, sondern hatte sich von einem mittelständischen Büromaschinenhersteller in wenigen Jahren zum Marktführer bei den Heimanwendern gemausert. Wohlgemerkt bei den Heimanwendern.

    1977 kam der PET, 1982 der C64. Das waren gerade einmal 5 Jahre! Deren Erfolg lag nicht unwesentlich auch daran, dass Branchenriesen wie IBM eine Zeit brauchten, um zu erkennen, dass in dem Preissegment was zu verdienen war und entsprechend zu reagieren. Oft ist zu lesen, Big Blue hätte den Trend verschlafen. Ich kann mir auch vorstellen, dass die erstmal bewusst eine Weile zugesehen haben, bis sich ein Markt entwickelt, um dann dessen Bedürfnisse zu erkennen und entsprechend zu bedienen. IBM konnte es sich vielleicht einfach leisten, die Irrungen und Wirrungen den kleinen Klitschen zu überlassen. Als der IBM PC dann auf dem Markt war, war doch recht schnell klar, dass dieser zum Maß aller Dinge werden würde. Und Commodore eierte da immer noch mit C116 & Co. rum, orientierte sich nach unten statt nach oben? Dabei spielt sicher eine Rolle, was axorp berichtet dass nämlich Commodore gerade anfangs mit Qualitätsschwankungen und Lieferschwierigkeiten zu kämpfen hatte, dass man als Händler schnell sein musste, wenn man Kunden mit Ware beliefern wollte und dass eine eigene Reparaturabteilung von Vorteil war. Die wollten nicht nur nicht, die konnten einfach nicht. Die waren eher zufällig in eine Marktlücke gestolpert, die sie nach oben gebracht hatte, und hatten dann massive Probleme, die Goldader auszubeuten, auf die sie gestoßen waren. Es mussten ja mehrfach Investoren große Geldmengen nachschießen, um eine Pleite abzuwenden (die dann irgendwann doch kam).

    Von daher nochmal zusammengefasst meine Vermutung: Hauptgrund dafür, dass der C16 ein Brotkastengehäuse bekam war, dass es billiger zu produzieren war, weil die Anlagen bereits vorhanden waren.

    _______________________________________

    ¹ Wäre das nicht ohnehin eine Möglichkeit gewesen, Geld zu verdienen, indem man denen, die bereits einen C64 besaßen, aber noch keinen Rechnerneukauf planten (wir sprechen hier immerhin von 1984/85, oder?), eine schnellere 1541 mit Parallelspeeder anzubieten? Da hätte mancher vielleicht auch eine zweite Floppy angeschafft, der dies ansonsten nicht tat.

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    „Vor dem Himmel kommt das Leben auf Erden, und da gilt es, eine soziale Gesellschaft aufzubauen.“ – Heinz Nixdorf (1986)

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  • IBM hat ja dann mit dem Personal Computer vorgemacht, wie eine Architektur auszusehen hat, die man kompatibel weiter entwickeln kann.

    Schon vor IBM und dem C64 hat der Apple II seit 1977 vorgemacht, wie das mit einer erweiterbaren Architektur geht. 40 Zeichen, 80 Zeichen, immer höhere Bitmap-Auflösungen, von 8K bis 1MB (und mehr), verschiedene Programmiersprachen und Betriebssysteme, andere CPUs, am Ende sogar 16 Bit und Ensoniq-Soundchip.

    Die Sache ist die: Wenn man eine erweiterbare, mitwachsende Plattform haben will, muss man die Basis möglichst simpel aufbauen (siehe Apple II und IBM PC). Wenn man aber mit allen möglichen komplizierten Spezialchips für Grafik, Sound und anderes daherkommt, wird die Erweiterbarkeit erschwert, weil man schnell die Kompatibilität zu Bestands-Software zerstört. Das hat Commodore beim C64 gemerkt und beim Amiga eigentlich genau so.

    Aber natürlich führt das alles vom Thema weg: Warum kam der C16 nicht im Gehäuse des plus/4?

    Wie oben schon gesagt wurde: Er kam ja – und nannte sich C116. Warum zusätzlich C16 im Brotkasten? Ich finde, da hat Tele einiges gutes zu gesagt.

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  • Wenn man aber mit allen möglichen komplizierten Spezialchips für Grafik, Sound und anderes daherkommt, wird die Erweiterbarkeit erschwert, weil man schnell die Kompatibilität zu Bestands-Software zerstört. Das hat Commodore beim C64 gemerkt und beim Amiga eigentlich genau so.

    Beim Amiga würde ich sagen, kommt auf das Modell an. Die Großen ähneln da ja schon dem PC-Erweiterungskonzept mit mehreren Erweiterungssteckplätzen. Daß grundlegende Ein/Ausgabemöglichkeiten alle schon onboard waren, sehe ich sogar als Vorteil gegenüber dem IBM AT, wo man für fast alles zwingend Erweiterungskarten benötigt hat.

  • Von daher nochmal zusammengefasst meine Vermutung: Hauptgrund dafür, dass der C16 ein Brotkastengehäuse bekam war, dass es billiger zu produzieren war, weil die Anlagen bereits vorhanden waren.

    Die Anlagen für die Produktion von Plus/4-Gehäusen waren bei Produktionsstart der TED-Serie aber ebenfalls vorhanden. Eine und die selbe Platine - ein mal mit vollen 64K RAM, Zusatz-ROMs, UART und Userport, ein mal ohne - in das selbe Gehäuse zu stecken und je nach RAM/ROM-Ausbau "C16" oder "Plus/4" drauf zu schreiben wäre sicher billiger gewesen als zwei unterschiedliche Platinen in zwei unterschiedlichen Gehäusen.

    Vielleicht ging es ja wirklich um die optische Nähe zu C64 und VIC 20 - das waren die "Consumer"-Rechner: Billig, Teenager als Zielgruppe, hauptsächlich zum Zocken - das passt exakt auch zum C16. 264/364 usw. wurden ja eher als "Business"-Computer vermarktet, der Unterschied war dann halt auch am Gehäuse zu erkennen...

    Hab auch mal "A Company on the Edge" durchgesehen, interessantes Zitat:

    Zitat

    The engineers housed the near-complete TED prototype in a VIC-20 case painted black.

    Das war im Herbst 1983, als sie den Auftrag bekommen haben zur CES im Januar 1984 was Vorzeigbares fertigzustellen.

  • Das war im Herbst 1983, als sie den Auftrag bekommen haben zur CES im Januar 1984 was Vorzeigbares fertigzustellen.

    Hmm also laut C64-Wiki hat Jack Tramiel auf der CES im Januar 1984 lediglich die Urtypen 264 und C364 vorgestellt, und bald kurz danach wurde Tramiel ja gefeuert. Den C16 gabs damals noch nicht, der wurde erst Wochen/Monate später nach Jack Tramiels "Abgang" entwickelt. Der C16 wurde erstmals zusammen mit dem von 264 in plus/4 umgetauften Rechner in der darauffolgenden SCBS im Juni 1984 vorgestellt. Vorher gabs ja die TED Developer Prototypen im C64-Gehäuse.