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Ein kleiner Nachruf auf webOS und die letzte Geräteserie von HP zum 9. Jahrestag des Firesale

  • Mir fällt gerade erschreckend ein, dass der (furchtbare!) Firesale aller webOS-Geräte bei HP jetzt auch schon genau neun Jahre zurück liegt. 8o


    Was war ich damals entsetzt, als dieses mobile OS, dass in seiner Benutzbarkeit und Ergonomie allen anderen Systemen der damaligen Zeit um Jahre voraus war, mit einem Fingerstreif von dem Vorstandsidioten Leo Apotheker über Nacht vernichtet wurde (seine enorme Inkompetenz hat der Typ dann natürlich noch mit der Autonomy-Übernahme komplettiert worauf die Hälfte der Marktkapitalisierung von HP den Bach runter ging). Hätte ich mir bis zu dem Zeitpunkt nie träumen lassen, dass man die Dämlichkeit des Commodore-Managements von Anfang der 1990er weit würde übertreffen können. X(


    Aber seis drum, anders als beim Amiga, haben die beiden nun übrig gebliebenen mobilen Touch-OS heute tatsächlich den Kern der Grandiosität von webOS - Multitasking über Cards, die nebeneinander angeordnet die laufenden Apps darstellen und über ein "Rauswerfen" nach oben beendet werden können - komplett 1-zu-1 so übernommen. Bei iOS ging das schneller, aber seit Android 8 (huh, oder 9?) ist das jetzt auch genau so (vorher hat man dort noch am rauswerfen nach links und rechts festgehalten (und das obwohl der webOS-Designer Mattias Duarte nach dem Ende bei HP zu Google wechselte und über die Jahre aus der optischen Gruseligkeit auch aus Android ein optisch ansprechendes OS gestaltet hat).


    Aber diese Mischung aus simpler Eleganz und optischer Schönheit zum einfachen Einstieg für den Smartphone Neuling kombiniert mit der Offenheit zur Installation von Apps und Erweiterungen für den Profi, ja, darin war webOS schon großartig und ich hätte mir ein längeres Leben auf Smartphones und Tablets gewünscht. Das war schon sehr ärgerlich das HP Touchpad - ein typisches Weihnachtsgeschenk - kurz nach Marktstart im Hochsommer abzukündigen, weil es sich in einer Zeit nicht verkauft in der die gesamte Zielgruppe noch im Urlaub ist. :facepalm:

    Immerhin kann man mit einem HP Touchpad heute mehr anfangen als mit einem Apple iPad aus dem selben Jahr, wenn einem das heute noch zuläuft. Immerhin läuft auf letzterem fast keine App aus Apples Store mehr, während mit dem Touchpad und LineageOS erstaunliches möglich ist (sofern die Hardware in der Zwischenzeit nicht die Segel gestrichen hat).


    Aber die webOS-Geräte waren auch mehr als die Software und der peinliche Kleinkrieg mit Apple am Anfang ob Musik aus iTunes synchronisiert werden kann. Mit dem Übergang zu HP wurde die Hardware endlich schnell genug für das OS, das Box-Design war schicker als bei Apple und andreswo erst viel später realisierte Induktionslösungen mit Qi gab es hier mit den Touchstones bereits in Serie. Der HP Veer - das wohl letzte Gerät, das versuchte die modernste Lösung der Zeit in einen ganz kleinen Formfaktor zu packen - hatte zudem mit dem magnetischen Connector für Kopfhörer und USB-Verbindung bereits den Smartconnector vorweg genommen, wie ihn später Apple an den iPad Pros und Microsoft an den Surfaces eingesetzt hat. Ach, war er nicht schuckelig ...



    Im Firesale war natürlich das HP Pre 3 das Topmodell - und durchaus performant - aber beeindruckend war eher was in der Pipeline steckte und nicht mehr kam: Einmal das Hp Touchpad Go (lange bevor Apple sich durch Kundenwünsche zur Fertigung des iPad mini gezwungen sah) und das HP Windsor, welches ohne Slide-Keyboard dem später erschienenen, schicken und günstigen Nexus 4 doch - zumindest von der Rückseite - recht ähnlich sah. War wohl auch kein Zufall, da Mattias Duarte die Design-Idee bei seinem Wechsel zu Google mitgenommen hat.


    Aber gut, nun sind neun Jahre vergangen, alle führenden Hard- und Software-Ideen, die die webOS-Geräte damals der Konkurenz voraus hatten sind - zum Glück! - in die aktuellen Smartphones gewandert. webOS lebt bei LG als TV-OS weiter (hat damit aber nichts mehr von der eigentlich entscheidenden Touch-Oberfläche auf den Smartphones) und die Karavane zieht weiter. Anfang 2020 hat Microsoft mit dem endgültigen Ende der OS-Updates Windows 10 Phone (oder war es Mobile?) begraben und nun preist Apple für das kommende iOS 14 "Widgets" als den heissen Scheiss an, also eine ziemlich exakte Nachbildung im Apple-Kosmos dessen, was unter dem Microsoft-System die Live Kacheln waren.


    Für mich bleibt nur festzustellen, dass manche Smartphones nur Verbrauchsgeräte darstellen (hat da wer Samsung Galaxy gesagt?) während andere einfach Ikonen sind, die auch heute noch ein angenehmes Gefühl verursachen, wenn man sie noch mal in lauffähigem Zustand in die Hand bekommt. Die letzte Serie der webOS-Geräte von HP gehört definitiv dazu (und auch das Palm Pixi (Plus) als einziges Nicht-Slider-Smartphone mit webOS) und ähnelt zudem für mich durch den Firesale irgendwie Commodores 264er, die auf ähnlichem Weg (mit Hilfe von Uli Hoeneß und Aldi) günstig zu uns fanden.

  • Ich fand die Geräte damals nicht schlecht – vor allem das OS wusste zu gefallen. Die Hardware gefiel mir nicht ganz so gut – der Pre-Slider war recht scharfkantig, der Kunststoff knarzte und mit den Mini-Tasten kam ich schlechter zurecht als mit dem Soft-Keyboard der frühen iPhones – irgendwie funktionierten die Blackberry-Tasten etwas besser, die Geräte waren aber auch breiter. Was aber ausschlaggebend für mich damals war, nicht auf den WebOS-Zug aufzuspringen, war die deutlich schlechtere App-Versorgung. Klar, die allerwichtigsten Apps gab es natürlich aber an manchen Tagen kamen über 1.000 iOS-Apps/Games auf den Markt – von dieser Dynamik konnte man bei WebOS nur wenig zu spüren.


    Leo Apotheker hat bei HP eine Menge Fehler gemacht und es ist gut, dass er abgelöst wurde.


    Wie du schon sagst – aus WebOS ist viel Gutes von den anderes Systemen übernommen worden – z.B. auch das Notification-Center. So bleibt ein gewisses Erbe erhalten.


    Ruhe in Frieden, liebes (Palm/HP) WebOS

  • Ich fand die Geräte damals nicht schlecht – vor allem das OS wusste zu gefallen. Die Hardware gefiel mir nicht ganz so gut – der Pre-Slider war recht scharfkantig, der Kunststoff knarzte und mit den Mini-Tasten kam ich schlechter zurecht als mit dem Soft-Keyboard der frühen iPhones – irgendwie funktionierten die Blackberry-Tasten etwas besser, die Geräte waren aber auch breiter.

    Ja, davon hatte ich gelesen. Selber hatte ich aber kein Gerät und wartete auf das Tablet. Als dann der Firesale kam war ich geschockt und wollte nicht wahrhaben, dass ich niemals in den Genuss von webOS - was ich damals für das mobile OS mit der besten Usability hielt - würde kommen können. Nach einigem Suchen hatte ich dann drei Touchpads (Eltern, Schwiegereltern und wir), einen Pre 3 und ein Veer ersteigert. Bei den HP-Smartphones war da (mit der matten Softtouch-Oberfläche) das Anfassgefühl und die Qualität wirklich gut.


    Nichtsdestotrotz war natürlich ein vertikal aufzuschiebendes Gerät mit echter Tastatur - egal ob Pre oder Blackberry - nicht wirklich gut mit dem einhändigen Ansatz. Bei uns in der Firma wurde später von Symbian auf Android umgestellt und so fielen mir ein paar fast unbenutzte, letzte Nokias in die Hände (mit dem OS, wie es von Nokia kam, ein Krampf aber mit der Custom Firmware "Belle Delight" schnell und stabil). Deshalb war und wird für mich der All-Time-Favorit wie ein Tastatur-Slider in der Hand liegen muss, immer das Nokia E7 bleiben (flach, stabil in Alu mit Alu-Tastatur!).

    Was aber ausschlaggebend für mich damals war, nicht auf den WebOS-Zug aufzuspringen, war die deutlich schlechtere App-Versorgung. Klar, die allerwichtigsten Apps gab es natürlich aber an manchen Tagen kamen über 1.000 iOS-Apps/Games auf den Markt – von dieser Dynamik konnte man bei WebOS nur wenig zu spüren.

    Beim Smartphone hast du sicher Recht, obwohl ich das - vom Nokia-Feature-Phone E51 kommend - nicht so empfand, denn die wichtigsten Apps und der MP3-Player waren da und hinzu kam die großartige Bedienbarkeit und ein echter WebKit-Webbrowser wie im iPhone. Mehr wollte ich zu der Zeit gar nicht unterwegs haben, denn die Mobilfunktarife waren viel zu teuer.


    Ganz anders sah - und sieht! - das auf den WLAN-Tablets bis heute aus. Der Hype, dass die den PC ablösen würden, fand ich schon damals bescheuert. Das Tablet mit WLAN ist viel mehr der moderne Ersatz für dort, wo früher die Fernsehzeitschrift lag. Zu 60% braucht es den Internet-Browser, zu 30% eine Fernseh-App (die TV-Spielfilm-App unter webOS war großartig so lange sie von der API noch supported wurde, viel besser als das was es heute unter iOS gibt!) und der Rest ein paar Hilfs-Apps, wie Wetter, Übersetzung usw.


    Genau aus dem Grund war das HP Touchpad auch perfekt für die älteren (Schwieger-)Eltern: Eine bessere Bedienbarkeit gab es damals weder unter iOS noch Android. Zudem ist der induktiv ladende Touchstone-Stand gerade für schon etwas zitterige, alte Hände und schlechtere Augen großartig. Immer den micro-USB-Stecker reinpfriemeln war und ist nichts für die alten Herrschaften. Schade, dass das bis heute keiner nachbaut. So habe ich dann vor einigen Jahren doch Abschied von webOS nehmen müssen, als fast keine Seite mehr ordentlich geladen wurde, um die Geräte mit Android zu beladen (wurde Milaqs Android 4.4.4, dass die Kombination aus größtmöglicher Stabilität und Hardwareunterstützung versprach, es gibt aber natürlich auch aktuellere Portierungen).


    Bedenken sollte man an der Stelle natürlich auch den enormen Einsatz Einzelner, um aus den "gefiresalten" Geräten überhaupt einen Nutzen nach der Aufgabe von HP zu ziehen. Das war unter webOS vor allem Jason Robitaille, der Funktionen und Tools nachrüstete, damit webOS noch ein paar Jahre auf Augenhöhe mit den Konkurrenten bleiben konnte, obwohl die offizielle Weizerentwicklung eingestellt war und James C. Sullins' Toolbox, die/der mit viel Aufwand den Grundstein legte, damit zumindest die HP Touchpads bis heute unter Android tatsächlich produktiv genutzt werden können.


    Aber wie bereits geschrieben, mir entlocken die Geräte immer noch Begeisterung, wenn ich sie funktionsfähig in die Hand nehmen kann. Hier kann man noch mal beim Unboxing dabei sein, als wäre es 2011. ^^

    Leo Apotheker hat bei HP eine Menge Fehler gemacht und es ist gut, dass er abgelöst wurde.

    Das du das so emotionlos aussprechen kannst! X(


    Von mir aus hätte Meg Whitman ihn gerne auch öffentlich auspeitschen dürfen, um der Welt zu zeigen, dass es bei HP jetzt wieder aufwärts geht ... nur ein Peitschenhieb für jedes verramschte webOS-Gerät. Der Verkauf von webOS hat dann auch viel zu lange gedauert. Wer weiß, wenn das früher an LG gegangen wäre, hätte es von dort vielleicht nicht nur Fernseher sondern auch Smartphones gegeben. Das optimale Gerät dafür - Googles Nexus 4 - kam ja auch von Lucky Goldstar. So aber krebst bis heute das in LuneOS umbenannte OpenWebOS mit sehr mageren Fortschritten vor sich hin und ist damit untot wie SailfishOS. Zwei die mal besser waren als der Rest am Markt aber wohl nie wieder auf Smartphones zurückkehren werden.


    Übrigens, wem das alles nichts sagt, hier gibt es eine schöne Zusammenfassung der Geschichte, retrospektiv in diesem Jahr aufgeschrieben.

  • Das ist ein Moment der Erinnerung.

    Auch wenn ich mich lieber an die Ursprünge zurück erinnere.


    Damals ... war ich noch stolzer Besitzer eines Palm IIIXe und Palm V.


    Inwieweit das PalmOS in WebOS aufging, nachdem HP die Firma Palm übernommen hatte, bin ich mir gar nicht sicher.

    Im ersten WebOS konnte man aber noch die PalmOS-Programme ausführen, obwohl eine neue Hardware eingeführt wurde.


    Schade, das HP das WebOs eigentlich nie wirklich weiterentwicklte.