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So bekommt ihr einen Ton aus einem C64-Tracker

  • Den Anstoß hierzu gab oobdoo. Mal sehen, ob ich die Materie halbwegs verständlich rüberbekomme.


    Ich erkläre anhand der Programme

    Ninja Tracker (C64) https://csdb.dk/release/?id=39571

    und GoatTracker (Windows) https://csdb.dk/release/?id=204226


    Ihr müsst aber keines dieser Tools verwenden. Wenn ihr nämlich einmal verstanden habt, wie ein Tracker funktioniert, könnt ihr dieses Wissen auf fast jeden Tracker übertragen. Es geht dabei eigentlich immer nur darum, herauszufinden, „wo was ist“.


    Lassen wir die Theorie erst mal beiseite; ich zeige euch direkt, wie ihr den obigen Trackern Töne entlockt.


    Öffnet einen der Tracker und bewegt euch erst mal durch die ganzen Spalten. Im GoatTracker macht ihr das per Mausklick auf den jeweiligen Bereich, im Ninja Tracker verwendet ihr dazu die Tasten SHIFT+1 bis 8.


    Um einen Ton zu erzeugen, braucht ihr grundsätzlich drei Dinge:

    1. Eine Note

    2. Ein Instrument, das den Ton spielt

    3. Einen Lautstärkenwert, denn sonst ist es still


    1. EINEN TON ERZEUGEN

    Jetzt schreiben wir eine Note in den Tracker.


    ----

    GOAT: Ganz links oben seht ihr „CHN 1 PATT.00“. Klickt mit der Maus in das Feld weit darunter (diese Liste mit lauter Punkten und Nullen), der Cursor sollte an der Stelle „00“ stehen, denn dort wollen wir eine Note hineinschreiben. Diese Spalte ist übrigens die erste Stimme des C64. (Daneben sind die Stimmen 2 und 3.) Jetzt drückt ihr die Taste Q, eine Note („C-3“) wird automatisch eingetragen. Hinter der Note steht nicht mehr „00000“, sondern „01000“. Warum, ist euch vorerst egal.

    Nun klickt ihr in das zweite Feld von rechts oben, „INSTRUMENT NUM. 01“. Schreibt hier hinter „Sustain/Release“ den Wert „9D“. Die 9 ist der Lautstärkenwert, ihr könnt damit herumprobieren. Das „D“ interessiert euch erst mal nicht weiter. Als nächstes schreibt ihr direkt darunter unter „Wavetable Pos“ den Wert „01“. Danach geht es ins Feld genau darunter, „WAVE TBL“. Dort tragt ihr von Stelle „01“ an (also ganz oben) Folgendes untereinander ein:

    21

    20

    FF

    Das sieht am Ende dann so aus:

    01: 21 00

    02: 20 00

    03: FF 00

    Jetzt drückt ihr die Taste F1 und höre da, euer erster Ton erklingt. Mit der Taste F4 stoppt ihr das Ganze, mit F1 startet ihr die Wiedergabe erneut. Ihr wollt experimentieren? Weitere Noten könnt ihr mittels der Tasten QWERTY(…), ASDFG(…), ZXCVB(...) eingeben. Noten lassen sich so auch überschreiben. Einfach über der jeweiligen Note eine der genannten Tasten drücken.


    ----

    NINJA: Geht mit dem Cursor auf den Bereich „Trk 1“. Das ist die erste Stimme des C64. („Trk 2“ und „Trk 3“ sind die Stimmen 2 und 3.) Der Cursor steht nun in Zeile „00“ (links zu sehen). Hier drückt ihr RETURN, um eine Note einzutragen. Der Cursor springt jetzt ganz nach rechts in das Feld, wo „--- -- 64“ und darunter „===END===“ zu sehen ist. Überschreibt den Wert „64“ mit „24“. Mit SHIFT+DEL („Einfügen“) schiebt ihr dieses „END“ nun einige Felder nach unten. Sagen wir um 8 Zeilen. Achtung: Die 24 rutscht evtl. mit, haltet sie in der ersten Zeile, indem ihr SHIFT+DEL über dem „===END===“ drückt. Mit dem Cursor geht ihr ggfs. nun wieder ganz nach oben an die Stelle „00“, der Cursor muss über den drei Strichen „---“ stehen. Jetzt drückt ihr die Taste Q, eine Note („C-4“) wird automatisch eingetragen. Geht nun direkt hinter die Note und schreibt „01“ dahinter. Fertig.

    Der nächste Schritt ist, dem C64 zu sagen, womit er die Note spielen soll. Geht dazu in das Feld unten links, „Wave Tbl“ (SHIFT+01). Hier schreibt ihr untereinander Folgendes hinein:

    21

    20

    FF

    Das sieht am Ende dann so aus:

    01 21 00

    02 20 00

    03 FF 00

    Jetzt geht ihr in das Feld ganz unten rechts, „Commands“ (SHIFT+8). An dieser Stelle teilen wir dem Rechner mit, wie laut die Note gespielt werden soll. Bewegt den Cursor genau unter die „01“, er springt dort aber automatisch hin, wenn ihr die Cursor-Taste nach unten drückt. Nun schreibt ihr „009D 01“. Die Zeile sieht dann so aus: „009D 01 00 00“. Die 9 ist der Lautstärkenwert, ihr könnt damit herumprobieren. Das „D“ interessiert euch erst mal nicht weiter.

    Jetzt drückt ihr die Taste F1 und höre da, euer erster Ton erklingt. Mit der Taste F3 stoppt ihr das Ganze, mit F1 startet ihr die Wiedergabe erneut. Ihr wollt experimentieren? Weitere Noten könnt ihr mittels der Tasten QWERTY(…), ASDFG(…), ZXCVB(...) eingeben. Noten lassen sich so auch überschreiben. Einfach über der jeweiligen Note eine der genannten Tasten drücken.


    ANMERKUNGEN ZU 1.

    Vergleicht nun mal die beiden Anleitungen miteinander. Ich habe nicht nur einzelne Passagen copypasten können, sondern auch die Daten sind praktisch dieselben. Denn quasi jeder Tracker versteht „C-4“ bzw. „C-3“. Und auch die 21+20 als Instrument klingen überall gleich. Ebenso die Lautstärke „9“ steht fest.


    2. DIE MÖGLICHKEITEN WEITER AUSSCHÖPFEN

    Wie ihr einen Ton erzeugt, wisst ihr jetzt. Auch, wie man Noten in den Tracker schreibt. Vielleicht habt ihr in den Feldern „Trk 1“ (Ninja) bzw. „CHN 1 PATT.00“ (Goat) ja schon ein paar Noten untereinandergeschrieben. Diese werden dann nacheinander abgespielt, genau so wie sie dort stehen.


    Allerdings kennt ihr erst ein „Instrument“, nämlich dieses Wertepaar 21 und 20. Der C64 kann natürlich noch mehr. Hier eine Übersicht mit Erläuterungen:


    11+10 („Dreieck“): Lässt sich am ehesten als Flöte oder Orgel beschreiben. Ghosts ’n’ Goblins wäre ohne dieses Instrument nicht möglich gewesen. Sehr tief gespielt erinnert es an einen Subbass.

    15+14 („Ringmodulation“): Ähnlich wie 11+10, allerdings mit magischen Fähigkeiten. Hieraus werden Klänge wie in Ghouls ’n’ Ghosts, auch der Schrei in der Titelmusik, gezaubert.

    21+20 („Sägezahn“): Kennen wir nun, das ist einfach ein leicht sägender Ton.

    31+30: Eine „schärfere“ Variante des Sägezahns.

    41+40* („Rechteck“): Matt Gray liebte diese Wellenform im tiefen Bereich. Sie sorgt für den typischen Last Ninja 2-Sound.

    47+46* („Sync“): Eine beinahe verzerrte Version des Rechtecks. Rob Hubbard verwendete sie vermehrt in Dragon’s Lair II.

    51+50: Eine schärfere Variante des Rechtecks. Sie kann einem Spinett ähneln und erinnert ebenfalls an Ghouls ’n’ Ghosts.

    61+60: Noch eine Variante, allerdings mit Obertönen. Vergesst das gleich wieder.

    71+70: All diese Varianten. Dies ist eine klanglich sehr dünne.

    81+80 („Rauschen“): Hiermit werden Krach und Effekte gemacht: Meeresrauschen, Explosionen, Schlagzeugelemente. Schlau eingesetzt eignet sich das Rauschen aber auch zum Musik machen.

    Aber: Nicht jeder SID kann all diese Instrumente spielen. Wenn ihr einige davon auf einem alten SID, dem 6581, spielen wollt, bekommt ihr unter Umständen nichts zu hören. Nur der neue SID (8580) beherrscht die komplette Liste. Außerdem müsst ihr zum Spielen einiger Instrumente einen zusätzlichen Wert, die Pulsbreite, definieren. Das lassen wir an dieser Stelle. Die mit „*“ gekennzeichneten Instrumente stehen euch also noch nicht zur Verfügung.


    Ersetzt einfach 21+20 durch die „Paare“ ohne „*“. Probiert mit diesen Klängen herum, um zu verstehen, was die Instrumente im Einzelnen ausmacht und wie sie sich verändern, wenn man sie mit sehr unterschiedlichen Noten spielt.


    Eines solltet ihr noch wissen: Ich erkläre euch die Dinge vereinfacht, damit ihr überhaupt erst mal experimentieren könnt. Ein Instrument ist nicht immer dieses Wertepaar aus z.B. 11+10. Und es hat auch einen guten Grund, warum es gerade die Werte 11+10 und nicht etwa 10+10 sind. Würdet ihr 10+10 in einem Tracker verwenden, bekämt ihr ohne Weiteres nämlich nichts zu hören. Und 11+11 bzw. nur die 11 ergäbe einen Ton, der erst mit dem Schließen des Programms endet. Außerdem ist der klangliche Effekt, der hinter 15+14 sowie 47+46 steht, auf manche Instrumente übertragbar. Die Übersicht soll lediglich typische Anwendungsbeispiele geben. Ja: Wenn man C64-Musik komplett verstehen will, wird es zum Teil kompliziert.


    Na, seid ihr noch fit?

    Dann möchte ich kurz auf die Lautstärkenwerte zurückkommen. Zur Erinnerung: Ihr habt in den Tracker eingegeben

    GOAT: Unter „Sustain/Release“ den Wert „9D“

    NINJA: Unter „Commands“ den Wert „009D 01“

    Interessant ist hier dieses „9D“. Wie gesagt handelt es sich bei der „9“ um einen Lautstärkenwert. Das „D“ bestimmt, wie lang der Ton zu hören ist. Verändert ihr das D wie folgt, passiert ...


    01-03: Kaum was zu hören.

    04-07: Schon deutlicher, aber immer noch ein sehr kurzer Ton.

    08-0A: Jetzt kann man das Ganze schon gebrauchen.

    0B-0F: Der Ton braucht zunehmend länger, um abzuklingen, bei „0F“ sogar richtig lang.


    Wie ihr seht, wird in Trackern das Hexadezimalsystem verwendet. Das heißt: Werte gehen von 0-9 und dann geht es nicht mit 10 weiter, sondern mit A-F.

    Zur Veranschaulichung: 00, 01, 02, 03, 04, 05, 06, 07, 08, 09, 0A, 0B, 0C, 0D, 0E, 0F, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 1A, 1B, 1C, 1D, 1E, 1F, 20, 21, 22 usw. usf.


    Das bedeutet auch: Lauter als „0F“ geht nicht. Und Abklingen länger als „0F“ ebenfalls nicht.


    So, das alles müsst ihr jetzt erst einmal sacken lassen. Ich habe ohnehin schon mehr erklärt als ich wollte. Wenn ihr möchtet, kann ich das Ganze beizeiten fortführen, es ginge dann weiter mit der Erklärung und Modifikation von Noten. Wenn ihr Fragen haben solltet: Shoot.

  • Hmm, vielleicht versuche ich dann doch einmal dem C64 ein paar Klänge zu entlocken

  • Allerdings hab ich an einer Stelle unter 2. gepatzt:
    "Außerdem müsst ihr zum Spielen der meisten Instrumente einen zusätzlichen Wert, die Pulsbreite, definieren."
    Der meisten ist falsch, da hatte ich wohl einen Sekundenschlaf. Einiger genügt. Vielleicht kann das ja ein netter Mod korrigieren, ansonsten schreibe ich noch einen an.

  • Vielen lieben Dank, für diese ausführliche Hilfe.

    Werde mich bei Zeiten auch mal mehr mit Trackern befassen.

    Habe sonst nur am Sound-Monitor "Geräusche" produziert.

    :)

  • Lassen wir die Theorie erst mal beiseite; ich zeige euch direkt, wie ihr den obigen Trackern Töne entlockt.

    Find ich super, Dein tutorial :thumbup:


    Mit Goattracker hab ich mich schon ganz gut eingeschossen, aber den Ninja Tracker finde ich schon sehr abstrakt, was die Bedienung / die Noteneingabe angeht.

    Aber die größten Vorteile beim Ninjatracker sind: es läuft auf dem C64/realSID (also: what you hear is what you get) und die Playerroutine des NinjaTrackers benötigt noch weniger Rasterzeit als die des Goattrackers :thumbsup:

    Trotzdem ist für mich das Komponieren im NinjaTracker "like pain in the ass" :evil:


    Auch ein sehr gutes (wenn auch nicht vollständiges) Tutorial für den Goattracker gibt's hier - das hat mir sehr die Augen geöffnet in der Anfangszeit ....

    Achso, und FALLS, dann solltet Ihr gleich den GT2-fork von Spider-J nutzen. Der benutzt SDL2, ist übersichtlicher und hat auch gleich die STEREO-SID-Version mit an Bord :)

    hier noch der Link zu den GT2Fork Windows-binarys

  • Dann möchte ich kurz auf die Lautstärkenwerte zurückkommen. Zur Erinnerung: Ihr habt in den Tracker eingegeben

    GOAT: Unter „Sustain/Release“ den Wert „9D“

    NINJA: Unter „Commands“ den Wert „009D 01“

    Interessant ist hier dieses „9D“. Wie gesagt handelt es sich bei der „9“ um einen Lautstärkenwert. Das „D“ bestimmt, wie lang der Ton zu hören ist. Verändert ihr das D wie folgt, passiert

    auch mit dem Wert A von ADSR kann man an der SpurLautstärke drehen, manchmal bracht man das :)

  • Pscht! 😉 Ich wollte den Input möglichst gering halten. Zu viele Infos zu Beginn schrecken Laien evtl. ab, dachte ich mir. Es ist ja so schon ein ziemlicher Wälzer geworden.

    ok, ich bin still - mach mal immer Step by Step ;)

  • Früher hab ich, wie jeder Anfänger, viel experimentiert. Das heißt, ich habe meist Basslinien entworfen und dann langsam eine Melodie darüber aufgebaut. Welche Töne klingen gut und an welchen Stellen? Viele meiner frühen Stücke sind so entstanden.


    Später begann ich, im Kopf zu komponieren. Bauchkompositionen nennt man so was, glaube ich. Sam's Journey ist so entstanden. Ich habe mir immer ein Level, eine Szene angesehen und dann meine Emotionen sprechen lassen. Beim Zähneputzen 🙂, Bude putzen oder auch einfach "so". Wenn ich es so mache, kommen mir auch die besten Einfälle. Bei nicht spielebezogener Musik läuft es genauso, da orientiere ich mich halt am Songthema oder an der Stimmung.

  • Den Anstoß hierzu gab oobdoo. Mal sehen, ob ich die Materie halbwegs verständlich rüberbekomme.

    Vielen Dank. :knuddl:


    Und so schnell fertig mit so viel Text. Ich dachte Du wärst auf einen wohlverdienten Besuch auf der DoReCo. :thumbsup:

  • Sehr, sehr gut gemacht. Dann kann ich mich auch mal damit ein wenig ernsthafter befassen.


    Endlich mal so erklärt, das es auch Leute verstehen, die das noch *NICHT* können. Das können irgendwie nicht viele.


    Wobei ich nichts mit dem PC mache, ist ohne kaputt das Teil, mal sehen wie ich das Ninjateil auf den C64 bekomme.

  • Blöd ist halt bei den Trackern, dass die Tastatur ausschließlich anders gebraucht wird, als sie beschriftet ist, als Klaviatur. Das ist schon eine der ersten Hürden. Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn man einen anderen Modus hätte, in dem man die Noten mit A, B/H, C, D, E, F, G, # und 0-9 eingeben könnte.


    Tipp: Nehmt eine übrige oder billige Tastatur (so'n Teil von Lidl z.B.) und beklebt die mit den passenden Labels für alle Funktionen. Dafür eignet sich so ein Etikettendrucker.