Hat man alle benötigten Utensilien zusammen, kann es losgehen. Wer noch nie einen Lötkolben in der Hand hatte, sollte erst mal ein wenig üben. Am einfachsten geht das am klassischen "Lötbrett": Man schlägt 20 Nägel so in ein Holzbrett, dass man einen blanken Draht im 5x5 Gittermuster (ca. 2 cm Maschenbreite) darüber spannen kann und verlötet die Drähte an den Kreuzungspunkten. Wer anschließend glaubt, dass er schon prima löten kann, versucht das ganze dann noch mal mit altem oxidierten Kupferdraht.
Beim Löten selbst kommt es nicht nur darauf an, irgendwie geschmolzenes Lot auf die Lötstelle zu bringen; das Lot muss auch eine stabile Verbindung mit den zu verbindenden Teilen eingehen können. Da dies, wie eingangs geschildert, durch Legierungsbildung geschieht, muss die Lötstelle beim Löten über die Schmelztemperatur des Lotes erhitzt werden, was ein wenig Vorbereitung benötigt. Im einfachsten Fall haben die zu verbindenden Teile bereits mechanischen Kontakt: Drähte können miteinander verdrillt werden, und die Beinchen von Bauteilen kann man an der Lötstelle auf der Platine ein wenig abbiegen, damit sie nicht verrutschen (dabei sollte man es aber nicht übertreiben, da sich die Bauteile später sonst nur schwer wieder auslöten lassen, wenn es mal erforderlich sein sollte). Kann man vor dem Löten keinen direkten Kontakt herstellen, z.B. beim Anlöten von Drähten an Steckverbindern, dann sollte man die zu verbindenden Teile vorher verzinnen. Beim Steckerbeispiel verzinnt man das abisolierte Drahtende und lässt ein wenig Lötzinn in den Lötkelch des Steckverbinders fließen.
Anschließend wird die Lötstelle mit dem Lötkolben auf die Arbeitstemperatur gebracht. Hat die Lötspitze die richtige Temperatur, so ist das nach ca. 2 bis 3 Sekunden der Fall. Dann wird das Lötzinn zugeführt, dass im Optimalfall sofort in die Lötstelle fließt. Nach weiteren 2 bis 3 Sekunden sollte sich das Lötzinn verteilt haben, worauf man erst den Lötdraht und anschließend die Lötspitze vorsichtig von der Lötstelle entfernt, die dann wieder abkühlt. Während dieser Zeit darf die Lötstelle keinerlei Erschütterungen ausgesetzt sein, da es sonst nicht zur gewünschten Legierung kommt und keine sichere Verbindung entsteht. Eine saubere Lötstelle glänzt nach dem Abkühlen silbrig. Das Lötzinn sollte während des Lötens keinen direkten Kontakt zur Lötspitze haben, sondern nur mit der Lötstelle, denn nur so kann man sicher sein, dass man nicht nur geschmolzenes Lötzinn auf die Lötstelle packt, sondern wirklich lötet. Die Lötspitze selbst muss allerdings verzinnt sein, denn erst das flüssige Zinn ermöglicht einen guten Wärmeübergang zwischen Lötspitze und Lötstelle. Da sich überschüssiges Lötzinn nur schwer wieder von der Lötstelle entfernen lässt, sollte man hier sparsam sein und der Lötstelle nur so viel Lötzinn zuführen, wie zur Herstellung der Verbindung nötig ist. Dicke Lötzinnbatzer verbessern die Verlötung nicht!
Wurde die Lötstelle nicht genügend erwärmt, dann kann das Zinn nicht ordentlich in die Verbindung fließen. Durch seine Oberflächenspannung zieht sich das flüssige Zinn zu einem Kügelchen zusammen, das dann irgendwo am Bauteil hängt, und die Lötstelle muss noch einmal nachgearbeitet werden. (Bei einer guten Lötung sorgt die Oberflächenspannung dagegen für den richtigen Kontakt: Man kann richtig sehen, wie sich das flüssige Zinn wie von selbst um die Lötstelle zieht.) Eine zu geringe Temperatur kommt dann vor, wenn der Lötkolben nicht genügend Leistung hat um die Lötstelle innerhalb einer kurzen Zeit zu erwärmen. Das ist z.B. dann der Fall, wenn größere Metallteile für einen schnellen Abfluss der Wärme sorgen. Bei Platinen sind das vor allem die größeren Kupferflächen für die Versorgungsspannung und Masseführung. In diesem Fall kann man die für das Löten verwendete Zeit ein wenig ausdehnen, muss dabei aber aufpassen, dass man es nicht übertreibt. Durch zu langes Erhitzen können sowohl das Bauteil als auch die Platine beschädigt werden. Besitzer einer temperaturgeregelten Lötstation sind hier fein raus, denn sie können einfach die Temperatur der Lötspitze ein wenig hochdrehen, wenn die ohnehin schon höhere Heizleistung des Lötkolbens nicht ausreichen sollte. Für die weiteren Lötpunkte sollte man die Temperatur dann aber wieder zurücknehmen, da eine heiße Lötspitze das Zinn auch schneller oxidieren lässt. Die Lötstellen werden dann matt und lassen sich somit nicht mehr anhand ihres Aussehens von einer schlechten Lötstelle unterscheiden.
Es versteht sich von selbst, dass die zu lötenden Teile metallisch rein sein müssen. Etwaige Verunreinigungen kann man vorher mit Alkohol entfernen. Für hartnäckigere Oxidschichten, etwa auf blanken Kupferplatinen, bietet der Handel spezielle Produkte an (Polibloc), aber Sidolin Metallpolitur tut's auch.
Wenn man bedrahtete Bauteile verbaut, stellt sich auch meist die Frage, wann man die meistens viel zu langen Drähte von Widerständen und Kondensatoren kürzt: Vor oder nach dem Einlöten. Schneidet man die Drähte erst nach dem Löten ab, dann setzt man die Lötstelle einer mechanischen Belastung aus. Kürzt man sie vorher, dann lässt sich das Bauteil nur schlecht in der Platine fixieren, und man kann sich natürlich auch immer verschätzen und die Drähte zu kurz schneiden...
Wie bereits erwähnt, sollte man die Flussmittelrückstände an den Lötstellen nach dem Löten entfernen. Das geht man einfachsten mit 99%igem Isopropanol aus der Apotheke und einem Borstenpinsel. Wenn man ausschließlich waschdichte Bauteile verbaut hat, also keine Relais, Potentiometer u.ä., dann kann man das Isopropanol auch 2-3 mm hoch in eine flache Schale gießen und die Platine darin erst einmal einweichen. Anschließend spült man die Platine mit Wasser ab und befreit sie so - falls nötig in mehreren Durchgängen - von allen Rückständen. Wer nicht gerade in einem Gebiet mit Wasserhärtegrad 0 wohnt, sollte dann aber zumindest beim letzten Abspülen entmineralisiertes Wasser aus dem Kanister verwenden, denn Kalkflecken machen sich auf einer Platine nicht besonders gut. Vor dem ersten Einsatz muss die Platine dann selbstverständlich erst einmal gründlich trocknen.
Abschließend noch ein paar Worte zur Warnung: Eine Lötspitze ist extrem heiß. Gegenstände, die diese Temperaturen nicht vertragen, werden durch Berührung mit der Lötspitze beschädigt oder zerstört, wozu auch die Haut des Bastlers gehört. Ebenso darf man die Temperatur in der Umgebung der Lötstelle nicht unterschätzen. Beim Umgang mit dem Lötkolben besteht auch Brandgefahr. Das Lötgerät sollte im eingeschalteten und heißen Zustand in keinem Fall unbeaufsichtigt bleiben. Das im Lötzinn enthaltene Blei ist gesundheitsgefährdend. Nach dem hantieren mit Lötdraht sollte man sich also gründlich die Hände reinigen, und wegen des beim Löten auftretenden "Lötrauchs" sollte man für eine gute Belüftung des Arbeitsplatzes sorgen.
Mit der nötigen Umsicht und ein wenig Geduld kommt man schnell zu den ersten Erfolgen. Löten ist nicht schwer!