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Funktionen von C64-Textverarbeitungen

  • (Was ich recht sicher weiß, ist, dass Formatvorlagen eine MS-Erfindung sind und erst mit MS Word eingeführt wurden – und ein Erfolgsgeheimnis von Word waren.)

    Ich weiß nicht, wer das Prinzip Formatvorlage "erfunden" hat, aber die Formatvorlagen in StarWriter (StarOffice, OpenOffice...) sind m.W. nicht nur älter als in Word, sondern auch viel konsequenter umgesetzt.

    Zum Beispiel?

  • In der Anrede "Sehr geehrtes Vereinsmitglied" und ein Adress-Aufkleber für den Umschlag hätte es aber auch getan, oder?

    Das sind zwei Druckdurchgänge statt einem, und vermutlich ein Umbau des Druckers bzw. der Papierzufuhr - ich kann mich nur an Etiketten auf schmalem Endlospapier (1 Etikett pro Zeile) erinnern, ich glaube nicht dass es damals schon A4-Bögen mit Etiketten-Aufklebern gegeben hat.


    Außerdem hat der "Report Generator" einer C64-"Datenbank" (große Worte...) i.d.R. seinen Report auf Diskette geschrieben, alleine schon aus Speicherplatzgründen. Eine konfigurierbare Druckfunktion wäre dann wieder ein separates Programm gewesen - das meist gefehlt hat oder mit einer Textverarbeitung nicht mithalten konnte.

    So richtig brutal notwendig war die Serienbrief-Funktion doch eher nicht und mehr so "weil ich es kann" – oder wie siehst du das im Nachhinein?

    Es war halt vergleichsweise leicht zu implementieren, und hat sich in der Webrung gut gemacht - weil es noch professionellem Einsatz klang.

    Und genau da sind solche Serienbrieffunktionen auch genutzt worden - In kleinen Betrieben sicher auch eine Zeitlang auf einem C64.

  • Ich weiß nicht, wer das Prinzip Formatvorlage "erfunden" hat, aber die Formatvorlagen in StarWriter (StarOffice, OpenOffice...) sind m.W. nicht nur älter als in Word, sondern auch viel konsequenter umgesetzt.

    Zum Beispiel?

    Zeig mir die C64-Version von Word und ich diskutiere sie in diesem Thread mit dir ;)

  • so der erste Versuch war bereits erfolgreich: Meine Arbeiten wurden alle mit VizaWrite 64 D erstellt

    Hast du evtl. noch die damalige deutsche Version von Vizawrite? Es kursieren so einige unterschiedliche Versionen im Netz und ich konnte bislang nicht erkennen, welche echt ist und welche von Hackern angepasst.


    Wenn ein Dokument nur aus ein paar Seiten besteht ist das [mehrere Dokumente im Speicher] ja auch kein Problem, bei reinem Text.

    Naja, je nach Textprogramme standen rund 20.000 bis 25.000 Byte für Text zur Verfügung. Wenn man eine DIN A4-Seite gut mit Text füllt (ca. 70 x 56 Zeichen), dann sind das knapp 4.000 Zeichen pro Seite – da ist nach 5 bis 6 Seiten Schluss. Natürlich mehr, wenn man 1.5-Zeilig einstellt und viele Absätze und Leerräume erzeugt (z.B. bei Briefen). Aber selbst dann sollte bei ungefähr 10 oder 12 Seiten das Ende erreicht sein. Keine Ahnung, wie sinnvoll es dann ist, den Speicher für mehrere Dokumente aufzuteilen. Zudem kenne ich in Vizawrite und anderen gängigen Programmen keine Funktion zum Verwalten von mehreren Dokumenten (im Speicher). Meines Wissen wurde der vorherige Text ersetzt, wenn man einen neuen geladen hat. Welche C64-Programme haben das anders gehandhabt?


    Block-Funktionen (u.U. Zeilen- statt Zeichen-basiert)

    Die Sache mit den Block-Funktionen finde ich gut. Aber gab es damals kein heute übliches Cut/Copy&Paste? Also einfach ein paar Wörter mitten im Text markieren und woanders hinschieben?


    ich glaube nicht dass es damals schon A4-Bögen mit Etiketten-Aufklebern gegeben hat.

    Stimmt. Kann sein, dass ich da zu modern gedacht habe. Seinerzeit war ja Endlospapier noch vorherrschend.


    Es war halt vergleichsweise leicht zu implementieren, und hat sich in der Webrung gut gemacht - weil es noch professionellem Einsatz klang.

    Ja, so würde ich das auch einschätzen. Aber schön, wenn es im Kleinen (Vereine etc.) trotzdem genutzt wurde.


    Zeig mir die C64-Version von Word und ich diskutiere sie in diesem Thread mit dir

    So wie ich das sehe, hat weder MS Word, noch StarWriter je den C64 erreicht. StarWriter war typische Z80-Software und war wahrscheinlich vorwiegend auf dem CPC zuhause, bevor es Richtung MS-DOS/X86 ging. Da es 2 Jahre nach Word auf den Markt kam, halte ich es für wahrscheinlicher, dass die Formatvorlagen zuerst bei Word erschienen. Aber das ist natürlich Spekulation.

  • Am schnellsten und effizientesten ging es für mich damals mit Startexter. Der konnte Umlaute, reagierte sehr schnell ohne Ladezeiten zwischendrin, ohne nennenswerte Abstürze und funktionierte gut mit meinem Epson Drucker. Das Ergebnis sah dann gedruckt in etwa so aus, als hätte man es mit der Schreibmaschine geschrieben wenn man es mit dem Matrixdrucker doppelt im "Feindruck" ausgedruckt hatte. Das war für einige auch umfangreichere Schularbeiten, die ich damals damit erleidgt habe, ausreichend. Wer es schön haben wollte, musste GEOS GeoWrite nehmen - allerdings war das für Texte runterschreiben in meiner Wahrnehmung deutlich weniger effizient. Dafür gab es schöne Schrifttypen.

  • Welche C64-Programme haben das anders gehandhabt?

    Mir ist keine C64-Textverarbeitung bekannt, die mehrere Dokumente gleichzeitig öffnen konnte.

    Die Sache mit den Block-Funktionen finde ich gut. Aber gab es damals kein heute übliches Cut/Copy&Paste? Also einfach ein paar Wörter mitten im Text markieren und woanders hinschieben?

    Begriffe und Funktionen wie Cut/Copy/Paste waren damals noch nicht etabliert, weswegen jedes Programm das anders gehandhabt hat. Blockfunktionen konnte jede Textverarbeitung - aber nicht alle konnte zeichenweise Text markieren - das ist das, was du mit "ein paar Wörter markieren" meinst: Mache konnten Text auch nur zeilenweise markieren. Also von Zeile X bis Zeile Y.

    So wie ich das sehe, hat weder MS Word, noch StarWriter je den C64 erreicht.

    Richtig. Das war lediglich ein humoristischer Hinweis darauf, dass ich keine OT-Diskussion Word-vs-LibreOffice lostreten wollte.

  • das hat mich jetzt neugierig gemacht und habe hier mal 3 Seiten aus einer Diplomarbeit von 1986/87 (erstellt mit Vizawrite und Star NL-10)


    was fällt auf:

    rechts/links bündig, keine Proportional-Schrift, Absatzeinrückung, die Grafiken konnte Vizawrite nicht verwalten, die wurden später auf dem Ausdruck eingeklebt also old-school mit UHU, Seitennummerierung, Fußnotenverwaltung



    zwei Spalten-Verwaltung



    Tabellenerstellung

  • von Hand einen Rechts/links Randausgleich, das ist aber verdammt mühsam, wenn man nachträglich noch ein Wort einfügen oder streichen will.


    Was die Tabelle betrifft, da hast Du recht, die Rahmen wurden offensichtlich nachträglich eingezeichnet,

    dann konnte VizaWrite vermutlich nur Tab-Sprünge machen.


    So sieht es in der App aus...



    Aber am Ende zählt das Ergebnis, oder nicht ....(siehe oben)

  • Hast du evtl. noch die damalige deutsche Version von Vizawrite?

    anbei zwei Versionen:

    die eine mit dt/en Version (das war wohl die offizielle Version)


    VizaWrite dt en.d64


    die andere mit einem von mir selbst geschriebenen bootloader, um bei einem Start NL-10 vorab den Zeichensatz einzustellen ...


    VizaWrite dt für Star NL-10 (eigen).d64

  • der seinerzeit aufwändiger war als es heute der Fall wäre.

    da ob das so richtig ist kann man auch diskutieren:

    Den C64 hast Du eingeschaltet, die App geladen und alles hat sofort funktioniert und das immer noch heute genauso.

    Versuch das bitte mal mit einem Windoof System, das verlangt ständig nach Deiner Aufmerksamkeit mit update, defrag, backup etc. und wenn Du das 25 Jahre später einschalten würdest läd es erst mal 14 Std. lang alle aufgelaufenen patches runter, erstellt restore-points und installiert bevor Du irgend etwas tun kannst....

  • Ich habe als Textverarbeitung, aber auch anderen Anwendungen, immer die Bücher-Software von Markt&Technik verwendet, meist gabe es auch ein Import/Export-Funktion von einem zum anderen Programm, diese Progamme reichten mir aus, dank dem Buch hatte man eine sehr gute deutsche Anleitung und die 64er-Zeitung war voll mit Tipps&Trick und Erweiterungen für diese Programme. Klar, mit GEOS und seinen Erweiterungen/Programmen gab es dann eine besseres Software für den C64.


    MasterText 64 (es gab auch MasterText 128), bei Mastertext 64 gab es sogar eine Software 80-Zeichen-Ansicht, aber mehr als die Form des Textes konnte man da fast nicht sehen:



    und die anderen Programme die ich damals verwendete:

  • da ob das so richtig ist kann man auch diskutieren:

    Den C64 hast Du eingeschaltet, die App geladen und alles hat sofort funktioniert und das immer noch heute genauso.

    Versuch das bitte mal mit einem Windoof System, das verlangt ständig nach Deiner Aufmerksamkeit mit update, defrag, backup etc. und wenn Du das 25 Jahre später einschalten würdest läd es erst mal 14 Std. lang alle aufgelaufenen patches runter, erstellt restore-points und installiert bevor Du irgend etwas tun kannst....

    Das war jetzt auch irgendwie ein einziges (Pseudo-)Argument mehrfach wiederholt. Defrag war ein Problem magnetischer Datenträger. Also durchaus mehr ein 64er Problem denn ein Problm heutiger SSD. Backups waren auch damals wichtig. Und sind halt einfach nur ein wichtiger Baustein einer guter Datenhaltung. Einzig Updates sind ein Ding, was damals halt nicht automatisch angeboten wurde. Ob das jetzt die Einschränkungen des beschränkten Speicherplatzes, der verhunzten seriellen Übertagung oder generell des Workflows von Diskette aus zunichte macht, sei dahingestellt, ganz gleich ob man seine Einstellung mit kindischem "Windoof" versucht zu untermauern.

  • ich hab damit mein Ziel erreicht - und nur das hat gezählt.

    Das stellt doch auch niemand in Abrede. Ich fand deinen Einwand mit für heutige Technik angeblich notwendigem Update, Defrag, Backup, Restore Point usw. allerdings auch unnötig, unpassend und unverhältnismäßig auf mehreren Ebenen. Mir fehlt aber auch jegliche Lust, darauf detailliert einzugehen. Daher zur Reflexion nur kurz gefragt (auch wenn das schon jetzt alles offtopic ist): Bevorzugst du heute immer noch VizaWrite auf dem C64 oder doch ein moderneres Programm auf einem mehr oder weniger aktuellen Computer, um beispielsweise eine Diplomarbeit zu schreiben (wenn du wieder müsstest)? Und was nutzt du tatsächlich heute für Textverarbeitung im weitesten Sinne?

  • das hat mich jetzt neugierig gemacht

    Naja, Die Tabelle ist handgemalt und vorher mit Tabs "in Form" gebracht.

    Das Zweispaltige ist einspaltig mit Tabs/Leerzeichen und "Einrückung"

    Die Texte im Fußtext und unter dem Bild können mit Absatzformat (Einrückung) erstellt sein.


    Der Blocksatz hier ist allerdings stümperhaft umgesetzt. Das erste Wort der nächsten Zeile hätte da noch in die erste gepasst und dass das "m" da so frei rumfliegt... ne, das dürfte auch nicht sein. ;-)