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Für mich ist Soul Force eines der wichtigsten C64 Spiel in diesem Jahrtausend. Deshalb folgt jetzt ein langer Rant, den vermutlich niemand lesen wird... aber was soll's...
Obwohl für mich Turrican der Höhepunkt der C64 Spielwelt war, ist es besonders meine Liebe für horizontal scrollende Ballereien, die meine damalige Begeisterung für Spiele ausgemacht hat. Andere Genres natürlich auch, aber von den H-Ballereien gab es auf dem C64 ja wirklich viele gute Exemplare. Selbst einige Budget-Veröffentlichungen und GameOn Titel waren neben Größen wie Katakis und Armalyte immer noch spielenswert. Seit 1999 Crush erschienen ist, tat sich auf dem Gebiet (Metal Dust und einige gute neue Ballerspiele, die nicht in das Schema passen, von dem ich spreche mal ausgeklammert) leider nicht mehr viel. Alles, was von Leuten wie Jason Kelk und Richard Bayliss im Zeitraum Mit-90er bis heute erschienen ist, war leider immer eher simpel gemacht und höchstens für ein paar Minuten spaßig. Als dann auch noch das sehr vielversprechende Enforcer 2 nicht mehr weiterentwickelt wurde, habe ich mich schon gefragt, ob es jemals wieder ein aufwendiges Ballerspiel im Enforcer / R-Type Stil auf dem CeVi geben würde. Meine Hoffnung lag bei den Knights of Bytes (immer noch). Mal schauen was von denen noch kommt... aber Soul Star hat fürs Erste das Ballerherz definitiv höher schlagen lassen.
Sarahs Erscheinen auf der Bühne der C64 Entwickler ist allgemein eines der wichtigesten Ereignisse für C64 Spiele Fans in den letzten Jahren. Sie hat momentan anscheinend die Zeit und die Motivation schnell aufwendige Projekte durchzuziehen, und sie lässt uns auf Twitter jederzeit den Fortschritt sehen. Einziger kleiner Nachteil bei ihr ist, dass sie momentan möglichst alle Aufgaben bei der Entwicklung selbst übernimmt. Würde sie sich in einigen Dingen Hilfe holen, würde das der Qualität der Spiele zugutekommen.
Der größte Unterschied von Soul Star zu den Klassikern ist die Speicherfunktion, durch die das Spiel im Gegensatz zu den vielen Ballerspielen, an denen ich damals verzweifelt bin, verhältnismäßig einfach zu schaffen ist. Auf Normal konnte ich mich ohne große Probleme durchballern (zwei Level hab ich nach Lebensverlusten neu gestartet). Hard fand ich perfekt. Allein das Vorhandensein von vier Schwierigkeitsgraden spricht für die Qualität des Spiels.
Technisch lässt sich nichts an Soul Star aussetzen. Auf diesem technischen Level bewegen sich ja auch nicht viele Spiele. Auf den höheren Schwierigkeiststufen verschwinden ab und an gegnerische Schüsse weil mehr als 8 Sprites nebeneinander liegen. Vielleicht hätte man die Schüsse in solchen fällen schnell abwechselnd darstellen können. Die zusätzliche CPU Last kann ich nicht beurteilen. Problematisch war dies aber auch so gut wie nie.
Grafisch ist das Spiel vor allem dank des immer beeindruckenden Parallax-Scrollings sehr gelungen. Die Bitmaps zwischen den Levels erreichen zwar nicht die Qualität vom Output von einigen Szenegrafikern, werten das Spiel atmosphärisch aber schön auf. Die Hauptattraktion der Hintergründe sind zwar die Parallaxeffekte, aber auch sonst sind sie schön gepixelt. Auch die Sprites sind gelungen. Lediglich die grafische Gestaltung der Bosse fand ich bis auf einige Ausnahmen eher lahm. Dafür sind sie mit ihrem verschiedenen Angriffen spielerisch interessant (wenn auch oft etwas zu einfach), was man noch nicht in vielen C64 Spielen gesehen hat.
Leider weniger gelungen ist die akustische Seite des Spiels. Wenig auszusetzen gibt es an den Soundeffekten. Schön SFX und Musik im Spiel zu haben. Die Musik an sich ist aber teilweise eher grenzwertig. Richtig schlecht finde ich die Titelmusik. Grundsätzlich sind die Musiken während des Spiels schon passend. Nur merkt man hier (nur meine Meinung), dass das Komponieren Sarah nicht liegt. Das richtige Tempo, die richtige Stimmung und gute Instrumente bekommt sie ganz gut hin. Nur ist ihre Art zu komponieren spielübergreifend so gar nicht mein Ding. Statt z.B. eine Folge von Akkorden und eine übergreifende Melodie spielt sie gerne eine kurze Folge von Noten (im schlimmsten Fall den Teil einer Tonleiter rauf und runter) und wiederholt die Abfolge dann ein paar Noten tiefer (oder höher), dann ein paar Noten höher (oder tiefer) und dann wieder auf der Ursprungsnote. In einigen Fällen fand ich die Musik so im Hintergrund während des Spielgeschehens ganz okay. Aber in den meisten Fällen klingen die Levelmusiken nicht nur viel zu ähnlich (immer der gleiche Bass/Tempo), sondern gefallen mir halt kompositorisch auch nicht. Sarah macht das Komponieren anscheinen Spaß, und sie findet ihre Musik gut (andere anscheinend auch). Trotzdem wäre es schön für ihre Spiele sie würde zumindest einige Stücke von anderen Musikern mit einbauen. Eine starke Titelmelodie hätte den musikalischen Aspekt von Soul Star schon deutlich verbessert.
Insgesamt ist Soul Star jedenfalls jeden Cent wert. Spielerisch wären sicher noch einige Innovationen möglich gewesen (das Extrawaffensystem ist altbekannt), mehr Abwechslung ebenfalls (der zusätzliche Aufwand ist aber für so ein Projekt unrealistisch) und akustisch ginge noch viel mehr, trotzdem steht das Spiel ohne Probleme an der Spitze der modernen C64 Ballereien und es ist eine Freude die flüssige Sprite-Wuselei und Scrolling in Perfektion zu genießen und sich frustfrei durch das Spiel zu ballern. Ich habe fertig...